02. Dezember 2017

 

Krippenfenster 2017

 

Das Krippenfenster gibt es nicht mehr. Die vielen die Häuser, Figuren und Gegenstände ruhen in rund 20 Bordeaux-Kisten im Keller. Die Sammlung ist nicht

                                                   aufgelöst, aber "eingemottet". Hier entsteht sie noch

                                                   einmal, aber rein virtuell.     

 

Auf dieser Seite der erste Teil (bis zur zwanzigsten Szene und Geschichte

Hier geht es zum zweiten Teil der virtuellen Krippe (ab dem 20. Tag bis zu Dreikönig)

 

20. Dezember 2017

 

Die Küche

 

Auf der traditionelle Speisekarte findet man einfache Gerichte, weil sich die Landbevölkerung früher nur Gemü-se und wenig Fleisch leisten konnte. Dazu gehören die Olivenpastete „Tapenade“ und die Knoblauch-mayonnaise „Aïoli“, die Gemüsesuppen wie „Aigo Boulido“ und „Soupe au Pistou“ (Suppe aus Bohnen, Gemüse und Nudeln. 

In der Menükarte findet man aber auch Fleisch- und Fischgerichte. Das bekannteste Fischgericht ist die Bouillabaisse aus Marseille, eine Fischsuppe, in die verschiedene Fischsorten gehören. Daneben findet man oft Kabeljau, Seezungenfilet, Lachs, Seebarsch und Seeteufel. 

Was auf dem Bild recht zu sehen ist: Aligot, Das ist das wohl schönste Kartof-felpüree, das man sich er-träumen kann, und es wird mit einer sündhaft großen Menge Butter und Käse gemacht. In der proven-zalischen Küche findet man vor allem frische Gemüse mit typisch provenzalischen Gewürzen (Herbes de Provence). Die frischen


Zutaten spielen in der Küche eine besondere Rolle (vor allem Tomaten, Zucchini, Auberginen,, Pilze, Knoblauch und Olivenöl). Kein Wunder, denn schließlich kommen diese aus der Umgebung ebenso wie Fisch, Lamm und Rind.

Die provenzalische Küche greift also auf ihre regionalen Produkte zurück und ist dabei abwechslungsreich,  Am bekanntesten ist sicherlich das Ratatouille.  Weiterlesen hier

In der Menükarte findet man aber auch Fleisch- und Fischgerichte. Das bekann-teste Fischgericht ist die Bouillabaisse aus Marseille, eine Fischsuppe, in die ver-schiedene Fischsorten gehören. Daneben findet man oft Kabeljau, Seezungenfilet, Lachs, Seebarsch und Seeteufel. Beim Fleisch greifen die Provenzalen vor allem auf Lammfleisch zurück, aber auch Kalbsfleisch und Geflügel. Rindfleisch wird meist als Ragout zubereitet. Die Gerichte – egal ob Fisch oder Fleisch – werden immer zusammen mit frischem Gemüse zubereitet. 

Aix-en-Provence ist berühmt für etwas Süßes: die Calissons d’Aix. Calissons sind keksartige Süßigkeiten, die wie ein Blütenblatt geformt sind und aus einem harten Teig mit Glasur bestehen. Der Teig wird aus gemahlenen Mandeln gemacht, kombiniert mit kandierten Früchten, und wird mit weißer Glasur verziert. 

Aufgrund der Nähe zum Mittelmeer werden alle Arten von frischem Fisch in vielen Gerichten verwendet. Zu guter Letzt erlaubt das milde Klima den Anbau von vielen Obstsorten und Gemüse das ganze Jahr über. 

 Natürlich nicht vergessen: ein Glas Pastis zum Aperitif mit dem Anisgeschmack.


19. Dezember 2017

 

Die Künstler

 

Auf seiner Reise in den Süden Frankreichs machte Vincent van Gogh (1888) in Arles Station und liess sich dort auf Dauer nieder. „Ich beginne ein Atelier einzurichten, das gleichzeitig den Gefährten dienen könnte, falls sie hierherkommen oder falls es hier Maler gibt.“ Es kam allerdings nur einer, Paul Gauguin, und die Gemeinschaft hielt auch nicht lange, sondern endete nach gut zwei Monaten im Streit. 

Die Ebene mit dem Maler – meine ich – ist in dieser Krippenlandschaft besonders gut gelungen. Ein echtes Stück Provence.

Es ist vor allem das Licht, welches Künstler immer wieder in den Süden zieht: Provence, Languedoc, Côte d’Azur, Collioure… Van Gogh, Cézanne, Renoir, Monet, Gauguin …, sie lebten (mehr oder weniger lang) immer wieder Süden Frankreichs.

