Gelesen

23. Juni 2018

 

Gelesen: 

 

Elena Ferrante
«Meine geniale Freundin »

 

Roman, Band 1 der Neapolitanischen Saga, aus dem Italienischen von Karin Krieger

 

9. Auflage 2017 –  Suhrkamp Verlag Berlin,  ISBN 978-3-518-42553-4, Original: 2011 «L’amica geniale» Edizione e/o, Rom

Sie ist jetzt auch bei mir angekommen, Elena Ferrante, die grosse bekannte Unbekannte der italienischen Gegenwartsliteratur. Eigentlich entziehe ich mich gerne allen Hypes, auch den literarischen. «Eine solche weltweite Erfolgsgeschichte hat es in der italienischen Literatur noch nie gegeben, nicht einmal mit Umberto Ecos Roman ’Der Name der Rose’ (1980)», schrieb die in literarischen Fragen selbstbewusste NZZ (Neue Zürcher Zeitung). Zugegeben, neugierig war ich schon, doch hatte ich nicht schon bei Eco standgehalten, zumindest bis zur Verfilmung von «Der Name der Rose». So sollte es mich nicht nochmals ergehen, denn inzwischen ist für nächstes Jahr bereits eine TV-Serie nach dem Stoff der vierteiligen Serie angekündigt. Inzwischen ist auch der vierte, der letzte Band dieser napolita-nischen Sage (in deutsch Übersetzung) erschienen. Höchste Zeit wenigstens die Nase ins Buch zu stecken. Ich kann es ja beim dem ersten Band belassen. Nein, ich kann und will es nicht lassen. Das erste Buch des Vierteilers – ich gebe es zu – hat mich gepackt, mitgenommen in die Welt der eleganten Formulierungen und leisen, unaufgeregten Schilderungen: «In den darauffolgenden Tagen entdeckte ich, dass meine Akne austrocknete. ‘Du siehst wirklich gut aus, das ist die Zufriedenheit, die dir die Schule verschafft, das ist die Liebe’, sagte Lila und ich spürte, dass sie ein wenig traurig war.»  Die ausgetrocknete Akne und die angedeutete Stimmung von «Bonjour Tristesse» umschreibt beschreibt besser als hochtrabende Erklärungen das Glück und die Sorgen von Teenagern in einer «geschlossenen» Gesellschaft, von Armut, Lebenskampf und Tradition beherrscht Zwei Mädchen – am Schluss des ersten Bandes 

(Foto  Il Sistemone)
(Foto Il Sistemone)

etwa sechtzehn - sind hineingeboren in ein ärmliches Viertel von Neapel, in ein Leben, das von Gewalt, Streitigkeiten und Rivalitäten geprägt ist, wo die Camorra wie ein unsichtbares Gespenst die Fäden sieht, wo sich die innere Emigration anbietet, als Weg zum Überleben, wo Auswanderung nur schwer vorstellbar ist, weil ein Netz von Tradition, Familie, Zwang, Gewohnheit, Unterwürfigkeit, Verpflichtung das Leben einschnürt. Wer denkt da nicht an einen Sozialreport, wo Tod und Mordschlag die Szenarien prägen? Nicht so in diesem Buch, das die Freundschaft zweier Kinder, später zweier junger Frauen beschreibt, aber so, dass «Mord und Totschlag» zwar präsent sind, sich aber in kindliche Träume und jugendliches Schwärmereien auflösen. Irgendwo – so Mitte vom Buch – wird deutlich, wie viel soziale, gesellschaftliche, wirtschaftliche Realität schon im Kinderspiel enthalten ist, und wie sehr zwei junge Menschen – Lila, die eine – heiratet und - Elena, die andere – geht weiterhin zur Schule, versuchen sich ihr Leben einzurichten.  Daraus entwickelt sich ein eine Geschichte, die berührt - 

sowohl das Gefühl, als auch den Verstand. Und immer wieder – geschickt gemacht – treiben Cliffhanger die Stroy und die Emotionen unerbittlich weiter. Sogar über drei weiteren Bücher des einen Romans? So sehen es jedenfalls die meisten, der längst vorliegenden Buchbesprechungen und Lesermeinungen. Ich werde den zweiten Band mit hohen Erwartungen lesen, in der Hoffnung, die gleiche sprachliche und dramaturgische Munterkeit anzutreffen, welche den ersten Band prägen und auszeichnen, als Sozialanalyse verbunden mit Genuss und Ergriffenheit. Ist so etwas  in der vorliegenden epischen Länge möglich? Wohl möglich, weil es vier Geschichten sind, die nächste: «Die Geschichte eines neuen Namens».      

05. August 2018

 

Elena Ferrante

 

Die Geschichte eines neuen Namens

 

Jugendjahre
Band 2 der Neapolitanischen Saga 
Roman, aus dem Italienischen von Karin Krieger 


2017 Suhrkamp Verlag,  622 Seiten,
ISBN 978-3-518-42745-9

 

Die Frage ist einfach: was fasziniert denn an diesem Buch- an dieser Geschichte? Da steht, wie es fast überall steht, in den Vorbemerkungen von Romanen, die in Bezug auf Personen, Ort und Zeit fixiert sind.: "Die Personen und die Handlungen des vorliegenden Werkes sowie alle darin enthaltenen Namen und Dialoge sind erfunden,,," Und es ist so - wie in vielen vergleichbaren "Geschichten", dass zwar Namens- und Beziehungskosmetik betrieben wird, die "Geschichte" aber nicht unwahrer werden. Im Gegenteil - durch ihre Verdichtung -werden sie sogar wahrer als die Realität,.

Sie werden zu einem Spiegel, der nicht kalt und seelenlos zurück wirft. Wo Emotionen - und nicht die Handlung - zum Träger der Geschichte wird. Es ist kein feines, behutsames Buch. Manchmal ist es brutal, krass, sogar vulgär, "Gewagt" übersetzt es die Ich-Erzählerin, die im Buch  auch Elena heisst und zum Schluss ihren Erstling veröffentlicht. 

Für mich ist es vor allem die Sprache, welche  der Klang der Sprache, welche mich fasziniert und dazu treibt, immer weiter zu lesen. Auch wenn sich auch die Seelennöte spiegeln, sogar oft wiederholen.  Ich weiss, es ist ein Übersetzung. Das Original kenne ich nicht. Doch auch die Übersetzung ist sprachlich hervorragend, ist sprachlich ein Vergnügen. Selbst dort, wo sich die Autorin im Teenagergepläkel verliert.

