Fernsehen (Kurzanalysen - Gestaltung - Dramaturgie)

29. September 2017

 

Gesehen: DOK am Donnerstag

 

Verschleiert
                         Arabische Touristen in der Schweiz

                                   Ein Film von Marianne Kägi

Erste Ausstrahlung: Donnerstag, 28. September 2017, 20:05 Uhr, SRF 1

Wiederholung: Freitag, 29. September 2017, 11.15 Uhr, SRF 1

 

Fortsetzung des Beitrags auf der Fromtüage:

 

Da plätscherten Beispiele vorbei, es wurden Touristenorte abgerufen, Fakten aufgezählt, Meinungen eingeholt (ohne jegliches «Fleisch am Knochen»), zu einem Ausflug ins nahe Ausland (Österreich) aufgebrochen, fremde Stars präsentiert und die Wichtigkeit arabischer Touristen für die Schweiz betont, die Wirkung der Werbung für die Schweiz mit nackten Zahlen belegt… Das alles mag richtig sein, aber einen Film – gar ein DOK-Film gibt das nicht.

Es fehlen die Menschen, es fehlen die Emotionen, es fehlt vor allem jegliche Entwicklung. Ich wiederhole: es wird nicht erzählt. Storytelling heisst das Ding, vielleicht wird dies besser verstanden, wenn man es deutsch sagt: Geschichten erzählen! Das Handwerk dazu, muss aus den Gesetzmässigkeiten der Wahrnehmung, der Handlungsablaufs, des Spannungsverlaufs, des Erlebens abgeleitet und filmisch umgesetzt werden, und zwar im Verbund von Bild, Ton und Text. Darin liegt die Stärke des guten Dokumentarfilms und die Schwächen erkennt man beim schlechten.

Es genügt nicht, dass ein Thema auf der politischen Agenda steht. Es genügt nicht, wenn man Recherchen verfilmt. Es genügt nicht, in kurzatmiger Schnittfolge durch Szenen zu zappen, die gar keine Szenen sind (weil sie clippig aneinandergereiht wurden). Man muss nicht nur etwas zu sagen, sondern auch zu erzählen haben. Es braucht eine Botschaft (nicht zu verwechseln mit einer Meinung), die beharrlich, von verschiedenen Seiten beleuchtet und entwickelt wird. Auch wenn es „altmödisch“ tönt: es braucht eine Fragestellung, eine zielgerichtete Orientierung, eine Entwicklungsphase und schliesslich einen Höhepunkt. Man nennt dies Dramaturgie. Und die fehlte über weite Strecken, nicht nur in der Form des Erzählens, auch - oder vor allem - im Schnitt (Montage)) und leider auch bei der Kameraführung. 

Peter Züllig