(Bild rechts: Paul Cézanne bei der Arbeit, Ausschnitt)


Viele der berühmtesten Künstler aus aller Welt schöpften ihre Inspiration im mediterranen Licht und in der Lebensart des Südens. Maler, Architekten und Literaten waren zu allen Zeiten – von der Antike bis heute – vom Zauber des Lichts und dem Reiz der Farben fasziniert. Von der Côte d' Azur über die Provence bis zur Costa del Sol finden wir Werke, die das Wirken der Kulturschaffenden dokumentieren. Weiterlesen

Von der Côte d' Azur über die Provence bis zur Costa del Sol finden wir Werke, die das Wirken der Kulturschaffenden dokumentieren. Einmalige Landschaften - unverwechselbar, immer wieder eingetaucht in Licht und Farben, der Duft von Lavendel, Garrique und Oliven, die Lebensart delebt und dokumentiert in volkstümlichen Festen, das alles macht den Reiz und den Mythos der Provence aus. Krippenlandschaften wie sie noch heute in vielen Stuben stehen, aber auch in Kirchen und auf öffentlichen Plätzen, sind - immer zur Weihnachtszeit - Zeugen provenzalischer Lebensfreude und Kultur.

18. Dezember 2017

 

Sapeur Pompier

 

Es gehört zur Santons-Kultur, dass nicht nur historische Figuren geschaffen auftreten, wie man sie vor 200 Jahren in der Provence angetroffen hat. Es werden dauernd neue Berufe und Sitten mit einbezogen. So wir in einem gewissen Sinn die heutige Provence dargestellt und mit der Weihnachtsgeschichte verbunden.

Sapeur-Pompier

In Frankreich haben die Sapeurs-Pompier (Feuerwehrleute) eine grosse Bedeutung, weil über diese Berufsorgani-sation der ganze Rettungs- und Hilfsdienst (nicht nur bei Feuer) organisiert wird. Retten steht an erster Stelle (Erster Hilfe) und


umfasst fast alle Belange: Umfälle, Katastrophe bis zur individuellen Hilfe bei Unfällen oder Notfällen im Haushalt und im Freien.

Aus diesem Grund geniessen die Feuerwehrleute hohes Ansehen. Sie haben eine wichtige Funktion im Alltag. Der Feuerwehrmann ist in der französischen Kultur ein Held, mutig, unerschrocken, er reagiert geistesgegenwärtig und blitzschnell in allen Situationen.  Weiterlesen hier

Jede grössere Santons-Manufaktur kreiert Jahr für Jahr ein paar wenige neue Figuren. Es sind oft Vertreter von neuen Beruf oder Persönlichkeiten (Dichter, Maler, Helden), die eigentlich – wie die Mehrheit der Santons - nicht zur „Heilsgeschichte“ gehören, sondern viel später aufgetreten oder bekannte Personen oder „historische“ Persönlichkeiten geworden sind. 


Die Tradition  des "bal des pompiers" (Balls der Feuerwehr) – der Ursprung ist auf dem Montmartre in Paris  – hat sich über ganz Frankreich verbreitet und ist zu einem volkstümliches Fest geworden. 

Da gibt es keine Klassenunterschiede, Jung und Alt, Grossbürger und Proletarier, Berufsleute und Studierte festen und trinken ausgiebig miteinander. Diese Tradition drückt das Gefühl von Zusammengehörigkeit. Darum gehört der Feuerwehrmann auch dorthin, wo – nach der traditionellen Überlieferung – die Geburt Christi stattgefunden hat, in einem Stall bei den Hirten auf dem Felde.

17. Dezember 2017

 

Die Kartenspieler

 

Es ist besonders interessant, dass ein Spielkarten in Frankreich zum ersten Mal in der Provence schriftlich erwähnt wurden und zwar im 14. Jahrhundert, als einem Händler verboten wurde, „Nahipi“ zu spielen. Dabei handelte es sich um das venezianische Spiel „der sieben Familien“, das als Vorläufer des Tarots gilt. Provence üblichen Kartenspiele.Die ältesten Marseiller Tartospiele (18. Jh.) entstanden in Avignon, wo die Kartenhersteller lange Zeit Steuerfreiheit genossen.

Das Marseiller Tarot ist heute noch Vorbild für die in der Das Marseiller Tarot ist heute noch Vorbild für die in der Provence üblichen Kartenspiele.

Man spielt um zu gewinnen, greift gerne auf alle Taktiken zurück erlaubte und unerlaubte, dabei setzt man im entscheidenden Moment ein „Pokerface“ auf, man versucht, unauffällig dem Mitspieler in die Karten zu schauen oder ihn mit Bemerkungen und Gesten abzulenken. 

 

 


Das wohl berühmteste Kartenspiel der Provence ist eine Filmszene, gedreht in der „Bar de la Marine“ in Marseille, nach „Marius“ der Romantrilogie von Marcel Pagnol. 

 

Da spielen César du Escartefitue gegen M. Brun und Panisse. Sie betrügen einander so beharrlich und plump, dass am Ende alle beleidigt sind: „Oh Panisse, tu me fends le cœur ”Hier eine Szene aus Marius von Marcel Pagnol (Regie Alexander Korda, 1931) Darsteller: Raimu,


Paul Dullac, Édouard Delmont, Robert Vatier. Auch  Auch gern zitiert wird: „Wenn man nicht mal mit seinen Freunden schummeln kann, dann lohnt’s sich doch gar nicht mehr, Karten zu spielen." Tatsächlich spielt man in der Provence oft und überall: zu Hause, im Café, am Strand, im Zug… 

Eines der beliebtesten Kartenspiele der Provence ist auch das „Carreau“, welches sich an den Regeln von Pétanque orientiert und das berühmte „Carreau“ im Boule imitiert.

