Erinnerungen: Roland Huber

So manchen Freund und Webegleiter - vor allem aus den vielen Jahren gemeinsamer Fernseharbeit - musste ich schon ziehen lasse. Immer wieder habe ich versucht ihnen ein kleines Denkmal zu setzten. In der Form halt, die ich glaube, einigermassen zu meistern: in Worten und mit Bildern. Doch kaum ein Tod hat mich so berührt, betroffen, getroffen, wie eben der von Roland Huber. Vielleicht, wei er das gelebt und verwirklicht hat was ich zeiitlebens anstrebe: das Erzählen. Wenn dies gelingt, entstehen so Geschichten. Im allerbesten Fall auch so etwas wie Geschichte. Aus diesem Grund widme ich Roli nicht nur einen Eintragin in der Rubrik "Erinnerungen*, sondern ein ein ganzes Kapitel (das noch nicht so rasch geschlossen wird)                                                    Peter Züllig

17. Juni 2018

 

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Offene Seite für alle, die Roland Huber gekannt und geschätzt haben.

Diese Website enthält wenig Möglichkeiten (und auch keine "Likes"), wo man seine Gedanken, Meinungen, Emotionen zu einem Beitrag spontan kundtun kann. Ich habe dies bewusst so eingerichtet, weil ich keinen "Lesebriefkrieg" (wie dies in vielen Blogs und in den Social Media) fast schon die Regel ist. Man kann zwar in der Rubrik "Echo" Bilder, Artkel und Texte übermitteln, die aber nicht zu einre Blogdiskussion führen. Hier möchte ich - weil ich einige Anfragen erhalten habe - eine Ausnahme machen. .
(Die Seite wird überprüft, redigiert und erst dann freigeschaltet)

Schlacht bei Marignano. Ort: Marignano
Schlacht bei Marignano. Ort: Marignano

21. Juli 2021

 

Matthias Gruic hat als Kameramann sehr oft intensiv mit
dem Geschichtenerzähler und Autor Roland Huber zusammengearbeitet. Viele seiner "Geschichten" ins Bild gesetzt. Er hat in einer ganz persönlichen Erinnerung ein wunderbares Porträt (diesmal in Worten) geschaffen, das ich hier einstellen darf, für alle, die Roland gekannt und geschätzt haben.

Mattias schreibt:

"....vielleicht ist es wichtiger zu wissen, woher wir kommen, als wohin wir gehen...  (Roland Huber)

Mein Freund, meine Vaterfigur, mein Mentor - dein Kameramann der all deine Kopfgeburten schon so oft in Bilder geformt hat, wie du es mir in all deinen wunderschönen, liebevollen Widmungen zu unserer tiefen Freundschaft offenbartest...
Nun hast du dich für den "Ruggeschwumm" entschieden...
Ciao Rolando"

Matthias Gruic, Kameramann
(Bild: printscreen SRF: "Newsmaker" 2013)


10. Juli 2021

 

Mein Freund, der Riese

von Christoph Müller

 

(Fortsetzung der Frontseite)

Doch auch aus heutiger Sicht muss man sagen: Huber und Müller waren rechte Anfänger. Als sie zum Beispiel 10‘000 Flugblätter drucken liessen, übersahen sie dass das Lager der Druckerei nicht wasserdicht war und der ganze schöne Propagandafeldzug schwamm den Bach hinunter. Schuld war angeblich Theo Bünzli, Politaktivist der 60er Jahre. Dies war der erste Auftritt von Roland Huber als Polit-Riese. Er sagte zu Bünzli: „Komm mal mit mir ins Büro“. Schon etwas eingeschüchtert trippelte Bünzli hinter Huber her und kam kreidebleich wieder hinaus. Ich habe nie erfahren was Huber mit Bünzli gemacht hatte. Wenn ich ihn fragte, dann lächelte er nur geheimnisvoll. Immerhin: Bünzli bezahlte den Schaden selbst.

