Bordeaux 2017 (Subskription)

16. Mai 2018

 

 

Das Bordeaux-Jahr 2017

 

Es verläuft Jahr für Jahr etwa gleich. Die ersten Botschaften – nach der ersten Jahrgangspräsentation um die Osterzeit – vielversprechend, meist geprägt von unendlichem Lob. Diesmal überschlagen sich die Bordeaux-Hymnen nicht. Master of Wine; Paul Liversedge: «Der Jahrgang schwankt stärker als in den Jahren zuvor» (Aargauer Zeitung). Und der andere Master of Wine, Philippe Schwander: «Unbestritten waren 2016 und 2015 zwei ausgezeichnete Jahrgänge im Bordelais. 2017 hingegen wird als das Jahr des ­grossen Frosts in die Geschichte eingehen» (NZZ). Realistisch sieht dies auch der spezialisierten Bordeaux-Händler: «2017 Bordeaux wird den Winzern auf ewig als der Jahrgang mit dem Frost Ende April in Erinnerung bleiben. Vor allem die Top-Terroirs wurden wenig beeinträchtigt. Mehr die tieferen Lagen. Dort saß der Frost und sorgte bei vielen Weingütern für beträchtliche Einbußen bis hin zu Totalausfall.» (Michael Grimm, Bacchus Vinothek).

(Foto: P.Züllig, Sammlerfreak)
(Foto: P.Züllig, Sammlerfreak)

Dann aber dringt sie doch durch, die Jahres-Hymne: «Die Qualitäten sind hervorragend und zum Teil vergleichbar mit 2015 und 2016, aber die Mengen sind leider limitiert» (Max Gerstl). Business as usual. Dass die Bordeaux-Preise nicht fallen, muss ja begründet werden. Kein schlechter Jahrgang, aber sehr rar. Rarität rechtfertigt hohe Preise (getreu: Angebot und Nachfrage). «Die besten Weine des Bordeaux-Jahres 2017 präsentieren sich nun mit einer spürbaren Frische und sanften, unaufdringlichen Tanninen.». Auch als klassisch werden sie bezeichnet, als Rückkehr zum einstigen Stil, der Bordeaux so berühmt gemacht hat. Die Parker-Euphorie sei vorüber – zurück zu den Wurzeln. Wie immer man es auch werten mag: Es ist – für einmal – kein Jahrgang, «den man haben muss». Alles hängt von den Preisen ab: «Ein klassischer Jahrgang, den ich in Abhängigkeit von den noch ausstehenden Preisen sehr empfehlen kann. Und wie sehr, hängt extrem von denselben ab.» (Grimm) 

(Foto: P.Züllig, Sammlerfreak)
(Foto: P.Züllig, Sammlerfreak)

Mein Lieblingsbordeaux, Tertre-Rôtebeuf, - bis vor einigen Jahren noch ein «Geheimtipp» - kostet in der Subskription um die 160 Franken. In den beiden «besseren» Vorjahren waren es – wenn überhaupt – etwa zehn Franken mehr. Von Preissenkung also keine Spur. Begründung: Das Weingut blieb weitgehend vom Frost verschont. Irgendeine Begründung – ob stichhaltig (wie hier) oder auch nicht – ist immer zu finden. Hauptsache: die Luxuspreise können gehalten werden. Mehr noch: der Ausfall an der Erntemenge (Frost im Frühjahr) muss ja irgendwie kompensiert werden, sei es durch saftige Preise.  Der Punktesegen der - für den wirtschaftlichen Erfolg massgebenden – Weinkritikern wurde bereits ausgeschüttet: Bei Parkers-Nachfolge (Parker/Lisa Perrotti-Brown) sind es für Mouton-Rothschild immerhin 97-99 Punkte (von Hundert), bei «Decanter» allemal 96 Punkte. Die Preise für die Premier Crus (und vergleichbaren Weinen) stehen noch aus.

 

Fortsetzung folgt