Sammlerecke - Rubrik

04. Februar 2021

 

Sammlerecke

 

Die "Sammlerecke" erscheint etwa einmal in der
Woche. Sie beleuchtet Probleme, Hinweise,
Beurteilungen, Erfahrungen, Tipps etc. im Bereich des
                                             Sammelns.

Expertise in der ZDF-Sendung "Bares für Rares"   -  Foto: ZDF/Frank Dicks
Expertise in der ZDF-Sendung "Bares für Rares" - Foto: ZDF/Frank Dicks

24. Februar 2021

 

Expertise   (005)

 

(Fortsetzung)

Jedes Sammeln bringt aber zumindest eine Erfahrung: Es gibt rare (seltene) Objekte, die auch gesucht und entsprechend teuer sind. Und es gibt viel – zumindest material- und sammlungsbezogen – Wertloses, das nicht gefragt oder noch im Übermass vorhanden ist. Doch, was ist wertvoll, was ist wertlos? Es gibt nur wenig Sammelbereiche, die im Wert einigermassen verlässlich zu bestimmen sind. Zum Beispiel Schmuck: dafür gibt es (zwar wechselnde) Grundwerte, wie den Goldpreis, die Reinheit von Steinen, das Renommee der Firma oder des Schöpfers. Ähnliches ist zu sagen von Kunstwerken, auch da gibt es einen «Markt», der einen materiellen Wert zumindest mitbestimmt, sogar regelt.

Sammlerstücke "Karl-May-Sammlung"
Sammlerstücke "Karl-May-Sammlung"

Viel schwieriger ist es bei Sammel-stücken, die «nur» einen «Sammlerwert» haben. Zwar gibt es auch da Händler: Antiquariate, Antiquitätenhändler, Trödler, Flohmärkte, die auf Grund der Erfahrungen und (sehr oft guten) Kenntnissen zumindest einen «Handelswert» nennen. Doch der variiert unglaublich stark, denn da spielt Vertrauen und Gewinnmarge eine entscheidende Rolle.

Weitaus am häufigsten wird heute im Internet recherchiert, um für Käufe oder Verkäufe wenigstens einen Anhaltspunkt zu finden. Meist findet man schnell – vor allem im Rahmen von Internet-Auktionen – Preisangaben. Doch die sind unterschiedlich: oft stark überhöhnt, im Detail sehr  ungenau (Zustand, Variante, Echtheit etc.) und  wenig Verbindlich («wie abgebildet»).

Eigentlich bring nur eine unabhängige Expertise (Analyse mit Einschätzung) Klarheit über den Wert eines Sammelobjekts. Eine Expertise aber ist nicht nur aufwändig, anspruchsvoll und teuer. Sie lohnt sich nur bei wirklich kostbaren Käufen und Verkäufen, sonst ist eine Expertise meist teurer als das begutachtete Objekt.

Was kann man tun, wo ist allenfalls Rat zu holen?

Mehr dazu später hier in der «Sammlerecke»

13. Februar 2021

 

Das Original  (004)

 

Was viele «Nichtsammler» nicht begreifen oder nicht schätzen können, das ist der Wert und die Bedeutung eines «Originals».

Bei alten Büchern ist die Erstausgabe wertvoller (auch gesuchter), als Folgeauflagen, auch wenn diese nicht anders sind (in Aufmachung, Satzspiegel etc.), sogar in einem nahen Zeitraum erschienen (und sich vielleicht sogar in einem besseren Zustand präsentieren). Es ist die «Magie des Originals», welche für den Sammler eine grosse, ja überragende Bedeutung hat, als erkennbarer, taktil erlebbarer Zeitzeuge. Als erhaltenes Relikt einer bestimmten, datierbaren Vergangenheit. Spuren des Überlebens, gehören dazu, sie gelten als Beweise der Authentizität.
Das geht so weit, dass auch Bücher mit erhaltenem Schutzumschlag deutlich wertvollere Sammelobjekte sind als die gleichen Werke (gleiche Auflage) ohne originale Schutzhülle.