Ab und zu habe ich das Gefühl, man hätte vieles zwar nicht einfacher, aber kürzer erzählen können. Vielleicht hätte man mich dann vielleicht um  hundert, vielleicht um zweihundert Seiten Spass betrogen. Einiges ist auch voraussehbar. Es kommt, wie es kommen muss. Es taucht auf, wer auftauchen muss. Sieger und Verlierer gibt es nur vorübergehend, Dann wechseln sie ihren Status. Verstecken sich in historischen Ereignissen, oft auch nur in Andeutungen. Die Sechzigerjahre, die atomare Bedrohung, das sich abzeichnende Computerzeitalter...Und über allem schwebt der Begriff "lernen", als Hoffnung, als Bestätigung, als Niederlage...Jedenfalls erinnert mich der Roman dauernd an Fernsehserien. An gut gemachte an die Besten. Oder an Wäsche, die vors Fenster gehängt wird, zum trocknen...

21. Juli 2018

 

Gelesen:

Winnetou II

 

Karl-May-Verlag, Bamberg
1962 - Jubiläumsaugabe

 

Fortsetzung:

Darin hat Karl May zwei frühere Erzählungen verwendet. „Der Scout“, 1988/89 als Fortsetzung im „Deutschen Hausschatz“ (Verlag Pustet) und „Old Firehand“, bereits 1975 im „Deutschen Familienblatt“ erschienen. Auch wenn in Winnetou II von Karl May leicht umgeschrieben, angepasst und mit einem kleinen, neuen Schlusskapitel ergänzt wurde, so stammt das Werk (sein Geist) doch aus dem späten 19. Jahrhundert, auch wenn immer wieder mal sprachliche und stilistische Anpassungen vorgenommen wurden.  In der Diktion spiegeln sie noch immer die Welt vor rund 150 Jahren. Und zwar nicht den Alltag – vielmehr das Fremde, das Abenteuer, das Unbekannte, das Geheimnisvolle – auch das Erdachte, Erträumte und Phantasierte.

Hat dies in der heutigen, scheinbar so rationalen Zeit keinen Platz? Fiktionale Abenteuer im Weltraum und/oder auf anderen Planeten sind in Mode. Welten, die weit unrealistischer sind, als der zeitbedingte, aber durchaus reale Kosmos von Karl May. Das Phantastische hat durchaus noch einen Platz auch in der Literatur. Winnetou ist noch existent in unserer Zeit. Die Handlungen sind oft absurd, zumindest unrealistisch. Doch der Geist ist ist durchaus real, viele Grundaussagen sind sogar top-aktuell. Man schleicht eben nicht mehr durch die Wälder, durch Steppen, durch fremde Länder. Man schleicht und robbt und schlägt sich heute durchs Internet, durch eine virtuelle Welt, die weit weniger durchschaubar, aber nicht minder bedrohlich ist, als die Gefahren, welchen Old Shatterhand und Winnetou dauernd ausgesetzt sind. Daneben aber gibt es in den „Reiseerzählung“ von einst – so phantastisch sie sein mögen - immer den Menschen im Mittelpunkt, seine Überlegungen, sein Denken und Urteilen. Und da hat sich grundsätzlich wenig geändert in den letzten mehr als 100 Jahren. Feindschaft und Freundschaft, Bedrohung und Frieden, Leben und Tod sind genauso – wenn nicht noch mehr - präsent

 

Um auf den aktuellen Anlass zurückzukommen. In Engelberg wird Theater gespielt. Ein kleines Stück von Winnetou II (nämlich den zweiten Teil, Old Firehand, der etwa einen Drittel des Buchs ausmacht) und zwar umgesetzt von einer Ich-Erzählung in eine spielbare, verständliche Theater-Form. Da werden Gedanken, Beschreibungen, Ansichten, Gefühle so umgesetzt, dass sie Theaterleben erhalten und verständlich sind und zwar in einer schnellen, immer wieder auf den Punkt gebrachten Form. Wer dies pathetisch nennt, hat Welt nicht verstanden, weder die Theaterwelt, noch die reale Welt unserer Zeit.

05. Juli 2018

 

Martin Walker

 

Revanche

Der zehnte Fall für Bruno Chef de police

 

Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie bei Kriminalromanen - so unterschiedlich sie auch sein mögen - immer wieder vorkommt. Am berühmtesten ist wohl die Figur von Georges Simenon, Jules Maigret, Komissar der Pariser Kriminaplolizei, die in 75 Romanen und 28 Erzählungen ihren Auftritt hat. Oder Commissario Brunetti, der dank Donna Leon unermüdlich in Venedig und in der ARD ermittelt. Vergleichen lassen sich die Figuren nicht jede und jeder lebt in ihrer, seiner Welt.  

So auch Bruno Courrèges, Chef de Police,

 

in einem schmucken Dorf an der Dordogne, in einer Provinz im Südwesten Frankreichs, "die für ihr reiches historisches Erbe, ihre Küche und das milde Klima ist".  In dieser Region befindet sich auch die berühmte Höhle von Lascaux, die oft als „sixtinische Kapelle der Frühzeit“ bezeichnet wird. Der Autor und "Erfinder" der Bruno-Geschichten ist Journalist, Historiker, mit 

Martin Walker          (Foto: Peter Züllig)
Martin Walker (Foto: Peter Züllig)

guten Kenntnissen der Vergangenheit und Gourmand, tief verwurzelt im Leben, in den Genüssen (und Schrecken) des Lebens, aber auch im lokalen, regionalen und auch internationalen Geschehen. Da brechen - sozusagen in jedem Roman - historische Ereignisse auf, sei es der Algerienkrieg, der lange Kampf um Unabhängigkeit im Kosovo oder der die Kollaboration oder der Widerstand in Frankreich im zweiten Weltkrieg. Fast immer führt die Beschäftigung mit der Vergangenheit zu einem aktuellen Konflikt. ja zu einer Katastrophe, die - dank Bruno - gerade noch rechtzeitig verhindert werden kann.

Diesmal geht es um einen sagenumwobenen alten Schatz, welche ein brisantes Dokument enthalten soll, welches im Nahen Osten grosse Unruhe stiften könnte  Doch es ist nicht allein der 

Ruinen im historischen Périgord (Foto: Peter Züllig)
Ruinen im historischen Périgord (Foto: Peter Züllig)

historisch interessante Plot, nicht ganz frei erfunden, der immer wieder fasziniert. Es sind die Menschen, die Figuren, "Altbekannte" aus dem Umfeld Brunos, welche die Szenerie bilden. Dabei schaffen sie kein Klima der Angst und des Schreckens, sondern geniessen herzhaft - trotz des obligaten Mordes und der Hetze nach dem Mörder - das Leben und Genüssen des Lebens: Essen und Trinken, Wein und Gänseleber, Sport und Spiel, aber auch die Liebe und die Freundschaft, das Vertrauen und nicht zuletzt die Verbundenheit mit der Region und ihrer Geschichte. Wenn ich mir genau überlege, sind es spannende Antiangst-Geschichten, die wohltuend in unsere sonst so angst-beherrschte Welt einbrechen und trotzdem - oder gerade deswegen - immer wieder Ordnung schaffen.

