In eigener Sache... (Kolumne). Dritter Teil ab Dezember 2020

18. Januar 2023

 

Wenn der Bock zum Gärtner wird

von Peter Züllig

 

Dies ist nicht nur eine geläufige Redewendung, viel öfter eine Scheinlösung für anstehende Probleme. Besonders häufig angewendet auf dem politischen Parkett. Nicht nur in der Schweiz. Da auch, immer wieder, in allen Gremien, bis in den Bundesrat. Doch für einmal ist der Bock ein Ausländer, Maire (Bürgermeister) einer grossen Gemeinde. Es ist einer dieser gewählten Mannen und Frauen, die bei öffentlichen Amtshandlungen die Trikolore-Schleife tragen, mit goldener Quaste, streng reglementiert von der rechten Schulter zur linken Seite, ein Symbol der Macht und Würde. Es geht in dieser Kolumne aber nicht um eine politische Ausrichtung: rechts, links, irgendwo dazwischen oder daneben. Es geht um die Verödung der Dorf- und Stadtzentren. Ein Phänomen, das immer mehr beunruhigt, erschreckt und längst die ganze Region erfasst hat. Als Folge einer Politik, die auf Wachstum und Grösse ausgerichtet ist. Da muss etwas geschehen, meinen jetzt auch die Politiker. Sie gründen – mithilfe des Staates – eine hochoffizielle Institution zur «Revitalisierung der Zentren in Gemeinden und Städten». Eingesetzt als Präsident ist – wohl von Amtes wegen – jener Bürgermeister, der die grösste Trikolore trägt, also am meisten Macht und Würde verkörpert und «sein» Stadtzentrum in seinen drei Amtsperioden tüchtig veröden liess. Das jüngste Vermächtnis seiner Wachstums-Politik (noch immer im Bau): gigantische Türme, Kolosse für Luxusappartements (zu kaufen ab 265`000 Euro, die bescheidensten, ohne Meersicht). Moderne Monster, die das Siedlungszentrum nicht nur überragen, sondern erdrücken und bald einmal überwuchern werden. Und der Bock steht da (zwar ohne Trikolore, im eleganten, smarten blauen Anzug). Jetzt ist er der Gärtner, der es zu richten hat.                                       (249)      

03. Januar 2023

 

Wau, wau!

von Peter Züllig

 

Ob Sonnenschein oder Regen, Wind und Wetter, Kälte und Hitze… sie sind immer mal unterwegs, meist gesittet, an kurzer Leine, am Wegrand. Dann aber – am Rand der Wiesen und Wälder – oft auf Trampelpfaden – werden sie losgelassen, damit sie das tun können, was sie eigentlich tun möchten, Hund sein. Die Autos ihrer Stiefeltern stehen – Tag für Tag – zu fast allen Zeiten – etwas abseits vom Verkehr, auf meist kleinen, unbenutzten Plätzchen, dort wo ein Fussweg abzweigt, oder die Strasse in weiser Voraussicht für späteren Ausbau, etwas breiter wird. Es sind Merkzeichen der Zivilisation – mitten in eher wenig begangenen Landschaften. Merkzeichen, die immer wieder Farbe und Form, Grösse und Statur ändern. Von der prächtigen Limousine bis zum bescheidenen Mini. Wenn es Kalt und Nass wird, die Äcker, Strässchen oder Wiesen aufgeweicht oder schmutzig sind, finden aufwändige Rituale statt, bis die Lieblinge – die wieder nach Hause gebracht werden müssen – möglichst sauber und trocken – verstaut sind, und zwar unter Berücksichtigung vorgegebenen Bestimmungen für die Verkehrssicherheit. Da auch ein Hund die Abwechslung liebt – so jedenfalls argumentieren ihre Stiefeltern – wechselt das Bild des lokalen Hundetourismus von Tag zu Tag: mal rot, mal blau, mal auffällig pink, mal in bescheiden dunklen Farben… Unregelmässig, aber in einem schlecht abzuschätzenden Rhythmus, wiederholen sich die Prozesse. Man kennt sie bald einmal, die fremden Kinder und ihre Stiefeltern. Und sei es nur am vertrauten täglichen Wau, Wau.               (248)         

