23. Dezember 2020

 

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Brigand, Pirat  (Messerschleifer, Zigeuner)

 

Es ist ein Kapitel, von dem man nicht so gern spricht am Mittelmeer. Die Seeräuber (Piraten und Korsaren) im Mittelmeer: sie waren vom 16. bis ins 19. Jahrhundert wichtige Instrumente der christlichen und muslimischen Herrscher. Es war ein hartes Leben an Bord der Piratenschiffe und bei den Kämpfen auf Hoher See. Le brigand, der Seeräuber, gehört selbstverständlich zur klassischen Santons-Krippe, die vor allem die Vergangenheit und die Traditionen an der französischen Küste am Mittelmeer (monde méditerranéen) darstellt und im Guten und Bösen an früher erinnert.

Irgendwie hat sich eine eher nostalgische Sicht der einstigen Piraterie erhalten. Es sind vor allem die "Boumians", die Zigeuner, in denen man glaubt, die Nachfahren der Piraten und Korsaren zu erkennen (obwohl das - rein historisch - nicht stimmt). Auch die "Boumians" sind - soweit sie noch mit Messern zu tun haben - längst sesshaft. Zum Beispiel als Vertreter des Handwerks der "Messerschleifer".  Inzwischen ist auch dieser bürgerliche Beruf fast verschwunden.

Piraten vor Europas Küsten (printscreen ZDF)
Piraten vor Europas Küsten (printscreen ZDF)

Diese Seefahrer aus Algier, Tunis und Tripolis sind bis ins 19. Jahrhundert unterwegs. Ihr Auftrag: Schutzgelder-pressung. Bei Widerstand: Verschleppung und Sklaverei. Die muslimischen Korsaren wurden im 16. und 17. Jahrhundert von den Ordensrittern der Malteser bekriegt und später sogar von den Elitesoldaten des US Marine Corps bekämpft. Doch waren die Korsaren anders als gemeine Piraten keine Gesetzlosen, denn das Kaperwesen, zu dem auch die Sklaven-jagd gehörte, wurde staatlich kontrolliert. Sie spielten eine wichtige Rolle in den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen. Zurück zum

Handwerk des Messerschleifer, der stumpfes Schneide-werkzeug schärft und instand setzt. Fahrende Messer- und Scherenschleifer gibt es seit dem Mittelalter. Tradi-tionell stammten sie aus wenigen Herkunftsregionen. Zudem ist es bis heute ein Wanderhandwerk des "fahren-den Volkes" (Sinti und Roma). Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging die Nachfrage stark zurück und das traditionelle Handwerk kam nahezu zum Erliegen.