29- Juni 2018

 

Urs Berner

 

"Tschogglit"

und elf andere Feinheiten

 

Der Autor, Urs Berner, ist Erzähler, das gefällt mir. Er konstruiert nicht Abläufe, er erzählt Geschchten, Gescichten von Menschen, mit denen (oder mit ihren Geschichten)  man sich solidarisieren kann. Also kann man sie auch ablehnen, verwünschen, verdrängen - doch sie sind immer da - mit ihren ganz speziellen Lebenssituationen. Auch dann, wenn sie irgendwo, irgendwann in die Phantasiewelt 

(Foto: Neptung Verlag)
(Foto: Neptung Verlag)

abdriften, sich aus der Realität in die Imagination flüchten. Bei Kindern kennen wir das, Kinder kommen auch vor in einigen der zwölf Geschichten dieses Buches. Andere handeln nur von Männern, von gestandenen Männern oder untreuen Frauen. Untreue Männer wären ja viel nahe liegender, zu banal, also gibt es sie nicht (im Buch). Vielmehr sind es enttäuschte Männer, die aber ihre Enttäuschung nicht zeigen. Gut so, denn Bemitleidung wäre unerträglich. Eine kleine Enttäuschung aber gibt es bei mit, beim Lesen. Die Sprache. Korrekt, aber eher journalistisch, gradlinig, nicht verspielt, wie es die Geschichten (Feinheiten) sind. Nicht holprig, korrekt, für Geschichten, die gesellschaftlich eher unkorrekt sind. Da leicht pPhantastische spiegelt sich nicht in der Sprache. Eigentlich schade. 

15. Oktober 2017

 

Kriminalroman

Mordkap
von Rainer Doh


2016, Divan-Verlag, Kassel, 25 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-86327-026-1

Wer schon ganz im Norden unterwegs war, der fühlt sich vor allem vom Titel des Buchs angesprochen. Das Nordkap wird zum Mordkap, eine Fahrt mit dem ehemaligen Postschiff Hurtigruten zur Kriminalgeschichte. Kann das Buch halten, was es verspricht? Das Geschehen entwickelt sich von einer Begegnung mit dem Dorfpolizisten Arne Jakobson zur wilden Agenten-Story, etwas allzu wild - für eine beschauliche Fahrt entlang der rund 2'600 Kilometer langen Küste Norwegens. Allerdings beschränkt sich die Fahrt auf nördlichsten Häfen, die selbst für versierte Nordwärtsfahrende eine Mischung von Langeweile, Beschaulichkeit, aber auch Exotik und Unwegbarkeit darstellen: Skjervoy, Oksfijord, Havoysund, Honningsvag, Berlevag, Vardo, Kollefijord... Erstaunlich ist die Präzision, mit der die Stimmung auf dem Schiff, das Verhalten der Reisenden, aber auch der Ablauf der Landemanöver, das Leben ganz im Norden - wo es während zwei Monate überhaupt nicht mehr Tag wird - beschrieben werden.       

Rainer Doh

Rainer Doh ist kein Norweger, er ist Deutscher und lebt in München. Mordkap ist sein erster Kriminalroman. Im September 2017 erschien sein zweiter Krimi, Goldkap (iauch im Divan-Verlag). Und wieder geht es um den Norden und um Arne Jakobson, der inzwischen Kriminalkommissar geworden ist  Wieder faszinieren die Landschaft, das Leben, die Abgeschiedenheit, aber auch die Wildheit der steilen Felsen, der Berge, der Fjorde rund 300 Kilometer nördlich des Polarkerises. Diesmal ist es Sommer, der Ort der Handlung nicht mehr die Hurtigruten.

Zurück zu Rainer Dohs Erstling im Bereich der Kriminalgeschichten. Es ist eine Mischung aus Nostalgie und Moderne. Das Postschiff, so wie es im Bild oben im Hafen liegt, verkehrt nur noch selten auf der berühmten Route entlang der Fjorde und Inseln Norwegens..Es sind moderne Kreuzfahrtschiffe wie die Midnatsol auf der die Jagd nach dem Verbrecher glücklich (es gehört sich so!) endet.

Rainer Doh hat bisher Fachbücher und Aufsätze zu IT-Themen verfasst. Jetzt - bei seiner erstem Kriminalgeschichte - kommt ihm dies zugute. Er gliedert und strukturiert das Geschehen, das von Petersburg über Oslo bis Berlin reicht, so klar und verständlich, dass genügend Zeit bleibt, um in Beschreibung und Andeutungen eine intime Stimmung zu erzeugen und immer wieder Spannung aufzubauen.

In der Atmosphäre, die bis ins kleinste Detail rechcherchiert scheint -  liegt die eigentliche Qualität des Romans, weit weniger in der thrillerhaften Handlung, die sich zum Thriller wandelt. Es ist immer wieder das Gespür für Menschen und Menschlichkeiten, welche die Geschichte der kriminalistischen Spur entreissen und das Buch zu einer "Liebeserklärung" an den Hohen Norden und seinen traditionsreichen Verkehrsweg zur See machen.

Das Buch ist auch als Hörbuch erhältlich. Hier eine Hörprobe.

 

Hier der Link zum interessanten Kleinverlag, in welchem das Buch erschienen ist.

12. November 2017

 

Medien

 

Story-Telling für Journalisten

Wie baue ich eine gute Geschicht?

 

Von Marie Lampert und Rolf Wespe

Herbert von Halem Verlag

2017 - 4. völlig überarbete Auflage

ISBN 978-3-7445-0991-6

 

Erstmals 2011 im UVK Verlag, Konstanz erschienen,  das Buch inzwischen zu den „Klassikern“ der Journalisten-Ausbildung. Es wurde mit dieser vierten Auflage (Herbert von Halem Verlag, Köln) vor allem neu, zeitgeistiger aufgemacht, da und dort neu strukturiert und ergänzt.  Es erscheint jetzt als Band 89 in der Reihe „Praktischer Journalismus“.
Eigentlich hat das Buch – oder die Idee dazu – ihren Ursprung im Schweizer Fernsehen, wo ich als Ausbildner einen Kurs „Geschichten erzählen“ entwickelt habe. Diese Ausbildungseinheit bezog sich sich schwerpunktmässig auf das filmische Erzählen und wurde in der Folge (von mir und meinen Nachfolgern) laufend weiterentwickelt. Rolf Wespe, der Co-Autor des Buchs war arbeitete damals beim Fernsehen und besuchte auch diese Kurse. Daraus entstand ein breiter gefächertes Buch, das sich „Story-Telling für Journalisten“ nennt. Weiterlesen hier