17. Dezember 2022

 

Hallo Leben!

von Peter Züllig

 

Mit gedämpfter Heroldstimme vorgetragen, untermalt mit Musik, begleitet von triumphalen Bildern: «Momente für die Ewigkeit!» Keine theatralische Szene im Gottesdienst, keine Aufforderung die Augen zum Himmel zu erheben, kein Kommentar zu göttlicher Inspiration. Vielmehr finale Aussage in einem Werbespot am Fernsehen. Erst noch wiederholt, wiederholt, wiederholt in allen «kurzen Pausen» von sportlichen Leistungen. Da kann sich der nächste Spot nicht zurückhalten und empfiehlt, der Logik angepasst: «Vergiss das Schwitzen – geniesse das Leben!» Apropos Leben. Was soll man mit ihm tun? Natürlich: «Das Leben leben!» Höchste Zeit, es auch zu begrüssen: «Hallo Leben!» Nachgeschoben eine ultimative Selbsterkenntnis der Werber: «erfinden, erschaffen, um alles etwas besser zu machen». Ist das der «neue Alltag», den uns die Werbung verheisst? Da wird im nächsten Spot unverblümt verlangt; «Poste neue Flexibilität!» Aber wo soll ich sie «posten»? In den immer pathetischeren, hohleren, nichtssagenden Werbe-Slogans wohl kaum. Da geht es fast nur noch um das Grosse, das «Leben», um «Ewigkeit», um «lichte Höhen». «Hallo Inspiration!», «Hallo Verstand!               (247)           

09. Dezember 2022

 

Beamten

von Peter Züllig

 

Es gibt viele Witze zu sturen, trägen oder paragraphen-reitenden Beamten. Zu Recht, zu Unrecht? Folgendes Erlebnis gibt eine Antwort. Nicht die einzig mögliche, aber eine mit Hintergrund. Wir fahren in die Ferien, durch Frankreich, ans Mittelmeer. Nicht mit dem Auto, mit dem Zug. Dafür haben wir eine «Vorteilskarte» (zu 40 Franken pro Person), zusätzlich natürlich die Fahrkarten und Reservationen. Von Genf bis Valence (etwa halbe Strecke) werden wir nicht einmal kontrolliert. In Valence steigen wir um, auf den schnelleren TGV. Elektronische Kontrolle (QR-Code um auf den richtigen Bahnsteig zu gelangen). Da ist es passiert: Wir steigen in den falschen (ein paar Minuten früher fahrenden) Zug und landen in Avignon (statt in Montpellier). Ärgerlicher Zeitverlust. Denn auch von Avignon gibt es eine direkte Verbindung zu Zielort. Doch, jetzt brauchen wir nicht Computer, sondern einen leiblichen Beamten. Der Schalter ist – Samstagnachmittag – verweist (trotz vieler Wartenden vor verriegelter Tür). Ein Uniformierter (wohl Sicherheitsdienst) gibt uns aber Auskunft: «Aucun problème! Im Stadtbahnhof sind die Schalter geöffnet». Also nichts wie los: die eine Station vom Gare-TGV zum Hauptbahnhof (in der Tasche ein gültiges Billett ans Meer). Doch da erscheint erstmals ein Beamter (Kondukteur) und der sieht «beamtenrot». Vier Kilometer von Avignon nach Avignon mit falscher Fahrkarte! Das gibt eine Busse. 10 Euro pro Person. Und dies sei erst noch «gnädig"! In Avignon warten wir eine Stunde in der Schlange vor dem Schalter um das Problem zu regeln. «Aucun problème!». Natürlich ein neues Billett. Das kostet für die rund 350 Kilometer bis zum Zielort 12 Euro (mit Vorteilskarte!), also fast so viel wie die vier Kilometer von Avignon nach Avignon. Mit vier Stunden eigen verschuldeten Verspätung erreichen wir unser Ferienort. Was sticht mir da als Erstes ins Auge? Ein grosses Plakat: «Fünfundvierzig Prozent Rabatt auf jede Vorteilskarte. Profitieren Sie jetzt!» Ein einziger Beamter ist also fähig, eine grossangelegte Werbeaktion mit einem Schlag zunichtezumachen. Ganz einfach: indem er tüchtig beamtet.                              (246)           

