In eigener Sache... (Kolumne).  Zweiter Teil ab Dezember 2018

09. September 2018

 

In eigener Sache:

 

Sportmuffel

 

Fast bin ich ein Sportmuffel. Aber nur fast. Das Wenige hat man mir jetzt weggenommen. Eishockey. Nicht jeden Match möchte ich sehen. Den von meinem Lieblingsklub. Ab und zu. Vielleicht auch mal ein anderes Eisduell. Nicht mehr möglich. Die Rechte wurden für Millionen verkauft. An eine Firma, der ich vor Jahren den Rücken gekehrt habe. Weil der Service miserabel war. Weil die Leistung nicht befriedigte. Weil periodisch Ärger anstand, mit Rechnungen, nicht erbrachten Leistungen, technischen Störungen… Also wechselte ich – nach vielen Ärgerjahren - den Anbieter, liess den Anschluss plombieren. Ausgerechnet diese Firma hat nun einen guten Anteil an Sportrechten gekauft. Exklusiv. Darunter «mein» Eishockey. Empfang nur noch möglich bei diesem Anbieter. Und auch da ist es ein «Zusatz-programm» zu 25 Franken pro Monat, 9 Franken als Tagesangebot. Was tun? Zurück zum ungeliebten Anbieter? Auf den TV-Empfang verzichten und auf den Computer «umsteigen»? Da ist ein Empfang möglich, ohne Kabelanschluss, das Sportangebot etwa zum gleichen Preis. Zwangsherrschaft der Sportvermarktung. So bin ich – ohne es zu wollen – auch ein Eishockeymuffel geworden. Aber ganz!

28. August 2018

 

In eigener Sache:

 

Nie mehr!

 

Es ist ein Spiel der Verführung. Seit dem Apfel der Eva bekannt, doch immer wieder ärgerlich. Da steht man im Laden eines Discounters und sucht das Produkt, dessen Werbung man soeben als Banner – gross und fett – auf einer Website gesehen hat. Ein Produkt, das – Algorithmen sein Dank – ausgerechnet mich als potentiellen Interessenten gefunden hat. So quasi als Beigabe im Netz, wo ich gerade für ganz andere Informationen unterwegs bin. In diesem Fall sind die Verführerinnen ein Wein und eine Firma, die ich im Netz noch nie und in den Filialen so gut wie nie aufgesucht habe. Doch der Discounter weiss, dass man mich mit Wein locken, ja verführen kann. Prompt bin ich reingeplumst in die Falle. Nicht zum ersten Mal. Doch zum ersten Mal bei dieser Firma. Da quäle ich mich mühsam durch das Produktewirrwarr einer Filialen dieses Discounters, natürlich auf der Suche nach dem verlockenden Wein. Nicht zu finden! Nach längerem Warten und Aufstöbern einer zuständigen Person, dann die Auskunft: «Der Wein ist nur im Internet erhältlich!» Dies stand nirgends auf dem Banner. Ähnlichen Lockvögeln bin schon ich bei anderen Discountern begegnet. Meine Reaktion: die Produkte, die ich so beiläufig auf der Weinsuche in den Korb gelegt habe, gehen wieder zurück in die Regale. Und ich verlasse die Filiale in der festen Überzeugung, nie mehr wiederzukommen.

21. August 2018

 

In eigener Sache:

 

Fast Food oder Non Food

 

Fast Food ist Ansichts- und Geschmacksache. Offensichtlich der Geschmack vieler, wenn man das wuchernde Angebot sieht. «Essen auf die Schnelle» entspricht unserem Lebensgefühl. Das erträgt viel, alles… nur eines nicht. Non Food. Schauplatz Südfrankreich: am Weg zum Strand. Ein paar Fast-Food-Buden buhlen um die Gunst der hungrig Schwitzenden. Wir sind hungrig, möchten die Stadt vermeiden, in der Nähe des Strands essen. Essen, nicht fooden. Also studieren wir die ausgehängten «Karten» und wählen das Angebot mit mediterraner Küche. Bouillabaisse, Salade Niçoise, Gambas, Risotto mit Sepia, Tapas… Es ist halbsieben. Der Strand leert sich. Apéro-Time! Wir setzen uns an einen der acht Tische, im kleinsten der Terrassen-Restaurants, die dicht aneinandergereiht, zum Essen einladen. Wir sind die einzigen Gäste, alle anderen Terrassen sind schon gut besetzt. Wir machen es uns gemütlich. Da kommt der «Wirt»: «Wir öffnen erst um sieben!» Mürrisch, unfreundlich, ohne einen Apéro anzubieten weist er uns weg. Er sei eben keine Fast-Food-Bude, sondern ein Restaurant. «Eben», sagen wir, deswegen sind wir hier abgesessen. Nichts zu machen. Wir essen dann auf der Terrasse nebenan. Zwar fastfoodig, doch gut. Zwei Stunden später fahren wir nach Hause. Ein Blick zum unhöflichen Nachbar-Wirt. Er und die Servierdame sind noch allein, ohne einen Gast. «La République en marche!». 

