Theater

19. April 2019

 

Circus Musical

von Rolf Knie

 

Zirkus lebt vom Staunen, von den berühmten "Kinderaugen", von der Anerkennung artistischer Leistung, genau so wie vom Glitzer und der unvorstellbaren "Fallhöhe". Im Zirkus wird jeder Trick zur Wirklichkeit.

Zirkus wird gerne Mal mit der Märchen-welt verglichen. Der Ort, wo die Phantasie zur Realität werden kann und darf. Dies zeigt das Musical immer wieder, in so vielen kleinen und grösseren Szenen. Zum Beispiel, wenn eine Artistin ohne Oberkörper und Kopf die Szene durchquert, oder wenn ein Mensch sich plötzlich in Luft auflöst, oder ein Klavier fliegen kann... Die Musik ist zwar 

einprägsam und ein bisschen brav, die Texte der Songs sind einfache Schüttelreime, doch die Stimmung ist märchenhaft fantastisch. Song aus Finale 1: "Fühlst du dich allein? Das kann doch nicht sein. Da hilft dir nur unser Clown. Mit Witz, Schirm, Scharm und Melone, schauen sie doch nicht wie eine Zitrone...."

Was das Musical auszeichnet, das ist das Tempo in und mit der die Geschichte der Familie Knie aufgerollt wird. Genau so, wie es eben im Zirkus zu-und-her-geht. Inmitten von Lichterorgien, Illusionen, Wandlungen und Überraschungen. 

Bücher: 100 Jahre Zirkus Knie von Thomas Renggli im Weltbildverlag und Offizielles Jubiläumsbuch der Familie Knie

23. September 2018

 

Operettenbühne Hombrechtikon:

 

Der Vogelhändler

 

Aufführung 2018

Auch eine "Dorfbühne" kommt heute nicht mehr ohne Sponsoring, intensive Werbe-Aufwand, hohe Professionalität und meist auch gewisse Privilegien (Hilfen und Vergünstigen) von Seiten der öffentlichen Hand. 

Es ist mehr als "Dorfkultur", was seit 25 Jahren jeden Herbst in Hombrechtikon (ZH) stattfindet. Die Operettenbühne. Sie ist ein Stück lebendiges Kulturgut, das sich - etwas abseits der hoch subventionierten Theaterkultur - erhalten hat, trotz Fern-sehen, DVD. Internet, Gamewelt... Zwar ist es nicht die Jugend, die hier auftaucht doch eher ältere Semester, die in Erinnerung schwelgen. Die keine grossen Namen brauchen, um ein Stück Musikkultur zu erleben.  

Seit die Operette (quasi die leichte, beschwingte Form der Oper) weitgehend aus den grossen Musiktheatern, den Opern, verbannt wurde, lebt sie vor allem mit Laienchören - verstärkt mit professionellen Kräften - weiter. Das durchaus kritische Publikum hat inzwischen recht hohe Ansprüche und Erwartungen auch an "Halblaien-Theater". Im Verein. Um den Anforderungen genügen zu können, haben sich 14 Bühnen in der Musiktheater-Vereinigung zusammengeschlossen (darunter auch Bühnen aus dem Vorarlberg und Fürstentum Liechtenstein). Die aktivsten und bekanntesten unter ihnen: Arth, Balzers, Bremgarten, Fricktaler Bühne, Möriken Wildegg, Bremgarten, Sirnach, Sursee, Vorarlberg, Root. und natürlich Hombrechtikon

Direkte Subventionen gibt es in der Regel nicht. Dadurch entstehen ordentliche Kosten; Solisten, Musiker, aber auch Bühnenbild, Kostüme, Maske etc. Vieles ist - in der Ausführung - ehrenamtlich von den Vereinsmitgliedern zu leisten, in vielen Dingen braucht es aber professionelle Hilfe, die bezahlt werden muss. Andererseits können die Eintrittspreise nicht beliebig erhöht werden. Das Theater bleibt in der Regel ein Lokal- oder Regional-Ereignis. So auch die Operettenbühne in Hombrechtikon. 

Die Operette als eigene Kunstform entstand in der Mitte des
19. Jahrhunderts in Paris. Einer der berühmtesten Operetten-Komponisten war Jacques Offenbach ("Die schöne Helena, 2009 in Hombrechtikon gespielt). Die klassische französische Operette wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch die "Wiener Operette" abgelöst oder überflügelt: Johann Strauss (Zigeunerbaron, 2017 in Hombrechtikon gespielt), Franz von Suppé (Boccaccio 2012 in Hombrechtikon, oder Carl Millöcker (Der Bettelstundent, 2006 in Hombrechtikon). Dazu gehört auch der Vogelhändler von Carl Zeller, der dieses Jahr in Hombrechtikon zu sehen ist.

Zur Aufführung
Natürlich ist es vor allem die leichte, fröhliche, beschwingte Musik, welche noch heute das Stück trägt.  Evergreens wie "Die Christel von der Post" (Andrea Suter), "Schenkt man sich Rosen im Tirol" (Cecukua Berglund und Daniel Zihlmann) oder " „Wie mein Ahnl zwanzig Jahr“ (Daniel Zihlmann) entwickeln sich als musikalische "Wiedersehwen" eingebettet in eine etwas verstaubte Handlung. Die Regie (Bettina Dieterle) hat einige hervorragende Einfälle - ohne jeglichen Modernisierungseifer, Schliesslich stellt doch der Laienchor einen strahlenden Höhepunkt der Aufführung dar. Kaum zu glauben, wie präzis und erlebnisnah das Ensemble vom musikalischen Leiter (Caspar Dechmann) geformt werden kann. Die Aufführung muss sich wirklich nicht verstecken.