In eigener Sache... (Kolumne).  Zweiter Teil ab Dezember 2018

29  Januar 2018

 

In eigener Sache:

 

Macht und Unsterblichkeit

  

Alle reden über ihn. Seit Tagen, seit Wochen. Die Berufsschreiber schreiben, die Schreibfaulen twittern. Meist nicht sehr freundlich, eher ordinär; so ordinär, wie er sich gibt. Eine Schleimspur zieht sich durch die Schweiz.  Er ist der Mann, «dessen Namen man nicht nennen darf», oder nicht sollte, oder nicht möchte. Selbst wenn seine Anhänger ehrfurchtsvoll von ihm reden, wenn er eine Unterschrift auf ein Machtdokument setzt, wird sein Name umschrieben. Alle zucken zusammen, wenn er im Klartext ausgesprochen wird. Natürlich rede ich von Lord Voldemort, dem «Dunklen Lord» (im Originaltext: «Dark Lord»), dem Widersacher von Harry Potter, dem machtbewussten Zauberer der sieben Büchern von Joanne Kathleen Rowling. Zehn Jahre lang geistert er durch die Phantasien von Jung und Alt. Immer wieder mit neuen schrecklichen Taten und düsteren Plänen. Dann aber muss auch er - mit letzten Potter-Band - das Geisterreich verlassen. Sein Zauberwort hat keine Kraft mehr, nur sein Erbe lebt weiter. Kurze Zeit in den Köpfen, dann nur noch in sieben Büchern, die allmählich verstauben und in Vergessenheit geraten. Vorbei das Zittern, vorbei der Spuck.  Niemand redet mehr über ihn..

19  Januar 2017

 

In eigener Sache:

 

Ein bequemes Leben

 

 

Es wäre doch so einfach, würde ich all den Aufforderungen folgen, die jeden Tag in meinem elektronischen Briefkasten landen. Oder doch nicht? Zum Beispiel:  «Reite auf der Bitcoin Bitcoin Welle und verdiene garantiert €13.000 in genau 24 Stunden.» Kann ich das glauben? Das, mit dem Glauben, ist so eine Sache. Leichtgläubig – so glaube ich – bin ich nicht. Aber wenn es um 13'000 Euro geht – und zwar in genau 24 Stunden – könnte man doch all die Lebenserfahrungen (für einmal) beiseiteschieben… Aber halt! Reiten kann ich nicht. Wie soll ich da mit Reiten Geld verdienen? Für solche Überlegungen bleibt keine Zeit. Der nächste elektronische Wurf ist schon da: «Nach unserem Besuch Ihrer Homepage möchten wir Ihnen ein Angebot von Produkten vorstellen, das Ihnen ermöglichen wird, den Verkauf Ihrer Produkte deutlich zu erhöhen». Welche Produkte? Ich verkaufe keine Produkte auf meiner Homepage. Nicht einmal Dienstleistungen. Hat das der «Besucher» denn nicht bemerkt. Ein Roboter hat nur einen beschränkten Verstand. Er kennt nämlich nur den Gewinn (seinen) und den Verlust (meinen). Gottseidank brauche keine teure Armee, um ihn mir vom Leibe zu halten. Nur ein guter Spam-Filter.

09  Januar 2017

 

In eigener Sache:

 

Mühe mit Traditionen

 