16. November 2022

 

Ein Dorf verschwindet

von Peter Züllig

 

Es muss nicht alles so bleiben, wie es einmal war. Nicht weiter schlimm: Dann wird das Dorf halt eine Stadt. Denn ein Dorf «rentiert» - laut Politiker - schon lange nicht mehr. Die «Noch-nicht-Stadt» auch nicht. Das Dorf: nur ein unrentables Einwohner-Konglomerat, seine Einwohner eine Manövriermasse, vom «freien Markt» getrieben. Die gewählte Behörde denkt (zwar ungern) an Rettungs- und Abfederungsmassnahmen. Mehr nicht. Wo der Markt das Zepter schwingt, hat eine Behörde nichts zu suchen. Einzig, kurz vor den Wahlen, sieht es (zumindest auf dem Papier) anders aus. Da werden Einwohner (für ein paar Wahlkampfwochen) zu «Bürgern», mit einer Stimme. Doch der Untergang des Dorfs ist längst im Gang, markiert mit Rückzug, Schliessungen, mit «Outsourcing» (Ausgliederungen von Funktionen). Zuerst waren es die Dorfläden, der Metzger, die Bäcker, das Fachgeschäft für… Dann gingen Restaurants, eine Bankfiliale, das Café… Ein paar der entstandenen «Leerplätze» wurden zwar gefüllt und/oder in «rentablere» Betriebe umgestaltet. Jetzt ist auch die Post weg, die Kantonalbank, bald der Bahnschalter… Der Mensch, Bürger genannt, hat sich gefälligst an Automaten zu gewöhnen und an den wohl «mächtigsten» und gefügigsten Nachbarn, den Computer. Das Dorf versinkt allmählich in ihren Klicks und Klacks. Leben im Dorf braucht es nicht mehr. Sollte es noch ein paar Alte geben, ein paar Behinderte, ein paar Menschen ohne Autos, die auf Umwelt und Klima bedachte sind, ein paar Wirrköpfe, die sich sogar dem Smartphone verweigern, ein paar… Ihnen sei Trost: alle vier Jahre werden sie wahrgenommen und auch gleich wieder überstimmt, vom einzig gültigen Leitbild:
Rendite.                                                                                                           (245)         

23. Oktober 2022

 

Maske ab! Nachtrag

von Peter Züllig

 

Meine letzte Kolumne hat diesen Nachtrag ausgelöst. Ich erzähle vom Erlebnis meiner Nachbarn auf einer Zugfahrt von Deutschland (Bayern) in die Schweiz. In etwa die gleiche Durchsage – wie kürzlich in meinem Zug - am Lautsprecher: «Die Maskenpflicht ist aufgehoben, wir sind in der Schweiz.» Doch das scheint – zumindest der Kondukteurin - nicht zu genügen. Sie ist ganz in ihrem Berufs-Element: «Kontrolle». Nur, die Beamtin verwechselt Billette mit Masken. Eine Familie (mit zwei Kindern) im Abteil nebenan hat die Masken noch auf. Die eifrige Kontrolleurin: «Sie müssen die Maske abziehen, wir sind jetzt in der Schweiz!» Von «müssen» ist da wohl nicht die Rede, eher von «können» oder «dürfen». Beim nächsten Kontrollgang wird die übereifrige Uniformierte noch deutlicher: «Wir sind jetzt in der freien Schweiz! Ziehen Sie die Masken aus». (Ob sie «bitte» gesagt hat, weiss ich nicht). Doch die Familie behält die Maske an, «wir sind ja in der freien Schweiz». Weil im Bereich der Grenze der Zug mehrmals kurz nacheinander anhält, macht die eifrige Frau in Uniform bald darnach nochmals einen Kontrollgang. Jetzt ist ihr die (immer noch) maskentragende Familie ein echtes Ärgernis. Sie wird ausfällig: «Nun haben Sie die Masken immer noch an! Ziehen Sie diese ab! In der «freien Schweiz» brauchen wir das nicht! Die renitente Familie ist sprachlos. Ich bin es auch!         (244)

