In eigener Sache... (Kolumne).  Zweiter Teil ab Dezember 2017

Zum ersten Teil der Kolumnen "In eigener Sache)
(Sie erscheint in Abständen von ca. zehn Tagen auf der Frontpage der Website)

26. Juni 2020

 

In eigener Sache:

 

Schon immer

von Peter Züllig

 

Die wohl am häufigsten gestellte Interviewfrage: „Wie sind Sie dazu gekommen…?“ Und die noch häufigere Antwort: „Ich habe (war, konnte, machte, interessierte mich…) schon immer für…!“ Ja, dieses gern und rasch zitierte „Schon immer“ scheint eine ganz knifflige Frage im nu zu klären. Warum tut man etwas ganz Bestimmtes (vielleicht sogar Ausgefallenes),? Und – warum hat man dafür gar eine besondere Leidenschaft entwickelt hat? Vielleicht ist die Frage, wenn man ihr auf den Grund geht, schwierig, viel zu schwierig zu beantworten: Neigung, Gewohnheit, Faszination, Zufall…? Meist versteckt sich dahinter – bewusst oder unbewusst - ein ganzer Lebensentwurf. Und den kann (oder will) man nicht so gerne der Öffentlichkeit preisgeben. Also, die stereotype Verlegenheits-Antwort „Schon-immer“ auf eine stereotype (aber interessante) Frage: Warum man für dies oder jenes eine besondere Begeisterung entwickelt hat. Warum man für dies oder jenes so viel Zeit (Lebenszeit!) oder Energie oder Geld oder Aufwand mobilisieren kann? Es lohnt sich, der Frage einmal nachzugehen, warum man – oft sogar verbissen, über längere oder lange Zeit – ein Interesse, eine Leidenschaft entwickelt hat, ein «Freak» geworden ist. Gedanken - in eigener Sache - eines Sammlerfreaks.

Die bisher hier veröffentlichten Kolumnen

18. Juni 2020

 

In eigener Sache:

 

Sprachkosmetik

von Peter Züllig

 

 

Die süssen Mohrenköpfe haben (nicht zum ersten Mal) einen bitteren Kampf ausgelöst. Den Kampf um die richtigen Worte, den richtigen Sprachgebrauch. Tatsächlich liegt in der Sprache ein gutes Stück Zeitgeist, formuliertes Denken. Nur, die Sprache ist viel träger, undifferenzierter als das Denken, aber auch viel beständiger und nachhaltiger. Elemente der Sprache stehen auch für Gefühle, für Wertvorstellungen, für vieles, was nicht gesagt wird. Nicht verwunderlich, dass so auch Sprache schnell zum Steigbügelhalter oder zum Prügelknaben mutiert. Man denkt an ein bestimmtes Verhalten, einen Zustand, eine ungerechte Sache und kämpft verbissen um Wörter. Nicht etwa um Worte, vielmehr um einzelne Wörter, losgelöst von Inhalt, Tradition und Sprachverständnis. Der Feind ist in der Sprache, nicht im eigenen Denken und Verhalten. Der Feind lauert draussen, überall. Man ist empört über Zustände, pocht auf Veränderungen, verlangt menschenwürdigeres Verhalten. Es wären Taten angebracht. Zum Beispiel anderes Verhalten in vielen alltäglichen Dingen, auch wenn es wehtut; bewusstes  Mitentscheiden bei politischen Fragen, an der Urne; Handeln, auf Grund des Gemeinwohls und nicht von wirtschaftlichen Vorteilen bestimmt; umweltfreundliches Konsumieren… Da ist es doch viel bequemer, Schuldige in Wörtern zu suchen und sie zu verbannen. Kosmetik funktioniert auch in der Sprache.

Die bisher hier veröffentlichten Kolumnen

09. Juni 2020

 

In eigener Sache:

 

Hände waschen in Unschuld

von Peter Züllig

 