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08. August 2018

 

In eigener Sache:

 

Objektivität beim Genuss

 

Meine Weinkenntnisse haben ein Erdbeben erlitten. Acht oder gar neun Richter-Magnituden sind es schon. Mit Worten: gross oder gar ganz gross. Seit dreissig Jahren befasse ich mich ernsthaft mit Wein, seit mehr als zwanzig schreib ich darüber, zehn Jahre lang verfasste ich alle 14-Tage eine Kolumne. Ich lese mindestens eine Weinzeitschrift pro Woche, besuche täglich Weinforen, habe nicht nur viele Flaschen im Keller, ebenso viele schon getrunken. Kurzum: ich fühle mich fast als Experte, zumindest sattelfest. Und jetzt dies! Ahnungslos öffnete ich einen Wein, den ich bisher noch nie getrunken habe. Kopfschütteln: untrinkbar! Meine Partnerin bestätigt: untrinkbar, Weinfehler! Kann es geben, weg in den Ausguss. Eine zweite Flasche wird nach ein paar Wochen geöffnet. Untrinkbar! Weinfehler! Ich schütte sie diesmal nicht aus, stelle sie neben mein Pult. Da steht sie, seit Monaten. Ich wollte mich nämlich erkundigen, was es mit diesem Wein auf sich hat. Jetzt die Antwort eines Weinfreundes, eines Kenners dieses Wein: «Es ist ein Amphoren-Wein!» Das wusste ich nicht. Ich erkannte es auch nicht, obwohl ich schon manchen Amphoren-Wein getrunken und auch beschrieben habe. Hätte ich es gewusst (oder erkannt), wäre er dann auch im Ausguss gelandet? Höchstwahrscheinlich nicht. Seither zweifele ich – auch dort wo ich mich sattelfest fühle – an meiner sensorischen Objektivität. Für einen Weinschreiber ein verheerende Zustand! 

30. Juli 2018

 

In eigener Sache:

 

Was für schöne Schuhe!

 

Zu den „verbotenen“ Helden meiner Jugend (50er Jahre) gehörten Rolf Torrin, Jerry Cotton, Nick Carter, Bill Jenkins, die unverwüstlichen Figuren der Trivialliteratur. Dazu auch Eddie Constantine, alias Lemmy Caution, der FBI-Agent. Als sein erster Film, „Im Banne des blonden Satans“ - 1953 erschien - da war ich gerade mal 14 Jahre alt, noch nicht „kinotauglich“, für mich also unerreichbar. Anders die Männer, die sich durch die „Schundheftchen“ kämpften. Sie  zirkulierten – unter der Hand natürlich – im Freundeskreis. Es gab Väter (und Mütter), die tolerierten die Gestalten in den meist zerfledderten Heftchen: „Die Hauptsache, unser Bub liest!“. Andere, wie meine Eltern, wachten streng über meinen Lektüre. „Winnetou“ war das  Äusserste, was noch in unser Haus kommen durfte. Schliesslich standen die Bände auch in der Pfarrbibliothek. 1955 – da war ich endlich 16 – schlich ich in die „Revolverküche“ unserer Nachbarstadt: „Rote Lippen, blaue Bohnen“ mit Eddie Constantine. Doch schon zwei Jahre später war es fertig mit den „blauen Bohnen“. „Giganten“, mit James Dean, „Vertigo“ von Hitchcock oder „Das siebente Siegel“ von Bergmann, dies war nun die „wahre“ Kinokultur. Eddi Constantine hingegen mit Verachtung bestraft.

Jetzt habe ich – nach so vielen Jahren – Lemmy Caution wieder getroffen. Er ist noch immer ein Held – ein Kinoheld. Inzwischen aber noch viel mehr: nämlich ein Kulturspiegel der frühen 50er. Whyskey in der Hand, die Zigarette im Mundwinkel, Blick ins Dekolleté einer BlondineOh, was für schöne Schuhe Sie tragen !

17. Juli 2018

 

In eigener Sache:

 

Die Like-Kultur

 

Der Daumen nach unten bedeutete – in der Arena des antiken Roms – den Tod, der Daumen hoch, das Leben. So wird es überliefert. Historiker meinen zwar, es könnte genauso gut umgekehrt gewesen sein. In den Arenen unseres Jahrhunderts ist die Definition aber klar: Daumen hoch gleich: „I like“. In den Social Media – den Arenen unserer Zeit – wird „geliked“, bis „die Schwarte kracht“. Die Schwarte? Noch so ein Begriff, der die ursprüngliche Bedeutung verloren hat. Worthülsen, zuhauf, inzwischen reduziert auf möglichst simple Zeichen. Der berühmte Daumen nach oben, asls Schlüssel zur Welt, zum Leben. Die lebenserhaltenden „Likes“ werden inzwischen begleitet von den „Emojions“, jenen Einfachstgesichter, die lachen, weinen, strahlen, zürnen, den Mund verziehen, die Nase rümpfend und, und, und… auch „Smilies“ genannt. Inzwischen gibt es auch ein Lexikon (mit weit mehr als 600 Einträgen), wo die Bedeutung der Bedeutungsleere gedeutet wird. Damit in Zukunft der denkende vom zornigen, der kreischende vom schnarchenden „Emotion“ auch unterschieden werden kann. Zu den Standard-Smilies – so lass ich mich belehren - gehört auch dieser Kopf,

der mir sagen will:„darüber kann ich nicht lachen“

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01. Juli 2018

 

In eigener Sache:

 

Die Ämtchenordnung

 

