Theater im Hof

2019

11. Juni 2019

 

Bubikon:

 

«Uf de lätze Siite»

Theater im Ritterhaus in Bubikon (ZH)

Gedanken zur Aufführung

Vor zwei Jahren hat die Theatergruppe «Theater im Hof» mit dem «Schacher Sepp» neu Fahrt aufgenommen. Weg vom bisher gepflegten historischen Belehrungsstück, das meist die Geschichte des Ritterhauses (einer ehemaligen Kommende des Johanniterordens) oder der Gemeinde Bubikon zum Thema hatte; hin zum Volkstheater, das vor dem Aufkommen von Film und Fernsehen in vielen Vereinen und Gemeinden eine lange 

Tradition hatte. Eine Tradition, die leider in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer mehr aufgegeben wurde und fast schon verschwunden ist. Heute sind es vor allem Theatervereine, welche dieses Kulturgut immer noch pflegen und am Leben erhalten. Nicht ganz einfach, inmitten der Konkurrenz von hoch subventionierten professionellen,Bühnen (vor allem in den Städten), den zahlreichen sommerlichen Freilichtaufführungen meist mit Millionenbudget und vor allem dem allgegenwärtigen und beliebig abrufbaren Streaming am Computer (z.B. «Netflix»).Es ist schwierig, volkstümliche Stücke zu finden, die sich nicht auf Klamauk beschränken, auch von Laien spielbar sind und nicht allzu viel Staub angesetzt haben. Mit «Uf de lätze Site» hat man in den Fundus der (auch schon fast vergessenen) Schweizer Literatur des vergangenen Jahrhunderts gegriffen: «Begräbnis eines Schirmflickers» von Meinrad Inglin, eine kurze Erzählung (etwa 10 Buchseiten), die 

in zwei Schweizer-Gemeinden – Hinterau und Vorderau – spielt. Ein Schelmenstück mit viel Schlaumeierei und List, so wie sie noch heute (zwar in anderer Form und mit anderen Protagonisten) fast überall und immer wieder anzutreffen sind. Auch in den Gemeinden Bubikon und Grüningen. Allerdings – musste man - auf einer Tafel am Eingang zum Theater bereits den Begriff «Fecker» erklären, denn solche "Fecker", die als "Schirmflicker" und "Korbflicker* schnapsend von Wirtschaft zu Wirtschaft, von Dorf zu Dorf ziehen, gibt es nicht mehr. Schon damals nicht, als Meinrad Inglin  die Geschichte zum ersten Mal 1957 .

 

veröffentlicht hat. Allerdings hat der Schweizer Filmemacher Xavier Koller unter dem Titel «Das gefrorene Herz» die Geschichte der beiden Fecker in filmischer Form neu erzählt. Wie schon bei Meinrad Inglin ist es auch bei Xavier Koller ein bitterkalter, eisiger Winter, was beim Film zum doppelsinnigen Titel "Das gefrorene Herz" führte. Jetzt, hat man in der Theater-Neufassung auf winterliche Stimmung und bisherige Titel verzichtet und der Erzählung nochmals einen neuen Namen gegeben: «Uf de lätze Siite». und man hat - wie schon in Xavier Kollers Film - neue Elemente zugefügt, die bei Inglin zwar in dieser Geschichte nicht vorkommen – aber in .anderen Erzählung von Inglin zu finden sind.

Zum Beispiel die «Rosi», die den Schirmflicker antreibt, so rasch wie möglich nach Bubikon zu kommen, oder die Reinigung (mehr ein Schruppen) im kalten Wasser, oder der Dorftrottel, der so etwas wie den «reine Tor» verkörpert. Die Adaption der Geschichte der beiden Fahrenden - angelehnt an Inglin, mehr aber noch an Koller - ist trotz fehlendem Winter, durchaus stimmig und geglückt. Bubikon ist so mit "Uf de lätze Siite" zu einer Uraufführung gekommen, zwar im alten, fast schon historischen Gewand, aber in Form eines Volkstheaters, wie es noch immer verstanden wird und auch Vergnügen bereitet. Die Inszenierung ist gekonnter und vielfältiger geworden; nicht lauter, im Gegenteil: leiser, und immer wieder anregend zum Sinnieren, ja zum Schweigen. Eine der besten Szenen ist leise, ja stumm: und gipfelt im Mienenspiel des Korbflickers beim Erfinden eines Testaments, mit dem der

