06. Dezember 2020

 

Fenster 6

 

Im Wald

 

Eigentlich kommt heute Saint Nicolas ("Samichlaus") aus dem Wald zu den Kindern, um sie zu belohnen oder zu bestrafen. Nicht so in der Provence. Hier wird der Beginn der Weihnachtszeit am 4. Dezember mit dem Brauch "„Le Blé de Sainte-Barbe“ begangen. In einem Teller werden Weizenkörner auf mit Wasser getränkter Watte gesät. Diese keimen und sind am 25. Dezember bereits Setzlinge. Sie gelten als Zeichen eines glücklichen neuen Jahres mit guten Ernten. In der Provence gilt das Sprichwort: "Quand lou Blad vèn bèn, tout vèn bèn" (Keimt der Weizen gut, ist alles gut)

Sankt  Nikolaus hat so gut wie keine Bedeutung in Südfrankreich, Seine französische "Hochburg" ist das Elsass und Lothringen. Hingegen ist der Wald wichtig für diese heisse Zone. Als Wander- und Erholungsgebiet, aber auch als Jagdgebiet.

Es ist der Ort wo sich die Sangliers (Wildschweine) zurückziehen, nachdem sie in Rebbergen und Gemüseplan-tagen gewütet haben. Man liebt sie nicht, weil sie überall Schaden anrichten, in den Trüffeln und auf den Feldern. Noch mehr gefürchtet sind aber im Sommer die ausgedehnten Waldbrände, die oft kaum unter Kontrolle zu bringen sind. Aufgrund des Baumbestandes, der Flora und Faune und oft ganz spezieller Lagen gibt es ganz unterschiedliche Wälder: Laub-, Nadel- und Mischwälder, Zedernwald, Eichen- oder Buchenwald, Fichten-, Tannen-und Pinienwälder.

Früher wurden die Wälder - vor allem als Folge der grossen Armut - stark genutzt, Holz zum Heizen, aber auch für die Handwerker und zum Schnitzen und

Flechten. Heute sind es die Beeren, Pilze, Kräuter, Trüffel - sie sind noch immer wichtige Bestandteile der südfranzösischen Küche.
Eine Besonderheit sind die „Forêts de La Garrigue“, niedrige mediterrane Waldbereiche in der Nähe der Küsten. Sie bedecken ganze Landstriche.

All dies findet sich in der klassischen Santons-krippe, die jetzt langsam  - Tag für Tag - errichtet wird. Frisch esammeltes Moos, das die „Garrigue“ symbolisiert, Thymian-


zweige als Olivenbäume, Alufolie um Flüsse darzustellen – jede Familien hat zur Weihnachtszeit ihre eigenen Methoden, um ihre Krippe zu bauen. Es sind immer provenzalische Landschaften im Miniaturformat, in denen die Krippe mit den Heiligenfiguren, den Santons inszeniert wird.