Ueli Götsch

09. November 2017

 

Gestorben:

 

Ueli Götsch (1925-1917)
Ehemaliger Abteilungsleiter Fernsehen (DRS)

 

Eine persönliche Würdigung

Ueli Götsch war mein Chef. Nicht sehr lange, etwa zwei Jahre, als er Abteilungs leiter war und ich die Sendung "DRSaktuell" (heute:"CHaktuell) leitete. Aus dieser Zeit stammt meine Achtung für den Menschen und Vorgesetzten Ueli Götsch.

Als wir uns das letzte Mal persönlich begegnet sind, an einem Pensionierten-treffen im Leutschenbach, da habe ich es ihm gesagt: "Sie waren der beste Chef, den ich in meinen vielen Berufsjahren am Fernsehen erlebt habe." Er war erstaunt, hat mich fast ungläubig angesehen, sich dann aber wohl gefreut. Erwartet hat er es sicher nicht. Wir hatten - beruflich - eine strube Zeit. Es waren die Jugendunruhen, als Zürich brannte. Es war die Zeit, in der wir fast täglich berichten mussten, von einer Bewegung, die viele Wunden geschlagen hat. Wir konnten vieles, eigentlich alles, nur falsch machen in unserer journalistischen Funktion als Berichterstatter. Wir, mein Chef und ich, waren oft unterschiedlicher Meinung, haben unterschiedlich be- oder gewertet. Jeder Satz, jedes Bild, jedes Interview war politisch brisant.

Da habe ich gelernt, was ein guter Chef ist. In der internen Kommunikation und Auseinandersetzung hart - aber fair. Wenn ein Entscheid einmal gefallen ist, dann aber stand er hin und hat den gefällten Entscheid (Beitrag oder die Sendung) nach aussen verteidigt, durch dick und dünn. Nicht Wankelmütig nach aussen, hingegen kritisch und hart nach innen. Es waren nie "die Anderen", welche eben schlecht recherchiert, kommuniziert, verantwortet haben. Er veränderte vielleicht die Abläufe, die Kontrollen... doch er stand zu dem, wofür er die Verantwortung zu tragen hatte (auch wenn er persönlich oder inhaltlich anderer Ansicht war). Das war für mich Ueli Götsch, der Chef und der Mensch. Für diese Erfahrung werde ich ihm immer dankbar sein, auch über seinen Tod hinaus.