09. Oktober 2022

 

Maske ab!

von Peter Züllig

 

Wer Militärdienst geleistet hat, der kennt die unbeliebten Befehle: «Helm auf, Helm ab – Helm auf, Helm ab…!» Immer wieder geübt, weil lebenswichtig im Kriegsfall. Der Sinn ist allen klar: Es geht im Ernstfall um eine vorbeugende Schutzmassnahme, um Personenschutz. Nur, wann ist der «Notfall» auch da? Und: muss die Situation geübt werden? Bei Helmen ist die Einsicht weitgehend vorhanden, bei der Maske weit weniger, da muss auch nicht «geübt werden». Befehle seien fehl am Platz, hört man. «Individuelle Freiheit», wird angeführt, Eigenverantwortung, Zweifel an der Wirksamkeit… Auch ein Notfall kann es nicht sein. Es heulen keine Sirenen, es fällt nichts auf den Kopf, das verletzen oder gar töten könnte. Viren sind unsichtbar. Das Sich-schützen: reine Privatsache. Weil das mit der Eigenverantwortung – vor allem in Situationen, wo Menschen sich begegnen – nicht so richtig «klappen will», weil da die Meinungen auseinander gehen und eine unmittelbare Gefahr nicht sichtbar ist, wurden Bestimmungen, Gesetze, Verordnungen geschaffen, die in bestimmten Situationen und an definierten Orten das Maskentragen «befehlen». Nicht militärisch durchgesetzt und geprüft, eher der Vernunft und Einsicht überlassen. Auch der Verantwortung gegenüber dem (räumlich) Nächsten. In Deutschland – zum Beispiel – herrscht noch immer Maskenpflicht im Zug, im Bus, im Tram. In der Schweiz nicht mehr. Also tragen in Deutschland (fast) alle Reisenden eine Schutzmaske in den "Öffentlichen Verkehrsmitteln". Bei der grenzüberschreitenden Fahrt von Deutschland in die Schweiz eine Verkehrsdurchsage: «Wir sind jetzt in der Schweiz. Die Maskenpflicht ist aufgehoben.» Alle Reisenden – wirklich alle – reissen sich sofort die Maske vom Gesicht, weit schneller als Helme bei einer militärischen Übung. Es sieht so aus, als wären alle Insassen des Zugs von einer Tarantel gestochen, als hätte ein Offizier gebrüllt: «Maske ab!». Viren haben sich an bitte auch an Grenzbestimmungen zu halten!            (243)        

27. September 2022

 

Krise des Buchs

von Peter Züllig

 

