Sammlerecke - Rubrik

04. Februar 2021

 

Sammlerecke

 

Die "Sammlerecke" erscheint etwa einmal in der
Woche. Sie beleuchtet Probleme, Hinweise,
Beurteilungen, Erfahrungen, Tipps etc. im Bereich des
                                             Sammelns.

Eva Pirkl, Münzen und Briefmarken, Pölten
Eva Pirkl, Münzen und Briefmarken, Pölten

Händler  (014)

Fortsetzung von der Frontpage

Der Händler die Händlerin ("Broker") ist wohl die wichtigste Person für jeden Sammler. Sie hat zwei Funktionen:

  1. Wissen, Kenntnisse und Erfahrung. Obwohl Sammler und Sammlerinnen sehr viel wissen und meist langjährige Erfahrung haben, so braucht es doch beim

             Kauf und Verkauf Experten auch "Einschätzungen" und unabhängige Expertisen,

             wo immer es um Sammlerwerte geht. (Ein Sammlerwert ist keine feste
             Währuing, sondern abhängig von Angebot und Nachfrage und variieren deshalb
             sehr stark)

Tobias Schwarzentruber, Briefmarken, Sursee
Tobias Schwarzentruber, Briefmarken, Sursee

2. Vermittlung. Da das Sammeln sehr individuell betrieben
    wird und sich in unglaublich viele Bereiche aufteilt,
    verteilt sich die "Kundschaft" nicht nur über ein Land,
    in vielen Bereichen über die ganze Welt. Briefmarken
    und Münzen (natürlich auch Bücher Schmuck und
    Möbel sind die letzten - immer spärlicher gewordenen;
    spezialisierten "Handelsorte" für Sammler. Es braucht
    den Händler, die Händlerin, als Vermittler (innerhalb 
    eines grossen, weit verstreuten Kundenkreises).
Kaum in einem andern Handelsbereich ist Vertrauen so wichtig, wie im Sammlerbereich
(nicht einmal im Börsengeschäft). Es geht zwar in der Regel um kleinere Beträge, beim 
Kauf, Verkauf und Tausche. In gewissen Bereichen gibt es aber definierte (messbare) Werte (so der Gold- oder Silberwert beim Schmuck. die Verkaufspreise beim Wein etc.) Doch der weitaus grösste Teil ist ein imaginärer Wert (der nicht zuletzt auch von Moden, gesellschaftlichen Entwicklungen, technischen Veränderungen bestimmt wird).

Vertreibung der Händler aus dem Tempel (Giotto um 1305)
Vertreibung der Händler aus dem Tempel (Giotto um 1305)

Händler - das ist ihr Beruf - verdienen ihr Geld im Sammlerbereich durch Vermit-tlung und der Spannweite zwischen Kaufen und Verkaufen (mitunter auch Tauschen). Es wird ja kein neues Gut produziert (altes eigentlich nur "verwaltet") kulturhistorisch hat der Händler immer wieder einen zweifelhaften Ruf (weil feste Messstäbe weitgehend fehlen. Deshalb ist die Beziehung zwischen Sammlern und Händlern von ausschlaggebender Bedeutung.
Heute wird der "Handel" mit "Samm-mlergut grossmehrheitlich im weltweitem Netz (Internet) abgewickelt. Da aber ist das Vertrauen noch weit wichtiger. Aussage eines 71jàhrigen Händlers in einem Briefmarkengeschäft: ""Ich bin einer der letzten Dinosaurier" (Der Spiegel). Ganz so falsch liegt er da nicht!

(Foto: Magazin turus.net)
(Foto: Magazin turus.net)

Grenzen  (013)

Sammelleidenschaft, sagt man, "kennt keine Grenzen". Es wird nicht nur irgendwo und irgendwann alles gesam-melt, was man sich überhaupt vorstellen kann. (Bild rechts:  Pins und Nadeln von Sportvereinen). Irgendwann - und zwar recht rasch - gerät fast jede aus "dem Ruder. Wer mit Sammeln beginnt, möchte nicht nur suchen, sondern auch finden. Irgendwo im Hintergrund taucht auch der Gedanke von Vollständigkeit auf, auch wenn alles erst begonnen hat. Wer macht sich da schon Gedanken über mögliche und notwendige Grenzen? Erst, wenn der verfügbare Platz, die verfügbare  Zeit, die verfügbaren Mittel langsam erschöpft sind, taucht der Gedanke an "Grenzen" auf. Da gibt es einige Möglichkeiten. Zum Beispiel in Bezug auf die Herkunft (Land, Region etc.) oder in Bezug auf die Motive (sehr häufig bei Briefmarken-Sammlungen), oder...   Ich schreibe dies aus eigener,

Steinsammlung
Steinsammlung

leidvoller Erfahrung. Meine vier grösseren Sammlungen "leiden" genau an diesem Problem. Wenn man einmal die Grenzen geöffnet hat, lassen sie sich kaum mehr errichten. Meine Karl-May-Sammlung ist so ein Fall. Neben Vitrinen und Bücher-regalen sind es mindestens noch dreissig Archivschach-teln und unzählige Ordnen. Spätestens beim Aufteilen, Einordnen und Registrieren beginnen die Probleme. Sie enden wohl in der Einsicht, es nie wirklich zu schaffen - zumindest nicht in der Gewünschten Präzision, Über-sichtlichkeit und Erreichbarkeit. Eine Sammlung aber  ohne Ordnung und Bezug zu der einzelnen Sammelstücken zueinander, macht weder Spass noch Sinn. Die anfängliche Grenzenlosigkeit ist wohl der Hauptgrund, warum Sammlungen sehr oft - auch wenn sie schon beachtlich sind - wieder aufgegeben werden.

Ausschnitt der Registrierung einer Sammlung
Ausschnitt der Registrierung einer Sammlung

Das Beispiel rechts zeigt nur wenige Kolonnen (Angaben) meiner Karl-May-Sammlung: Thema Spiele. Es gibt inzwischen an die hundert Themen-Bereiche, riesige (z.B. Bücher, aber auch kleinere, wie die Spiele) Um so enger man eine Sammlung beschränkt, umso "wertvoller" wird in der Regel eine Sammlung, weil sie sich so immer näher der Vollständigkeit nähert und auch immer rarere, interessante und "einmalige" Sammelstücke enthält. Es ist meist nicht allein die Menge von Exponaten, die gleichsam eine die Krönung einer Sammlung darstellen, es sind die "Filetstücke", welche die asie krönen. Dies ist aber nur zu erreichen, wenn Grenzen eng gesteckt sind.

