Fernsehen

26. April 2019

 

Gesehen: Kulturplatz

 

Auf SRF 1 - Mittwoch, 24. April 2019 um 22.25 Uhr 


Kulturmagazin.
Thema: «Mutter und Töchter»
 

 

In den vierzig Jahren meines Fernsehschaffens wechselten sich Annäherungen und Distanz zur «Kultur» immer wieder ab: Enttäuschung und Zufriedenheit, Begeisterung und Ärger, Aufbruch und Resignation, sowohl als Fernsehmacher als auch als Fernsehkonsumierender. 

Es waren (gefühlte) fünfzig Sendeformen, die ich erlebt, gesehen, besprochen, mitkonzipiert und oft auch mitgestaltet habe. Immer wieder erkennend, dass eine (wie auch immer) definierte «Kultur», dem Fernsehen (als Massenmedium) fast schon Feind ist. Abgeschoben auf unattraktive (meist spätnächtliche) Sendezeiten, eingepfercht in immer wieder neue (noch engere) Korsetts oder reduziert auf blossen Ereignis- und Hinweisjournalismus. 

Diese Erfahrung – und eine gewisse Ratlosigkeit – haben mich nicht von der Kultur, vielmehr von der Präsentation von «Kultur» oder vom «Kulturbegriff» des Fernsehens ferngehalten. Ich tauchte immer mehr unter - in der Mehrheit der Zuschauer, die den etikettierten Kultursendungen des Fernsehens kaum, nie, nur selten oder zufällig begegnen. Sie kommen mir vor, wie kleine exotische Inselchen im «Warenhaus Fernsehen», als Prestige-Objekte zwar da, aber weder mehrheitsfähig noch besonders fernsehtauglich und wenig beachtet.

So war es auch eher Zufall, dass ich zwei oder drei Sendung von «Kulturplatz» angeschaut, vielleicht auch nur konsumiert habe. Bei zwei waren es Themen, zu denen ich einen persönlichen Bezug habe: 

Die Therme Vals, wo ich schon in früher Jugendzeit oft war und «Emil», für den ich (als junger Journalist) einst das Vorwort in seinem allerersten Programmheft verfasst habe. Die beiden Sendungen – das sei hier doch angemerkt – haben zumindest meine Achtung, Anerkennung erhalten und ein klein wenig Staunen ausgelöst. Staunen vor allem, mit welcher grossen Sorgfalt auf das Bild, die optische Gestaltung, sagen wir «auf die Kultur des Sehens» geachtet wurde. Wie Informationen zu Kulturereignissen oder -objekten – und meist auch gelungen – in bildliche Darstellung verwandelt wurde. Schon in der Moderation, die hier mehr Bild als Information, jedenfalls kein Wortschwall (wie er sonst im Studio so gern losgelassen wird.

Nun endlich zum Fernseh-Kulturplatz, der diesem «Gesehen» zugrunde liegt. Diesmal hat die Sendung wenig persönlichen Bezug zu mir und meinen Interessen. Es sei denn das grundlegende Thema «Mutter», das für alle – wie auch immer die eigene Mutter erfahren und erlebt wird oder wurde – immer etwas Schwieriges, etwas Geheimnisvolles, etwas Emotionales ist und ein Leben lang bleibt. Es war meine Neugier, wie ein Thema, «das kompliziert ist» - so der O-Ton der Sendung – auch optisch verkleidet werden kann, wo es doch «nur» um Mütter und Töchter ging, um Bücher und Autorinnen, um «das so komplizierte» Verhältnis einer – schon rein biologisch – engen Beziehung. Kommt dazu, dass es unterschiedliche Bücher sind, die vorgestellt werden, dass meist englisch gesprochen wurde und dass dabei das Persönliche, das Individuelle dominierten. Da wurde im Bemühen um bildliche Attraktivität schon ab und zu viel arrangiert, (zu) viel Geschmäcklerische aufgetischt. Doch man spürte immer die das bildliche Erzähllust.

Es waren durchaus präzis (und sorgfältig) gestaltete Bilder und – was am Fernsehen schon fast ganz verloren gegangen ist – gut gestaltete Szenen. Nicht ein Schrotthaufen von Bildern, Augenblicken und Abläufen, sondern eine Kultur der filmischen Präsentation, des Sehens, auch wenn dieses «fern» ist.

