Erinnerungen 3

07. Juni 2020

 

Heute vor 50 Jahren

Die Schwarzenbach-Initiative:

 

Gegen das Fremde –

Der lange Schatten des James Schwarzenbach

 

"Vor genau 50 Jahren, am 7. Juni 1970, fand in der Schweiz die Abstimmung über die sogenannte Schwarzenbach-Initiative statt (diese wurde einigermassen knapp abgelehnt, von den Männern, denn die Frauen durften damals noch nicht an die Urne). In Sachen Ausländerfeindlichkeit war die Schweiz politische Avantgarde, denn erstmals überhaupt kam es in Europa mit dem Schlagwort der «Überfremdung» zu einem solchen politischen Vorstoss. Dieser verlangte, dass mehrere hundertausend Gastarbeiter, vor allem Italiener, die Schweiz zu verlassen hätten."

Beat Bieri hat damals den Schriftsteller Peter Bichsel für den Schwarzenbach-Film interviewt. Bichsel bringt das Problem in 40 Sekundebn auf den Punkt. Siehe ds kurze Video links.

Dokumentarfilmer Beat Bieri hat 2014 ifür die Sendung "DOK" des Schweizer Fernsehens den Film "Gegen das Fremde - der lange Schatten des James Schwarzenbach" gestaltet. Dazu schreibt der Autor:

Es lohnt sich den Film nochmals anzusehen. Ein halbes Jahrhundert des Hasses auf alles Fremde. Die Geschichte wiederholt sich. Ein Lehrstück menschli-cher Angst. Die Protagonisten und der Ton haben sich dem Zeitgeist angepasst. Das Ziel ist das gleiche. "Begrenzungsinitiative" nennt sich die die neueste Version des x-ten Urnengangs in gleicher Sache. Statt Probleme zu lösen, werden Menschen zu Unmenschen gestempelt.


29. Juni 2020

 

Bilder der Erinnerung an
Kurt Matthys, Kameramann

gestorben am 21. Juni 2020

 

Fortsetzung

Viele der rund 150 Beiträge von «Vernissage» – Ausstellungen und Atelier-Besuche - hast du ins Bild gebracht. Originalton gab es damals unseren Beiträgen wenig, Interviews versuchte ich zu vermeiden, Bilder sollten sprechen, meist nachträglich von Musik untermalt. Und das Schlüsselerlebnis?

 

Sol LeWitt's structures  - Ausstellug Henry Moore Institut (Foto: Susan Crowe)
Sol LeWitt's structures - Ausstellug Henry Moore Institut (Foto: Susan Crowe)

«Minimal Art» war damals eine neue - aus Amerika kommende – Kunst-Strömung. Wir standen in der Galerie-Bischofberger in Zürich: Minimal Art. Ich glaube es war Sol LeWitt, der hier ausgestellt hat. Jedenfalls standen da «weisse Kühlschränke» wie du dich spontan ausgedrückt hast. «Was soll ich da filmen???» Keine Farbe, eine strenge, einfach Form, viel Leere. Meine Beschwichtigungen, dies sei halt eine der neuen Kunstformen und bereits – vor allem dem Ruf des Künstlers geschuldet – sehr, sehr teuer. Natürlich hast du trotzdem gefilmt und der Beitrag ist – wie so viele andern mit deinen von dir aufgenommenen und (formal) in Bildsprache umgesetzten Bildern über den Sender gegangen. Von da an – wann immer wir miteinander gearbeitet haben oder uns auch nur in der

Kurt Matthy 1994 (Screenshot)
Kurt Matthy 1994 (Screenshot)

Kantine oder im Gang getroffen haben, sprachen wir von den «Kühlschränken» in der Kunst. Und es entwickelte sich – oft auch nur ein kurzes Gespräch – über Bild und Form, über Inhalt und Wert – über Reproduktion und Original, über Sehen und Erleben… Jedenfalls blieb ich fortan für dich der «Kühlschranklieferant» und du wurdest immer mehr zu meinem Bildgewissen in Form eines guten Freundes. Bis hinein in die letzten Berufsjahre, als wir uns kaum mehr gesehen und gesprochen haben. Jetzt bist du tot. Die «Kühlschränke» sind in der Erinnerung noch da und voll von Bildern und Bilderfahrungen. Ich werde versuchen – zu unserem Abschied – jene «Vernissage» mit den «Kühlschränken» im SRF-Archiv aufzuspüren. In der Erinnerung bleiben sie – wie du als Mensch – da, natürlich gefüllt mit Bildern.