26. April 2021

 

Sammlerwert,
eine
imaginäre Währung    (012)

 

Sobald etwas alt, kostbar, kurios oder aus dem Gebrauch oder der Mode gekommen ist, taucht der Begriff Sammlerwert auf. Und der suggeriert, eine feste Grösse zu sein, eine Art "Antik-Währung", die sofort und leicht in "Bares" umgesetzt werden kann. Fernsehserien wie "Bares für Rares" (täglich nachmittags auf ARD) verstärken, ja betonieren diese Illusion. Tatsächlich lässt sich vieles auf dem Trödelmarkt oder in Antiquariaten vermarkten. auch Dinge, die scheinbar wertlos geworden sind. Da wird dann vom "Sammlerwert" gesprochen. Der aber ist keine fixe Grösse, sondern eine "Währung", die sich unglaublich schnell verändert und von ganz bestimmten Faktoren abhängig ist. Vor allem von der sogenannten "Sammler-gemeinde", besser ausgedrückt: "Sammlerszene". Wann und wo aber ist diese zu finden? Für bestimmte Sammelgebiete gibt es Händler oder Kollektive, welche die Preise ihrer Angebote säuberlich listen (mit Verfalldatum) und dadurch so etwas wie einen imaginären "Marktwert" festlegen.

Es sind vor allem drei Faktoren, welche den Sammlerwert beeinflussen, sogar bestimmen und prägen. Und es sind alles Faktoren, die abhängig sind, von Gewohnheiten, von Moden, von Umständen, von Einflüssen, ja sogar von Zufällen, die nur schwer voraussehbar und kaum für längere Zeit zu fixieren sind.

1. Das Alter

Es ist in diesem Zusammenhang der meist zitierte Begriff.

Genauso "schwammig", wie meisten anderen Begriffe und oft auch wer zu bestimmen. Wann ist etwas alt? Und nicht alles was "alt" aussieht, ist auch wertvoll. Allerdings trägt das Alter dazu bei, dass etwas "rarer" wird (aufgrund der Vergänglichkeit, der Mode und dem natürlichen Bedürfnis, das zu entsorgen, was man nicht mehr braucht.

 

2. Sammlerszene

Es ist kein Geheimnis: gesammelt wird eigentlich alles, irgendwann und irgendwo. Doch gibt es dafür auch eine "Szene", die sich irgendwie gebildet, gefunden und (vielleicht auch nur lose) verknüpft hat. Auch der Sammlerwert ist (zwar eine imaginäre) Währung.

Und jede Währung braucht den Markt, wo verkauft und gekauft (vielleicht auch nur getauscht), jedenfalls gehandelt wird.

 

3. Mode und Interesse

Die Motivation zum Sammeln (oder auch nur zum Kaufen), ist extrem abhängig von der Mode, von dem was gerade "in" ist (oder das Gegenteil "nicht in". Es gibt aber auch viele Dinge, die gesammelt werden, dann aber mit der Zeit ihre Funktion verlieren (Telefonkarten, z.T. auch Briefmarken, Souvenirs etc.)

Dies (und noch einiges mehr) bestimmen den Sammlerwert und prägen den Sammlermarkt. Ein gutes Indiz um diesen irgendwie zu erfassen (Grösse, Richtung, Lebendigkeit) sind die Samnmlermagazine (heute auch Websites), die sich (wie hier im Bild) auf einen bestimmten Bereich konzentrieren.

Ich selber kenne gut zweihundert dieser Publikationen, die ihren "rentablen" Abonnentenkreis haben (inklusive gezielte Werbung). Nicht alle hier auftauchen Sammlerwerte spiegeln den Markt wider. (Werbund versucht ja den Markt zu verändern).

19. April 2021

 

Exsila (Tauschbörse für Bücher, Filme und vieles mehr)    (011)

 

SammlerInnen sind - mehr den je - auf Quellen für ihr oft sehr spezielles Sammelgebiet angewiesene. Das Angebot auf dem Flohmarkt (dem ordinärsten Ort der Sammlerszene) genügt längst nicht mehr. Vieles hat sich ins Internet verlagert (Auktionen) und Antiquitätenhändler sind oft zu sehr spezialisiert. Es sind auch immer weniger und ihr Angebot in der Regel ordentlich teuer (grosser Aufwand, hohe Mieten, knapper Lagerraum etc.). Das "klassische Tauschen" - unter Sammlern üblich - erlebt aber eine neue Blüte, dank der Möglichkeiten im Internet.

Zum Beispiel mit Exsila, einer Plattform unter dem Motto "Tauschen statt Kaufen". Das Verfahren ist einfach (und zuverlässig). Angemeldete Nutzerinnen und Nutzer (Registrierung kostenlos) stellen ihre Angebote (in den verschiedenen Kategorien) selber ein und legen den Preis (Exsila-Punkte) fest. Vor allem für Tonträger (DVD, CD) und Bücher eignet sich das Tauschprogramm hervorragend. Es ist einfach und flexibel. Das Tauschgut wird auf Exsila. Gehandelt wird mit der Tauschwährung “Exsila-Punkte”. Diese Punkte haben nirgends einen Wert, ausser bei Exsila. Man kann die Punkte durch einen Verkauf von Sammelgut erwerben oder sie bei Exsila auch kaufen und sie dann später bei einem Kauf einsetzen. Im Augenblick sind rund 210^000 Angebote eingestellt (nach eigenen

Angaben), in 15 verschiedenen Abteilungen mit vielen Unterabteilungen. Die grössten Abteilungen mit ja rund 35`000 Angeboten sind Bücher, Filme und Musik. Die Ware bleibt bei den Einstellern, bis sie gekauft werden. Sobald etwas gekauft wird, erhält der Verkaufende die Meldung. Die Ware muss raschestmöglich versandt und bestätigt werden. Die Portokosten bezahlt der Verkäufer (und ist im Verkaufspreis einberechnet). Genau so wird verfahren, wenn etwas gekauft wird, nur fällt da das Porto weg. Doch auch da ist der Empfang zu bestätigen, sonst wird der Nutzer gesperrt.