16. Dezember 2017

 

Die Salinen

 

„Fleur de Sel“ („Blume des Salzes“) wird auch als „Königin der Salze“ bezeichnet. Seine Beschaffenheit unterscheidet sich vom üblichen Salz. Reibt man „Fleur de Sel“ zwischen den Fingern, zerfällt es. Dieses Meersalz muss nicht wie die harten Kristalle des «gewöhnlichen» Salzes mit den Zähnen aufgebissen werden, sondern schmilzt schon auf der Zunge.

„Fleur de Sel“ aus der Camargue. Die größten Salzgärten sind die Saline de Giraud (an der Mün-dungsstelle der Rhone) und die Salins du Midi bei Aigues-Mortes. Schon die Römer legten ausgedehnte weiß und rötlich schim-mernde Salzgärten an. Auch heute noch ist die

Salzernte Handarbeit,  


fast wie vor 1500 Jahren. Meerwasser wird durch ein Netz von Kanälen und Becken in die Salzgärten geleitet. Wind und die Sonne lassen das Wasser verdunsten und zurück bleiben die Salzkristalle, die Fleur de Sel. Im Salzgarten wird täglich der Salzgehalt des Wassers geprüft, im Spätherbst ist Erntezeit. 

Es wird oft von Spitzenköchen bevorzugt, weil es einen etwas anderen Geschmack und eine „weichere“ Kristallstruktur hat, die an einen Hauch von Eis erinnert. Den Unterschied zum herkömmlichen Meersalz spürt man recht gut beim Zerreiben zwischen den Fingern: es ist geschmeidig, ohne die üblichen harten Kristalle. Ob es wirklich würziger ist und besser schmeckt als „gewöhnliches“ Salz ist umstritten.

 

Auf Grund der aufwändigen Gewinnung ist „Fleur de Sel“ bedeutend teurer als das normale Meersalz. Es wird deshalb vor allem nur für das Abschmecken der Speisen verwendet. Ob es auch gesünder ist, lässt sich nicht belegen.

15. Dezember 2017

 

Das Karussell

 

Einst tourte Walkes von Tewkesbury mit seinem prächtigen Karussell durch ganz Grossbritannien, später auch durch Amerika. Sein berühmtes Karussell war sogar in Hollywood-Filmen zu sehen. Charles Dickens (1812-1870) hat mit der wohl berühmtesten Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol (deutscher Titel: Eine Weihnachtsgeschichte) viel dazu beigetragen, dass in der viktorianischen Zeit die Weihnachtsbräuche wieder lebendig wurden, dazu gehört das Weihnachtskarussell. 

Eigentlich gehört dieses „klassische“ Karussell“ nicht zu den Santons in den Süden. Es ist viktorianischen Ursprungs (Victorian Carousel) und kommt aus Grossbritannien. In den berühmten Pärken in England stehen seit Ende des 19. Jahrhunderts solche wunderschöne 


„Reitschulen“. Sie sind Ausdruck des Lebensgefühl und der Lebensfreude, wie sie auch in der Tradition der Santons zum Ausdruck kommt. 

Dieses Karussell (das Weihnachtslieder spielt) ist in der Santons-Landschaft auf dem Dorfplatz, beim Markt, denn auch in Frankreich ist die Karussell-Tradition bis heute lebendig geblieben. Indem Dickens schrieb, Weihnachten sei „a good time: a kind, forgiving, charitable, pleasant time“ (eine gute Zeit: verzeihend, barmherzig, angenehm), hat er bei den Engländern die weihnachtliche Stimmung neu entfacht, die gleiche Stimmung, welche zuvor auch in der Provence – vor allem durch alte Traditionen –  immer wieder wachgerufen wird.

Rösslispiel auf dem Sechseläuten-Platz in Zürich 2017
Rösslispiel auf dem Sechseläuten-Platz in Zürich 2017

Das „Rösslispiel“, wie es mundartlich in der Schweiz bezeichnet wird, gibt es in vielen (auch modernen) Varianten. Es ist nicht nur auf Jahrmärkten anzutreffen, sondern vor allem (und heute in erster Priorität) an Volksfesten, auch in der Provence. Im Mittelalter wurde eine Art Karussell dazu benutzt, Ritter zu trainieren. Sie stellten sich - auf den Pferden sitzend - auf einen Platz und mussten versuchen, die rundherum angeordneten Ringe mit ihrer Lanze zu durchstechen. Im 18. Jahrhundert war es an den Höfen Europas üblich, dass Herren wie Damen auf Pferden solche Geschicklichkeitsübungen vollführten, später dann wurden die echten Pferde durch Attrappen und Maschinen ersetzt. Das Karussell war geboren.

 

In Frankreich wird jede Fahrt speziell ausgerufen, denn das klassische Karussell ist nicht irgend eine Jahrmarktsattraktion, sondern „manèges de chevaux de bois“, ein Abbild der einst berühmten königlichen Reitschule.

14. Dezember 2017

 

Wein 

 

Das Weingebiet der Provence ist – im Vergleich zu Languedoc-Roussillon – verhältnismässig klein (400‘000 zu 25‘000 Hektaren), doch historisch von grösster Bedeutung. An der Côte d´Azur wurden schon im 6. Jahrhundert v. Chr. Reben kultiviert.