Das Börsenblatt meldet: «Immer weniger Jugendliche lesen Bücher». Lehrer und Erzieher klagen: «Krise des Buchs». Das Bücherregal in der guten Stube, Visitenkarte des Bildungsbürgers, wurde längst verbannt. Bits und Bytes haben die Macht übernommen. Sie sind bequemer und verflüchtigen sich rascher. Und die, die sich professionell mit dem Buch befassen, jammern und rufen nach Subventionen für ihre Leistung als Gralshüter der Bildung. Sie tun so, als wären sie ewig jammernde Bauern. Beide, Bauern und Buchhändler sind zuständig für unsere Landesversorgung, die einen für die Bäuche, die andern für die Köpfe. Und sie sind gnadenlos. Bücher, zum Beispiel, sind im Ausland mehr als ein Drittel billiger. Warum? Das kann kaum jemand glaubwürdig begründen. Bauern und Buchhändler, sind geschützte Institutionen, quasi systemrelevant! Doch die Alltagserfahrung (und Wahrnehmung) ist eine andere: Buchhandlung im Bahnhof der grössten Stadt der Schweiz. Mein Anliegen: Kauf eines aktuellen Bestsellers von einem Schweizer Autor, herausgegeben in einem renommierten Verlag. Im Augenblick nicht auffindbar, nicht erhältlich. Immerhin werde ich von der netten Verkäuferin zur Konkurrenz geschickt. Ein anderes Beispiel: Bestellung bei einem Buchklub. Eher ein Aussenseiterbuch, aber durchaus aktuell und noch im Programm (Motto: x-Prozent günstiger!). Endlose Vertröstungen, bis – nach längerer Zeit – die Bestellung gestrichen wird. Begründung: nicht erhältlich. Also: Bestellung bei einem noch grösseren Internet-Anbieter. Zwei Tage später ist das Buch (per Post) da. Noch ein Beispiel. Situation in einer etwas kleineren – aber bekannten Buchhandlung – wo wir schon als Studenten Literatur gesucht und bezogen haben: «Der rote Diamant» von Thomas Hürlimann liegt natürlich auf. Doch die Verkäuferin ist so mürrisch und unfreundlich, dass ich daran bin, die Buchhandlung (ohne Kauf) zu verlassen. Alles nur Zufall? Oder vielleicht doch mit ein Grund für die viel zitierte «Krise des Buchs.»                                           (242)                      

13. September 2022

 

Hugh!

von Peter Züllig

 

»Uff! Uff! Uff!» -  Winnetou? Nein, SVP. Die «Jungen» der einstigen Bauernpartei, BGB (Bauern-, Gewerbe- und Bürger, gegründet 1936), blicken sehnsüchtig zum grossen «Manitou» der Schweiz, Christoph Blocher, der zwar nicht den «Apachen», sondern der serbelnden SVP (Nachfolgepartei der BGB, gegründet 1971) in den frühen 90er Jahren neues Leben eingehaucht hat. Die «Jungen» haben von ihm gelernt, wie man Kämpfe angehen und Feinde besiegt. Blocher ist zwar kein «Winnetou», der bei Karl May viel zu aufrichtig, zu edel, gar nicht hinterlistig und verschlagen ist. Schon eher Old Shatterhand, der Alleskönner, der Listige, der jede Spur richtig lesen und jeden Gegner mit der Faust besiegen kann. Heldenfiguren! Diese Verwandtschaft wird dokumentiert durch der Petition der «Jungen SVP»: «Rettet Winnetou». Eine Petition, lanciert von David Trachsel, dem Präsidenten der JSVP, geboren 1994, rund 30 Jahre nach dem Hype der Karl-May-Filme und fast 100 Jahre nach dem Höhepunkt der Bucherfolge des Schriftstellers.  Vielleicht haben die Youngster irgendwann eine Wiederholung der verstaubten Karl-May-Western gesehen, aber mit ziemlicher Sicherheit keines der Karl-May-Bücher gelesen. Doch auf die Kriegsspur sind sie rasch eingeschwenkt. Ginge es dabei um die Buch- und Filmwelt von Karl May, wären sie viel vorsichtiger, zurückhaltender und nicht so lautstark aufgetreten. Bei Karl May gibt es nämlich auch einen «Santer», einen «Rollins», einen «Oelprinzen» und Werke wie «Und Frieden auf Erden»… Da gibt es so manche Themen, die viel mehr mit der Heldenverehrung und der Politik der SVP zu tun haben. Viel mehr als der «Woke-Wahnsinn» den die JSVP gerade auf ihre Fahne geschrieben haben. Bewirtschaftung eines hochemotionalen Themas. Winnetou würde sagen: «Hugh!» ("Ich habe gesprochen»).                                                                           (241)                           

03. September 2022

 

In eigener Sache:

 

Lohnt sich nicht!

von Peter Züllig

 