(Rechts: Alles Dubletten der letzten Zeit, die entweder getauscht (Exsila) oder auf Ricardo/eBay eingestellt werden mussten.) Wer eine Sammlung aufbaut oder

pflegt, der kennt das Problem der Dubletten. Man ersetzt ein Exponat oder man muss - weil etwas sehr rar ist - ein ganzes Konvolut kaufen, um ein ganz bestimmtes Exponat zu erhalten, auch bekommen Sammler oft Exponate geschenkt (gedacht als sinnvolle "Entsorgung"), die bereits in der Sammlung sind, und schliesslich passieren selbst dem best dokumentierten Sammler ab zu ein Fehler. Das alles muss wieder weg, möglichst einfach, ohne grosse Kosten. Da ist Exsila gerade richtig.

Winnetou (hebräisch)
Winnetou (hebräisch)

08. April 2021

 

Trouvaillen (Fundstücke) (010)

 

Vielleicht ist der Begriff "Trouvaille" (zu deutsch: Fundstück) doch der "unverdächtigste" Begriff, für etwas, das für  SammlerInnen von immenser Bedeutung ist. Dies, obwohl "Trouvaillen" in einer Sammlung nur ganz selten mit Fundgegenständen zu tun haben. Es fehlt ihnen die mit dem  verbundene Zufälligkeit. Trouvaillen werden von SammlerInnen gesucht, gejagt, oft sogar "erkämpft".

Eine Sammlung ist nicht einfach eine Anhäufung bestimmter "Exponaten", sondern eine - nach bestimmten Kriterien errichtete Dokumentation, sehr oft mit

Autograph (Sie gehören - je nach Seltenheit - zu den begehrtesten Trouvaillen.
Autograph (Sie gehören - je nach Seltenheit - zu den begehrtesten Trouvaillen.

historischem Wert und einem grossen (meist subjektiven) Anteil an Erinnerungen. Es gibt also kaum eine Wertliste - vor allem keine aktualisierte. Zwar wird heute vieles in Internet-Auktionen "vermarktet", Dinge, die einst im Trödlerladen, auf Flohmärkten oder in Antiquariaten zu finden war. In den meisten Fällen ist es dann der erzielte Preis, der so etwas wie eine "Wertordnung" möglich macht. Eine Wertordnung, die weitgehend von der Nachfrage (und damit auch von der "Mode" abhängig ist. Die SammlerInnen haben meist ganz andere Kriterien bei ihren Prioritäten: allen voran die Trouvaillen oder

bei Auktionen). Trouvaillen sind etwas ganz Besondere in jeder Sammlung, meist auch etwas besonders Teures, besonders Schönes, besonders Seltenes. Es gibt wohl einen präziserer Begriff dafür: das "Filetstück" (Der beste Teil eines Ganzen). Doch dieser Begriff ist im Zeitalter der Veganer fast schon anrüchig.

(Bild: Printscreen Ricardo)
(Bild: Printscreen Ricardo)

Eine "Trouvaille" meiner Karl-May-Sammlung ist zum Beispiel (Bild links) ein Sammelbogen des Verbands der Bäckermeister in der Schweiz herausgegeben 1979 zur Werbung ihrer "Pausenbrötli". Ein anderes viel bekannteres Beispiel (aus dem Bereich Karl May) sind die Deckelbilder der Karl May Werke von Sascha Schneider (1904/05), die nur für eine Auflage verwendet und dann abgesetzt wurde.

Ein Buch mit einem Originalbild (es gibt bereits Reprints) kostet heute (je nach Auflage und Zustand) zwischen 400 und 900 Franken. Zudem sind diese Ausgaben nur noch schwer zu finden. Da weder der Sammelbogen (oben), noch das Buch links einen nennenswerten "Materialwert" haben (im Gegensatz zu Schmuck (zum Beispiel Gold- und Silber) gibt es weder einen verbindlichen, noch aktualisierte Listenpreis. Der rein materielle Wert ergibt sich aus der Nachfrage, der Rarität, des Alters, des Zustands etc. Die Händler - mit ihren Beziehungen zu Sammlerinnen und Sammler - bestimmen letztlich den Preis. Das Sammeln - vor allem die Trouvaillen einer Sammlung - sind extrem "modeabhängig". Ich erinnere mich an meine allererste Sammlung. Sie bestand (modebedingt) Brief-marken. Wir haben damals vom Traum aller Briefmarkenträume gesprochen,

von etwas, das nie zu erreichen ist und eine "Lebensaufgabe" wäre: der Besitz eines «Basler Dyblis». "Weltweit gibt es noch rund 300 Briefe mit der seltenen Marke drauf. Das «Basler Dybli» schreibt weiter Geschichte. Jüngst wurde ein Brief (Bild rechts) für 220 000 Franken versteigert." (Quelle: Basler Zeitung 31.12.2019)

(Bild: Printscreen Ricardo)
(Bild: Printscreen Ricardo)

02. April 2021

 

Das Alter  (009)

 

(Fortsetzung von der Frontpage)

"Alt" ist also nicht gleich "alt" und schon gar nicht "antik". Das Alter von Sammelgut kann drei Bereiche bei der Beurteilung beeinflussen.

  1. Die Rarität. Durch Gebrauch und vor allem durch die "Entsorgung" verschwindet mit der Zeit immer mehr des gleichen Sammelguts. Dies schlägt sich dann in der Wertschätzung nieder, wenn es dafür "Interessenten" gibt. Sammler, Erinnernde, Dokumen-taristen etc. Zum Teil wird dieses vermeintliche Interesse auch künstlich geschürt und hoch-gehalten, was immer wieder zu "Wertstürzen" führt (z.B. Briefmarken, Modeartikel)

2. Geschichte und Geschichten. Viele Sammelobjekte
    lassen sich mit Zeitgeschichte und Geschichten
    verbinden. Um so plausibler und "beweisbarer" der
    Zusammenhang mit Epochen, Personen, Funktionen
    etc. eines Sammelobjekts ist, desto "sammelwürdiger"
    sind bestimmte Objekte. Doch diese Bezüge (und
    die "Beweiskraft" reduziert sich immer mehr. (Vieles
    verschwindet allmählich aus dem öffentlichen
    Gedächtnis).