Die «Magie des Originals» durchzieht alle Sammelgebiete. Die begehrte Abkürzung «OVP» (Originalverpackung) ist überall anzutreffen, wo Antiquitäten gehandelt oder getauscht werden, gleichsam als Hinweis und Beweis (Siegel) der zeitlichen Einordnung und Echtheit Sammelstücks. Dies gilt fast für alle Gegenstände, die systematisch gesammelt werden (zum Beispiel: Spielsachen, Schmuck, Uhren etc.) Aus dem gleichen Grund sind sichtbare restaurative Eingriffe fast immer wertvermindernd, auch wenn der Aufwand und

die Kosten für die Reparatur noch so gross waren. Originaler Zustand, originale Farbe, originale Form (originales «Dasein») kommen weit vor anderen Werten, wie  Sauberkeit, Schönheit und Gepflegtheit.

Und noch etwas: im Bereich antiker Bücher sind «Reprints» (von kaum mehr zugänglichen Werken) für alle am Inhalt Interessierten (Leser, Wissenschafter, Forscher etc.) eine brauchbare, oft lang ersehnte und gesuchte Alternative zu raren Originalen. Nicht so für die Sammler. Als Exponate ihrer Sammlung sind «Reprints» ein notdürftiger Ersatz. Sammlerinnen und Sammler bevorzugen das Original. Es ist ein ganz wichtiger Anreiz für die «Leidenschaft» des Sammelns.

13. Februar 2021

 

Bild-Dokumente  (003)

 

Mit "sammeln"  beginnt der Aufbau einer jede Sammlung. Doch dabei bleibt es nicht lange. Es folgt das "Suchen", denn die Lust am Sammeln liegt im Erstellen einer gewissen "Vollständigkeit". Vollständigkeit (auch wenn sie nur partiell ist) stellt sich nicht einfach so ein, sondern muss "erarbeitet" werden. Sammler suchen deshalb gezielt nach bestimmten Dingen, die zur angestrebten Vollständigkeit noch fehlen.

Beispiel: Bilddokumentation meine Santons-Sammlung
Beispiel: Bilddokumentation meine Santons-Sammlung

Und schon bald einmal beginnt das nächste Problem bei der Frage: Was hab ich schon, was fehlt noch? Umso grösser eine Sammlung wird, umso schneller geht die Übersicht verloren. Es stellen sich rasch einmal ärgerliche (oft auch teure) Dubletten ein, die es - wenn immer möglich - zu vermeiden gilt (Ärger, Verlust, Aufwand). Da helfen - nebst Notizen und Listen - vor allem Bilder. Sie helfen fast immer Doppelspurigkeit zu vermeiden (und auch "Abarten" und "Abweichungen" zu erkennen. Eine lückenlose ist deshalb noch wichtiger als das Registrieren in Listen.Bilddokumentationen sind auch wichtig für das Tauchen und eventuelle Verkaufen eines Sammelstücks. Vor allem, wenn ein besseres (perfekteres) Exemplar findet und das bisherige austauschen und verkaufen möchte. Rechts ein Auszug aus meiner Santons-Sammlung (rund 300 Figuren), die ich soeben neu bildlich festgehalten habe und für meine Sammlerfreunde auf dieser Website einstellen werde. Wie die meisten privaten Sammlungen sind auch meine nicht permanent ausgestellt, sondern in Sammelkisten verpackt. Die Bilddokumentation ist also so etwas wie eine private Ausstellung, die jederzeit zugänglich ist. Dazu ist es aber wichtig ist, dass die Bilder nicht bloss "Erinnerungshilfen" darstelle, sondern die Sammlung in den Farben und Formen (auch allfälligen Beschädigungen) möglichst genau abbilden. Der Bildkatalog der Santons-Sammlung ist hier zu finden.

