14. Dezember 2020

 

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Bildstock
(S
anctuaire au bord du chemin)

 

Der Bildstock (auch als Martrl oder Wegstock bezeichnet) ist eine kleine Andachtsstätte am Wegrand, oft eine Säule aus Holz oder Stein mit einem Bild oder einer Figur von Christus oder einem Heiligen. Am häufigsten wird in der Provence Maria verehrt, denn der Kult um die Muttergottes ist im Süden Frankreichs besonders entwickelt. Die Verehrung begann hier schon im ersten Jahrhundert. Aus der Legende um die Ankunft eines frühchristlichen Bootes mit ausgesetzten Heiligen (unter ihnen Maria) ist der Wallfahrtsort Saintes-Maries-de-la-Mer entstanden. Schon vor 500 Jahren soll in Cotignac (Provence-Alpes-Côte d’Azur) die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm einem Holzfäller erschienen sein. Am Erscheinungsort errichtete man schon kurz darnach eine Kapelle (Notre Dame de Grâces).

Bildstöcke stehen oft an Wegkreuzungen, sind Orte an denen etwas Wunderbares oder etwas Schreckliches passiert ist, Sie sind auch christliche Zeugnisse entlang alter Pilgerwege (Jakobsweg).

Die Errichtung und Pflege von Bildstöcken (Marterln) ist auch in der Provence eine weitverbreitete Form der Volksfrömmig-keit. Sie möchten Motivation sein zur Besinnlichkeit und zum Gebet unterwegs. Sie sind auch ein Zeichen der Dankbarkeit für überstandene Gefahren oder Seuchen, sowie auch zur Erinnerung an Unglücks-fälle. Oft werden bei ihnen Blumen niedergelegt oder Kerzen angezündet.

Die Lage der Bildstöcke weist oft auf Legenden, Sagen und historische Ereignisse hin. Am häufigsten sind es "Wunder" die hier stattfanden oder es werden Schutzheilige angerufen. Besonders dann, wenn die Wegstrecke über ein Hindernis führt oder gefährlich ist. Viele alte Bildstöcke wurden in den Wirren der Französischen Revolution vernichtet. Erhalten sind vor allem kleine Bildstöcke etwas abseits von viel begangenen Werge und Strassen.