Der Name Provence stammt von den Römern, die 154 v. Chr. die Provincia Romana gründeten und von hier Wein nach Rom lieferten. Verdiente und aus dem Dienst entlassene Legionäre erhielten hier als Belohnung ein kleines Landgut, das sie unter anderem für den Weinbau nutzten. Die Einheimischen erzählen gerne die hübsche Geschichte einer vom lieben Gott eingerichteten Himmelsleiter, um die Lieferung seines Lieblingsweines zu erleichtern. 

Wein

Im Süden Frankreichs – vor allem die Languedoc – liegt das grösste Wein-gebiet Frankreichs. Einerseits ist es das mediterrane Klima, welches den Weinbau begünstigt, andererseits ist es die Geschichte der Besiedlung. Mit den Menschen kam auch der Wein – über das 


Mittelmeer – in die Gegend. „Der französische Wein gilt weltweit als etwas ganz Aussergewöhnliches und als Ausdruck kultureller Vollkommenheit“ (Ernesto Pauli).  Die ersten Reben kamen schon 500 Jahre vor Christi durch die Griechen nach Frankreich. Die Römer sorgten dann für eine systematische Verbreitung, ab Beginn der christlichen Zeitrechnung zuerst durchs Rhonetal bis hinauf ins Burgund und an die Loire. 

Weinberge, Winzer, Weinkeller, Wirte gehören zur Santonskrippe. Ohne sie wäre Leben und Alltag, Tradition und Gegenwart schlecht vertreten. Die gösste provenzalische Appellationen ist die Côtes der Provence 19'000 ha (die anderen: Bandol 1‘400 ha, Les Beaux de Provence 320 ha, Bellet 32 ha, Cassis 160 ha, Coteaux d’Aix-en-Provence 3‘400 ha, Coteaux Varois 1‘800 ha, Palette 36 ha). Das riesige Weinbaugebiet zieht sich entlang der Küste von Marseille bis Nizza und reich hinauf bis zu den Flussläufen von Arc und Argens. 

Das Rebsorten-Repertoire ist vielfältig. Alle drei Weinfarben werden bereitet, doch im Grunde gehört das Terrain den Rosés. Es sind sehr fruchtige Weine, die hier entstehen, die meist auch früh getrunken werden. Zählt man die südliche Rhone dazu(z.B. Châteauneuf-du-Pape, Gigondas etc.), dann ist es eines der berühmtesten und hochangesehensten Weingebiete Frankreichs.

 

Leider sind die drei wichtigsten Figuren im Weinberg keine „echten“ Santons. Es sind die einzigen Santons-Figuren hier in der Krippe, die nicht aus Terrakotta hergestellt und nicht von Hand bemalt sind. Alle „echten“ Winzer-Santons, die ich bisher gefunden habe, waren weit weniger aussagestark. Doch ich weiss, es gibt sie und ich werde sie auf dem berühmten Santons-Markt (in der Nähe von Marseille) bestimmt finden

13. Dezember 2017

 

Zigeuner (Romas und Sintis) 

 

Fahrende, Gaukler, Jahrmarktskünstler, Scherenschleifer, Schaubudenbesitzer, Korbflechter, Pferdehändler, Siebmacher … 

mit dem Begriff „Zigeuner“ verbindet sich meist romantische Vorstellung, die so gar nicht in ein Schema gesitteter Sesshaftigkeit passen. Seit Jahrhunderten werden sie deshalb immer wieder –  und fast überall – ausgeschlossen, geächtet, ausgegrenzt, ins Ghetto getrieben, ja verfolgt. Sie haben ihrer eigene Kultur


aber auch ihre eigenen Gesetzte, die sich oft nicht unserer bürgerlichen Ordnung unterziehen. . Selbst das liberale Frankreich (Liberté, Égalité, Fraternité) hat will die illegal im Lande weilenden Fahrenden nicht mehr länger dulden und sie ausweisen. Wohin? Eine Heimat – im bürgerlichen Sinn – haben sie nicht. Sie sind unterwegs, immer und immer wieder. Zur Zeit hat auch die Schweiz mit den Fahrenden ein Problem: zu wenig Standplätze. Das ist für „Zigeuner“ so viel, wie zu wenig Luft zum Leben.

Saintes-Maries-de-la-Mer – das kleine Städtchen am Mittelmeer - ist der Walfahrtsort der Romas, vor allem die Gitans (Spanischer und portugiesischer Herkunft) pilgern in Scharen nach Saintes-Maries, wo sie ihre Schutzpatronin, die „schwarze Sara“ (eine unbekannte Heilige mit dunkler Hautfarbe, die von der Kirche nie anerkannt wurde), die Dienerin, die Bettlerin besonders verehrt wird.

Für mich sind vor allem die südfranzösischen Romas so etwas wie Santons, „kleine Heilige“, auch wenn sie nicht immer angenehm und schon gar nicht „heilig“ sind. Als etwa 16jähriger „Frankreicheroberer“ bin ich per Autostopp in Lourdes gelandet, völlig „mittellos“, zwar mit einem kleinen Zelt, aber ohne zu wissen, was ich essen und wo ich schlafen soll.