3. Zeitgeist. Sammelobjekte repräsentieren oft einen
    "Zeitgeist", eine Epoche, eine Mode, die in der Wert-
    schätzung grossen Schwankungen unterliegen.
    Vor allem die Mode (im weitesten Sinn) ist es, welche
    den Stellenwert des Alters beeinflussen. Jugerndstil -
    zum Beispiel - galt lange Zeit als kitschig,
    unbedeutend, ja dekadent, um dann plötzlich wieder
    entdeckt zu werden.

Vielleicht am prägendsten sind Sammelobjekte, die unmittelbar mit Personen und Funktionen der Vergan-genheit in Verbindung gebracht werden. So wurde die
Originaltrappe der "Silberbüchse", welche Pierre Brice als Winnetou in den Karl-May-Filmen der 60er-Jahre benutzt hat, von einem Sammler an einer Auktion für 65^000 Euro ersteigert.

Sobald sich im Alter auch eine "Geschichte" manifestiert,
ist es - in der Regel - zunehmend von entscheidender
Bedeutung. Nicht zuletzt, weil sich darin auch die Vergänglichkeit zeigt. Unwiderruflich, einmalig, vergänglich sind Eigenschaften, die den Sammlerinnen und Sammlern wichtig sind. Eigenscvhaften, die aber auch durch das Alter massgebend geprägt und verändert werden.

(Links eine Nachbildung der Silberbüchse von Mays Winnetou. Das Gewehr (Doppelflinte) selber ist alt (Original aus der Zeit), die Aufmachung (Verzierung, Renovation) ist neu, dass heisst: aus den Film-Bildern kopiert (nachempfunden). Das Beispiel zeigt deutlich, die Beziehung (und Bedeutung) von Alter, Original und Kopie. Ähnlich verhält es sich bei Reprints von alten Büchern.

22. März 2021

 

Messies (008)

 

Ein «Messie» zu sein, ist wohl das häufigste Schimpfwort, das einen Sammler treffen kann. Sind wir, die Sammler-innen und Sammler, wirklich auch Messies? «Es gibt das Glück des Sammlers. Und es gibt das Unglück dessen, der nicht loslassen kann», schreibt Alain Claude Sulzer in seinem Feuilleton «Der Messie liebt die Dinge ohne jedes Mass» (NZZ, 11.03.2021).

Artikel NZZ vom 11.03.2021
Artikel NZZ vom 11.03.2021

Es geht also beim Messie-Syndrom um Masslosigkeit. Mehr noch: Der Begriff (abgeleitet vom englischen Wort „mess") bedeutet „Chaos, Durcheinander" und «bezeichnet ein zwanghaftes Verhalten, bei dem das übermässige Ansammeln von mehr oder weniger wertlosen Gegenständen im Vordergrund steht, verbunden mit der Unfähigkeit, sich von den Gegenständen wieder zu trennen und Ordnung zu halten». Auch wenn gewisse Messie-Symptome auch bei den

Sammlern

auftreten können, unterscheiden sich doch Messies und Sammler fundamental in drei Punkten:

  1.  Oberstes Sammlerziel ist nicht die Unordnung, das Chaos, vielmehr das Gegenteil: das Schaffen einer möglichst umfassenden Ordnung. Es wird sogar angestrebt – wo immer möglich – eine gewisse Vollständigkeit (zumindest in einzelnen Sektoren) zu erreichen. Vollständigkeit (Vollkommenheit) als angestrebtes Ideal.
  2. Der Grund zum Sammeln ist nicht der (reale oder vermeintliche) Wert von Dingen, nicht die

     berühmte Aussage aller Messies:  
     «Das kann man noch gebrauchen»,
     nicht die Funktonalität, Zweckmässig-
     keit von «Sammelgut», nicht eine
     übertriebene Raffgier. Antrieb ist einzig
     und allein das Erstellen und Präsen-
     tieren einer bestimmten Ordnung in
     einem (definierten) Sammelgebiet.

3.  Sammler häufen nicht einfach Gegen-
     stände an. Viel wichtiger als der
     Besitz, sind die Geschichten der

     angehäuften Dinge und ihre Verwandtschaft, Vergleichbarkeit und Zuordnung. 
     Gesammeltes, Geordnetes, Analysiertes (oft auch Erforschtes) als reale Form
     materialisierter Geschichten.wohl wichtigste Kriterium: das (oder ein) Original zu
     sein (und nicht eine Kopie).

Aus diesen Voraussetzungen (Grundbedingungen) für den Begriff «Sammler» (oder «Sammlung») lassen sich eine ganze Reihe von Unterschieden zwischen Messies und systematisch Sammelnden ableiten. Während Messie «ein abwertender Ausdruck der deutschen Umgangssprache ist» und durchaus auch das «krankheitswertiges Syndrom von Zwangsspektrumstörungen» zeigen kann. Es ist also eine Störung der Wertbeimessung. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, Wert und Nutzen von Gegenständen zu beurteilen und entsprechend zu handeln. Beim Sammeln hingegen spielt die «Wertbeimessung» eine zentrale Rolle. Sie – mit dem zugehörigen Wissen – ermöglicht erst den Aufbau einer geordneten Sammlung.

18. März 2021

 

Vollständigkeit  (007)

 

Briefmarken gehören zu den kleinsten gängigen Sammelobjekten: gut dokumentiert, leicht aufzubewahren und auch einfach zu präsentieren. Doch auch hier gibt es kaum ein "genereller" Briefmarkensammler, zu gross ist das Angebot, kaum zu bewältigen. Deshalb wird das Sammeln präziser definiert: nach Motiven, nach Land, nach Zeitraum, nur Erstausgaben etc. Diese (oft sehr engen) Eingrenzungen) gibt es bei jedem Sammler, in jeder Sammlung und bei allen Sammlerobjekten.

Es gibt so etwas wie ein "Grundgesetz" des geordneten gezielten Sammelns. Es bestimmt auch weitgehend den Wert einer Sammlung: der Anspruch auf eine gewisse Vollständigkeit. Umso grösser ein Sammelgebiet ist, desto schwerer ist dies zu erreichen. Eigentlich schon bei kleinen Sammelgebieten fast unmöglich. Deshalb ist entscheidend, dass eine Sammlerin oder ein Sammler definiert (und zwar schon früh, beim Aufbau der Sammlung) nach welchen Gesichtspunkten und Kriterien sie oder er die Sammlung aufbauen möchte. Dies ist allein schon wegen der immer anfallenden Sammelgut (das geordnet, registriert und aufbewahrt werden muss) unbedingt nötig, sonst gerät das Sammeln rasch einmal ausser Kontrolle.