Bei der Lektüre dieser Neuauflage des Buchs begegnen mir viele "alte Bekannte" der Medientheorie. Zweimal begegne ich mir sogar selber: bei den sieben Boulevard-Kriterien und in der Erlebnistheorie. Das "Geschichten-Erzählen" ist eben ein "altes Handwerk", das schon viele Meister gekannt hat. Meister des Erzählens. Ich habe mich viele Berufsjahre darin geübt, bis ich dann ab den 90er Jahren versucht habe, die Erfahrungen und das Wissen um das "Handwerk Erzählen" zusammenzutragen und in Theorien zu kleiden. Eigene Erkenntnisse, Liebe zur Systematik und Wissen von Theoretikern und Praktikern haben schliesslich dazu geführt, dass ich an der Universität Fribourg 14 Jahre lang unterrichten durfte. 14 dicke (und verstaubte) Ordner Medientheorie stehen im Büchergestell. Alles Teilaspekte des medialen, vor allem filmischen Erzählens. Zu einer "Gesamtschau" in Buchform habe ich es nicht gebracht. Das haben nun andere mit diesem Buch gemacht, In eine attraktive Form und auf den Punkt gebracht. Lesenswert und für Journalistinnen und Journalisten eine echte Hilfe. Nötiger denn je, angesichts der "verhakten" Kurzinformation, der Bilderflut und der Turbo-Kommunikation.

Für mich auch Anlass, ein paar der Erzähltheorien, die als Vorlesungen und/oder Kursunterlagen vorliegen hier auf meiner Website zu publizieren, als Serie in loser Folge.

Zu finden hier unter Medientheorie

09. September 2017

 

Martin Walker 
Grand Prix

 

2017, Verlag: Roman-Diogenes, Zürich - 384 Seiten, ISBN 978 06991 4

Erstausgabe 2016, aus dem Englischen übersetzt.

Wenn Fiktion Realität ist!

 

Es ist der neunte Fall für Buno, Chef de Police in Saint-Denis (Péricord, France). Und noch immer sind es Erfolgs-geschichten, die "Fälle" des Dorfpolizisten Bruno, die sich immer wieder ins inter-nationle Verbrechertum einnisten. Doch dies allein kann es nicht sein, was seine Leser - seit dem ersten Bruno-Roman,2008 - zu einer stattlichen Fan-Gemeinde zusammen-schweisst. Georges Simenons hat es zwar mit seinen 75 "Fällen" des Kommissars Maigret vorgemacht: Man nehme...

und es funktioniert, sofern man das Flair zu einem guten Kriminalkoch und Schriftsteller hat und dabei die einfachen (aber strengen) Regeln beachtet: Kontinuität bei den wichtigsten Personen und ihren Charaktern, Einheit der Örtlichkeiten, Nähe zum Alltag, Stimmigkeit in den Handlungen, etc.

Bei Martin Walker und seinen Dorf-Helden ist es eine weitere Ebene: Die Fiktion, die durchaus Realität ist.  Weiterlesen hier

2017, Verlag: Roman-Diogenes, Zürich 384 Seiten, ISBN 978 06991 4
2017, Verlag: Roman-Diogenes, Zürich 384 Seiten, ISBN 978 06991 4

 

 Es sind drei Elemente in den Bruno-Romanen, welche sich von anderen (guten) französischen Kriminal-romanen unterscheiden.

  • Historische Fakten, auf denen sich die fiktiven Handlungen und Personen bewegen. Der Historiker Walker steht über dem Erzähler und Geschichtenerfinder. Man erkennt den gut recherchierenden politischen Journalisten, der die Freiheiten in der Fiktion nutzt, um zeitgeschichtliche Hintergründe zu erhellen.
Die Mairie von Le Buge (weitgehend Vorbild des fiktionalen Dorfs Saint-Denis
Die Mairie von Le Buge (weitgehend Vorbild des fiktionalen Dorfs Saint-Denis
  • Tiefe Verwurzelung, ja Verankerung im Leben einer Kleinstadt (knapp 3'000 Einwohner), Da gibt es keine Grossstadt, keine Reisen, keine exotischen Schauplätze. Nur die Dordogne (Fluss), die regionale Politik, das ländliche Leben und die Schönheit einer Region, die abseits des Weltgeschehens liegt und trotzdem, dank der präzisen Schilderung, mittendrin.
  • Eine dauernd präsente, stark betonte Sinnlichkeit, beim Essen (inklusive Rezepte), beim Wein (es ist eine Weinregion), beim Sport, im Dorfgeschehen (vom Markt bis zur Beerdigung), in den traditionellen Festlich-
    keiten. Bruno schwebt nicht darüber hinweg, auch nicht als staatliche Autorität. Er ist - und will es sein - eigentlich "Dorfpolizist"

Da ich schon frühere "Fälle" von Bruno kommentiert habe, hier der Linzk zum

Achten Fall von Bruno, Chef de Police

(Auf der gleichen Seite, weiter unten. Mit vielen Bildern und weiteren Links)

08. August 2017

 

Franz Werfel:

 

Die vierzig Tage des Musa Dagh

 

Erstausgabe 1933 
Aktuell gelesene Ausgabe: 2016, 

                                                        Verlag Anaconda, Köln 
                                                        ISBN 978-3-7306-0343-7

 

 

Ein Buch mit 992 Seiten – eigentlich sind es drei Bücher, vereint in einer Ausgabe – kann man dies im Zeitalter der Likes, Smileys, Mfgs, 4es, BBs überhaupt noch lesen? Ein Buch mit Sätzen wie: «Eine Mutter sagt am Abend von ihrem Kindchen, das kaum die Augen offen halten kann: Es hat Schlaf. Gebriel Bagradian hatte Schlaf, nein er hatte Tod.»
Vielleicht sagt/schreibt man heute nicht mehr Kindchen, eher Kind, Knirps oder gar Youngster. Mag sein, PIMM! (SMS-Sprache: Bitte erzähle mehr darüber).
Gabriel Bagradian ist Armenier, aus reichem Handelshaus, mit einer Französin, 

So ist Gabriel Bagradian in ein Geschehen geraten, das man heute zurecht als Völkermord – Genozid – bezeichnet. Bei Massakern und Todesmärschen in den Jahren 1915 und 1916 kamen – je nach Schätzung 300'000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zu Tode. Die vierzig Tage am Mosesberg – Musa Dagh – sind nur ein kleiner Ausschnitt des Dramas, das vor etwa 100 Jahren stattgefunden hat:

Der heroische Kampf von 5'000 zum Tode – nämlich der Deportation - verurteilte Menschen, Männer, Frauen, Kinder, die sich auf dem Berg verschanzt haben und der türkischen Übermacht vierzig Tage lang Widerstand boten. Das Ereignis ist durch Augenzeugen und Dokumenten der christlichen Missionen historisch belegt. Daraus hat Franz Werfel (1890-1945) einen Roman geflochten, und damit der armenischen Nation «eine Seele gegeben hat.»