 Der Grundtext, auch die Moderation waren weder geschwätzig, noch belehrend, noch selbstverliebt. Die Interviews auf den Punkt gebracht, auf das Thema, dem Anspruch und die Beteiligten ausgerichtet. Kein blosses Abfragen, vielmehr über weite Strecken eine echte Begegnung. Dafür ist die optische Gestaltung der Sendung mitverantwortlich. Vor allem aber – das mag absurd klingen – ist es die «filmische» Auflösung, die filmische Umsetzung, die trotz allen Klippen (zum Beispiel die Notwendigkeit Interviews zu übersprechen) weitgehend geglückt ist. Ich werde meine Fernseh-Kulturvermittlungs- Resistenz wohl doch reduzieren müssen.

                                                                                                              Peter Züllig               

12. Januar 2018

 

Gesehen: #SRF global

 

"Haltung zeigen" - Mit Anja Reschke

 

Eine Sendung des Schweizer Fernsehens 
Erstausstrahlung am 27. Dezember 2018 um 22.25
                                              Uhr

"#SRFglobal ist das Auslandmagazin von SRF. Florian Inhauser greift zusammen mit den SRF-Korrespondenten einmal im Monat ein aktuelles internationales Thema auf. Zu sehen ist #SRFglobal jeweils am ersten Donnerstag im Monat um 22.20 Uhr auf SRF 1 und zuvor bereits ab 20:00 Uhr online auf srf.ch."  Eine typische "Minderheitensendung" moderiert von "Anchorman" der Tagesschau, Florian Inhauser. Die Sendung wird dann auch weitere vier Mal ausgestrahlt, immer aber in Randzeiten. Eine ausgezeichnete Sendung, einfach gemacht (also nicht mit hohen Kosten) aber kompetent geleitet und vor allem - im komplizierten Durcheinander der Weltpolitik - eine verständliche Analyse und interessante begegnungen.

Die Ausgabe vom 27. Dezember 2018 mit Anja Reschke, der Moderatorin von "Panorama"  dürfte im Festtag-Rummel - trotz fünf Ausstrahlungen - (zu)wenig Beachtung gefunden haben. Dabei ist das Interview mit einer der der profiliertesten TV-Journalistinnen ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Mediendiskussion. Es geht um die Haltung des Journalisten als Vermittler von politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Problemen. Anja Reschke hat dazu ein Buch geschrieben, mit dem Titel "Haltung zeigen!". das kürzlich erschienen ist und das der Sendung zugrunde liegt. Ich werde "Haltung zeigen!" in den nächsten Tagen hier besprechen.und damit auch auf die Sendung zurückkommen.

Screenshot "Gier nach Gold"
Screenshot "Gier nach Gold"

21. Januar 2019

 

Gesehen:

 

Gier nach Gold –
Der Weg in die Dopingfalle

                                           
                                               ARD 17.01.2019 Sportschau -  16.00 Uhr  - 
                                               Länge 44.43 min.

Der Blick hinter die Kulisse der Sportwelt - in diesem Fall beim Ski-Zirkus - ist brutal. Er führt dazu, einmal mehr über die Mechanismen des Leistungssports nachzudenken. Vor allem weil es für einmal nicht den längst in Doping-Verruf geratenen Radsport betrifft, sondern den "weissen" Sport im Schnee. Der Vorwurf der Sportwelt an diesem Film: "Generalverdacht! Ein Einzelfall! So ist es nicht!" 

Der überführte Dopingsünder und Skilangläufer Johannes Dürr aus Österreich berichtet exklusiv in der ARD, wie sein Dopingprogramm weit über das bisher Bekannte hinausging.

Kommentar: Aufregung in der Sportwelt

Der Film kommt gar nicht gut an, bei Sportlern und Funktionären. 


Der Film wird als "Reportage" (Autoren: Hajo Seppelt, Wolfgang Bausch und Rolf-Günther Schulze) angekündigt. Es ist aber keine Reportage, auch auch keine Biografie eines "Dopingsünders". Es ist eine Dokumentation, die mit filmischen Mitteln - unzähligen Bildverfremdungen und optischen Spielereien - eine Geschichte erzählt. Die Geschichte vom Weg eines ehrgeizigen jungen Menschen vom Sportgynasium Stams bis zum Dopingfall. Endstation: Blutdoping und Erythropoetin (Epo). 

