05. Dezember 2020

 

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Fanny und die Spieler

 

Das wohl berühmteste Kartenspiel der Provence ist eine Filmszene, gedreht in der „Bar de la Marine“ in Marseille, „Fanny“ ist die „Heldin“ des zweiten Buchs der Trilogie „Marius“ von Marcel Pagnol.
Viele seiner Figuren – echte Provençalen – tauchen als Santons auf. Fanny, die junge Muschelverkäuferin, die in der Bar serviert und von Marius mit einem Kind zurückgelassen wird, weil in ihm die Sehnsucht nach dem weiten Meer und nach fernen Inseln stärker war..

Spielkarten wurden in Frankreich zum ersten Mal im 14. Jahrhundert schriftlich erwähnt, und zwar in der Provence, als einem Händler verboten wurde, „Nahipi“ zu spielen. Dabei handelte es sich um das venezianische Spiel „der sieben Familien“, das als Vorläufer des Tarots gilt. Die in der Provence noch heute am häufigsten gespielte Karten haben das alte Marseiller Tarot(18. Jahrhundert) zum Vorbild.

In der berühmten Szene des ersten Films "Marius" (1932) spielen (César du Escartefitue gegen M. Brun und Panisse. Sie betrügen einander so beharrlich und plump, dass am Ende alle beleidigt sind: „Oh Panisse, tu me fends le cœur.” Oft zitiert wird auch: „Wenn man nicht mal mit seinen Freunden schummeln kann, dann lohnt’s sich doch gar nicht mehr, Karten zu spielen." Tatsächlich spielt man in der Provence oft und überall: zu Hause, im Café, am Strand, im Zug… Eines der beliebtesten Kartenspiele der Provence ist auch das „Carreau“, welches sich an den Regeln von Pétanque  orientiert und das berühmte „Carreau“ im Boule imitiert.