 

Hubers Menagerie der grossen Tiere

Ja, er war so etwas wie ein Zauberer, der Roland. Gezaubert hat er auch mit den grossen Tieren, der Politik, zum Beispiel mit Bischof Haas, der ihm von seinen Begegnugen mit dem Teufel erzählte. Und so hatte Huber das geschafft:

Bischof Haas     ( CC BY-SA 4.0)
Bischof Haas ( CC BY-SA 4.0)

Er hatte herausgefunden, dass Haas genau drei Möglichkeiten hatte, um von seiner Residenz in den Dom zu gehen. Huber setzte seine zwei Kinder Anna und Jodok als Wachtposten ein und als der Bischof auftauchte, pfiff Jodok und das Schweizer Fernsehen stellte sich dem Bischof in den Weg. Ob das wirklich so war und ob Hubers Methoden immer SRG konform waren, bleibt offen. Auf jeden Fall kam er zum Ziel indem Bischof Haas den Reporter Huber mitnahm in den Vatikan. Und das war es, was Roland auszeichnete. Er war echt furchtlos. Er ging so nahe wie möglich an diese grossen Tiere der schweizerischen Politik heran. Er, der grosse kleine Huber aus Dietikon im Limmattal gegen die grossen kleinen Vertreter des Grosskapitals am Zürichsee.

Zur Menagerie gehörten nach Bischof Haas auch die Grössen der SVP, Walter Frey und die Familie Blocher. Die Filme über Christoph Blocher und Frau Silvia, über den Bruder Gerhard und natürlich Frau Martullo waren jene Geschichten, mit denen Huber selber Geschichte schrieb. Die Sprüche und Provokationen der Blocher-Familie, vor allem von Gerhard Blocher und Frau Martullo wurden zum Volksgut der Schweiz. „Mister Köppel you are a dreamer“ und „ins Bundeshaus muss einer dem Messer“.

Roland war nie ein analytischer Politjournalist. Was ihn interessierte waren Geschichten. Es waren Vorbilder wie Dürrenmatt, Bichsel, Brecht oder Ransmayer, die ihn vorwärtstrieben.

Ich erinnere mich an manchen Moment in einem Schneideraum, wo Huber seine Geschichten verteidigen musste, weil ihm wieder einmal die Fabulierlust ein Schnippchen geschlagen hatte.

Doch bei aller Zuneigung, den Roland gegenüber dem Rest der Menschheit hatte. Er war kein Kuscheljournalist. Im Gegenteil. Nur schon sein Schweigen war raumfüllend und krachend.

Mit dem gleichen Mut, mit dem er sich seinen Interviewpartnern stellte, kämpfte er gegen die Folgen seiner Zuckerkrankheit. Als er nicht mehr gut gehen konnte, sattelte er auf das Fahrrad um. Seinen Arbeitsweg bestritt er fortan mit dem Fahrrad. Morgens früh kam er vom Domleschg mit dem Fahrrad hierher auf die Ufenau.

Ich hatte das Privileg, Huber auf ein paar seiner Velotouren zu begleiten. Und wenn ich nun diese Kirche verlasse, so bin ich sicher, draussen steht irgendwo ein Fahrrad für mich bereit. Mit einem Marschbefehl für eine weitere Erkundung seiner geliebtverhassten Schweiz.

09. Juli 2021   

Roland Huber   (Bild:SRF)
Roland Huber (Bild:SRF)

07. Juni 2021

 

Roland Huber

Dokumentarfilmer

(1950-2021)

 

"Der bekannte SRF-Dokumentarfilmer Roland Huber ist nach längerer Krankheit in seinem 70. Lebensjahr verstorben. Dies meldet die NZZ am Sonntag. Huber war zweimal verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebte     
                                                   zuletzt im Kanton Graubünden.