Dorfpfarrer und die beiden Gemeinden geprellt werden.
Auch der Dorftrottel, der fast alle Szenen begleitet (und sie so indirekt kommentiert) wird fein und berührend dargestellt. Eine Glanzleistung, wie man sie im Volkstheater nur selten sieht. Auch Musik ist da und dort eingeflossen, nicht dick aufgetragen, vielmehr in den Handlungsstrang eingeführt und ihn  vertiefend, dort wo Worte banal und hohl wären. Das Ganze lebt von der Freude am Spiel, von einer nie überbordenden, eher verinnerlichten Spiellust. Allzu lange Gänge werden vermieden, trotz den Distanzen zwischen den einzelnen Schauplätzen. Die Szenen wurden vielmehr flashartig – und in sich geschlossen – zu einer stimmigen Story zusammengeführt. Man spürt den Willen – trotz Heiterkeit – auch die Tiefe vor zu führen, zum Sinn der Geschichte, auch wenn es nur ein Schelmenstück ist, und scheinbar weit ab von heutiger Realität. Eine beachtliche Leistung für ein Laientheater und ein "Unterhaltungsabend" der vergnüglichen Art.                                                 .                                 Peter Züllig

30. Mai 2019

 

Bubikon:

 

«Uf de lätze Siite»
Vorschau

Aus dem Appenzeller Kalender (1983) Auszug aus dem gleichnamigen Buch im Suhrkamp Verlag (1980)
Aus dem Appenzeller Kalender (1983) Auszug aus dem gleichnamigen Buch im Suhrkamp Verlag (1980)

Die Theatergruppe "Theater im Hof" macht weiter. Nach dem Erfolg mit "De Schacher Sepp" wagt man sich nun an ein gutes Stück Schweizerliteratur. "Uf de lätze Siite" ist eine Adaption der Erzählung "Das Begräbnis eines Schirmflickers" von  Meinrad Inglin, erstmals erschienen 1958. Regisseur und Drehbuchautor Xavier Koller hat dann aus Inglins Kurz-erzählung 1979 den Film "Das gefrorene Herz" Herz" gemacht. Zum Theaterstück dramatisiert, wurde es auch oft auf Laien-bühnen (es gibt leider immer weniger davon) aufgeführt. Zum Beispiel 2009 in Lenggenwil (SG) und 2015 in Bremgarten (AG) im Kellertheater. Die Theatergruppe in Bubikon hat das Stück in ihrer eigenen Fassung aus dem eisigen Winter gelöst, die Geschichte ins Zürcher Oberland verlegt und ihm einen neuen Titel verpasst: "Uf de lätze Siite". Premiere ist am 14. Juni 2019, 19.30 Uhr (Uraufführung). 

Zur Geschichte des Theaters im Hof

Zum Inhalt:

"Ein Schirmflicker und ein Korber begegnen sich. Trotz Regen und sumpfigen Gelände will der Schirmflicker in der Nacht noch unbedingt Bubikon erreichen. Der Korber übernachtet in einem Heugaden. Am nächsten Morgen findet er den Schirmflicker tot – genau auf der Grenze von Bubikon und Grüningen. Um seinem Kollegen ein anständiges Begräbnis zu verschaffen, meldet er den Todesfall beim Gemeindepräsidenten. Doch der findet keinen Gefallen an dem „unliebsamen Gast“ und schleppt den Toten auf das Gebiet der Nachbargemeinde. Die Behörden beider Orte wollen sich um die Begräbniskosten drücken. Doch der pfiffige Saufkumpan des Toten überlistet die Dorf-bewohner und schlägt Kapital aus deren Geiz."

Hier der Urtext (1958) von Meinrad Inglin

2017

Nach neune Vorstellungen genessen jetzt auch die Laienschauspieler die Sommerferien. Die nächste Theatersaison beginnt schon im nächsten Jahr, mit der Vorbereitung für die Aufführungen im Juni 2019. Die Schlusbilanz: "Besucherrekord

Nachdem das Theater im Hof im 2014 schon fast vor dem Aus schien, gelang mit der Neuausrichtung als Verein und mit einem neuen Theaterkonzept eindrucksvoll die Wende. Mit 1350 Zuschauern übertraf die diesjährige Spielzeit den bisherigen Besucherrekord aus dem Jahr 2013 um fast 40 Prozent."

25. Juni 2017

 

Freiluft-Aufführung im Ritterhaus in Bubikon:

 

"De Schacher Sepp"

 

Theater-Aufführungen im Hof des Ritterhausees Bubikon haben lange Tradition. Man versuchte immer wieder - vor allem in vor- oder frühtelivisionärer Zeit - die Geschichte der Johanniter-Kommende aus dem 12. Jahrhundert und ihre Verknüpfung mit  dem Lokalgeschehen im Theater darzustellen.