In unserer Siedlung gibt es keinen Abwart, keine bezahlte Kraft, die für Ordnung im Gemeinschaftsbereich sorgt: wischen, jäten, putzen, heizen, schaufeln, überwachen, reparieren… Kurzum für alles, was es zu tun gibt in jenen Bereichen, für die sich niemand direkt verantwortlich fühlt. Die ersten Jahre – es waren mehr als zehn – ging alles gut. Man war beschäftigt, die gewählte neue Wohnform auszuloten, sich wohnlich in einer nicht ganz gewöhnlichen Siedlung einzurichten. Irgendwann aber wurde etwas zum Problem, was auch in der Politik immer wieder beschworen wird (wenn man keine einschränkenden Gesetze erlassen will): Die Selbstverantwortung. Ein wabbeliger Begriff, der von jedem anders verstanden und ausgelegt wird. Die einen möchten viel, andere möglichst wenig, die einen dies, die andern das; die einen orientieren sich an einer «streng bürgerlichen» Ordnung, andere lieben eher das «kreative Chaos»… Kurzum: in diesem freien Spiel der undefinierten «Selbstverantwortung» gibt es Gewinner und Verlierer. Was tun? Man erstellt – was man in solchen Fällen immer tut - einen Plan: wer hat was, wann, wo zu tun. Das Was und das Wo sind definiert, nur das Wann bleibt – als Spielraum – halbwegs offen. «Ämtli» nennt man es, wortkosmetisch. Jedes «Amt» aber verpflichtet. Inzwischen umfasst die Liste der Ämtchen  54 Positionen. Schön zugeteilt, in grosse und kleine Ämtchen. So wird Selbstverantwortung umgehend zur Verpflichtung, wird das Zusammenleben unversehens zur Ämtchenordnung.  

20. Juni 2018

 

In eigener Sache:

 

Über den Wolken muss die Freiheit wohl Grenzenlos sein

 

Ein Foto aus meiner Jugend erinnert an meinen ersten Flug. Das war 1952, ich war gerade mal 13 und hatte genügend Punkte gesammelt (Ich weiss nicht mehr wovon. Ovomaltine?). Jedenfalls konnte ich damit einen Alpenrundflug machen. Weder meine Mutter, noch mein Vater waren je in einem Flugzeug gesessen. Ich war nicht nur stolz, ich fühlte mich – zusammen mit den beiden Kollegen, die es ebenfalls geschafft haben – als König. König der Lüfte. Heute, 66 Jahre später, sitze ich mit 250 anderen Passagiere neun Stunden eingepfercht in einem Riesenvogel, Flugzeug genannt. Eng, stickig, angeschnallt, eingeklemmt in eine Viererreihe. Vor mir ein Bildschirm mit dauernd wechselnden Flugangaben und eine Wand. Die kleine Lucke nach aussen ist weit weg. Es werden zwei Mahlzeiten serviert. Schlechtester Fastfood. Hygienisch verpackt, doch ungeniessbar. Zu trinken gibt es auch: vom Wasser, über Cola bis schlechtem Wein. Ich kann mich kaum bewegen beim Essen, zum Nachdenken reicht es gerade noch: Distanzfressen, Zeit gewinnen und verlieren. Eine Stunde Autofahrt zum Flughafen, Sicherheitskontrollen, Check-in, muffige Beamte, Rolltreppen, Weg-Labyrinthe bepflastert mit Reklame. Vorbei das Königsgefühl, ein Gefangener bin ich geworden. Leidensstunden als Preis an die globalisierte Welt

27. Mai 2018

 

In eigener Sache:

 

Ehrfurcht vor dem Leben

 

Ein Zirkus ohne Tiere ist wie ein Fussballspiel ohne Ball. Ich weiss, der Vergleich hinkt, denn ein Ball ist kein Lebewesen. Zirkustiere sind es aber. Da hat der Mensch – das ist unbestritten – eine Verantwortung. «Ehrfurcht vor dem Leben», formulierte Albert Schweitzer seine Ethik, angesichts des Massenmordens im ersten Weltkrieg. Die Ehrfurcht vor dem Leben hat - zumindest unter den Menschen – nicht zugenommen. Im Gegenteil. Kriege, Gewaltherrschaft, religiöser Wahn, Terror sind  näher gerückt. Wir kämpfen auch mit ihren Folgen: Flüchtlingselend, Armut, Leiden Tod. Eine zivilisierte Welt steht all dem machtlos gegenüber. Mir scheint, als habe man Schweitzers Ethik deshalb auf Tiere begrenzt: Tierschutz. Gut so! Auch Tiere dürfen durch Menschen nicht leiden. Aber müssen wir sie auch klassifizieren? Brave und böse Tiere, nützliche und lebensunwerte, Schosstiere, Geliebte, Freunde und Feinde? Gerade so, wie wir es unter Menschen tun. Dürfen wir die einen töten, müssen wir andere schützen? Ist das Staunen, das Erleben, das Bewundern, das Lernen von Tieren, das Spielen mit Tieren ehrfurchtslos? Militante Tierschützer delegieren so gern den Lebenskampf auf Tiere und vergessen dabei die Menschen.

