04. Dezember 2020

 

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Hoftiere

 

Ferien auf dem Bauernhof liegt im Trend. Auch in Frankreich gibt es - vor allem im Süden (Provence, Camargue, Languedoc-Roussillon, Ardèche etc.) - immer mehr Bauernhöfe, welche Gäste empfangen, sie bewirten und am Landleben teilnehmen lassen. Es gibt sie also noch, die Bauern mit ihren Kleintieren. Das Bewirtschaften der - vor allem im Sommer - recht kargen Böden ist mit Grossvieh kaum nicht möglich. Deshalb tummeln sich auf den Höfen - nebst Pferden - vor allem Esel, Schafe, Hühner, Katzen, Gänse, Hunde...

Auch hier hat die Landflucht in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen und der Tourismus ist zu einem der wichtigsten Erwerbszweige geworden. Was abseits der Touristenrouten und -orte geblieben ist, das ist die tägliche Begegnung mit Nutz-Tieren, die in Städten längst verschwunden sind. Die Santons-Tradition - sie ist ja eine zweihundertjährige Krippen-Tradition - lässt das Verschwundene wieder aufleben, begleitet von kleinen Geschichten, die hier erzählt werden.

Zum Beispiel die Anekdote vom Truthahn der einen Restaurator der Kunst-

"Schummelei" überführt hat. Der Maler Lothar Malskat restaurierte 1937 im Dom von Schlesien ein angeblich frühgotisches Gemälde und übersah, dass der Truthahn auf dem Bild nicht von einem Maler der Gotik (12. Jahrhundert) stammen konnte, denn damals war das Tier in Europa gänzlich unbekannt. Es wurde erst dreihundert Jahre später von den Spaniern

nach Europa gebracht. So konnte der Maler als begnadeter Kunstfälscher überführt werden. Der Truthahn unter den Santons (Bild rechts) darf ganz nahe zur Krippe.

Die südfranzösischen Krippen sind "Erzählkrippen". Sie erzählen vom Leben in der Provence, wie es einst war und immer häufiger (in neuen Figuren) wie es heute ist. Jedes Jahr entstehen neue Figuren, meist verklären sie

mediterranen Alltag, Traditionen und Festlichkeiten. Die Heilsgeschichte, wie sie in den Evanglien festgehalten sind, die Geburt im Stall und der Besuch der drei Weisen aus dem Morgenland, steht zwar im Zentrum, doch all das Drum-und-dran, das Leben in der Provence ist weit grösser, bunter und nicht selten geheimnisvoller. Darin steckt viel Anregung, um Geschichten zu erfinden, zu gestalten und zu erzählen.

Warum das so ist, wird in diesem Kalender später erzählt.