So bestehen "Karl-May-Sammlungen" nicht nur aus Büchern, nicht einmal nur aus seinen Werken: da gibt es Sekundärliteratur, Ausgabenvarianten, Übersitzungen, Adaptionen, Vorläufer, Epigonen...

Da gibt es aber auch Spiele, Filme, Kultgegenstände, Comics, Spielfiguren, Fanartikel, Illustrationen, Groschenhefte...

Da gibt es aber auch eine unglaublich breite Diskussion in der Presse, Berichterstattungen, Reportagen, Zeitungsausschnitte, Dokumente...

Da gibt es...

Vollständigkeit - oder annähernde Voll-ständigkeit - kann nur in ganz eng um-schriebenen Bereichen erreicht werden. Zum Beispiel bei Serien, Reihen, zahlen-mässig begrenzten Variationen. Jeder ernsthafte Sammler wird sich immer wieder auf das konzentrieren, wo Lücken sichtbar werden, wo mit verhältnismässig wenig Aufwand eine eng definierte partielle Vollständigkeit erreicht werden kann. Oft wird deshalb jahrelang nach einem bestimmten (nicht selten wenig beachteten und deshalb raren) Objekt gesucht.

Zum Beispiel fehlte mir von einer nicht sehr verbreiteten Winnetou-Ausgabe von den drei Bänden Winnetou 1, 2 und 3 der weite Band. Er wird auch sehr selten auf eBay oder Ricardo (Internetauktionen) angeboten. Da wird dann der Sammler mit einem Schlag zum Jäger und er sucht überall - wo solches zu finden ist nach dem einen "fehlenden" Buch. Gerade die vielen "Teilvollständigkeiten" machen in der Regel den Reiz und den Wert einer Sammlung aus. So habe ich mehr als fünf Jahre "Starschnitte" der Jugendzeitschrift "Bravo""gejagt" bis ich endlich einen der vier Figuren aus den Karl-May-Filmen der 60er Jahre (Winnetou, Old Shatterhand, Nscho-Tschi) zusammenstellen konnte. Inzwischen habe ich alle lebensgrossen Figuren (darunter eine Doppelfigur) gesammelt. Es brauchte rund 100 Hefte, alle aus den 60er Jahren.

Eine ähnliche Sammeljagd ist seit Jahren im Gange, um die rund 30 Karl-May-Bücher mit dem Deckelbild von Sascha Schneider aufzustöbern. Da sie immer rarer werden, werden sie auch immer teurer. Eine Vollständigkeit wird es da - bei mir - nie geben. Leider!

Wird eine Sammlung öffentlich ausgestellt, gibt es zwei entscheidende Kriterien, mit der eine Ausstellung bewertet wird. Die Seltenheit einzelner Objekte und die Vollständigkeit (gemäss Umschreibung) der Sammelgebiete.

1. März 2021

 

ZVAB 
Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher  (006)

(Foto: ZVAB)
(Foto: ZVAB)

Nicht nur Bibliotheken, auch viele Sammlerinnen und Sammler nutzen diesen Dienst, vor allem wenn sie fast schon verzweifelt sind beim Suchen von vergriffenen Büchern. Seit 1996 gibt es dieses zentrale Verzeichnis, "vorwiegend deutsch- und englischsprachige Bücher, aber auch Noten, Landkarten oder Grafiken, Wertpapiere, Schallplatten oder Hörbücher." In dieser riesigen Datenbank - es ist so etwas wie ein riesiges, vereintes Antiquariat - lässt sich unter verschiedenen Kriterien  (Autor, Titel, Verlag, ISBN) bequem suchen und Gefundenes auch bestellen. Das Unternehmen ZVAB selber verkauft keine antiquarischen Bücher. Es stellt das Verzeichnis (online) zur Verfügung, übernimmt die Vermittlung mit den angeschlossenen professionellen Antiquariaten, orientiert über Preise und Zustand der Bücher und nimmt verbindliche Bestellungen entgegen. Die Abwicklung selber (Verpackung, Versand, Bezahlung etc) übernimmt das Antiquariat (gemäss dem publizierten Angebot) in eigener Regie. So bequem und zuverlässig dies ist, es gibt einige Fallstricke, die unbedingt zu beachten sind.

(Bild: Blog des eBusiness-KompetenzZentrums für Planen und Bauen.)
(Bild: Blog des eBusiness-KompetenzZentrums für Planen und Bauen.)

"Vergriffen" gibt es seit ZVAB nicht mehr, so die Eigenwerbung für das umfassende Angebot. Tatsächlich werden die Bücher von tausenden professionellen Anbietern erfasst und zum Kauf angeboten. So einfach das System ist, es hat auch seine Tücken.

  • Viele der Händler liefern nicht in die Schweiz (Kein EU-Land, hohe Versandkosten, Zollschranken etc.). Ob überhaupt in die Schweiz geliefert wird und wie hoch die Versandkosten sind, wird in der Regel schon beim Angebot vermerkt.
  • Nicht gleich das erste der oft vielen Angebote für das gleiche Buch kaufen. Da gibt es unglaublich grosse Preisdifferenzen. Oft lassen sich diese mit dem Zustand der Bücher begründen, ebenso oft aber nicht.
  • Unbedingt auf die Versandkosten achten. Gerade bei Büchern im Bereich bis zu 20 Euro übersteigen die Versandkosten oft die Kosten für das Buch um ein Mehrfaches. Hauptgrund: die

Ware wird nur "versichert" (in der Schweiz "eingeschrieben") versandt, was bei einem Warenwert bis zu 10 Euro der blanke Unsinn ist. So kam kürzlich ein Buch, das ich bei einem andern Händler (inklusive Versand) für 10 Euro gekauft habe, auf glatte 40 Euro.