19. Mai 2018

 

In eigener Sache:

 

Wohin mein Auto entschwunden ist

 

Mein Auto war alt, es hat viele Jahre seinen Dienst getan. Die Kosten, um es immer wieder „verkehrstauglich“ zu machen, werden immer grösser. Die Abgase sind – im Verhältnis zur den heutigen technischen Möglichkeiten – horrend, zwar altershalber gerade noch toleriert, aber kaum mehr zu verantworten. Also muss das Auto weg. Aber wohin? Ab und zu – sehr regelmässig – finde ich kleine Kärtchen (Visitenkartengrösse) im Briefkasten. Etwa mit folgendem Text: „Ankauf von Gebrauchtwagen… auch Unfall – oder Motorschaden, ohne TÜV/Kat. – viele KM – ein Anruf lohnt sich“ Eine Adresse oder einen Firmennamen gibt es nicht. Nur eine Handy-Nummer. „Kauf Occasionen ab Platz, alle Autos… Unfall oder Zustand sind egal…“ Was geschieht mit diesen „alten Karren?“ Auf einer anderen dieser Karten steht es unverblümt: „kaufe Autos für den Export nach Afrika“. Anstatt auf die Schrotthalde also Recycling. Lobenswert? Wenn ich daran denke, dass mein ausgedientes Auto, das ich vor allem wegen seiner Umweltbelastung aus dem Verkehr ziehen will, nun weitere x-Jahre in Betrieb sein wird, ohne TÜF, ohne Abgaskontrolle, immer mehr Schmutz ausstossend, nur eben weit weg, an einem anderen Ort, wo man sich den „Luxus“ umweltschonender Fahrzeuge nicht leisten kann, da packt mich die Wut. Leben wir nicht unter dem gleichen Himmel? Rettet uns nicht die gleiche Ozonschicht, die immer dünner und löchriger wird? „Après nous le déluge“. Die Hauptsache: Gewinn.

10. Mai 2018

 

In eigener Sache:

 

Sprüche klopfen

 

«Es gibt nicht den Bauch. Es gibt nicht den Kunden, deshalb ist die CSS keine Krankenversicherung für Kunden. Sondern für Menschen». Ich gehöre – seit mehr als 75 Jahren – zu den Personen, die – gemäss der CSS (Christlichsoziale Krankenkasse der Schweiz) nicht Kunden, sondern Menschen sind. «Ganz persönlich», dieses Sprücheklopfen habe ich satt. Ich bin indirekt «Kunde» von drei Krankenkassen; zumindest habe ich Erfahrung mit drei unterschiedlichen Versicherungen, da meine Tochter und meine Partnerin «Kunden» anderer Kassen sind. Ich habe nicht nur das Gefühl – sondern auch viele Belege – dass ich nicht nur der «beste Kunde» bin (mit den höchsten Prämien für etwa die gleichen Leistungen), sondern auch der «schlechteste Mensch». Denn das, was ich mit der CSS erfahre, ist - im Vergleich zu den anderen Kassen - weder kunden- noch menschenfreundlich. Und dies über viele Jahre und viele Beispiele. Jüngstes Müsterchen: Zurückführungskosten bei Krankheit (oder Unfall) im Ausland. Als Journalist (mit «menschlichem» Beruf) erfahre ich erst jetzt – längst nach meiner Pensionierung – dass ich dafür nicht versichert bin, nie versichert war. Zusatzversicherung – jetzt für 16 Tage Russland - 30 Franken. Während dies, bei meiner Partnerin – mit der ich reise – selbstverständlich in ihrer Versicherung eingeschlossen ist. Sprüche klopfen, satt Leistung (und individuelle) Beratung. «Ganz persönlich», ich empfinde dies – weil es nicht ein, sondern einer von vielen Fällen ist - als Skandal.

03. Mai 2018

 

In eigener Sache:

 

Kartensalat

 

Das Sammeln ist des Sammlers Lust. Allerdings nicht immer, nicht überall. Und nicht alles, was man sammeln sollte, macht auch wirklich Freude. Es bereitet genauso oft auch Ärger, Unlust und sogar Wut. Zum Beispiel, die x-Duzend Plastikkärtchen, die man sammeln und mit sich tragen sollte. Immer und überall, sonst hat man sie nicht zur Hand, wenn man sie zur Hand haben müsste. Automaten lieben sie heiss, von Bargeld wollen sie meist nichts mehr wissen. Automaten sind eben Automaten, keine Menschen. Wer zum Beispiel nur eine Bankkarte hat, ist sicher schon morgen «aufgeschmissen». Irgendein Automat verweigert die Annahme – warum auch immer. Ist ihm völlig egal, ob man Geld, zu Essen, eine Fahrkarte oder was immer braucht oder gar dringend auf die Toilette muss. Eine gültige Karte muss her. Doch seine häufigste Reaktion: «Diese Karte ist ungültig» Wenn es nur das wäre! Da sind auch die amtlichen «Papiere», der Führerschein, die Identitätskarte, die Krankenkassenkarte, die Versicherungskarte, die Fahrkarte und, und, und… Ohne sie - im Einheitsformat, 4,5x8.5, vollgestopft mit Codes und Sicherheitscodes – lässt sich nicht mehr gut leben. Wehe, wenn man aber eine der Karten verliert oder sie gestohlen wird, dann ist der Teufel los. Sperren, Erklären, Begründen, Neubestellen, Warten, Warten… Ein ordentliches Stück Arbeit und viel Ärger. Auch wenn man sie nur – im Wirrnis des Codes-Salates – in die falsche Tasche gesteckt hat. Sind Peinlichkeit und Ärger programmiert. Karten dienen auch der Kundenregistrierung und Lockvogel für Rabatte. Für jede Firma eine andere Karte. Die neueste (sicher nicht letzte) Kartenidee sind die «Geschenkkarten». Genauso unhandlich und zerbrechlich wie die anderen Karten, genauso so ungebraucht wie an den meisten Tagen im Jahr. Nur konzipiert für den Tag und den Fall, wo man sie unbedingt braucht und garantiert nicht bei sich hat.

