Theater

23. September 2018

 

Operettenbühne Hombrechtikon:

 

Der Vogelhändler

 

Aufführung 2018

Auch eine "Dorfbühne" kommt heute nicht mehr ohne Sponsoring, intensive Werbe-Aufwand, hohe Professionalität und meist auch gewisse Privilegien (Hilfen und Vergünstigen) von Seiten der öffentlichen Hand. 

Es ist mehr als "Dorfkultur", was seit 25 Jahren jeden Herbst in Hombrechtikon (ZH) stattfindet. Die Operettenbühne. Sie ist ein Stück lebendiges Kulturgut, das sich - etwas abseits der hoch subventionierten Theaterkultur - erhalten hat, trotz Fern-sehen, DVD. Internet, Gamewelt... Zwar ist es nicht die Jugend, die hier auftaucht doch eher ältere Semester, die in Erinnerung schwelgen. Die keine grossen Namen brauchen, um ein Stück Musikkultur zu erleben.  

Seit die Operette (quasi die leichte, beschwingte Form der Oper) weitgehend aus den grossen Musiktheatern, den Opern, verbannt wurde, lebt sie vor allem mit Laienchören - verstärkt mit professionellen Kräften - weiter. Das durchaus kritische Publikum hat inzwischen recht hohe Ansprüche und Erwartungen auch an "Halblaien-Theater". Im Verein. Um den Anforderungen genügen zu können, haben sich 14 Bühnen in der Musiktheater-Vereinigung zusammengeschlossen (darunter auch Bühnen aus dem Vorarlberg und Fürstentum Liechtenstein). Die aktivsten und bekanntesten unter ihnen: Arth, Balzers, Bremgarten, Fricktaler Bühne, Möriken Wildegg, Bremgarten, Sirnach, Sursee, Vorarlberg, Root. und natürlich Hombrechtikon

Direkte Subventionen gibt es in der Regel nicht. Dadurch entstehen ordentliche Kosten; Solisten, Musiker, aber auch Bühnenbild, Kostüme, Maske etc. Vieles ist - in der Ausführung - ehrenamtlich von den Vereinsmitgliedern zu leisten, in vielen Dingen braucht es aber professionelle Hilfe, die bezahlt werden muss. Andererseits können die Eintrittspreise nicht beliebig erhöht werden. Das Theater bleibt in der Regel ein Lokal- oder Regional-Ereignis. So auch die Operettenbühne in Hombrechtikon. 

Die Operette als eigene Kunstform entstand in der Mitte des
19. Jahrhunderts in Paris. Einer der berühmtesten Operetten-Komponisten war Jacques Offenbach ("Die schöne Helena, 2009 in Hombrechtikon gespielt). Die klassische französische Operette wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch die "Wiener Operette" abgelöst oder überflügelt: Johann Strauss (Zigeunerbaron, 2017 in Hombrechtikon gespielt), Franz von Suppé (Boccaccio 2012 in Hombrechtikon, oder Carl Millöcker (Der Bettelstundent, 2006 in Hombrechtikon). Dazu gehört auch der Vogelhändler von Carl Zeller, der dieses Jahr in Hombrechtikon zu sehen ist.

Zur Aufführung
Natürlich ist es vor allem die leichte, fröhliche, beschwingte Musik, welche noch heute das Stück trägt.  Evergreens wie "Die Christel von der Post" (Andrea Suter), "Schenkt man sich Rosen im Tirol" (Cecukua Berglund und Daniel Zihlmann) oder " „Wie mein Ahnl zwanzig Jahr“ (Daniel Zihlmann) entwickeln sich als musikalische "Wiedersehwen" eingebettet in eine etwas verstaubte Handlung. Die Regie (Bettina Dieterle) hat einige hervorragende Einfälle - ohne jeglichen Modernisierungseifer, Schliesslich stellt doch der Laienchor einen strahlenden Höhepunkt der Aufführung dar. Kaum zu glauben, wie präzis und erlebnisnah das Ensemble vom musikalischen Leiter (Caspar Dechmann) geformt werden kann. Die Aufführung muss sich wirklich nicht verstecken.