Die Wirtschaft ist verdammt zum Erfolg, auch auf Kosten der Menschen und der Umwelt. Es gibt tausend Gründe, die Augen zu schliessen und die Hände in Unschuld zu waschen. Umso undurchsichtiger und verzweigter internationale Konzerne operieren sind, desto leichter lasst sich Verantwortung abschieben. Dies gilt bei den Steuern (Flucht in Steuerparadiese), genauso wie bei der Produktion. In Entwicklungs- und Schwellenländern gibt es wenigere gesetzliche Einschränkungen, kleinere Löhne und Unmengen von Schlupflöchern bezüglich Menschenrechte und Umweltbelastung. Seit knapp drei Jahren verlangt eine Initiative mehr Verantwortung der Konzerne. Das übliche Politspiel beginnt. Sie wird verwässert, es werden Zähne gezogen, es wird lobbyiert, bis schliesslich ein handzahmer Text – als Gegenvorschlag zur Initiative – zur Abstimmung kommen wird. Frage an den christlichen Ständerat Beat Rieder: «Sind sie der verlängerte Arm der Wirtschaft?» Antwort: «Nein, der verlängerte Arm der Vernunft.» Diese «Vernunft» heisst wohl, Millionen von der Wirtschaft in eine Werbekampagne buttern, damit sich die alleinrichtige «Vernunft» der Wirtschaft durchsetzen kann, gegen Raubbau an Menschen und Umwelt. Schon Pilatus hat vor rund 2'000 Jahren diese Taktik beherrscht und seine Hände gewaschen: «Ich bin am Blut dieses Menschen nicht schuldig. Die Verantwortung dafür tragt ihr!» (Matthäus 27,24)

Die bisher hier veröffentlichten Kolumnen

23. Mai 2020

 

In eigener Sache:

 

Berge versetzen

von Peter Züllig

 

Bekanntlich versetzt der Glaube Berge, kann er aber auch ein tödliches Virus besiegen? Glaubensfrage! Die einen vertrauen auf einen überlieferten Glauben, andere auf die Heilkraft der Natur, auf medizinische Wunder oder die Stärke kapitalistischer Ordnung. So ganz einfach ist es nicht mehr, nur «zu glauben». In jeder Glaubensbotschaft gibt es Führer, aber auch Verführer. Nichts lässt sich für Machtansprüche so gut nutzen wie der Glaube. So geschehen im christlichen Abendland, während Jahrhunderten, bis die sogenannte «Aufklärung» (18. Jahrhundert) vieles gründlich in Frage stellte. Auch den Anspruch der traditionellen christlichen Kirchen. Resultat: Kirchen entleeren sich. Es ist meist nicht der «christliche Glauben», der kritisch (oder gar ketzerisch) hinterfragt wird. Es sind eher die Traditionen, der Anspruch auf Wahrheit, das Machtgehabe und die zunehmende Orientierungslosigkeit traditioneller Kirchen, welche Menschen zu anderen Heilsbotschaften treiben. So kämpfen jetzt die Kirchen – «die Kirche muss nicht länger artig sein» - Seite an Seite mit Corona-Leugnern, Verschwörungsgläubigen, Freiheitsfetischisten, Autoritätsgestörte, politische Dauernörglern auch für die Wiedereröffnung der Kirchen. Und wenn sie offen sind, wie immer in all die Jahren zuvor, werden sie hereinströmen in Scharen und Gott danken, dass er ihnen idie Äengst genommen hat.

13. Mai 2020

 

In eigener Sache:

 

Corona Refrain

von Peter Züllig

 

Das Lied war nicht ein «Ständchen» vor meinem Fenster. Es waren Reime, die anonym in meinem Briefkasten lagen. Knittelreime zum Thema Corona. So grob, wirr und plakativ, wie Werbung eben sein kann, nur viel dümmer: «…eingesperrt in grossen Städten, sollen wir verarmt verrecken», ist da zu lesen. Oder: «…sind gefallen unsere Bürgerrechte, erwarten uns die dunklen Mächte…» Und wer ist schuld daran? Natürlich die vereinten Bösewichte, Somaruga, Merkel, Bill Gates, die WHO… Man muss nicht einmal klug-, sondern einfach nur denken, um den Song dort zu deponieren, wo durch ähnlichen Denkmangel das WC-Papier überquellt. Läge da nicht, am gleichen Tag, in meinem elektronischen Briefkasten – nicht anonym – der verzweifelte Schrei einer Bekannten: «Meine Freundin ist, nicht vorbelastet durch Krankheiten, dreissig jährig, an Corona gestorben.» Ich erspare die nun folgende Schilderung, ziehe einfach nur Bilanz:  1’564 registrierte Corona-Tote in der Schweiz, 286'000 weltweit. Ob diese Statistik richtig ist, drüber zu Streiten ist müssig – den Kranken kann nicht mehr geholfen werden, sie sind schon tot. Ob sie ohne Corona auch gestorben wären? Sicher, irgendwann, früher oder später. Hoffentlich friedlich und nicht an Schläuchen, ruhig gestellt mit Morphium. Sterben müssen ja alle, auch die Verfasser und Verbreiter von krusen Ungereimtheiten. Vorher dürfen sie sogar – Bürgerrechte – gegen ihren eigenen Schutz und ihre eigene Sicherheit öffentlich demonstrieren.

03. Mai 2020

 

In eigener Sache:

 

Tote zählen

von Peter Züllig