20. April 2018

 

In eigener Sache:

 

Wortbeschönigung

 

Man möchte den Alltag hinter sich lassen, verreisen, die Welt erleben… Ferienträume, der Gang zum Reisebüro. Da können die Flüge gebucht, das Auto gemietet, die Hotels reserviert, die Insel gewählt werden. Ein freundlicher  Empfang, ein Herr, eine nette Dame hinter bequemen Tischen. Vor sich eine Tastatur, einen grossen Bildschirm, etwas abgerückt, damit er nichts verdeckt, ein schnittiges Flugzeugmodell, ein, zwei farbige Wimpel, unübersehbar ein Namensschild. Träume sollen in Erfüllung gehen. Das ist viel angenehmer, als am Bildschirm zu surfen, den besten Preis zu eruieren, den schönsten Ort zu finden…und sich durch die Fallstricke von Computerprogrammen zu quälen. Das überlässt man gerne dem freundlichen Herrn, der netten Dame, auf der anderen Seite des Tischs. Ihr Beruf – hochoffiziell, gelernt und geprüft – Reiseverkehrskaufman oder –frau. Eine Berufsbezeichnung, die mit einem Schlag alle Träume zerstören kann: Kaufen, Verkehr... Das geht doch nicht! Flugs wird aus dem Reiseverkehrskaufmann ein Reisedesigner oder eine Reisedesignerin. Ein Designer, das ist doch ein Gestalter,  ein Entwerfer, ein Künstler – kreativ und nur um das Schöne bemüht. Nein, ein Designer ist den Träumen und Wünschen von Kunden viel näher. Euphemismus heisst das griechische Fremdwort für diesen Wortwandel, zu deutsch Wortbeschönigung. Der Duden gibt dafür gleich ein Beispiel: das Bordell wird zum Freudenhaus. Und alle ist viel schöner, eben designed.

09. April 2018

 

In eigener Sache:

 

Lehrstück der Marktwirtschaft

 

Mächtig geärgert habe ich mich, als ich das sportliche Ereignis – wollte ich dabeisen - lesen musste. Häppchenweise lesen, so alle Minute eine Meldung, bis zum Schlusspfiff: S i e g! Live-Stream nennt sich das, ein Bildersatz für Sportereignisse, die «exklusiv» verkauft wurden und bis zum Geht-nicht-mehr gesponsert werden. Direkt und indirekt auch von der Öffentlichkeit. Das Dabeisein kostet, Eintritt natürlich, auch nicht gerade wenig. Inzwischen hat sich das Dabeisein erweitert zum Pseudodabeisein am Bildschirm. Die Angst der Veranstalter, die Leute würden nicht mehr kommen, hat sich nicht bewahrheitet. Das Gegenteil ist der Fall. Viele Sportstätten füllen sich nur, weil das Fernsehen dabei ist. Für das Fernsehen ist «Dabeisein» auch Werbung für den Medienauftritt. Dieser wird jährliche durch Gebühren bezahlt, politisch ausgehandelt, staatlich abgesegnet. Das haben private Anbieter recht gut verstanden. Mit verlockenden Angeboten haben sie Exklusivrechte erworben. Das Dabeisein ist zum Bezahlfernsehen mutiert. Nicht nur das: Auch zum Zwang ein privates Unternehmen zu nutzen, das die Vorleistung von Gemeinden und öffentlichen Institutionen zur Verkabelung der Schweiz schamlos verhökert hat, mit miserablen Leistungen und einem noch miserableren Service. So sehr verärgert, dass ich – nach mehr als 20 Jahren - den Kabelanschluss plombieren liess und den Anbieter gewechselt habe. Jetzt tritt dieses Unternehmen «neu aufgestellt» mit exklusiven Angeboten – Mark tauschliessend – auf den Plan. Ihr einziges Bekenntnis. Bezahlen oder Verzichten (was bisher ein Teil der Leistung des öffentlichen TV-Angebot war). Lehrstück des sogenannt «freien Marktes»!

29. März 2018

 

In eigener Sache:

 

Sprachirrungen und -verwirrungenn

 

Unter den Gaben, die Gott den Menschen geschenkt hat, ist auch die Sprache. Indem er Adam mit göttlichem Geist ausstattete, übertrug er ihm auch die Sprachfähigkeit (1. Mose 2,7). Auch wer mit dem christlichen Gott und der Bibel Mühe hat und Sprache eher einer Kulturleistung als der Gottesgabe zuordnet, versteht die Geschichte der Babylonischen Sprachverwirrung und das Bild des Turmbaus zu Babel (Gen 11,1–9). Babel hat sich nämlich bis heute erhalten. Ein babylonischer Turm wird immer auch dann gebaut, wenn Wahlen anstehen. Da ist Sprachverwirrung und -irrung gewünscht. Man soll aus den viele Versprechungen möglichst viel – alles (oder auch nichts) – verstehen können. Leerformeln statt Verbindlichkeit. Es ist die Sprache der plakativen Werbung, der wir eigentlich skeptische gegenüberstehen, weil wir alle schon unsere schlechten Erfahrungen gemacht haben. Eine kaum zu überbietende Leerformel prangt zum Beispiel auf der Werbung der SVP: «Mehr Schweiz». Dafür müssen natürlich zwei - auf Glanzfolie abgebildeten - Köpfe in den Gemeinderat. Die sich als liberal-sozial bezeichnende CVP möchte hingegen «mehr Bubikon». Dies erinnert mich an zwängende Kinder, die schreien, wenn ihnen etwas gefällt: «No meh!» Doch sie sind entschuldigt, sie müssen das Denken halt noch lernen.