Der Film ist berührend weil da ein Mensch - meist nachdenklich und stockend - von sich erzählt. Von seinen kleinen - und schliesslich "grossen" Vergehen. Der Film ist spannend, weil er gut konstruiert und  mit viel Musik und Geräuschen aufgemotzt ist. Der Film zeigt aber auch einiges, was man nicht wusste, so noch nie vorgesetzt bekam.Und trotzdem wirft er mehr Fragen auf, als dass er Antworten gibt. Vor allem gibt er keine Antwort auf die "Schuldigen", die "Hinter-männer", die jetzt wiedereinmal "gejagt" werden. Der Staatsanwalt hat sich bereits eingeschaltet. Das übliche Verfahren, die üblichen Vorwürfe, die üblichen Manöver... Es wird nach Schuldigen gesucht, nach Schuldigen im grossen Schweigen des Sports. Das Problem liegt viel tiefer, bei der Vermarktung des Sports. Der Spitzensport muss bezahlt werden, die Funktionäre, die Verbände, die Anlagen, die Ausbildung, die Ausrüstung... und bei vielen Sportarten auch die Sportler (Berufssport). Das Geld kommt vmn Staat, von den Sponsoren, von den Vermarktungs-rechten, den Ausrüstern, der medialen Verbreitung... Sie alle wollen Erfolge. Spitzenresultate, die sich verkaufen lassen. Da geht es längst nicht mehr um den "reinen Sport", es geht um das "reine Geld". Die Athleten sind  darauf angewiesen.

Doping in der Leichtathletik, veröffentlich in der FAZ (2017)
Doping in der Leichtathletik, veröffentlich in der FAZ (2017)

Der Dopingsünder im Film bekennt: "Ich hab mir überhaupt nicht vorstellen können was ich tun sollte ohne meinen Sport. Da war nichts, da war nichts. Der Langlaufsport war so etwas Absolutes in meinem Leben, dass es links und rechts von diesem Tunnel nichts gegeben hat. Ich habe wahnsinnig Angst gehabt."

Davon spricht jetzt - nach der Ausstrahlung des Films - kaum jemand. Der Wettbewerb ist halt so: Da gibt es Sieger und Besiegte. Nur der Sieger bringt das erforderliche Geld (Gold). Die "Kampfer", die sich dauernd an der Grenze zwischen Erlaubt und Verboten bewegen, haben gefälligst selbst darauf zu achten, dass die schwammigen Grenzen nicht überschritten werden (oder dass man nicht ertappt wird). Fahnder sind unterwegs. Fahnder nach Sünder. Wann und wo sie erwischt werden, das sind es immer "Einzelfälle". Man weiss es halt nie so genau. Hauptsache: das System Sport funktioniert. Und das Schlimmste ist ein Generalverdacht. Bei Helden darf das nicht sein, nur bei Flüchtlingen, zum Beispiel, die sozusagen immer unter Generalverdacht stehen.

Foto: SRF
Foto: SRF

23. August 2018

 

«Danke, Kurt Aeschbacher –
40 Jahre im TV-Karussell»

 

Sonntag, 25. November 2018, 20:05 Uhr

 

 

Zur Information: "Ende 2018 wird die letzte Ausgabe von «Aeschbacher» ausge-strahlt. SRF würdigt die jahrzehntelange Arbeit von Kurt Aeschbacher in einer unterhaltsamen Show mit Überraschungs-gästen und wirft einen Blick zurück in die Vergangenheit. Durch die Sendung führt Sandra Studer. Am 30. Dezember 2018 wird die letzte reguläre Ausgabe von «Aeschbacher» ausgestrahlt." (Quelle SRF)

Sechs grosse Stühle und ein - für heutige Verhältnisse - schon fast schlichtes Dekor, mit wenig Lichtspielen, keinen Requisiten, keine optischen Gags, keinen oft peinlichen Situationen und Spielen, vor Publikum auf wenigen Reihen, moderiert von einer so gar nicht schrillen, aber sehr gewandten Gastgeberin und ein einziger Dauergast für gut zwei Stunden - das entspricht so gar nicht dem Konzept der grossen Fernsehshows am Sonntagabend zur Hauptsendezeit. Anstatt optisch aufgemotzte Clips und pausenlos tanzende Lichter, Einspielungen aus vierzig Jahre Fernsehgeschichte, Showgeschichte, vor allem aber Gesprächskultur. Gesprächskultur? Gespräch und Kultur, zwei Begriffe