Da haben mich die Romas „adoptiert“, aufgenommen in ihr grosses Netzwerk, verpflegt, weitergereicht, durch die Languedoc, entlang der Rhone, fast bis nach Lion. Seither nehmen bei mir die Zigeuner – allen Horrorgeschichten zum Trotz – einen Ehrenplatz ein, nicht nur in meiner Krippenlandschaft

Geschichtlich betrachtet ist die Bezeichnung Romas oder Sintis Sammelbegriffe für eine mindestens seit 700 Jahren in Europa beheimatete Bevölkerungsgruppe aus dem indischen Subkontinent, die nie wirklich sesshaft geworden ist. 

Federico Fellini: La Strada (Spiielfilm 1954)
Federico Fellini: La Strada (Spiielfilm 1954)

Der bei uns noch immer gebräuchliche Ausdruck „Zigeuner“ wird – leider zurecht – als diskriminierend empfunden, nämlich als Bezeichnung für eine Bevölkerungsgruppe, deren Kultur ausgeprägt ist (bis zur eigenen Sprache), auffällig und von jener der Mehrheit der Bevölkerung abweicht: unstetig, ungebunden, sogar delinquent oder gar kriminell. Der Nationalsozialismus hat in Deutschland – die Romas mussten ins Konzentrationslager – hat viel zu dieser diskriminierenden Sichtweise beigetragen.

12 Dezember 2017

 

Der Truthahn

 

Auf dem Dach des Stalls, ganz nahe beim der Heiligen Familie und dem Jesuskind, sitzt ein Truthahn, nicht ganz zufällig. 

Es ist eine Hommage an den genialen Kunstfälscher Lothar Malskat (1913-1988), der 1937 im Dom von Schleswig die einst übermalte gotische Malerei

wieder herstellen sollte. Doch von der alten Malerei war so gut wie nichts mehr vorhanden. So begann Malskat seine eigene - der frühgotischen Kunst nachempfundene Malerei -


zu schaffen, unter anderen vier Truthahn-Medaillons unterhalb der „Kindermord in Bethlehem“-Wandszene. Malskat behauptete, die Bilder seien echt, also aus dem späten 13. Oder frühen 14. Jahrhundert und sollen ein Beweis sein, dass die Wikinger bereits vor Kolumbus in Amerika gewesen sein müssten und das Truthahn-Motiv von dort mitgebracht hätten. Erst viel später bestätigte eine maltechnische Untersuchung die von Kunstexperten gehegten Zweifel. Es handelt sich da wirklich um eine Fälschung, was Malskat 1952 gestanden hat.

Das Truthuhn ist in Nordamerika beheimatet und wurde bereits von indianischen Völkern domestiziert und als Haushuhn gehalten. Nach Europa kam es aber erst zwischen 1880 und 1940 und ist hier nie heimisch geworden. Viele Ansiedlungsversuche scheiterten, so dass es noch heute hier eine minimale Population gibt, die noch immer gehegt und beschützt werden muss.

 

Weder zur Zeit Christi Geburt, noch in gotischer Zeit war der Truthahn also bei uns – auch nicht in Jerusalem – bekannt. Die kleine Episode mit den gefälschten Truthühnern ist aber so reizvoll, dass für mich eine Andeutung in die Santonskrippe sein musste.

 

Übrigens hat Lothar Malskat später - nach dem Krieg – einen noch grösseren Kunstskandal ausgelöst, indem er sich selbst anzeigte, weil auch seine Restaurierung der Lübecker Marienkirche eine reine (von Kunstsachverständigen hochgelobte) Fälschung war (dafür musste er anderthalb Jahre ins Gefängnis). Seine späten Werke signierte unter dem eigenen Namen; sie sind noch heute im Kunsthandel ein guter Wert. In die Literatur eingegangen ist Malskat durch den Roman Die Rättin von Günter Grass, in dem die Biographie und die Bewertung von Malskat eine wichtige Rolle spielen.

11. Dezember 2017

 

Pétanque

 

Abbildungen von Hintern oder Bilder von „Fanny“ kann man an vielen Orten finden, wo Pétanque gespielt wird.

Pétanque

Pétanque gehört zur mediterranen Kultur und ist im Süden Frankreichs – sozusagen - überall anzutreffen, in jedem Dorf, auf jedem Platz, in jedem Park. Und „Fanny“ ist eine Phantasiefigur – eine Art Projektion -  die immer mit von der Partie ist. Verliert nämlich ein Spieler oder eine Mannschaft ohne 


auch nur einen einzigen Punkt gemacht zu haben, so rufen die anderen laut „FANNY!“ Das bedeutet beim Endstand von 13 : 0 für die unterlegene Boule-Truppe, dass sie den Hintern von „Fanny“ küssen müssen.  

Die Geschichte eines Spiels mit Kugeln lässt sich bis 460 v. Chr. zurückverfolgen. In Frankreich wird aber das Boule-Spiel erst ab 1319 anhand von erlassenen Verboten nachgewiesen. Das erste Pétanque-Spiel (in der heutigen Form) findet 1907 statt, und zwar im südfranzösischen Ort La Ciotat. Die Saga: ein guter und leidenschaftlicher Boule-Spieler wird vom Rheuma geplagt und kann deshalb die (beim Jeu-Provençal üblichen) drei Schritte Anlauf nicht mehr machen. Sein Freund Ernest Pitiot erfindet daraufhin ein Spiel auf kürzere Entfernung und ohne Anlauf. Er zieht einen Kreis auf den Boden. Aus diesem wird im Stand mit geschlossenen Füssen gespielt. Daher leitet sich der Name der Sportart ab. 