19. März 2018

 

In eigener Sache:

 

Sporttabelle

 

Meine Sportbegeisterung ist einseitig. Ein «echter» Sportfan würde sogar sagen: gar nicht vorhanden! Da gibt es zwar - seit ich als Jugendlicher selber auf Schlittschuhen stand - einen Eishockeyklub, der meine «bevorzugte» Mannschaft bezahlt. Eigentlich nur interessant, wenn man dafür jubeln und leiden kann. Ich hasse beides, das Jubeln und das Leiden. Also gehe ich eher auf sportfernen Pfaden. Da gibt es aber noch die Tennisbälle – obwohl ich nie im Leben einen in der Hand gehalten habe – denen ich fasziniert nachschaue, auch wenn sie nicht von Göttern geschlagen werden. Der Winter bringt Schnee und Eis, auf denen verbissen um Ränge und Punkte gerast, gefahren und geschossen wird. Schliesslich sind – alle vier Jahre -  olympische Spiele, an denen  Nationen zu Gold, Silber und Bronze schmilzen. Ab und zu treten auch Nationen mit elf Männern oder Frauen zum 90-Minuten-Kampf an, als wäre es ein Krieg der Nationen. Gegenüber all dem – und noch ein paar Sachen mehr - stehe ich gelasssen gegenüber. Doch ich kann ich mich nicht (ganz) entziehen. Am Bildschirm juble und leide ich mit. Jedenfalls so lange, bis mir wieder bewusst wird: Da treten zehn, fünfzig oder gar hundert Menschen zum «friedlichen» Kampf an, um auf einer Rangliste ganz oben zu stehen. Diese leuchtet – am Bildschirm – kurz auf, wird staunend, lobend, anerkennend oder fluchend zur Kenntnis genommen. Die Namen, die zuoberst stehen, werden bejubelt, gelobt, andere vermisst. Über die ersten auf der Sporttabelle wird gesprochen. Und die anderen 9, 49 oder 99.? Sie verschwinden blitzschnell aus der Tabelle und  rasch aus unserem Gedächtnis. 

13. März 2018

 

In eigener Sache:

 

Den Stecker ziehen

 

«Bleiben Sie mit Ihren Freunden in Kontakt. Immer. Überall.» Das Bild einer strahlenden jungen Frau. Darauf der Stempel: «-50%». So die Werbebotschaft eines Netzanbieters. Minus fünfzig Prozent! Worauf bezieht sich dies? Ich bin der festen Überzeugung: Auf die Lebensqualität! Immer erreichbar, überall! Muss das sein? Will ich das überhaupt? Der «Segen» der immer dichteren Netze hat sich längst in einen «Fluch» verwandelt: Handy-Netz, Internet-Netz, Video-Netz, eMail-Netz, Social-Media-Netz… Sie alle umgarnen uns. Immer und Überall!  Es sind nicht nur die Freunde, welche sich darin tummeln. Es sind Werbende, Verlangende, Ungeduldige, Fragende, Schmeichelnde, Behauptende… Darunter viele «falsche Freunde»! Sie alle rennen durch die Netze. Kommunikation ist nur ein Klack. Ohne Gesicht. Ohne Stimme. Ohne Empathie. Ohne unterschied für das was wichtig ist, was unwichtig, was Anmassung, Belästigung. Nicht nur das. Alle verlangen Beachtung, eine Reaktion, eine Antwort. Sofort, immer, überall! Jedes Netz ist ein Flächengebilde mit Öffnungen. Auch wenn es immer engmaschiger wird, versuche ich immer häufiger durchzuschlüpfen. Wenn dies nicht mehr geht, zerreisse ich es. Oder ziehe einfach den Stecker. 

04. März 2018

 

In eigener Sache:

 

Nur ein Satz

 

Eigentlich wollte ich den Ausspruch unkommentiert, dem Vergessen anheimfallen lassen. Der Anlass – der Abstimmungskampf um die No-Billag –Initiative – ist  morgen vorbei. Durch eine Mehrheit entschieden. Doch der Satz – so fürchte ich – wird weiterleben, sich durch die Köpfe robben und recht bald wieder auftauchen, wo und wann er nützlich ist. Es ist der Satz, oder besser das Bekenntnis, einer unglaublich kulturlosen Geisteshaltung. Ein Satz, der nur die eigene Person umkreist, und den eigenen Vorteil, die eigene Welt in sich birgt. Es ist der Satz einer bankrotten Gesellschaft, die glaubt am Bankschalter das Leben – auch das Zusammenleben – kaufen zu können. Und dabei nur so viel zu bezahlen bereit ist, wie er  für sich selber braucht. Unten und oben, rechts und links, da sind nur die anderen, die - so wird vorausgesetzt  gleich denken und handeln. Jede Kultur, jede Solidarität, jede Gemeinschaft, jede Humanität wird dem eigenen Ego unterworfen. Eigentlich ist der Satz: „Ich bezahle nur das, was ich auch brauche“, strohdumm. Eigentlich! Aber er ist auch brandgefährlich, weil er Gemeinschaft leugnet und jede Gesellschaft vernichtet. 