 

Kann man dies – auf fast tausend Buchseiten – noch lesen? Man kann, nein, man muss es lesen. Wegen der Geschichte, sicher. Wegen der Aktualität (Flüchtlingsströme von heute!), bestimmt Wegen der Spannung, natürlich. Wegen der einfühlsamen Beschreibung, jedenfalls.
Vor allem aber wegen der Sprache: Eine Sprache, die klingt, die lebt, die trifft, die sich über alles oft grausige Geschehen legt. «Gabriel fuhr mit eiskalter Hand über den englischen Stoff seines Anzugs. Wie Brennnesseln rührte er sich an. Und zugleich wuchs die Frage: Warum gerade ich? Wie eine Sonnenfinsternis fuhr die Verantwortung, die er auf sich nahm, mit Fledermausschatten über ihn hin. Ein schäbiger Gedanke. Weg von hier! Noch heute!... Worte und Sätze gewannen allmählich Sinn. Die Sonnenfinsternis wich von seinem Himmel.»

Nachwort

Der äussere Anlass, diesen Roman von Franz Werfel zu lesen, war eine Reise nach Georgien/Armenien. Während ich (wie fast alle der Reisegruppe) schon einiges über Georgien wussten (gelesen haben), war Armenien und seine Geschichte uns weitgehend unbekannt.

Vieles hat mich beeindruckt, vieles wollte ich genauer wissen (als dies in ein paar Tagen möglich ist). Da gab es auch die Erinnerung an den Genozid, der aus Gründen der Staatsraison nicht gewesen sein darf. Die Fakten habe ich mir erschlossen. Da lag es nahe, auch in den Roman von Franz Werfel  einzutauchen. Was ich getroffen habe, das sind nicht nur zu einem gewaltigen Roman verarbeitete Fakten. Das ist vor allem eine Sprache, die ich, internet- und facebookgewohnt wiederentdeckt habe.
Die Bilder der Reise, noch nicht vollständig aufgearbeitet, sind hier einzusehen

21. März 2017

  

Fredrik Backman:
Oma lässt grüssen uns sagt, es tut ihr leid

Roman


Aus dem Schwedischen von Stefanie Werner
Fischer Taschenbuch 
3. Auflage 1916 - 
478 Seiten - ISBN 978-3-596-19781-1

 

Original 2013: "Min mormor hälsar och säger förlat", Verlag Forum Stockholm. 

"Erst kommt die Krankheit und dann leider der Tod. Die titelgebende Oma stirbt zu Beginn des Buchs. Man könnte es wohl der Gattung Comedyroman mit ernstem Hintergrund zuordnen, geeignet für kindische Erwachsene und für nicht allzu erwachsene Kinder." (Spiegel online)

Der Zweitling eines erfolgreichen Autors ist immer der schwierigste, sowohl für den Autor, wie auch für die Leser. Der Autor muss sich lösen von seinem Erstling, er muss sich bewähren, er muss seinen Stil und ein neues Thema finden. Die Leser aber haben - wenn er Erstling "eingeschlagen" hat - unrealistisch hohe Erwartungen. Sie erwarten so etwas wie eine Fortsetzung, in gleichen Art, aber mit anderem Inhalt.

Der erste Roman des schwedischen Schriftstellers Fredrik Bachman, "Ein Mann namens Ove", erschienen 2012 war ein Bestseller und wurde bereits verfilmt.  Das Buch hat auch mich begeistert und ich habe es in der Rubrik "Gelesen" bereits vorgestellt. Inzwischen ist Backmans zweiter Roma erschienen.


Und?

 

Wiederholt sich der Erfolg des Erstlings? Erfüllt der zweite Roman die hohen Erwartungen? Ja - und Nein. Ja, weil er genau so witzig, genau so übe-rraschend, genau so gut beobachtet ist, wie seine Geschichte vom schrulligen, bärbeissigen Ove mit seinem verborgen-guten Herzen. Auch diesmal geht es um einen "Sonderling", genauer um Elsa, die bald achjährig ist, aber "weiss, dass sie anders ist!"
Eine vorwitzige, altkluge Göre, würde man sagen, wenn da nicht diese Märchenwelt, dieses Wegträumen in die wäre, wenn sich nicht die reale Welt und die reale Welt ständig begegnen, ja überschneiden würden. 

Und da wird die eingangs gestellte Frage von mir mit einem klaren "Nein" quittiert. Das Buch ist - allen poetischen Ansätzen zum Trotz - zu langfädig geraten. Die durchaus gewollten Wiederholungen - in kindlicher Manier - stossen an die Neven der Leser, die barocke Welt der Fantasie erreicht mitunter Rokoko im Quadrat, bis zur kitschigen Überspitzung. So, bei aller Begeisterung, meine Vorbehalte. Es lohnt sich also trotzdem das Buch zu lesen.

Hier geht es zur Besprechung von Ove

Foto: Gaby Gerster, Fischerverlag
Foto: Gaby Gerster, Fischerverlag

"Fredrile Backman, geboren 1981, war Journalist, Blogger, Gabelstaplerfahrer, Gastronomiehilfskraft und vieles mehr - heute ist er Familienvater und einer der erfolgreichsten Autoren Schwedens. Sein Debüt -Ein Mann namens Ove: eroberte weltweit die Herzen und die Bestsellerlisten und wurde mit Rolf Lassgärd fürs Kino verfilmt. Mit seinem zweiten Roman, -Oma lässt

grüßen und sagt, es tut ihr leid- zeigt Backman erneut seine schriftstellerische Vielfalt. In Schweden hat auch sein drittes Buch, sBritt-Marie war hier- schon wieder Platz 1 erreicht. Der Autor lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Solna bei Stockholm. Er muss immer noch daran arbeiten, es zu sagen, wenn ihm etwas leidtut."

03. März 2017

 

Gelesen:

Klara Obermüller


                           Spurensuche

                           Ein Lebensrückblick in zwölf Bildern

 

2016, Xantippe Verlag, Zürich

206 Seiten, ISBN 978-3-905795-42-4

Memoiren, Lebensbeichte, Erinnerunen, Autobiographie... Eigentlich ist dies - für mich - nur dann interessant, wenn sich darin ein Stück Historie - Weltgeschichte - verbirgt. Dies ist kaum der Fall bei Klara Obermüller, der Journalistin, Literatur-kritikerin, Autorin, Referentin und nicht zuletzt Persönlichkeit der Zürcher Kultur- und Kunstszene. 

Vielleicht ist es, weil ich Klara seit gut fünfzig Jahre kenne, weil ich mit ihrem ersten Mann, Peter Obermüller, in Zürich Kunstgeschichte studiert habe, weil ich ihren zweiten Mann, den Schriftsteller Walter Matthias Diggelmann schätzte, sei es weil Klara dort einzog, wo ich ein Leben lang gearbeitet habe... Ich weiss es nicht.