Im Gegensatz zu allen anderen Boulespielarten tritt Pétanque rasch einen weltweiten Siegeszug an. Dafür ausschlaggebend sind die relativ einfachen Regeln, die unter anderem besagen, dass Pétanque auf jedem Boden gespielt wird. Georges Simenon lässt seinen Kommissar Maigret in „Mein Freund Maigret“ sagen: „Zwei alte Männer spielten Pétanque, eine Art Boulespiel, bei dem die mit Nägeln beschlagenen Kugeln immer nur ein paar Meter weit geworfen werden. Es war ein kurioser Anblick, wenn die Alten sich ganz vorsichtig nach den Kugeln bückten.“ 

Pétanque verbreitet sich durch französische Soldaten und Auswanderer zuerst in ganz Frankreich aus, später auch in vielen andern Ländern. Kaum eine andere Freizeitbeschäftigung im südlichen Frankreich ist typischer, als die nachmittägliche Ansammlung vorwiegend älterer, aber auch jüngerer Männer (heute auch Frauen), die mit Metallkugeln unter Platanen um Punkte kämpfen. 

Während Wettkämpfe sehr ernst genommen werden, steht beim Freizeit-Boule/Pétanqe vor allem der Spass, die Unterhaltung und das Beisammensein im Vordergrund. Nachbarn und Freunde versuchen, sich als Pointier (legt Kugeln so, dass sie möglichst nah an der kleinen Kugel platziert sind) oder Tireur (schiesst fremde Kugeln gezielt aus dem Spiel) gegenseitig Punkte wegzuschnappen. Die Kugeln eines Boule-Teams oder eines Boule-Spielers, die am Ende eines Spiels näher am „Cochon“ oder „Cochonnet“(so heisst die kleine aus Holz bestehende Kugel) liegen, werden als Punkte gezählt. 

10. Dezember 2017

 

Lavendelernte

 

Die neue Ernte soll gefeiert werden, in der Kirche, mit Prozession, aber auch mit Tanz auf Strassen und Plätzen und mit Märkten, auf denen Lavendel-Produkte angeboten werden: Kosmetik, Seife, Öle, aber auch Honig und Gebäck. 

Ganz so romantisch geht es nicht mehr zu und her bei der Lavendelernte in der Provence. Heute wird fast immer mit Maschinen geerntet und nur bei ganz kleinen Feldern von Hand. Doch etwas ist (fast) noch so wie früher: weite, stark duftende Lavendelfelder, Wahrzeichen der Provence. Juli und August 


sind traditionell die Monate der Lavendelernte, auch die Zeit, mit Lavendelfesten in vielen Dörfern. 

Der Lavendel ist hauptsächlich im Pays de Sault am Fusse des Mont Ventoux und im Pays d´Apt im Luberon verbreitet. Lavendelfelder gibt es aber fast überall in der Provence. Sie liefern Honig, aber auch Duftstoffe für Parfümerien, Badewasser und Wäsche.

Auch in der Küche kommt Lavendel zum Einsatz. Junge Blätter und noch nicht verholzte Triebe eigenen sich zum Verfeinern von Gerichten wie Eintopf, Fisch, Geflügel, Lamm, Saucen und Suppen. In der eher ausgefallenen Präsentationsküche – in der sogenannten „Nouvelle Cuisine - findet man Lavendel in den Desserts, zum Beispiel in weisser Schokoladenmousse oder in Aprikosensorbets. Das Aroma von Lavendel ist bitter bis würzig. Am bekanntesten ist Lavendel (bei uns) als Teil von „Herbes de Provence“, einer Mischung getrockneter Kräuter aus dem Süden Frankreichs.

 Im „echten“ Herbes de Provence aber – jenem wirklich aus der Provence – wird kein Lavendel beigemischt, dort kommt er gesondert als Gewürz auf den Tisch oder in die Küche. 


09. Dezember 2017

 

Monsieur le Maire

 

Die Seidenschärpe war einst das Privileg der Monarchen und der Fürsten. Auch die Offiziere - damals alles adelige - durften sie tragen. Die Französische Revolution hat dann den Adel abgeschafft, das Symbol aber hat übernommen und "bürgerlich" gemacht. 

Le Maire

Der Bürgermeister - gewählt für 6 Jahre - ist der Vorsteher einer  Gemeinde  Er hat nicht nur zur Aufgabe den Rat zu leiten und die Verwaltung zu führen, er ist auch Respekt-

person und Repräsentant der Kommune. Dabei trägt er bei Zeremonien, Amts-handlungen und immer, wenn es wichtig ist, 


Autorität sichtbar zu machen, die Trikolore, eine blau-weiss-rote Schärpe.  "Abgeordneten der französischen Nationalversammlung, Senatoren, Bürgermeister und deren Stellvertreter dürfen sie tragen, aber auch Marianne und angehende Polizeioffiziere. Eine standesamtliche Trauung im Rathaus, eine feierliche Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal, die Einweihung vom Altersheim ohne Bürgermeister oder Volksvertreter mit blau-weiß-roter Schärpe? In Frankreich? Undenkbar!"  Weiterlesen hier