23.  Februar 2018

 

In eigener Sache:

 

Freundlichkeit statt Arroganz

 

Behinderte wollen nicht Mitleid, vielmehr Akzeptanz. Sie setzen auf eine Welt voll Rücksicht und jenen Erleichterungen, die ihnen das Dabeisein erst möglich macht. Diese Einsicht ist nicht neu, doch sie wird immer mehr institutionalisiert, delegiert an Vorschriften, Forderungen, Gesetze, und damit dem entzogen, was eine Gesellschaft ausgezeichnet. Das Miteinander, das Verständnis, das Füreinanderdasein. Dazu gehören auch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Zum Beispiel das Anbieten eines Platzes in öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn ein älterer Mensch oder ein Behinderter keinen Sitzplatz findet. Die Hilfe beim Überqueren einer Strasse. Das Mit-Tragen einer Tasche oder eines Koffers, wenn die Kräfte nicht mehr reichen. Selbstverständlichkeiten, würde man meinen. Weit gefehlt! Alles muss reglementiert werden. Sitzgelegenheit für Behinderte im Zug. Da haben Behinderte das Recht, den Platz in Anspruch zu nehmen, andere Menschen wegzuweisen. Ein Recht, das oft erstritten wird mit Pochen auf das Recht, mit Einforderung auf Rücksicht. Dies aber funktioniert nur schlecht und wirkt rasch einmal arrogant. Gefragt wäre Freundlichkeit statt Arroganz. Alles ginge viel leichter, auch ohne Reglementierung. Eigentlich ganz einfach.

07.  Februar 2018

 

In eigener Sache:

 

Umdefinitionen

 

Rhetorik, die Kunst der Rede, ist ein wichtiges Instrument der Macht. Schon dort, wo der Begriff geprägt wurde, in der griechischen Antike, spielte sie eine entscheidende Rolle, wenn es um politische Meinungsbildung ging. Das ist noch immer so. Menschen, welche die Rhetorik beherrschen und gezielt anwenden, beeinflussen das Verhalten der Menschen. Nicht nur ihre Meinung, auch ihre Befindlichkeit. «Wir sind Papst», in tausendfacher Abwandlung, ist ein Beispiel für den Kult der Schlagzeilen. Zur Rhetorik gehören aber nicht nur Schlagworte; es gibt ein ganzes Arsenal von Methoden, Tricks und Kniffs, die bei Bedarf eingesetzt werden können. Die «Umdefinition» ist so ein Trick. Nach Abstimmungen, aber auch im Sport, im Beruf, im Alltag, wird das Verlieren zur «echten Chance», die Trauer zur «grossen Hoffnung», der Krieg zur «Befriedung». Oder - aktuell - werden Gebühren zu «Zwangsabgaben». Rhetorik kann – sie muss aber nicht – Demagogie sein. Umdefiniert heisst dies: sie wird sie zur «Klärung», zur «Aufklärung», oder zur "Selbstbestimmung".

Die bisherigen Kolumnen hier

29  Januar 2018

 

In eigener Sache:

 

Macht und Unsterblichkeit

  

Alle reden über ihn. Seit Tagen, seit Wochen. Die Berufsschreiber schreiben, die Schreibfaulen twittern. Meist nicht sehr freundlich, eher ordinär; so ordinär, wie er sich gibt. Eine Schleimspur zieht sich durch die Schweiz.  Er ist der Mann, «dessen Namen man nicht nennen darf», oder nicht sollte, oder nicht möchte. Selbst wenn seine Anhänger ehrfurchtsvoll von ihm reden, wenn er eine Unterschrift auf ein Machtdokument setzt, wird sein Name umschrieben. Alle zucken zusammen, wenn er im Klartext ausgesprochen wird. Natürlich rede ich von Lord Voldemort, dem «Dunklen Lord» (im Originaltext: «Dark Lord»), dem Widersacher von Harry Potter, dem machtbewussten Zauberer der sieben Büchern von Joanne Kathleen Rowling. Zehn Jahre lang geistert er durch die Phantasien von Jung und Alt. Immer wieder mit neuen schrecklichen Taten und düsteren Plänen. Dann aber muss auch er - mit letzten Potter-Band - das Geisterreich verlassen. Sein Zauberwort hat keine Kraft mehr, nur sein Erbe lebt weiter. Kurze Zeit in den Köpfen, dann nur noch in sieben Büchern, die allmählich verstauben und in Vergessenheit geraten. Vorbei das Zittern, vorbei der Spuck.  Niemand redet mehr über ihn..

19  Januar 2017

 

In eigener Sache:

 

Ein bequemes Leben

 

 

Es wäre doch so einfach, würde ich all den Aufforderungen folgen, die jeden Tag in meinem elektronischen Briefkasten landen. Oder doch nicht? Zum Beispiel:  «Reite auf der Bitcoin Bitcoin Welle und verdiene garantiert €13.000 in genau 24 Stunden.» Kann ich das glauben? Das, mit dem Glauben, ist so eine Sache. Leichtgläubig – so glaube ich – bin ich nicht. Aber wenn es um 13'000 Euro geht – und zwar in genau 24 Stunden – könnte man doch all die Lebenserfahrungen (für einmal) beiseiteschieben… Aber halt! Reiten kann ich nicht. Wie soll ich da mit Reiten Geld verdienen? Für solche Überlegungen bleibt keine Zeit. Der nächste elektronische Wurf ist schon da: «Nach unserem Besuch Ihrer Homepage möchten wir Ihnen ein Angebot von Produkten vorstellen, das Ihnen ermöglichen wird, den Verkauf Ihrer Produkte deutlich zu erhöhen». Welche Produkte? Ich verkaufe keine Produkte auf meiner Homepage. Nicht einmal Dienstleistungen. Hat das der «Besucher» denn nicht bemerkt. Ein Roboter hat nur einen beschränkten Verstand. Er kennt nämlich nur den Gewinn (seinen) und den Verlust (meinen). Gottseidank brauche keine teure Armee, um ihn mir vom Leibe zu halten. Nur ein guter Spam-Filter.