(Bild: Druckclub)
(Bild: Druckclub)

04. Februar 2021

 

Porto-/Versandkosten (002)

 

Eines der grössten (und ärgerlichsten) Probleme der Sammlerin und des Sammlers sind die Porto- und Versandkosten, vor allem im grenzüberschreitenden Austausch und Kauf. Die Schweiz (als Nicht-EU-Land) ist davon besonders stark betroffen. Es gibt daher immer mehr Händler, Verkäufer, die bei ihren Angeboten vermerken: "Keinen Verkauf ins Ausland". Oder noch häufiger "Keinen Verkauf in die Schweiz". Das Problem der hohen Spesen verschärft sich nochmals bei der Bezahlung ins Ausland. Je nach vorhandenen Konten (Währung) und Überweisungsarten fallen zusätzlich Kosten an, für die der Käufer natürlich aufkommen muss. Betroffen sind vor allem die Privatanbieter und Kleinhändler und natürlich die "Kleinsammler". Grössere Unternehmen (mit grösserem Umsatz) haben in der Regel Verträge mit der Post, Speditions- und Zustellungsdiensten zu günstigeren Bedingungen. Die Ursache des fast täglichen Ärgers aller Sammlerfreaks resulltiert aus unterschiedlichen Bereichen, die sich rasch kumulieren.  

Erst nach vielen Jahren des Sammelns habe ich bei den Neuerwerbungen (in diesem Fall bei der Karl-May-Sammlung) begonnen, sowohl die Netto-, als auch die Bruttopreise im Sammlungsprotokoll einzutragen, das heisst: sowohl den reinen Kaufpreis und den Preis nach allen Nebenkosten (Porto, Verpackung, aber ohne Geldüberweisungskosten). Das Verhältnis ist (trotz einer grossen Mehrzahl an "Inlandskäufen") geradezu erschreckend. Durchschnittlich habe ich etwa die Hälfte des Grundpreises (Warenpreis) für zusätzlichen "Nebenkosten" ausgegeben.

(Links der Auszug aus einem beliebigen Segment der Sammlung). Die Sammlung enthält - wie die meisten "Hobby-Sammlungen" - viele kleine Exponate, die wenig kosten und in der Regel bestenfalls noch auf dem Flohmarkt oder in Anti-quariaten angeboten werden, weit häufiger aber bei Haushalts- und Wohnungs-räumungen im Müll landen.

Woher also diese hohen "Neben-  kosten"?

Die Posttarife sind unglaublich angehoben worden und für den "kleinen Warenverkehr" von Privaten denkbar ungünstig und viel zu hoch. Ausgerichtet einzig auf den Handel per Internet. (Marke: Versand spesenfrei!) Posttarife für die Wirtschaft, nicht für den Privat-Post-Kunden  Ein Beispiel: Eine Medaille von Deutschland in die Schweiz zu senden kostet 16.50 Euro. Die Medaille hat einen Wert um 10 Euro, wiegt ein paar Gramm und die Grösse eines "Fünflibers". Da braucht es weder eine Versicherung, noch eingeschriebener Versand oder Zustellung à la "Priiority", auch keine Zoll-Deklarationen und Zoll-Umwege.

Aufwändige Werbung der Post im Dienste von Grossisten. Was hat dies mit dem Leistungsauftrag zu tun?
Aufwändige Werbung der Post im Dienste von Grossisten. Was hat dies mit dem Leistungsauftrag zu tun?

Das gleiche Debakel im Handel mit Büchern. Ein neues Buch ist weit billiger (portofrei!), als ein antiquarisches, das nach Hause geliefert wird. So wollte gestern ein Antiquar für ein altes, absolut nicht rares Taschenbuch - von Wien nach Zürich - 16 Euro für "Porto und Versand". Das gleiche Buch wurde mir bei einem andern Anbieter nicht nur viel billiger (anstatt 18 Euro für 6 Euro ) - plus 2 Euro für Porto und Versand angeboten.

Damit sind wir beim nächsten Problem: beim Begriff Versandkosten. Während es beim Porto Tarife gibt - sind "Versandspesen" ein wahres Tummelfeld zur Aufbesserung des Gewinns. (Spesenangaben, wenn überhaupt, bestenfalls versteckt im Kleingedruckten). Abzocken im Internet(Auktions)-Kleinhandel gehört für Sammler fast schon zur täglichen Erfahrung. Inzwischen habe ich mir eine Liste angelegt von erlebten "Abzockerfreuden", mit Namen von Anbietern, mit denen ich nie mehr in eine "Geschäftsbeziehung" treten werde. Dazu gehören nicht nur "Gelegenheits- und -Kleinanbieter", leider auch "seriöse" Adressen, wie jene des Antiquariats in Wien.