Aus den Farben des Wappens von Paris - rot und blau - der Farbe des Königs - weiss - entstand die Kriegs-flagge der Jakobiner. Nach der Abschaffung der Monarchie - wurden die Farben umgedeutet - zum Symbol der revolutionären Devise "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Weiß für die Freiheit, Blau für die Gleichheit, und Rot für die Brüderlichkeit 1794 wurde die Trikolore offiziell zur Nationalflagge..
Mehr als 36 000 Gemeinden gibt es im ganzen Land. Alle Bürgermeister und ihre Stellvertreter tragen blau-weiß-rote Schärpen. Die Bürgermeister haben goldene Fransen und Bommeln an der Schärpe, ihre Stellvertreter haben dagegen nur Anrecht auf silbernes Lametta.

Die Schärpe wird auch von Frau Bürgermeister, Madame le Maire, getragen. Auf die Idee der drei Farben kam angeblich ein gewisser Marquis de La Fayette, ein französischer General, der an der französischen Revolution von 1789 beteiligt war. Für das Tragen des Bandes gibt es genaue Vorschriften: Von der rechten Schulter ausgehend unter der linken Schulter über der Brust.

Die Franzosen sind sehr stolz auf die Symbole ihrer Republik. So ist die französische Flagge heute überall im Alltag präsent: ob als Flagge auf allen öffentlichen Gebäuden, in den Farben der Nationalmannschaften, in Firmenlogos oder auf Produktverpackungen im Supermarkt. 

08. Dezember 2017

 

Die Herberge

 

…und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären sollte.  Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ (Lukas 2,6-7) So stelle ich mir die „Herberge“ vor, in der kein Platz war, vorausgesetzt das Weihnachtsgeschehen


hätte in der Provence (und nicht in Bethlehem) stattgefunden. Der Wirt, ein typischer Provenzale, steht abweisend auf der Treppe des Eingangs. Das Haus, schmal, hoch, aus Stein gebaut, auf jedem Stockwerk nur ein, im Maximum zwei Zimmer, so wie man es im Süden Frankreichs - vor allem auf dem Land – häufig antreffen kann. 

Hier mehr Informationen.

 

Dieses kleine, von einer Laterne beleuchtete Haus, ist eine der typischsten – oder echtesten – Provence-Szenen in dieser Krippe. Solche Häuser entstanden vor allem im 18. Jahrhundert, viele von ihnen wurden restauriert und zu Ferienhäusern umgebaut, ebenso viele aber sind aber Zerfall nahe: zu wenig Raum und zu wenig Komfort bieten sie für heutige Ansprüche. Man nennt diese Häuser auch „Mas“ oder „Bastide“, mit typischen Merkmalen (auch mit Unterschieden zwischen Mas und Bastide, die aber selbst ein Provenzale nicht so genau kennt.) 

Das „Standard-Mas“ gibt es nicht, doch einige Gemeinsamkeiten sind wohl zu erkennen: das Haus ist immer zur Südseite ausgerichtet, natürlich um von der Sonneneinstrahlung zu profitieren, aber auch zum Schutz vor allem vor dem Mistral, die Nordwand ist fensterlos, so bleibt man im Winter vor der Kälte und im Sommer vor der Hitze geschützt. Ein weiteres Merkmal ist das Satteldach.

Bastide hingegen ist in der Provence ursprünglich ein Herrschaftshaus, in der Regel weit grösser und geräumiger als das Mas. Beide aber, Mas und Bastide werden heute als Ferienhäuser vermietet und sehr oft auch zum Kauf angeboten


06. Dezember 2017

 

Die Kirche von Bourdic

 

334 Einwohner zählt das Dorf, ein paar alte Häuser, ein paar neue auch, ein altes Kirchlein und täglich einen „fahrenden Bäcker“ zu Besuch, mit seinen Broten und den lokalen Neuigkeiten. Bourdic, ein typisch provenzalisches Dorf, zwar nicht in der Provence, bereits in der Languedoc, im Département Garde, zehn Kilometer von Uzès entfernt. Die Kirche Saint-Etienne d'Escattes aus dem 12. Jahrhundert wurde zwar in den Religionskriegen (16. Jh.) stark beschädigt, ist aber in ihrer romanischen Struktur noch weitgehend erhalten geblieben. 

Seit Jahren schon steht diese Kirche in meiner Krippe fast im Mittelpunk, jedenfalls im hinteren Teil der Anlage, hoch über dem Bethlehem-Stall. Es ist eine Homage an einen mir unbekannten „Bastler“, der die Kirche (vereinfacht, aber getreu) nach dem Vorbild gestaltet hat. Es ist auch eine Homage an 


Marie, bei der ich die erste „echte“ Santonskrippe gesehen habe, so wie sie traditionell im Süden Frankreichs noch errichtet wird. Dort stand das Kirchlein, während Jahren, bis ich in die Stube kam, und davon fasziniert war. Eigentlich wollte ich den Kunsthandwerker ausfindig machen, um ein ähnliches Werk erwerben zu können. Doch Marie – die anfänglich sagte, dies sei kein Problem – hat mir ihr Kirchlein aus der Krippe geschenkt.