Traditionen sind ein Stück Kultur. Darin verpackt – oft kaum zu erkennen oder gar einzuordnen: vergangener Zeitgeist, Brauchtum, Geschichte, Lebensumstände und nicht zuletzt auch Glaube und Aberglaube. Rund um Weihnachten und Neujahr häufen sich – weltweit – die Rituale, Bräuche und Traditionen. Dazu gehört der Brauch des Dreikönigkuchens und die damit verbundene Königswürde für einen Tag. Schon in vorchristlicher Zeit wurde zu Ehren des „Gottes der Aussaat“ (Saturnus) an einem Festmahl im Januar um eine zeitlich begrenzte Königswürde gewürfelt. Im nordischen Brauchtum erfüllten spezielle Kuchen mit eingebackenen Bohnen die Wünsche von Menschen. Im Christentum tauchten dann die drei Könige aus dem Morgenland auf. Die Vermischung heidnischer Bräuche und christlicher Deutung führte schliesslich zum Dreikönigskult. Der Kuchen und die Krone sind bis heute geblieben. Doch mit den Königen – gar mit den Heiligen Dreikönigen – hat man heute Mühe. So ist aus meinem Dreikönigskuchen nicht etwa ein König, schon gar kein heiliger, gestiegen, sondern „Peppa Pig“ eine britische Comic-Figur. Was hat die hier zu suchen? Etwas Aberglaube (ein vermenschlichtes Säuli), viel Zeitgeist (Comic-Figur) und das Unverständnis für Brauchtum, haben das ersetzt, was an kulturellen Werten verloren gegangen, ideologisch missbraucht und tüchtig kommerzialisiert worden ist .Die bisherigen Kolumnen hier

16  Dezember 2017

 

In eigener Sache:

 

Nachhilfeunterricht

 

Auch das Bundeshaus in Bern – mit den beiden nationalen Parlamenten – wird nicht verschont von weltweiten Grabsch-Enthüllungs-Welle. Zuerst war es ein Parlamentarier, der Frauen zu nahegekommen sein soll. Dann ging sie los, die nationale Empörung. Ob Hinterbänklerinnen oder Vorderbänklerinnen, viele hatten etwas dazu beizutragen. Statt sich zu empören - zum Beispiel über die Verweigerung, freigewordene Millionen der kränkelnden AHV zuzuschieben oder anderen Entscheiden, die das Wohl der Schweiz betreffen – empört man sich lieber über Grabscher im Bundeshaus. Habe ich richtig verstanden: erwachsene Frauen, Politikerinnen, die gewählt wurden, für Lösung nationaler Probleme zu kämpfen, sind nicht in der Lage – an Ort und Stelle, wo auch immer im Bundeshaus – allfällige Grabscher direkt in den Senkel zu stellen? Da herrscht kein Abhängigkeits- oder Arbeitsverhältnis, das geschützt werden muss. Da begegnen sich selbstbewusste Menschen, die über das Wohl der Schweiz bestimmen, nicht anonym, gut vernetzt in Partei und Fraktion. Im Bundehaus – so wird berichtet – sorgte während Tagen ein Thema für grosse Unruhe: ein Merkblatt der «Verwaltungsdelegation» des Rates , das den Parlamentariern und Parlamentarierinnen den Unterschied zwischen Flirten und Grapschen erklärt. Nachhilfeunterricht für Schwererziehbare?

02  Dezember 2017

 

In eigener Sache:

 

Rites de Passage

 

Sind wir ganz befreit vom Aberglauben? Diese Frage stellt sich bei allen Übergängen im Leben, vom Einen zum Anderen, vom Alten zum Neuen, vom Vertrauten zum Unbekannten. Solche Situationen – so der Soziologe – werden auch in modernen Gesellschaften als potentielle Gefahr erlebt. Sie seien am besten rituell zu bewältigen, in sogenannten „Rites de Passage“, Übergangsriten. Sie entspringen weniger einem Aberglauben als der Dokumentation und Absicherung eines Übergangs von einer bekannten zu einer unbekannten, von einer gesicherten in eine ungesicherte Lebenssituation. So beginnt bei mir – seit bald fünfzig Jahren – jedes Jahr mit 12 Traubenbeeren, die ich um Mitternacht bei jedem der 12 Glockenschläge zu mir nehme, jede Beere von einem Wunsch begleitet. Dies sei ein spanisches Ritual, habe ich mir sagen lassen. Doch in diesem Jahr hat das Ritual bei mir nicht stattgefunden. Ich habe schlicht und einfach vergessen, Trauben zu kaufen. Ein paar Minuten vor Mitternacht kam es mir in den Sinn. Zu spät! In all den vielen Jahren – wo immer in der Welt ich gerade war – ist mir dies kaum je passiert. Ein schlechtes Omen? Aberglaube? Nein, daran glaube ich nicht, aber an die Tatsache, den ersten vertrauten Schritt im neuen Jahr verpasst zu haben. Alle bisherigen Kolumnen hier