die immer mehr aus dem Showgeschäft verdrängt werden. Auch jAeschbacher muss gehen, einerseits weil er die Pensionsgrenze schon deutlich überschritten hat, andererseits auch, weil man dem kultivierten Gespräch im Showbereich des Fernsehens längst nicht mehr traut. Quotenangst! Dabei zeigen die Ausschnitte aus Aeschbachers Fernsehgeschichte - "mutige" Unterhaltungssendungen wie "grell-pastell" und "Casa Nostra" - dass Kultur und Gespräch noch immer - aller Techniklastigkeit zum Trotz - Eckpfeiler der TV-Unterhaltung sind. Vielleicht braucht es doch öfters ein Rückblick, nicht um Altes aufzuwärmen oder gar zu kopieren, vielmehr um sich zu erinnern, dass gepflegte Unterhaltung Kultur sein kann, ja eigentlich "Kultur" sein müsste. Diese Erinnerung konnte die "Dank-Sendung" wachgerufen, zumindest bei jenen, die noch nicht in der täglichen Programmlawine der Senderflut erstickt sind. Natürlich gibt und gab es immer auch Gänste, immer auch Gags, 

 

Immer auch Provokation bei Kurt Aeschbacher. Er war nicht immer einfach nur "ein Liebling der Nation". Doch das Widerborstige, das überraschende, das mitunter auch Schrille löst sich immer auf in einem Anstoss zum Menschsein, zum Nachdenken, vielleicht sogar - selbst beim Popurri von Anektoten in dieser Sendung - zum Anstoss zur Veränderung. Wer in dieser Dank-Hymne das Wiedersehen mit einstigen Stars geniessen kann, der tut der hat sicher seine Freude. Doch wer in den zwei Stunden die Macht und den Sinn des Wortes, wer das Wechselspiel von Fragen und Zuhören erkennt, der hat - so meine ich - 40 Jahre Aeschbacher verstanden, als 40 Jahre Fernseh-Unterhaltungskultur.

Peter Züllig

01. Oktober 2018

 

Medien:

 

Der Wildheuer -
Senkrecht über dem Urnersee

                                              Ein Dokuentarfilm von Beat Bieri

(Screenshot aus dem Dok-FILM)
(Screenshot aus dem Dok-FILM)

Der Film hat den katholischen Medienpreis 2018 der Schweizer Bischofskonferenz erhalten.

Aus der Begründung:"Die Jury des katholischen Medienpreises 2018 hat die authentische Religiosität und Menschlich-keit dieser Familie sehr berührt. Beat Bieri ist es gelungen, diese Eigenschaften mit seiner ruhigen Dramaturgie einzufangen und in den Zuschauenden die Sehnsucht nach einem einfachen und erfüllten Leben zu wecken. Die Jury sagt: „Ein Film von grosser Sensibilität gegenüber der Familie Gisler und ihr Schicksal: Behutsam fängt die Kamera das Ringen der Familie nach Hoffnung und Zukunft ein“.

Beat Bieri gehört zu den besten Dokumentarfilmer der Schweiz. Er war auch einer der ersten, der als VJ (Videojournalist) für Fernsehdokumentationen unterwegs war. Auch bei diesem Film hat er die Kamera selber geführt und damit jene Intensität und Nähe geschaffen, welche dem Film jetzt die Auszeichnung gebracht hat. 
Hier in der Rubrik "Gesehen" meine Gedanken

Foto: Screenshot ZDF (Markus Lanz)
Foto: Screenshot ZDF (Markus Lanz)

Terence Hill, der Filmpartner des legendären  Bud Spencer (unter vielen anderen; "Vier Fäuste für ein Halleluja"  hat unter dem bürgerlichen Namen Mario Girotti in diversen Karl-May-Filmen der 60er Jahre gespielt. (Unter Geiern, Winnetou II, Old Surehand I, Der Ölprinz)
"Ich habe mit meiner Schauspielkarriere eigentlich erst richtig angefangen, als ich in Winnetou II mitspielte und danach in weiteren Karl-May-Filmen. Es wird selten gesagt, aber es ist so: Die ersten europäischen Westernfilme waren die Karl-May-Filme. Die italienischen Western sind danach erst gekommen", bestätigt Terence Hill in einem Interview der Kieler Nachrichten (KN). In der Sendung von Markus Lanz kommt dies leider nicht zur Sprache, wohl weil er nicht darauf angesprochen wurde. Die Talkrunde mit Terence Hill hier.