Eine Sehenswürdigkeit am Dorfeingang. Ohne Marie (und ihre Familie) würde vieles nicht funktionieren (oder nicht so gut!), vor allem nicht in jenem Dorfteil, wo die alte Kirche steht. Bei Marie habe ich die erste authentische Santonskrippe in einer privaten Stube gesehen, hergerichtet nach alter Tradition. Ich war begeistert, von der Krippe mit den vielen Lichtern und schönen Santonsfiguren“. Dank Marie steht die Bourdic-Kirche , jetzt in Bubikon umkreist von einem Reigen Gäste eines Brautpaars, das gerade daran ist, in die Kirche einzuziehen.

05. Dezember 2017

 

Die Farandole

 

Volkstänze wie die Farandole sind immer auch von der Natur beeinflusst,  vom Mistral - dem Meereswind - , von der Landschaft und den Arbeiten auf dem Feld. Der Tanz dient nicht nur der Geselligkeit, er ist auch Ausdruck und Identitätsfindung von sozialen Gruppen.

Deshalb wird fast immer in der entsprechenden Tracht getanzt.

Es gibt eine ganze Reihe von Volkstänzen, die seit dem Mittelalter bis heute lebendige Tradition sind. Zum Beispiel „La Ronde“, einer der ältesten überlieferten Tänze, entstanden aus der Carole (gesungenes Lied). Es ist ein einfacher Tanz der bäuerlichen Bevölkerung. Oder der „Marketenderinnentanz“ (Kreistanz), bei dem man sich wie bei der Farandole im Kreise aufstellt und mit Hüpf- und Drehbewegungen seine Freude ausdrücken kann. Der „Prozessionstanz“, der eher in die vornehmere Gesellschaft passt und die Würde und den Rang der Tanzpaare hervorhebt. 

Kinderreigen - Gemälde von Hans Thoma, 1872
Kinderreigen - Gemälde von Hans Thoma, 1872

Der „Stampftanz“, ein bretonischer Reihentanz, der von den einfachsten Bevölkerungsschichten getanzt wurde und noch heute in der Bretagne auf Volksfesten zu sehen ist. Die „Branles“ als Verbindung von Volkstanz und höfischer Eleganz, wohl der populärste Gesellschaftstanz aller Zeiten, bei der Hofgesellschaft wie beim Volk gleichermassen beliebt. Noch heute werden „Branles“ in den französischen Regionen getanzt und dabei einfache Dinge des alltäglichen Lebens imitiert.

 

Farandole

 

Die Farandole, ist ein historischer provenzali-scher Volkstanz bei dem ein offener Reigen, von einem Tänzer angeführt, verschiedene Figuren tanzt. Die musikalische Begleitung besorgt ein Spieler mit Flöte und Tamburin. Es ist ein 


"Schlängelreigen“, bei dem man meist in offenen Formen durch Gassen, über Plätze, durch Wiesen und den Wald tanzt. So zieht man - vor allem an Volksfesten – auch durch die Strassen der Dörfer, als eine Kette von Paaren, die sich an den Händen halten.

04. Dezember 2017

 

Die schwangere Maria mit Josef und einem Hirten im Stall.


Ein christliches Tabu, das nicht nur in der Bibelauslegung immer wieder diskutiert wurde, sondern auch in christlichen Ikonographie nur selten dargestellt wird. Die Tradition der provenzalischen Santons hat da keine Berührungsängste und kümmert sich nicht um historische Gegebenheiten. Die Landschaft und die Menschen in der Landschaft sind verankert in der französischen Provence. Santons bedeutet zwar provenzalisch "Kleine Heilige", doch die Heiligen sind - mit Ausnahme der Heiligen Familie und den Dreikönigen - kaum in einer Santonskrippe anzutreffen. Hier gibt es - mit Ausnahme des Geburtsstalls von Jesus - ausschliesslich provenzalischger Alltag- Tradition und Folklore.

Hier die Gedanken eines Franziskaner Mönchs in Graz zur Darstellung Marias

Maria enseinte

Maria ist schwanger. In der Santonskrippe gibt es Maria, als schwangere Frau. Sie steht mit Josef im Stall, bis zum 24. Dezember ohne Kind in der Krippe. Dann wird die Figur von Maria ausgewechselt und das Kind in der Krippe aufgestellt. 


Maria sl schwangere Frau. In der künstlerischen Darstellung selten. Rechts ein Marienbild (lange Zeit übermalt) im Franziskanerkloster Graz. Damit beginnt die Szenenfolge aus der Santonskrippe.  Hier mehr Informationen.

Noch immer erhalte ich Zuschriften, werden die Bilder der Krippenlandschaft auf dieser Website abgerufen, ab und zu steht auch jemand vor dem Fenster (jetzt mein Büro) wo die Krippe stand. Als "Ersatz" stelle ich ab heute täglich eine der vielen Szenen vor (mit Text und Details), welche einst in der Krippenlandschaft standen.

Hier der Artikel im "Zürcher Oberländer" (2015)  anlässlich der letzten aufgestellten  Landschaft. Kleine Korrektur: die kleinen Figuren nennt man nicht Santos, sondern Santons. Hier geht es täglich weiter mit der virtuellen Krippe.