Jedenfalls nahm ich da Buch zur Hand und wollte eigentlich nur das lesen, wo meine eigenen Spuren ansatzweise zu finden sind. Bei gemeinsamen bekannten, im gleichen oder ähnlichen oider ähnlichen Umfeld, in einer zumindest "verwandten" Biografie. Es kam anders.

Nein, den Versprechungen glaubte ich nicht. Auch wenn sie im Vor-Vorwort ganz am Anfang stehen: "Es ist keine Autobiografie. Es sind keine Memoiren.  Es sind Bruchstücke von Erinnerungen..."

Was sind es dann? Es sind - und dies steht ganz am Schluss - auf dem hintern Buchdeckel - "zwölf einfühlsame und berührende Miniaturen..., die dazu anregen, selbst in die Vergangenheit einzutauchen und nach dem Kern des eigenen Wesens zu suchen." 

Ausblick aus dem Fenster im Raindörfli 1944
Ausblick aus dem Fenster im Raindörfli 1944

Tatsächlich konnte und kann das Buch - oder besser: Büchlein - dies erfüllen. Es kann auslösen, anstossen, in die Tiefe weisen. Es erfüllt seinen Zweck und es ist zudem - was man dieser Art von Büchern nur selten attestieren kann - auch spannend, wenig redundant und vor allem ohne Moralin.

Ich kann mir vorstellen, dass die eigene Biografie ganz anders sein kann, das Leben ganz anders verläuft oder verlaufen ist; ich kann mir vorstellen, das Daten, Fakten und Orte ganz anders sind und man trotzdem das Buch "mit dem Kopf und dem Herzen" liest, um dann nicht gerade zu den Schreibutensilien zu greifen, aber nachzudenken über die eigene Biografie, die Frage, "was hat mich zu dem gemacht, was ist? Was hat mich zu der/dem gemacht, die/der ich heute bin?"

 

20. Dezember 2016

 

Etienne Davodeau


Die Ignoranten

                             Wenn Wein und Comic sich begegnen

 

Originaltitel: Les Ignorants - Récit d'une initiation croisée
2011 Futurapolis, Paris

Deutsche Ausgabe: 2013 Egmont Graphic Novel, Köln

2. Auflage ISBN 978-3-7704-3728-3 

"Für Comic-Liebhaber und Weintrinker gleichermaßen vergnüglich zu lesen und anzuschauen. Die Übersetzung ist auch gut geworden, was sicher nicht immer einfach war."

"Für einen erstmal nicht so spannend aussehenden Band ist dies ein ganz wunderbar erzähltes Buch. Sehr interessant und empfehlenswert für Zeichner, Weininteressierte, Franzosenversteher."

"Schöner Comic mit ebenso schönem Thema."

"War ein Geschenk und hat viel Freude bereitet. Bei dem Thema ist Schwarzweiss vielleicht nicht die beste Option - farbig wäre "lukullischer" gewesen."

"Auch hier tolle Zeichnungen mit Komik und Wein ein ganz elegante Verbindung ohne aufdringlich und belehrend zu sein. Mir hat es gefallen."

 

"Die beiden französischen Protagonisten des Buches, ein Comic-Zeichner und ein Winzer, gewähren sich gegenseitig Einblicke in ihre Kunst. Im Laufe eines Jahres lernt der Zeichner alles über Wein, vom Rückschnitt der Reben bis zur Vermarktung auf Messen, sowie der Winzer alles über die in Frankreich hochgeschätzte Comic-Kunst. Als Leser lernen wir von beidem."

Der Comic-Zeichner Étienne schlägt seinem
Freund Richard einen außergewöhnlichen
Deal vor: Der Winzer soll ihn in die Welt des Weins einführen, im Gegenzug bringt er ihm
die Welt des Comics nahe. Richard beginnt,
Étienne lernt, woran man gute Weine
erkennt. Wie Reben richtig beschnitten
werden, wie man Fässer für die Lagerung auswählt und welches die besten Anbau-methoden sind. Doch viel bedeutsamer als
das Insiderwissen, das sich die beiden
vermitteln, ist die Erkenntnis, dass ihre Professionen mehr gemeinsam haben, als
sie ahnten… (Quelle: Verlagsmitteilungen). 


Die Zeichnungen sind komplett in Schwarz-Weiß gehalten, unaufdringlich und vermitteln auf angenehme Weise die gesammelten Eindrücke von E. Davodeau. Seine Texte haben einen feinen Humor, sind informativ und lassen an den Dialogen teilhaben. Ein dickes Comic-Buch, dass schnell gelesen ist."

 

"Der eine, Comiczeichner von Beruf, kann bei der Verkostung verschiedener Weine beim besten Willen nach ein paar Proben keinen Unterschied zwischen den einzelnen Weinen herausschmecken, ist somit was Wein angeht ein Ignorant. Und der andere, ein Winzer, ist irritiert über die autobiografischen Comics von Lewis Trondheim, weil er sich ebenda selbst mit Vogelschnabel zeichnet, und auch das Comic-Genie Moebius' will dem Winzer nicht so recht einleuchten. Weil auf den ersten Blick beide Lebenswelten, also die des Zeichners und die der Winzers, so gar nicht zusammenpassen, hat der Zeichner und Autor Ètienne Davodeau nun dennoch beide auf über 260 Seiten in Buchform gegossen. Herausgekommen ist mit "Die Ignoranten - Wenn Wein und Comic aufeinandertreffen" eine hochinteressante Lektüre."

 

"Davodeau begleitete für das Comic-Projekt über ein Jahr lang den ausgestiegenen Bänker Richard Leroy, der seiner Liebe für Weinanbau gefolgt ist, und nun biodynamisch seinen Weinberg betreut. So werden im Winter die Weinstöcke beschnitten, und es wird gezeigt, mit wieviel Handwerk und Liebe der Winzer seiner Passion nachgeht. Aber Leroy bekommt auch Einblicke in die Realität eines Comic-Zeichners. Er folgt Davodeau auf Comic-Messen und zu seinem Verlag, sieht, welches "Feintuning" in der Druckerei stattfindet und beuscht andere Comic-Schaffende in ihren Ateliers. Besonders gut gefällt mir der Gastbeitrag von Lewis Trondheim, der damit direkt die Frage Leroys nach den seltsamen Tierwesen in Trondheims autobiografischen Comics beantwortet.

"Die Ignoranten" ist ein höchst lesenswertes Comic geworden, das auch von Lesern, die für die Neunte Kunst wenig übrig haben, genossen werden kann. Die schwarzweißen und mit Graustufen versehenen Zeichnungen sind direkt und lebendig und passen zu der erdig-ehrlichen Geschichte hervorragend."