  • Es lohnt sich, das "Kleingedruckte" zu lesen und zu vergleichen. Hier werden Zusatzkosten wie Verpackung, Porto, Versicherung, aber auch kleinere Mängel, zwar meist nicht verschwiegen, aber geflissentlich "versteckt".
Superhändler (Foto: RTL)
Superhändler (Foto: RTL)

24. Februar 2021

 

Expertise   (005)

 

Das Sammeln ist so etwas wie ein «Volkssport». Es wird fast alles gesammelt, was überhaupt gesammelt werden kann. In den allermeisten Fällen bleibt das Sammeln ein – mehr oder weniger – vergnügliches Hobby, das locker betrieben und in den allermeisten Fällen früher oder später aufgegeben wird. Nur wenige «Sammelnde» haben Zeit und Lust wirklich eine «Sammlung» aufzubauen, die geordnet, gut dokumentiert, überschaubar und zielbestimmt ist.

Expertise in der ZDF-Sendung "Bares für Rares"   -  Foto: ZDF/Frank Dicks
Expertise in der ZDF-Sendung "Bares für Rares" - Foto: ZDF/Frank Dicks

In den allermeisten Fällen endet das anfängliche Sammeln in einer «Ansammlung» von gleichen oder ähnlichen «Dingen», in einem «Horten von Sachen, die von den meisten Menschen als wertlos angesehen und weggeworfen werden». So etwa lautet die Definition von sogenannten «Messies», welche sich schwertun (oder nicht fähig sind), den realen Wert von gesammelten Gegenständen zu erfassen. Jedes Sammeln bringt aber zumindest eine Erfahrung: Es gibt rare (seltene) Objekte, die auch gesucht und entsprechend teuer sind. Und es gibt viel – zumindest material- und sammlungsbezogen – Wertloses, das nicht gefragt oder noch im Übermass vorhanden ist. Doch, was ist wertvoll, was ist wertlos? Es gibt nur wenig Sammelbereiche, die im Wert einigermassen verlässlich zu bestimmen sind. Zum Beispiel Schmuck: dafür gibt es (zwar wechselnde) Grundwerte, wie den Goldpreis, die Reinheit von Steinen, das Renommee der Firma oder des Schöpfers. Ähnliches ist zu sagen von Kunstwerken, auch da gibt es einen «Markt», der einen materiellen Wert zumindest mitbestimmt, sogar regelt.

Sammlerstücke "Karl-May-Sammlung"
Sammlerstücke "Karl-May-Sammlung"

Viel schwieriger ist es bei Sammel-stücken, die «nur» einen «Sammlerwert» haben. Zwar gibt es auch da Händler: Antiquariate, Antiquitätenhändler, Trödler, Flohmärkte, die auf Grund der Erfahrungen und (sehr oft guten) Kenntnissen zumindest einen «Handelswert» nennen. Doch der variiert unglaublich stark, denn da spielt Vertrauen und Gewinnmarge eine entscheidende Rolle.

Weitaus am häufigsten wird heute im Internet recherchiert, um für Käufe oder Verkäufe wenigstens einen Anhaltspunkt zu finden. Meist findet man schnell – vor allem im Rahmen von Internet-Auktionen – Preisangaben. Doch die sind unterschiedlich: oft stark überhöhnt, im Detail sehr  ungenau (Zustand, Variante, Echtheit etc.) und  wenig Verbindlich («wie abgebildet»).

Eigentlich bring nur eine unabhängige Expertise (Analyse mit Einschätzung) Klarheit über den Wert eines Sammelobjekts. Eine Expertise aber ist nicht nur aufwändig, anspruchsvoll und teuer. Sie lohnt sich nur bei wirklich kostbaren Käufen und Verkäufen, sonst ist eine Expertise meist teurer als das begutachtete Objekt.

Was kann man tun, wo ist allenfalls Rat zu holen?

Mehr dazu später hier in der «Sammlerecke»

13. Februar 2021

 

Das Original  (004)

 

Was viele «Nichtsammler» nicht begreifen oder nicht schätzen können, das ist der Wert und die Bedeutung eines «Originals».

Bei alten Büchern ist die Erstausgabe wertvoller (auch gesuchter), als Folgeauflagen, auch wenn diese nicht anders sind (in Aufmachung, Satzspiegel etc.), sogar in einem nahen Zeitraum erschienen (und sich vielleicht sogar in einem besseren Zustand präsentieren). Es ist die «Magie des Originals», welche für den Sammler eine grosse, ja überragende Bedeutung hat, als erkennbarer, taktil erlebbarer Zeitzeuge. Als erhaltenes Relikt einer bestimmten, datierbaren Vergangenheit. Spuren des Überlebens, gehören dazu, sie gelten als Beweise der Authentizität.
Das geht so weit, dass auch Bücher mit erhaltenem Schutzumschlag deutlich wertvollere Sammelobjekte sind als die gleichen Werke (gleiche Auflage) ohne originale Schutzhülle.

Die «Magie des Originals» durchzieht alle Sammelgebiete. Die begehrte Abkürzung «OVP» (Originalverpackung) ist überall anzutreffen, wo Antiquitäten gehandelt oder getauscht werden, gleichsam als Hinweis und Beweis (Siegel) der zeitlichen Einordnung und Echtheit Sammelstücks. Dies gilt fast für alle Gegenstände, die systematisch gesammelt werden (zum Beispiel: Spielsachen, Schmuck, Uhren etc.) Aus dem gleichen Grund sind sichtbare restaurative Eingriffe fast immer wertvermindernd, auch wenn der Aufwand und

die Kosten für die Reparatur noch so gross waren. Originaler Zustand, originale Farbe, originale Form (originales «Dasein») kommen weit vor anderen Werten, wie  Sauberkeit, Schönheit und Gepflegtheit.

Und noch etwas: im Bereich antiker Bücher sind «Reprints» (von kaum mehr zugänglichen Werken) für alle am Inhalt Interessierten (Leser, Wissenschafter, Forscher etc.) eine brauchbare, oft lang ersehnte und gesuchte Alternative zu raren Originalen. Nicht so für die Sammler. Als Exponate ihrer Sammlung sind «Reprints» ein notdürftiger Ersatz. Sammlerinnen und Sammler bevorzugen das Original. Es ist ein ganz wichtiger Anreiz für die «Leidenschaft» des Sammelns.

13. Februar 2021

 

Bild-Dokumente  (003)

 

Mit "sammeln"  beginnt der Aufbau einer jede Sammlung. Doch dabei bleibt es nicht lange. Es folgt das "Suchen", denn die Lust am Sammeln liegt im Erstellen einer gewissen "Vollständigkeit". Vollständigkeit (auch wenn sie nur partiell ist) stellt sich nicht einfach so ein, sondern muss "erarbeitet" werden. Sammler suchen deshalb gezielt nach bestimmten Dingen, die zur angestrebten Vollständigkeit noch fehlen.