Tischleuchte, Chrom, elegant, «modern style» – ein Weihnachtsgeschenk, meine Wunschleuchte, vor ein, zwei Jahren erhalten. Sie steht noch immer auf dem Tisch und wird gebraucht. Doch sie leuchtet nicht mehr. Die beiden Sparlämpchen – noch nicht LED – werden noch verkauft, sind aber schwierig einzusetzen. Es leuchtet das eine Mal rechts, das andere Mal links. Wohl ein «Wackelkontakt». Leuchte eingepackt, Fahrt zum Einkaufszentrum, wo sie – noch nicht vor allzu langer Zeit, gekauft worden ist. Früher gab es im Dorf (oder in der Nachbarschaft) noch ein Elektrogeschäft, jetzt muss man (mit dem Auto) zum Einkaufszentrum auf der einst grünen Wiese.  Im ersten Geschäft – einem bekannten Warenhaus – wo die Leuchte (gemäss der Erinnerung) erstanden wurde: «Diese Marke führen wir nicht». Immerhin – im Kundendiensts - ein Griff zum Katalog: «Die Leuchte wird im Geschäft XY angeboten. Gehen Sie dahin!» Es ist in der gleichen Einkaufsmeile. Wiederum zum Kundendienst, sofort die Frage: «Haben Sie eine Kaufquittung oder das Datum des Kaufs?» - «Nein, es war ein Geschenk» - «Wir reparieren nichts, tauschen nur aus, und das nur in der Garantiezeit.» - «Aber es handelt sich nur um einen «Wackelkontakt», sonst ist die Lampe noch vollwertig.» - «Kaufen Sie sich eine neue, sie sind ohnehin günstiger geworden und erst noch LED. Vorne links, zweites Regal rechts» Es bleibt nicht viel andere übrig, als mit einem neuen Modell heimzufahren. Das alte – viel schönere, weit teurere – bleibt zurück, zur Entsorgung. Wie lange können wir uns diese Wegwerfmentalität noch leisten? (240)                            

24. August 2022

 

In eigener Sache:

 

Smartphonie

von Peter Züllig

 

Menschen jeden Alters, die an dir vorbeigehen und sprechen, intensiv, leise, mit Betonung, ja mit Gefühl. Die selig lächeln, dich aber gar nicht sehen, die die Augen schliessen, verdrehen, den Mund verziehen, die Augen rollen, ein Wort oder eine Silbe betonen oder gar laut aussprechen, etwas rufen, aber grad wieder mäuschenstill sind, die ins Leere lauschen… Sie alle haben eine Geliebte, einen Geliebten, das Smartphone und – wenn es gut geht – einen Knopf oder gar zwei Knöpfe im Ohr. Sie gehen an dir vorbei, ohne dich wahrzunehmen, setzten sich auf einen freien Platz – vor- oder neben dich, überholen dich, überrennen dich, weil sie so konzentriert, ja fixiert auf etwa sind, das nicht zu sehen ist, was man nur erahnen, sich vorstellt kann: ein Partner, ein Geliebter, ein Kind, der Vater, die Mutter… Etwas, das unendlich viel Geduld hat, ständig in den Raum hört, dem Gesäusel, dem Flüstern lauscht, präsent ist und doch nicht da. Der, der da ist, benimmt sich, als hätte er einen Astralleib, der durchaus Platz beansprucht und Raum belegt. Es gibt auch jene, ins Gespräch getauchte, versunkene Menschen – meist älteren Jahrgangs – die kein weisses Ding im Ohr haben, etwas lauter reden, auch pausenlos den zufälligen Nachbarn signalisieren: da ist noch jemand, ein Anderer, eine Andere, eine Stimme, gedämpft zwar, aber hörbar. Sie nimmt Raum ein, immer mehr, man kann sie nicht abstellen, aussperren. Sie plätschert so dahin, ruft, schimpft, lispelt, interaktiv, mal der (oder die) eine, mal der/die andere. Unsichtbares, das da ist, aber nicht gesehen werden kann und Sichtbares, das gesehen werden kann, aber nicht da ist. Ein Leib, der sich Platz schafft, für sich und den Anderen, der nur eine Stimme hat, keinen Leib hat, nur die Form eines Smartphones!                    (239)                            

12. August 2022

 

In eigener Sache:

 

Choissisez la simplicité!

von Peter Züllig