Jetzt ist es - nach einer Denk- und Neuorganisations-Pause doch weitergegangen. Und wie...  Die Bilder der ersten Vorstellungen sind die besten Zeugen. Hier ein paar Kostproben. Eine ausführliche Dia-Show mit 99 Bildern hier

14. Juli 2017

 

Echo:

Theater im Hof im Ritterhaus Bubikon


                                  "De Schacher Sepp"

 

Mitteilung als Eingesandt in der Regionalpresse:

Besucherrekord

Mit dem Schacher Sepp im 7. Himmel

 

Das Laientheater, ein wichtiger Bestandteil unserer Volkskultur, hat es schwer. Nicht nur in der Stadt, auch auf dem Land, wo Dorfvereine auch Träger des gesellschaftlichen Lebens sind, hat es vielerorts ausgedient. Keine Chance mehr gegen Fernsehen, Sport Internet, und hoch subventionierte, hoch professionelle Spielstätten? Das Theater im Hof aus Bubikon hält erfolgreich dagegen. Nachdem das Theater im Hof im 2014 schon fast vor dem Aus schien, gelang mit der Neuausrichtung als Verein und mit einem neuen Theaterkonzept eindrucksvoll die Wende. Mit 1350 Zuschauern übertraf die diesjährige Spielzeit den bisherigen Besucherrekord aus dem Jahr 2013 um fast 40 Prozent.

 

Der aus dem Schweizer Fernsehen bekannte Reporter und Redaktor Peter Züllig schreibt auf seiner Website: „Es gibt sie noch; Menschen, die gerne einmal für kurze Zeit in eine andere Rolle schlüpfen und dafür Lob, Bewunderung und Anerkennung ernten. Die das mühsame Lernen von Texten und das langwierige Proben auf sich nehmen, um im Spiel die Welt zu erfahren. Das "Theater im Hof" ist dafür ein hervorragender Beweis. Das Stück „De Schacher Sepp" hat funktioniert. Es wird eine Geschichte erzählt, die im Volksempfinden verankert ist. Nein, sie wird nicht erzählt, erklärt, erarbeitet, dargestellt - sie wird lustvoll gelebt“.

 

Ensemblechef Herbert Kessler: „Die Entscheidung für das Volkstück 'De Schacher Sepp' war goldrichtig. Da kam mit vielen neuen und jungen Akteuren unglaublich viel Spielfreude auf. In Gedanken sind wir bereits schon am Vorbereiten der nächsten Spielzeit im übernächsten Jahr. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist mitzuwirken, kann sich gerne bei uns melden“.

25. Juni 2017

 

Theater im Hof 2017:

 

De Schacher Sepp

 

Die Theatertradition im Ritterhaus wurde im Jubiläumsjahr 1992 wieder aufgenommen mit einem historischen Festspiel von Reinhart Spörri (Gründer des "Theater Kanton Zürich") Damals waren rund 80 Laiendarsteller und viele Dorfvereine aktiv beteiligt. Daraus entwickelte sich - acht Jahre später - das "Theater im Hof", welches fortan in unregelmässigen Abständen (meist alle zwei Jahre) ein für das dieses Theater verfasstes historische Lehrstück aufführte. 

Damit aber war 2015 aber Schluss. Die Laien-Schauspieler aus dem Dorf waren älter geworden und auch der Lokalhistoriker und Stückschreiber mochte nicht mehr. 
Dem "Theater im Hof" drohte der Schnauf auszugehen.

Hier die Bilder der ersten Aufführungen des Vereins "Theater im Hof". im Ritterhaus Bubikon.

De Schacher Sepp (Dia-Show mit 99 Bildern)

Die Bilder sind hier einzeln zu betrachten und können auch heruntergeladen werden

Ein neu gegründeter Verein hat die Tradition wieder aufgegriffen und etwas Neues gestaltet. Kein  historische Lehrstück mehr,  ein munteres Spiel ohne unmittelbarer Bezug zur historischen Stätte, ein Theaterunternehmen von Leuten, die Lust haben, Theater zu spielen. Ein Lusspiel, zum Beispiel, wie dieses Jahr., den "Schacher Seppeli"

Diie verbleibenden Spieldaten:

 

Donnerstag, 29. Juni 2017                                      Donnerstag 06. Juli 2017

Freitag, 30 Juni 2017                                               Freitag, 07. Juli 2017

