Schwarzenberger Krippenfiguren:

Maria mit Kind und Josef (Schweiz)

Da die Figuren relativ gross sind (30, 50 und 70 cm) fanden sie bisher keinen Platz in meiner grossen Kleinkrippensammlung. Sie sprengen ganz einfach die selbstdefinierten Vorgaben für meine Sammlung. Trotzdem: Dieses Element schweizerischer Krippentradition darf nicht fehlen. Und so stehen Maria und Josef jetzt fast etwas verloren inmitten der vielen Klein- und Kleinstfiguren.

Ursprünglich waren es biblische Erzählfiguren zur Darstellung biblischer Geschichten, die sich bald einmal in die Krippentradition einfügten. Die Figuren haben keine Gesichter, ihre Glieder lassen sich (mehr oder weniger leicht) bewegen, sie tragen Stoffgewänder und drücken ihre Gefühle und ihre Handlungen einzig durch ihre Körpersprache aus.

Die Tradition mit diesen beweglichen Figuren entstand in der Schweiz und ist erst rund 50 Jahre alt.Die Ordens-schwester Anita Derungs (Sr. Anita) war Erzieherin im Kloster Ilanz und bastelte die ersten Figuren aus Materialien, wie sie in jedem Haushalt aufzutreiben waren: verschiedene Drähte, Holz, Hartschaum für die Köpfe, Stoffreste etc. Die Gestalten dienten im Religionsunterricht zur Visualisierung biblischer Geschichten.Die Idee der beweglichen Krippenfiguren 

gelangte von Ilanz ins „Haus der Mütter“ (heute Bildungszentrum Matt) auf dem Schwarzenberg (Luzern). Hier wurden im Herbst 1964 die ersten Bastelkurse zur Herstellung organisiert. Seither werden sie Schwarzenberg-Figuren genannt. Die junge Gestalterin Doris Egli kam damals in Kontakt mit den ersten „Figurenfrauen“ und entwickelte die Idee weiter, vor allem verbesserte sie das „Innenleben“ (Gestell) der Figuren entscheidend. Deshalb bezeichnet man sie oft auch als Egli-Figuren. Heute werden Gestelle für Schwarzenbergfiguren auch professionell hergestellt und vermarktet. Die Ausgestaltung bleibt aber noch immer dem Kunsthandwerk vorbehalten. Die ursprüngliche Tradition wurde also – bei allen Abweichungen – weitgehend bewahrt hat.

Die Herstellung von Schwarzenberg-Figuren wird noch heute weitgehend in Kursen gelehrt. Nur im ganz kleinen Rahmen werden sie auch seriell hergestellt und entsprechend vermarktet. Es sind vielmehr die Kurse, die von namhaften Gestalterinnen immer wieder angeboten und kommerzialisiert werden. Dies führt dazu, dass jede Schwarzenbergfigur noch immer so etwas wie ein Unikat darstellt, denn mit Ausnahme des Gestells (auch da gibt es verschiedene Varianten) tragen die Kursteilnehmerinnen (vor allem durch die verwendeten Stoffe) ihre eigenen Ideen und Vorstellungen in ihre Werke. Gute Schwarzenberg Figuren sind heute gesucht und stellen wohl eine der wenigen (fast) eigenständigen Krippentraditionen der Schweiz dar.