09  Januar 2017

 

In eigener Sache:

 

Mühe mit Traditionen

 

Traditionen sind ein Stück Kultur. Darin verpackt – oft kaum zu erkennen oder gar einzuordnen: vergangener Zeitgeist, Brauchtum, Geschichte, Lebensumstände und nicht zuletzt auch Glaube und Aberglaube. Rund um Weihnachten und Neujahr häufen sich – weltweit – die Rituale, Bräuche und Traditionen. Dazu gehört der Brauch des Dreikönigkuchens und die damit verbundene Königswürde für einen Tag. Schon in vorchristlicher Zeit wurde zu Ehren des „Gottes der Aussaat“ (Saturnus) an einem Festmahl im Januar um eine zeitlich begrenzte Königswürde gewürfelt. Im nordischen Brauchtum erfüllten spezielle Kuchen mit eingebackenen Bohnen die Wünsche von Menschen. Im Christentum tauchten dann die drei Könige aus dem Morgenland auf. Die Vermischung heidnischer Bräuche und christlicher Deutung führte schliesslich zum Dreikönigskult. Der Kuchen und die Krone sind bis heute geblieben. Doch mit den Königen – gar mit den Heiligen Dreikönigen – hat man heute Mühe. So ist aus meinem Dreikönigskuchen nicht etwa ein König, schon gar kein heiliger, gestiegen, sondern „Peppa Pig“ eine britische Comic-Figur. Was hat die hier zu suchen? Etwas Aberglaube (ein vermenschlichtes Säuli), viel Zeitgeist (Comic-Figur) und das Unverständnis für Brauchtum, haben das ersetzt, was an kulturellen Werten verloren gegangen, ideologisch missbraucht und tüchtig kommerzialisiert worden ist .Die bisherigen Kolumnen hier

16  Dezember 2017

 

In eigener Sache:

 

Nachhilfeunterricht

 

Auch das Bundeshaus in Bern – mit den beiden nationalen Parlamenten – wird nicht verschont von weltweiten Grabsch-Enthüllungs-Welle. Zuerst war es ein Parlamentarier, der Frauen zu nahegekommen sein soll. Dann ging sie los, die nationale Empörung. Ob Hinterbänklerinnen oder Vorderbänklerinnen, viele hatten etwas dazu beizutragen. Statt sich zu empören - zum Beispiel über die Verweigerung, freigewordene Millionen der kränkelnden AHV zuzuschieben oder anderen Entscheiden, die das Wohl der Schweiz betreffen – empört man sich lieber über Grabscher im Bundeshaus. Habe ich richtig verstanden: erwachsene Frauen, Politikerinnen, die gewählt wurden, für Lösung nationaler Probleme zu kämpfen, sind nicht in der Lage – an Ort und Stelle, wo auch immer im Bundeshaus – allfällige Grabscher direkt in den Senkel zu stellen? Da herrscht kein Abhängigkeits- oder Arbeitsverhältnis, das geschützt werden muss. Da begegnen sich selbstbewusste Menschen, die über das Wohl der Schweiz bestimmen, nicht anonym, gut vernetzt in Partei und Fraktion. Im Bundehaus – so wird berichtet – sorgte während Tagen ein Thema für grosse Unruhe: ein Merkblatt der «Verwaltungsdelegation» des Rates , das den Parlamentariern und Parlamentarierinnen den Unterschied zwischen Flirten und Grapschen erklärt. Nachhilfeunterricht für Schwererziehbare?

02  Dezember 2017

 

In eigener Sache:

 

Rites de Passage

 

Sind wir ganz befreit vom Aberglauben? Diese Frage stellt sich bei allen Übergängen im Leben, vom Einen zum Anderen, vom Alten zum Neuen, vom Vertrauten zum Unbekannten. Solche Situationen – so der Soziologe – werden auch in modernen Gesellschaften als potentielle Gefahr erlebt. Sie seien am besten rituell zu bewältigen, in sogenannten „Rites de Passage“, Übergangsriten. Sie entspringen weniger einem Aberglauben als der Dokumentation und Absicherung eines Übergangs von einer bekannten zu einer unbekannten, von einer gesicherten in eine ungesicherte Lebenssituation. So beginnt bei mir – seit bald fünfzig Jahren – jedes Jahr mit 12 Traubenbeeren, die ich um Mitternacht bei jedem der 12 Glockenschläge zu mir nehme, jede Beere von einem Wunsch begleitet. Dies sei ein spanisches Ritual, habe ich mir sagen lassen. Doch in diesem Jahr hat das Ritual bei mir nicht stattgefunden. Ich habe schlicht und einfach vergessen, Trauben zu kaufen. Ein paar Minuten vor Mitternacht kam es mir in den Sinn. Zu spät! In all den vielen Jahren – wo immer in der Welt ich gerade war – ist mir dies kaum je passiert. Ein schlechtes Omen? Aberglaube? Nein, daran glaube ich nicht, aber an die Tatsache, den ersten vertrauten Schritt im neuen Jahr verpasst zu haben. Alle bisherigen Kolumnen hier