16. Dezember 2020

 

Fenster 18

 

Lustig ist das Zigeunerleben...
(Romas und Sintis)

 

Ob es wirklich so lustig ist, Zigeuner zu sein, darf zumindest bezweifelt werden. Zwar tragen sie auch heute noch - an Festtagen - bunte Kleider, sie pflegen ihre eigene Musik und pflegen eigene Kultur. Seit Jahrhunderten werden sie immer wieder – und fast überall – ausgeschlossen, geächtet, ausgegrenzt, ins Ghetto getrieben, ja verfolgt. Denn sie haben auch ihrer eigenen Gesetze, die sich oft nicht unserer bürgerlichen Ordnung unterziehen.

Fahrende, Gaukler, Jahrmarktkünstler, Scherenschleifer, Schaubudenbesitzer, Korbflechter, Pferdehändler, Siebmacher … mit dem Begriff „Zigeuner“ verbinden sich meist romantische Vorstellung, die so gar nicht in ein Schema gesitteter Sesshaftigkeit passen.

Geschichtlich betrachtet sind Romas oder Sintis Sammelbegriffe für eine mindestens seit 700 Jahren in Europa beheimatete Bevölkerungsgruppe aus dem indischen Subkontinent, die nie wirklich sesshaft geworden ist. Der bei uns noch immer gebräuchliche Ausdruck „Zigeuner“ wird – leider zurecht – als diskriminierend empfunden, nicht ganz zu unecht.

Oft ist es der Begriff für eine eigene (andere) Kultur (bis zur eigenen Sprache), die von jener der Mehrheit der Bevölkerung abweicht: unstetig, ungebunden, sogar delinquent oder gar kriminell.Saintes-Maries-de-la-Mer – das kleine Städtchen am Mittelmeer - ist der Wallfahrtsort der Romas, vor allem die Gitans (Spanischer und portugiesischer Herkunft) pilgern in Scharen nach Saintes-Maries, wo sie ihre Schutzpatronin, die „schwarze Sara“ (eine unbekannte Heilige mit dunkler Hautfarbe, die von der Kirche nie anerkannt wurde), die Dienerin, die Bettlerin besonders verehrt wird.

Für mich sind die südfranzösischen Romas wie die Santons, „kleine Heilige“, auch wenn sie nicht immer angenehm und schon gar nicht „heilig“ sind. Als etwa 16jähriger „Frankreicheroberer“ bin ich per Autostopp in Lourdes gelandet, völlig „mittellos“,mit einem kleinen Zelt, aber ohne zu wissen, was ich essen und wo ich schlafen soll.

 


Da haben mich die Romas „adoptiert“, aufgenommen in ihr grosses Netzwerk, verpflegt, "weitergereicht", bis fast nach Lyon. Seither nehmen bei mir die Zigeuner – allen Horrorgeschichten zum Trotz – einen Ehrenplatz ein, nicht nur in bei der Krippe.


Selbst das liberale Frankreich (Liberté, Égalité, Fraternité) will die illegal im Lande weilenden Fahrenden nicht länger dulden und sie ausweisen. Wohin? Eine Heimat – im bürgerlichen Sinn – haben sie nicht. Sie sind unterwegs, immer und immer wieder.