Ankündigung des Gastes bei Markus Lanz: "Der langjährige Filmpartner von Bud Spencer äußert sich über den verstorbenen Freund, die Rückkehr auf die Kinoleinwand nach 20 Jahren und seine deutschen Wurzeln."

01. Oktober 2018

 

Gesehen: 
Der Wildheuer - 
Senkrecht über dem Urnersee 
von Beat Bieri

                                            Erstausstrahlung:

                                                      Donnerstag, 1.März 2018, 20:05 Uhr, SRF 1

"Der Film ergreift, berührt, bereichert..." Dies steht so oder ähnlich in ziemlich jedem der fast fünfzig Kommentare, die unmittelbar nach der Erstausstrahlung zur Sendung geschrieben wurden. Dies ist auch zweifellos richtig und auch eine nachvollziehbare Reaktion. Die berührende Story ein sicherer Wert und - aus der Perspektive des Dokumentarfilmers - ein trauriger Glücksfall mit der Anlage einer Tragödie. Der Filmer hat den Bergbauer und seine Familie begleitet, "bevor es passiert ist", jenen Tod, der nicht nur das Leben der Betroffenen verändert hat, sondern auch die Arbeit des Filmers und den  

Bergbauer Sepp Gisler  (Screenshot SRF)
Bergbauer Sepp Gisler (Screenshot SRF)

längst geplanten Film. Und da beginnt erst die schwierigste Aufgabe eines Filmers, der mit gutem Material (alles was er mit dem "Helden" seiner geplanten Geschich-te gedreht hat) eine neue Geschichte erzählen muss. Die Geschichte eines tragischen Todes. Kann das gelingen, kann das gut gehen? In der Regel geht es nicht gut - dafür gibt es genügend Beispiele. Der Film kann jeden Augenblick kippen, auf die eine oder andere Seite Rührseligkeit oder Betroffenheit, Nähe und Distanz, Pietät und Direktheit. Der Dokfilm ist nie gekippt, keinen Augenblick und doch spannend geblieben bis zum letzten Bild, bis zum letzten Wort. Mit anderen Worten: Es wurde eine Geschichte in Bild, Ton und Wort so erzählt, dass er ein Abbild des Lebens ist (des Lebens einer Familie) - als Film ein Kunstprodukt, im Inhalt ein Lebensrealität. Deshalb gehört für mich der Film - es ist der letzte des inzwischen pensionierten Filmers - zu seinen allerbesten. Und es sind immerhin vierzig Dokumentationen, die er in seiner Zeit am Schweizer Fernsehen gemacht hat.
Hier kann der Film am Computer abgespielt werden.                                    Peter Züllig 

29. November 2017

 

Gesehen: 

History: Alles Bluff? 
Die großen Hochstapler der Geschichte

History"  enthüllt Geheimnisse der Geschichte. Viele Ereignisse des 20. Jahrhunderts sind nicht bis ins letzte geklärt. Noch immer gibt es spannende Fragen vergangener Jahrzehnte." 79 Folgen seit 2017, seit 2000 sine es 241.

In der am 26. November 2017 erstmals ausgestrahlten Folge "Alles Bluff?!" befast sich das zweite Beispiel mit Karl May. Die Sendung ist bis 25. November 2018 als Online-Video hier abzurufen. 

"Sie lügen, betrügen und blenden: die großen Hochstapler der Geschichte. Manchen gelingt es jahrzehntelang, ihr falsches Spiel aufrechtzuerhalten. Doch irgendwann fliegen sie alle auf. Wie Karl May: Als Betrüger vorbestraft, macht er Karriere als Schriftsteller und behauptet, alle Abenteuer persönlich erlebt zu haben. Er verstrickt sich so in seinen Lügen, dass er sie am Ende selbst glaubt."  Der Film hat eine Gesamtlänge von 44 Minuten., Das Beispiel Karl May dauer 6 Minuten (Minute 7'00" bis 13'00")


29. September 2017

 

Gesehen: DOK am Donnerstag

 