Beispiel: Bilddokumentation meine Santons-Sammlung
Beispiel: Bilddokumentation meine Santons-Sammlung

Und schon bald einmal beginnt das nächste Problem bei der Frage: Was hab ich schon, was fehlt noch? Umso grösser eine Sammlung wird, umso schneller geht die Übersicht verloren. Es stellen sich rasch einmal ärgerliche (oft auch teure) Dubletten ein, die es - wenn immer möglich - zu vermeiden gilt (Ärger, Verlust, Aufwand). Da helfen - nebst Notizen und Listen - vor allem Bilder. Sie helfen fast immer Doppelspurigkeit zu vermeiden (und auch "Abarten" und "Abweichungen" zu erkennen. Eine lückenlose ist deshalb noch wichtiger als das Registrieren in Listen.Bilddokumentationen sind auch wichtig für das Tauchen und eventuelle Verkaufen eines Sammelstücks. Vor allem, wenn ein besseres (perfekteres) Exemplar findet und das bisherige austauschen und verkaufen möchte. Rechts ein Auszug aus meiner Santons-Sammlung (rund 300 Figuren), die ich soeben neu bildlich festgehalten habe und für meine Sammlerfreunde auf dieser Website einstellen werde. Wie die meisten privaten Sammlungen sind auch meine nicht permanent ausgestellt, sondern in Sammelkisten verpackt. Die Bilddokumentation ist also so etwas wie eine private Ausstellung, die jederzeit zugänglich ist. Dazu ist es aber wichtig ist, dass die Bilder nicht bloss "Erinnerungshilfen" darstelle, sondern die Sammlung in den Farben und Formen (auch allfälligen Beschädigungen) möglichst genau abbilden. Der Bildkatalog der Santons-Sammlung ist hier zu finden.

(Bild: Druckclub)
(Bild: Druckclub)

04. Februar 2021

 

Porto-/Versandkosten (002)

 

Eines der grössten (und ärgerlichsten) Probleme der Sammlerin und des Sammlers sind die Porto- und Versandkosten, vor allem im grenzüberschreitenden Austausch und Kauf. Die Schweiz (als Nicht-EU-Land) ist davon besonders stark betroffen. Es gibt daher immer mehr Händler, Verkäufer, die bei ihren Angeboten vermerken: "Keinen Verkauf ins Ausland". Oder noch häufiger "Keinen Verkauf in die Schweiz". Das Problem der hohen Spesen verschärft sich nochmals bei der Bezahlung ins Ausland. Je nach vorhandenen Konten (Währung) und Überweisungsarten fallen zusätzlich Kosten an, für die der Käufer natürlich aufkommen muss. Betroffen sind vor allem die Privatanbieter und Kleinhändler und natürlich die "Kleinsammler". Grössere Unternehmen (mit grösserem Umsatz) haben in der Regel Verträge mit der Post, Speditions- und Zustellungsdiensten zu günstigeren Bedingungen. Die Ursache des fast täglichen Ärgers aller Sammlerfreaks resulltiert aus unterschiedlichen Bereichen, die sich rasch kumulieren.  

Erst nach vielen Jahren des Sammelns habe ich bei den Neuerwerbungen (in diesem Fall bei der Karl-May-Sammlung) begonnen, sowohl die Netto-, als auch die Bruttopreise im Sammlungsprotokoll einzutragen, das heisst: sowohl den reinen Kaufpreis und den Preis nach allen Nebenkosten (Porto, Verpackung, aber ohne Geldüberweisungskosten). Das Verhältnis ist (trotz einer grossen Mehrzahl an "Inlandskäufen") geradezu erschreckend. Durchschnittlich habe ich etwa die Hälfte des Grundpreises (Warenpreis) für zusätzlichen "Nebenkosten" ausgegeben.

(Links der Auszug aus einem beliebigen Segment der Sammlung). Die Sammlung enthält - wie die meisten "Hobby-Sammlungen" - viele kleine Exponate, die wenig kosten und in der Regel bestenfalls noch auf dem Flohmarkt oder in Anti-quariaten angeboten werden, weit häufiger aber bei Haushalts- und Wohnungs-räumungen im Müll landen.

Woher also diese hohen "Neben-  kosten"?

Die Posttarife sind unglaublich angehoben worden und für den "kleinen Warenverkehr" von Privaten denkbar ungünstig und viel zu hoch. Ausgerichtet einzig auf den Handel per Internet. (Marke: Versand spesenfrei!) Posttarife für die Wirtschaft, nicht für den Privat-Post-Kunden  Ein Beispiel: Eine Medaille von Deutschland in die Schweiz zu senden kostet 16.50 Euro. Die Medaille hat einen Wert um 10 Euro, wiegt ein paar Gramm und die Grösse eines "Fünflibers". Da braucht es weder eine Versicherung, noch eingeschriebener Versand oder Zustellung à la "Priiority", auch keine Zoll-Deklarationen und Zoll-Umwege.

Aufwändige Werbung der Post im Dienste von Grossisten. Was hat dies mit dem Leistungsauftrag zu tun?
Aufwändige Werbung der Post im Dienste von Grossisten. Was hat dies mit dem Leistungsauftrag zu tun?

Das gleiche Debakel im Handel mit Büchern. Ein neues Buch ist weit billiger (portofrei!), als ein antiquarisches, das nach Hause geliefert wird. So wollte gestern ein Antiquar für ein altes, absolut nicht rares Taschenbuch - von Wien nach Zürich - 16 Euro für "Porto und Versand". Das gleiche Buch wurde mir bei einem andern Anbieter nicht nur viel billiger (anstatt 18 Euro für 6 Euro ) - plus 2 Euro für Porto und Versand angeboten.

Damit sind wir beim nächsten Problem: beim Begriff Versandkosten. Während es beim Porto Tarife gibt - sind "Versandspesen" ein wahres Tummelfeld zur Aufbesserung des Gewinns. (Spesenangaben, wenn überhaupt, bestenfalls versteckt im Kleingedruckten). Abzocken im Internet(Auktions)-Kleinhandel gehört für Sammler fast schon zur täglichen Erfahrung. Inzwischen habe ich mir eine Liste angelegt von erlebten "Abzockerfreuden", mit Namen von Anbietern, mit denen ich nie mehr in eine "Geschäftsbeziehung" treten werde. Dazu gehören nicht nur "Gelegenheits- und -Kleinanbieter", leider auch "seriöse" Adressen, wie jene des Antiquariats in Wien.