 

"Wer sich mit dem Thema Weinbau und Kellertechnik beschäftigt, aber nicht gleich in die Lehrbibliothek gehen möchte, findet hier eine interessante, aber auch sehr unterhaltsame Lektüre, die einen guten Start in das Thema bietet. Gleichzeitig erfährt man mehr über das Comic-Zeichnen und auch die Comic-Szene - das Ganze in einem toll gezeichneten und geschriebenen Buch, das Spaß macht, immer wieder zur Hand zu nehmen."

 

"Sicher ist jeder auf irgendeinem Gebiet ein absoluter Ignorant. Während der Comic-Zeichner Étienne Davodeau (“Lulu – Die nackte Frau“) kaum etwas über die Wein-Produktion weiß, kennt sich der Winzer Richard Leroy überhaupt nicht mit Comics aus. Das Konzept diese beiden "Ignoranten" zusammenzubringen, sich über ihre Arbeitsmethoden austauschen zu lassen und dies zu einem von Davodeau gezeichneten Comicalbum zu verarbeiten, klingt nur bedingt prickelnd. Doch das Resultat kann sich wahrhaft lesen lassen."

Auszüge aus Leserinnen- und Lesermeinungern auf Amazon

 

19. Oktober 2016

 

Marianne Pletscher 
Marc Bachmann

 

                          Wohnen wir wie im Paradies?

                          Die Bernoullihäuser in Zürich

 

                                 Lars Müller Publishers, Zürich

                                 2016  ISBN 978-3-03778-502-7

Es gibt drei Gründe, warum dieses soeben erschienene Buch bereits hier - in der Rubrik "gelesen" - Einzug hält:.

1. Ich wohne selber in einer Siedlung, die aus einem Gemeinschaftsgedanken geboren
    ist, und nun immerhin 40 Jahre - mit wenig Veränderungen - dem Wandel der Zeit
    getrotzt hat.
2. Das Buch ist Werner Schneider gewidmet, der hier gelebt hat und mit dem ich viele 
    Stunden und Tage versucht habe, Fernehen "zu machen" - besser zu machen.

3. Das Buch beginnt nicht - wie fast alle Architekturbücher, die ich in die Hände 
    genommen habe, mit einer "Totalen", möglichst von oben, Vogelperspektive, wie 
    Menschen ihr Daheim nie sehen. Das Buch beginnt mit Menschen und es bleibt bei
    Menschen, die in einer speziellen Architektur leben.

In einigen Tagen - wenn ich das Buch sorgfältig gelesen habe - wird in der Rubrik "Gelesen" eine Besprechung folgen, die dann mehr ins Detail gehen kann. 


09. September 2017

 

Gelesen

Martin Walker: Eskapaden

                               Der achte Fall für Bruno
                               Chef de police

Saint-Denis liegt: in einer Flusslandschaft,  die man als «Als „Wiege der Menschheit“ bezeichnet, wegen ihrer geschichtsträchtigen Vergangenheit.

Es sind keine literarischen Werke, es sind Genussbücher, dies ist das Spezielle daran. Ergänzt – nicht zufällig – von einem Kochbuch mit «Rezepten und Geschichten» aus dem Périgord.

Link zur Website von Bruno (deutsch)

Kolumne bei Wein-Plus "Foie gras, Trüffel und Wein"

Weiterlesen hier

Bruno ist wirklich Chef de Police und zwar in der halbwegs fiktiven Gemeinde Saint-Denis. Er heisst nicht Bruno und die Gemeinde auch nicht Saint-Denis. Es gibt sie doch (zumindest zum Teil naturgetreu) und liegt an der Dordogne im Périgord, im Südwesten Frankreichs. Acht Fälle hat er gemeistert – der wackere Dorfpolizist, der den Genüssen des Lebens gar nicht abgeneigt ist. Martin Walker hat sie – als Kriminalfälle – in acht Bücher gepackt… und es soll weitergehen, zumindest so lange, als Bruno in Saint-Denis lebt.

Eine Kriminalreihe, die süchtig macht. Nicht, weil sie so ausserordentlich ist, vielmehr, weil sie alltäglich daherkommt. überall sein könnte. Überall?  Nein, eigentlich nur dort, wo 

 

Es sind - ich habe es schon geschrieben - allesamt Genussbücher. Der Genus liegt weniger in den zwar spannenden, mitunter auch etwas allzu abgeschliffenen "Kriminalfällen", die sich nicht selten zu historischen Gemälden entwickeln. Martin Walker - ein Schotte - ist Historiker und Journalist, kein Kriminalroman-Autor. Doch seine Bücher beruhen auf historischen Fakten und Hintergründen und - dies ist das Besondere - sie spiegeln die Liebe zum Leben in einer wunderschönen - etwas vernachlässigten Region - etwas abseits vom Weinrummel im westlicher gelegenen Bordeaux.

 

links: Martin Walker, Pressekonferenz in Zürich

Ein Genuss ist auch das Kochbuch, das mit hervorragenden Fotos (Julia Watson), ausgezeichneten (regionalen) Rezepten und zwei kulinarischen Fällen für Bruno, Chef de police, aufwartet. 

02. August 2016

 

Gelesen:

 

"Ein Mann namens Ove"

von

Fredrik Backman

 

Es ist der Erstlingsroman des schwedischen Autors, der inzwischen noch zwei weitere Bücher veröffentlicht hat. 

"Oma lässt grüssn und sagt, es gut ihr leid"

(2016, Fischer Taschenbuch, ISBN 978-3-8105-0481-4)

"Britt-Marie war hier"

2016, Fischer Verlag, ISBN: 978-3-8105-2411-9

Die Geschichte von Ove ist verfilmt worden, mit Rolf Holger Lassgård in der Hauptrolle. Regie: Hannes Holm. Der Film wurde in den Städten bereits abgespielt, erlebt aber bei Open-Air-Aufführungen immer mal wieder ein Revival. So zum Beispiel in St. Gallen (Kantonsschulpark). Kritik:

"Ein Gutesgefühlfilm nicht nur für die Best-Ager"

Rolf Lassgård lässt seinen schwergewichtigen Charakter darauf mit einer unglaublichen Leichtigkeit tänzeln, kippeln. Nie wird dieser Ove zu jener Karikatur, zu der er eigentlich die besten Voraussetzungen mitbringt.Ist natürlich einer jener Filme, mit denen man in jüngster Zeit verstärkt versucht, die zahlungskräftige Gruppe Bestager in die Lichtspielhäuser zu holen und davon abzuhalten, sich von ihren Kindern und Enkeln erklären zu lassen, wie das mit dem Filmstreaming geht. Er sieht aber auch gut aus. Und man fühlt sich irgendwie besser danach. Weil man es wieder einmal geschafft hat, ein Scheusal liebzugewinnen. Und weil der Blockwart sich als Mensch erweist. Was ja Hoffnung macht für die Zukunft. Nicht nur in Schweden." (aus "Die Welt", 08.April 2016)

16. Juni 2015

 

Holy Shit

Meine Weltenreise von der Querschnittlähmung zum aufrechten Gang

von Edith Gloor

 

Eine kurze Mail hat mich daran erinnert. Meine Rubrik "Gelesen" ist fast leer, schrecklich leer. Zwar stehen an die 4000 Bücher an den Wänden meines Arbeitszimmers. Nicht alle, aber viele davon gelesen, irgendwann einmal. Zum Beispiel Werner Bergengruen, als Dichter fast vergessen, doch ein „begnadeten Erzähler“, der in seinen Novellen und Romanen menschliche Schicksale beschrieben hat. Darauf hat sich Edith Gloor in ihrem Buch "Holy Shit" direkt bezogen. Dies hat mich angesprochen, erinnert, zum Lesen angeregt.