Verschleiert
Arabische Touristen in der Schweiz

                                          Ein Film von Marianne Kägi

Erste Ausstrahlung: Donnerstag, 28. September 2017, 20:05 Uhr, SRF 1

Wiederholung: Freitag, 29. September 2017, 11.15 Uhr, SRF 1

 

Fortsetzung des Beitrags auf der Fromtüage:

 

Da plätscherten Beispiele vorbei, es wurden Touristenorte abgerufen, Fakten aufgezählt, Meinungen eingeholt (ohne jegliches «Fleisch am Knochen»), zu einem Ausflug ins nahe Ausland (Österreich) aufgebrochen, fremde Stars präsentiert und die Wichtigkeit arabischer Touristen für die Schweiz betont, die Wirkung der Werbung für die Schweiz mit nackten Zahlen belegt… Das alles mag richtig sein, aber einen Film – gar ein DOK-Film gibt das nicht.

Es fehlen die Menschen, es fehlen die Emotionen, es fehlt vor allem jegliche Entwicklung. Ich wiederhole: es wird nicht erzählt. Storytelling heisst das Ding, vielleicht wird dies besser verstanden, wenn man es deutsch sagt: Geschichten erzählen! Das Handwerk dazu, muss aus den Gesetzmässigkeiten der Wahrnehmung, der Handlungsablaufs, des Spannungsverlaufs, des Erlebens abgeleitet und filmisch umgesetzt werden, und zwar im Verbund von Bild, Ton und Text. Darin liegt die Stärke des guten Dokumentarfilms und die Schwächen erkennt man beim schlechten.

Es genügt nicht, dass ein Thema auf der politischen Agenda steht. Es genügt nicht, wenn man Recherchen verfilmt. Es genügt nicht, in kurzatmiger Schnittfolge durch Szenen zu zappen, die gar keine Szenen sind (weil sie clippig aneinandergereiht wurden). Man muss nicht nur etwas zu sagen, sondern auch zu erzählen haben. Es braucht eine Botschaft (nicht zu verwechseln mit einer Meinung), die beharrlich, von verschiedenen Seiten beleuchtet und entwickelt wird. Auch wenn es „altmödisch“ tönt: es braucht eine Fragestellung, eine zielgerichtete Orientierung, eine Entwicklungsphase und schliesslich einen Höhepunkt. Man nennt dies Dramaturgie. Und die fehlte über weite Strecken, nicht nur in der Form des Erzählens, auch - oder vor allem - im Schnitt (Montage)) und leider auch bei der Kameraführung. 

Peter Züllig

27. August 2017

 

Das Gedächtnis des Fernsehens

 

Fernsehen ist ein schrecklich kurzlebiges Medium. Was gestern noch bild- und tonstark verkündet wurde, ist heute schon vergessen. Niemand weiss dies so gut, wie die aktiven und einstigen Medienschaffenden. Nur das Medium selber tut sich seit Jahren schwer damit.
Roland Höfliger berichtet über eine Arbeit, die ein wichtiges Stück Zeitgeschichte offen legt:

Hier geht es weiter...
"
Drehbücher Fernsehfilme/Fernsehspiele, SUISA-Listen der 60er und 70er Jahren, Skripte von div. Autoren (Ettore Cella, F.Hohler, Ch. Levinsky etc.), Programmhefte, Originalzeichnungen/Comics (Ted Scapa, Peter Hürzeler, Hannes Binder, Ursula Fürst u.v.m.), Diashows zur Tagesschau und TV-Jubiläen, Oral History von 18 TV-Pionieren, Sendungsunterlagen zu SF-Formaten aus allen Abteilungen. Presseunterlagen zu den «grossen» Kisten am TV. Und auch 2 Strassenschilder (Leutschenbach-Strasse, Fernseh-Strasse) und eine Pingutasse… 

 

Ein ungeheurer Schatz des Service public und das historische Gedächtnis von SF. Wie es damit weiter geht, wissen wir aber nicht. Es gibt (noch) keine Pläne zur nachhaltigen Erschliessung und Bewahrung dieses Fundus."

 

In der Rubrik "Erinnerungen" werde ich auch in Zukunft alle mir zugänglichen Informationen aufnehmen und auch mein eigenes Archiv auswerten - war ich doch selber mshr vierzig Jahre (ab 1964) ein Rädchen im Fernsehbetrieb.