30. Januar 2021

 

Sammlerecke (001)

 

Eine neue Rubrik?

Nein, nicht ganz neu, aber neu gesammelt. Zusammengetragen aus vielen Jahren Erfahrungen des Sammelns, einer Leidenschaft, die beherrscht, gelernt und geordnet sein will. Sonst breiten sich die Sammelstück aus, füllen die Wohnung, das Haus, das Leben. Endstation: Messies. Heute, mein erster Tipp richtet sich nicht an die Sammler vielmehr an die

Anbieter (Verkäufer), in diesem Fall von Büchern. Noch immer gibt es die Anti-quariate und Flohmärkte, der Sammler liebste "Tummelfelder". Weitaus am häufigsten werden Sammelstücke über das Internet ge- und verkauft. Vor allem Bücher. Das Angebot hier: "10 uralte, antike Karl May Bücher" In der Beschrei-bung: "10 Stck, 6 in gutem Zustand, 3
weniger gut. 1 schlechter Zustand
." Ein Trödler-Angebot, aber nichts für Sammler.

Eigenschaften wie "uralt, antik, weniger gut, schlechter Zustand" sind keine brauchbare Informationen und schon gar keine
Verkaufsargumente. Bei allen Büchern gehören präzise Angeben dazu über Verlag (hier einheitlich KM-Verlag), Autor, Jahrgang, Auflage, Schrift, Illustratoren, Zustand (da gibt es Normen) etc. Gerade bei Erfolgsautoren - bei denen es meist viele Auflagen und 

Editionen gibt - sind genauere Angaben unbedingt nötig. Auch, wenn dies der Gelegenheitsverkäufer nicht so genau einschätzen kann. Sammler und Sammle-rinnen wissen - aufgrund von Angaben vieles einzuordnen, abzuschätzen und zu klären. Noch etwas: sogenannte "Konvolute" sind bei Sammlern ein "Unding". Sie suchen  immer Einzelstücke. Etwas das in ihrer Sammlung eben noch fehlt. Was macht er oder sie mit den restlichen 49 Büchern - zudem noch kreuz und quer vermischt (Verlag, Taschenbuch, Serie etc.) - von denen die meisten in der Sammlung schon vorhanden sind?

(Foto: K-Kiosk)
(Foto: K-Kiosk)

17. Januar 2021

 

Sammeln:

 

Ansichtskarten

 

Man kann es einem "Sammlerfreak" kaum verargen, wenn er nicht nur bei seinen eigenen Sammlungen verweilt, sondern auch Ausschau hält, was denn so in der "Sammlerwelt" los ist. Fragen, was, wo, wie, warum gesammelt wird, stellen sich jeden Tag, auch wenn es nicht die eigene Sammlung betrifft. So bin ich zum Beispiel auf diese Ansichtskarte gestossen. Zugesandt hat mir die Karte ein Sammlerfreund (Hans Weiss, kurz vor seinem Tod). Ich sammle keine Ansichtskarten, doch der ursprüngliche Adressat dieser Karte wohnte im gleichen Dorf im gleichen Dorf, wie der "Sammlerfreak". Was also tun, mit diesem kleinen Sammelstück?

Original: Ein lieber Besuch von Max Kurzweil (1867-1916) - 1894 Wien
Original: Ein lieber Besuch von Max Kurzweil (1867-1916) - 1894 Wien

Was tun, wenn man auf alte Postkarten stösst, sie aber nicht sammelt? Wegwerfen, aufbewahren, verschenken, verkaufen, sammeln...? Solche "Trouvaillen" können Ausgangspunkt für eine kleine Sammlung sein (so haben viele Sammlungen angefangen), müssen es aber nicht. Zuerst gilt es, den "Handelswert" einer Karte festzustellen (abhängig von der Verbreitung und dem Sammlerinteresse). Gute Anhaltspunkte liefert z.B. der Online-Marktplatz Oldthing oder Antiquariate.In diesem Fall ist es eine Postkarte, die häufig angeboten wird (Sammlerforen, Auktionen) und wird zum Preis um 5 Euro gehandelt. In der Regel werden "Fundstücke" über-oder unterbewertet. Von der eigenen Erfahrung ausgehend glaubt man (meistens) etwas Kostbares gefunden zu haben oder man erkennt den Wert nicht. Es sind oft Einzelheiten, die entscheidend sind (aber in der Regel nicht beachtet werden).

Bei Postkarten zum Beispiel das Sujet, das Thema, der Stempel, der Adressat etc. Hier war es das "Zielort" Bubikon (mein Wohnort), der den Aus-schlag gab. Jedes Sammelgebiet teilt sich nämlich in viele Sammlerziele und -interessen.
Ganz generell sind Postkarten das drittgrösste Sammlerhobby (nach alten Münzen und Briefmarken.) Eine gute "Anleitung" für das Sammeln von Postkarten (Fachausdruck: Philokartie) finden Sie hier. Doch kehren wir zurück zu "meiner" Postkarte. Zuerst gilt

es, ein paar Daten festzustellen (nicht alles, was alt aussieht, ist auch alt!).  Der Stempel ist ein guter Anhaltspunkt (hier schlecht lesbar). Die Karte stammt aus der Zeit um 1910. Die Jahre 1897-1918 werden als das “Goldene Zeitalter der Ansichtskarte” bezeichnet.Das nächste ist die Bestimmung des Bildes. In diesem Fall ist das Original ein Ölbild von Max Kurzweiler mit dem Titel "Ein lieber Besuch" entstanden 1894. Kurzweiler (1867-1916) war ein österreichischer Maler des Jugendstils (Wiener Sescession), "wandte sich aber später unter dem Einfluss von Edvard Munch und Ferdinand Hodler mehr und mehr dem Symbolismus zu". Damit sind wir - schon nach diesen ersten Angaben - inmitten dessen, was Sammeln als Erkenntnis, Wissen, Freude, Interesse, Leidenschaft bringen kann.

Diese Rubrik zum Thema "Sammeln" wir fortgesetzt