Samstag, 01. Juli 2017 (ausverkauft)                   Samstag, 08. Juli 2017

Sonntag 02. Juli 2017 (nur um 16.00 Uhr)          jeweils um: 19.30 Uhr

 

Hier mehr Informationen 

Gedanken zur Aufführung "De Schacher Sepp"

 

von Peter Züllig

 

Das Laientheater, ein wichtiger Bestandteil unserer Volkskultur, hat es schwer. Nicht nur in der Stadt, auch auf dem Land, wo Dorfvereine - von der Musikgesellschaft bis zur freiwilligen Feuerwehr -  auch Träger des gesellschaftlichen Lebens sind. Das "Chränzli" mit obligater Theateraufführung von Vereinsmitglieder hat längst ausgedient. Keine Chance mehr gegen Fernsehen, Sport Internet, und hoch subventionierte, hoch professionelle Spielstätte

Und doch, es gibt sie noch: Menschen, die gerne einmal für kurze Zeit in eine andere Rolle schlüpfen und dafür Lob, Bewunderung und Anerkennung ernten, die das mühsame Lernen von Texten und das langwierige Proben auf sich nehmen, um im Spiel die Welt zu erfahren.

Das "Theater im Hof" ist dafür ein hervorragender Beweis. Warum? Hier zeigt sich die Freude, ja die Lust am Spielen un zwar so, wie ich sie bei Laienteatern nur nur selten, oder noch nie gesehen haben. Jede Szene, jeder Auftritt sprüht von Lust und Freude, von Spass und Eifer. Dies - so glaube ich - ist das Geheimnis des guten "Theäterlens". Da wird eine jede Rolle nicht im Kopf (mit Hilfe der Regie) entwickelt und auf die Bühne gebracht. Hier werden Rollen gelebt, als wären es keine Rollen. 

Nicht der "Chrampf" für kurze Zeit in der Öffentlichkeit etwas sein zu müssen, oder sein zu dürfen, was man in der Realität nicht ist, dominiert, sondern die Lust und Freude am Spiel.

Man spiel nicht um dem Publikum etwas zu zeigen oder es gar zu belehren, sondern weil man gerne spielt, einmal etwas anderes sein kann, sein darf, was man immer mehr den professionellen (gelernten) "Rollenschlüpfer" überlässt. Die Laien, so meint man, können da nicht mithalten.

Das müssen sie auch nicht. Sie müssen nur ihre Begeisterung, ihr Theatererleben, ihre Lust am Spiel, ihr Kokettieren mit Rollen über die Rampe bringen und es funktioniert.

"De Schacher Seppli" vo Buebike funktioniert. Es wird eine Geschichte erzählt, die im Volksempfinden verankert ist. Nein, wie wird nicht erzählt, erklärt, erarbeitet., dargestellt. Sie wird lustvoll gelebt.

Die Schlussszenen verraten es.

Nicht Erleichterung bei den Darstellern ist spürbar, die Erleichterung es geschafft, nichts (oder wenig) falsch gemacht und eine Leistung vollbracht zu haben. Vielmehr herrscht Freude, Spielfreude, es klingt weiter die Lust am Spiel, die Lust am Rollentausch, die Freude für einmal nicht auf der Bühne der Welt stehen zu müssen, sondern auf der Bühne eines Theaters. 

Darin liegt wohl der Erfolg dieser stimmungsvollen Laienbühne. Es sind keine Laien, die gespielt haben, vielmehr spielfreudige Menschen - jung und alt - , die eine Geschichte leben, die lachen, tanzen, "chiflen", schimpfen, schummeln... als wären sie zuhause,

Das ist gutes Theater. Theater das zu erleben ist, von den Spielern genau so wie vom Publikum.

Noch eine Anmerkung. Leider wurde die schönste, stimmigste Pointe verpasst. War es Angst vor dem eigene Mut, vor zu viel Sentimentalität oder die Rücksicht auf Gefühle? Am Schluss hätte nochmals das Lied "De Schacher Seppeli" erklingen müssen, gesungen von allen (der Text lag ja vor), dem Publikum, den Spielern und all den vielen Helfern. Ein gravierender Regiefehler. . 

24. Juni 2017

 

Pressestimmen und
wichtige Links:

 

Hier das Echo auf das Spiel und die Neukonzeption des "Theaters im Hof". Wird laufend ergänzt.

 

Regio (Zürcher Oberländer) vom 22. Juni 2017
als PDF herunterzuladen.

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Vorschau und Interview in der Gemeindezeitung zum herunterladen
170606_GZ_Interview.pdf
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