Zum Buch von Edith Gloor:

Gebundene Ausgabe, 256 Seiten,

erschienen im Scorpio Verlag.

Preiis in der Buchhandlung 26.90

ISBN 978-3-95803-005-3








Werner Bergengruen (1892– 1964)

(Bergengruen schrieb Romane, Erzählungen, Gedichte und Übersetzungen, die sich durch die Sprache und den spannungsreichen Aufbau auszeichnen.) Hier das gekürzte Gedicht (Vergilbte Jahre), das in Edith Gloors Buch so etwas wie ein Angelpunkt darstellt.

 



"Vergilbte Jahre starren von den Wänden

des Bildersaals, den ich so rasch durchmessen,

wie schien er reich an Glanz und Augenblenden.

....

In einer Nuss fand ich das Weltgefüge

und noch im rostigsten der Kettenglieder,
im trübsten Bildwerk des Gottes Züge.

Jetzt blasst die Farbe. Schliesst die Augenlider

dem Vielgewanderten, dem Bildersatten!
Ich klage nicht. Ich strebe nicht dawider

 

und füge mich zu rühmlicheren Schatten."

 

(Werner Bergengruen, 1964)


Hier die Leseprobe zu der Passage mit dem Bergengruen-Gedicht

Ein Gespräch mit der Autorin auf SHF (Schaffhauser Fernsehen) Vorfahren bis nach den News!

 

 

 

23. Januar 2013

 

Watson online

 

Das neue "revolutionäre" Newsportal ist onlin. Es setzt neue Masstäbe in der News-Vermarktung.

Die Redaktion fiebert mit und verfolgt gebannt, ob watson erreichbar ist.

22. Januar 2014

21:01 Uhr
3,2,1 - watson ist online! Das neue Schweizer Newsportal ist geboren. Die Watsons jubeln. Sektkorken knallen.

 

Watson.ch goes online. Initiator und Chefredaktor Hansi Vogt zum ersten Mal auf Watson.ch. Das Video!

 

Erste spontane Reaktionen:

Nick Hartmann: "Liebe watson_news Marcher. Ihr habt Mut. Und das gefällt mir."

WWW Schweiz: "Oh, mit watson_news gibt's eine neue Art - wir mögen grosse Biodiversität"

Victor Giacobbo: "watson_news bereits zu Favoriten hinzugefügt - great expectations..."

Peter Hogenkamp: "Alles Guite. watson_news sieht toll aus."

 

17h

Bereits zu Favoriten hinzugefügt - great expectations...

30. Januar 2013

 

Vinum“ – Europas Weinmagazin - neu lanciert

 

Man hat es rauschen gehört, nein nur leicht säuseln, das Sesselrücken beim ursprünglich schweizerischen Weinmagazin „Vinum“. Ich kenne keine Hintergründe, bin als Weinliebhaber seit vielen, vielen Jahren einfach „nur Leser“ – besser noch: Abonnent. Ich habe die „Auf und Ab“ des Magazins erlebt, aus geistiger Ferne registriert, was sich da so tut. Absoluter Tiefpunkt war – für mich – der stille Abgang einer Chefredakteurin, die mit und für das „Vinum“ nicht nur gearbeitet, auch gelebt hat. Sie war verwurzelt in der Schweizer Weinszene, hat sicher Fehler gemacht, wie andere vor und nach ihr auch. Dass die Tragödie dann tödlich endete, hat mit „Vinum“ nichts zu tun – es war ein rein privates Drama. Wie sich „Vinum“ verhalten hat, als es darum ging, der ehemaligen Chefredakteurin würdig zu gedenken, war für mich auch „Vinum“ gestorben. Pietätlos, habe ich damals in einem Kommentar – hier – bei Wein-Plus geschrieben.

Die neue Chefredakteurin – von Gnaden des neuen Zeitschriften-Besitzers eingesetzt – blieb eine Aussenseiterin in der schweizerischen Weinszene. Wo immer ich mich da bewegte – sie stand ausserhalb des Geschehens, auch in der Diskussion, auch im Small-Talk in Sachen Wein, auch da wo es einfach darum ging, die Weinszene zu beleben (nicht einmal zu prägen). Das konnte nicht gut gehen! Offensichtlich – Hintergründe kenne ich wie gesagt nicht – ist es auch nicht gut gegangen. Thomas Vaterlaus – gut verankert in der Schweiz – den „Vinum“-Lesern ein fester Begriff, nein ein fester Wert, ist aus der „Diaspora“ – Vinum Deutschland – als Chefredaktor in die Schweiz zurück gekehrt.

Die Vorboten waren längst da. Wenn ein kritische Geist, wie der umtriebige Starblogger Dirk Würtz, unter dem Titel „Auflagen-Gau“ die Wein-Zeitschriften-Szene kritisch (und treffend) analysiert und schreibt: „Die “VINUM” – von mir in jüngster Vergangenheit sehr geschätzt – kommt gerade einmal auf 10.649 Exemplare und selbst ……“ Für einmal waren es da nicht die Fakten (die Auflagezahlen), die gerauscht haben, es war die Aussage: „…. VINUM - von mir in jüngster Vergangenheit sehr geschätzt…“, die mich vor einigen Tagen aufhorchen liesse. Da tut sich was.

Es dauerte keine Woche – Insider haben es natürlich längst gewusst – rückten die Chefsessel und ein „neues“ Vinum präsentiert sich. Eine Zeitschriftenkritik ist noch viel zu früh – es sind nicht viel mehr als einige Blicke, die ich in die „neue“ alte Zeitschrift geworfen habe. „Die Chardonnay – Welt steht Kopf“ – ein attraktives Thema, attraktiv präsentiert und – in der Schweizer Ausgabe – auf dem Titelbild drei Signalbegriffe (für Schweizer): Martin Suter, erfolgreicher Schriftsteller, Ottenberg, ein attraktives Rebgebiet der Ostschweiz, klein aber innovativ und Bordeaux 2010. Dies kann selbst einen enttäuschten – oder ernüchterten – „Vinum“-Abstinenten wieder zum Lesen animieren – und dies ist schon recht viel.