Roland Huber als er zum Fernsehen kam
Roland Huber als er zum Fernsehen kam

Seine Dokumentarfilme über Christoph Blochers Bruder Gerhard mit dem Sac-messervergleich und über Magdalena Martullo-Blocher («The seven thinking steps», SRF-Reporter 2021) erhielten landesweite Beachtung. Im weiteren drehte Huber Dokus über Hildegard Schwaninger, Emilie Lieberherr, Walter Stürm, Werner Merzbacher aber auch über die Neat oder die Schwarze Madonna.Huber wurde 1950 in Dietikon geboren und lernte ursprünglich Schriftsetzer. Anschliessend absolvierte er eine Bildhauerassistenz in Italien und besuchte die Kunstgewerbeschule. Nach seinem journalistischen Einstieg als Produzent bei der damaligen Migros-Zeitung Tat wechselte er 1979 zum Schweizer Fernsehen, wo er sich dank seines unverkennbaren Erzählstils schon bald einen Namen machte".

So habe ich Roland Huber kennengelernt, vor gut 40 Jahren. Seine Postur, sein Gesicht, seine Gesten, seine Stimme alles Teile einer langen Erzählung. Der Erzählung von einem Menschen, der anderen Menschen begegnet, dies auch will und kann und es auch immer und immer wieder tut. In seinem Beruf, genauso wie im privaten Leben. Er kam zum Fernsehen, als ich gerade – mit Christoph Müller – das Regionalmagazin leitete, damals eine Reporterschmiede für den noch jungen Filmjournalismus. Da wollte er, der "Bild- und Erzähl-mensch", andocken, eine neue berufliche Heimat finden. Und er fand sie unglaublich rasch. Er machte aus seinen Beiträgen – auch wenn sie noch so kurz waren – immer auch Begegnungen. Begegnungen mit Menschen in ihrer ganz speziellen Situation. Diese Nähe und natürliche Betroffenheit – ohne plakative Anklagen, ohne euphorische Begeisterungsstürme und ohne jegliches Schielen auf Sensation – zeichneten seine Filme aus. Das Aussergewöhnliche war immer da, wurde aufgegriffen, verarbeitet, aber nicht hochgespielt, mehr präsentiert, als wäre es das Gewöhnliche. So muss eben die Welt sein, aussergewöhnlich gewöhnlich.

Schon eine seiner ersten grösseren filmischen Arbeiten «Feierabend», Bericht über die Schliessung der «Wagi» in Schlieren(1984), noch nicht vom Fernsehen produziert, aber von der DOK-Redaktion von SRF übernommen und ausgestrahlt, führte zu einem Wirbel in den Medien, eher vor dem Film, als nach dem Film. Allein die Tatsache, dass hier Betroffene – entlassene Arbeiterinnen und Arbeiter – zu Wort kamen, ernst genommen wurden, eine kleine nationale Bühne hatten, entfachte damals einen Protest-Sturm, eher

"Requiem auf mein Dorf" (1989) von Roland Huber (printscreen SRF)
"Requiem auf mein Dorf" (1989) von Roland Huber (printscreen SRF)

ein Stürmchen. Doch, so war es oft bei vielen seiner Dokumentarfilme, die seinem «Erstling» folgten. Sie berührten, erregten sogar (das Interesse und die Gemüter), nicht weil sie Sensationelles aufgriffen, sondern weil sie Leben erzählen konnten. Im Erzählen liegt die Stärke, die grosse Kraft seiner Arbeiten. Er hat Geschichten gesehen, ja hinter die Geschichte geleuchtet und sie erzählt, in Bildern, mit Tönen, in Gesprächen, in einem unaufgeregten Erzählfluss, der trotz filmischer Verkürzung, real, wirklichkeitsnah und logisch blieb. Dieses beim Mensch sein, vor allem bei den Menschen, die er in seine Filmen aufnahm, mit ihren Stärken und Schwächen, als Sonderlinge oder Helden, als Namenlose oder Bekannte, als Verkannte oder Berühmte war die Grundlage für den Erfolg und die Anerkennung seiner filmischen Werke.                                             Peter Züllig        

Hier das Kurzporträt auf der Website von SRF