30. Januar 2021

 

Sammlerecke (001)

 

Eine neue Rubrik?

Nein, nicht ganz neu, aber neu gesammelt. Zusammengetragen aus vielen Jahren Erfahrungen des Sammelns, einer Leidenschaft, die beherrscht, gelernt und geordnet sein will. Sonst breiten sich die Sammelstück aus, füllen die Wohnung, das Haus, das Leben. Endstation: Messies. Heute, mein erster Tipp richtet sich nicht an die Sammler vielmehr an die

Anbieter (Verkäufer), in diesem Fall von Büchern. Noch immer gibt es die Anti-quariate und Flohmärkte, der Sammler liebste "Tummelfelder". Weitaus am häufigsten werden Sammelstücke über das Internet ge- und verkauft. Vor allem Bücher. Das Angebot hier: "10 uralte, antike Karl May Bücher" In der Beschrei-bung: "10 Stck, 6 in gutem Zustand, 3
weniger gut. 1 schlechter Zustand
." Ein Trödler-Angebot, aber nichts für Sammler.

Eigenschaften wie "uralt, antik, weniger gut, schlechter Zustand" sind keine brauchbare Informationen und schon gar keine
Verkaufsargumente. Bei allen Büchern gehören präzise Angeben dazu über Verlag (hier einheitlich KM-Verlag), Autor, Jahrgang, Auflage, Schrift, Illustratoren, Zustand (da gibt es Normen) etc. Gerade bei Erfolgsautoren - bei denen es meist viele Auflagen und 

Editionen gibt - sind genauere Angaben unbedingt nötig. Auch, wenn dies der Gelegenheitsverkäufer nicht so genau einschätzen kann. Sammler und Sammle-rinnen wissen - aufgrund von Angaben vieles einzuordnen, abzuschätzen und zu klären. Noch etwas: sogenannte "Konvolute" sind bei Sammlern ein "Unding". Sie suchen  immer Einzelstücke. Etwas das in ihrer Sammlung eben noch fehlt. Was macht er oder sie mit den restlichen 49 Büchern - zudem noch kreuz und quer vermischt (Verlag, Taschenbuch, Serie etc.) - von denen die meisten in der Sammlung schon vorhanden sind?

(Foto: K-Kiosk)
(Foto: K-Kiosk)

17. Januar 2021

 

Sammeln:

 

Ansichtskarten

 

(Fortsetzung)

Was tun, wenn man auf alte Postkarten stösst, sie aber nicht sammelt? Wegwerfen, aufbewahren, verschenken, verkaufen, sammeln...? Solche "Trouvaillen" können Ausgangspunkt für eine kleine Sammlung sein (so haben viele Sammlungen angefangen), müssen es aber nicht. Zuerst gilt es, den "Handelswert" einer Karte festzustellen (abhängig von der Verbreitung und dem Sammlerinteresse). Gute Anhaltspunkte liefert z.B. der Online-Marktplatz Oldthing oder Antiquariate.

In diesem Fall ist es eine Postkarte, die häufig angeboten wird (Sammlerforen, Auktionen) und wird zum Preis um 5 Euro gehandelt. In der Regel werden "Fundstücke" über-

oder unterbewertet. Von der eigenen Erfahrung ausgehend glaubt man (meistens) etwas Kostbares gefunden zu haben oder man erkennt den Wert nicht. Es sind oft Einzelheiten, die entscheidend sind (aber in der Regel nicht beachtet werden). Bei Postkarten zum Beispiel das Sujet, das Thema, der Stempel, der Adressat etc. Hier war es das "Zielort" Bubikon (mein Wohnort), der den Aus-schlag gab. Jedes Sammelgebiet teilt sich nämlich in viele Sammlerziele und -interessen.
Ganz generell sind Postkarten das drittgrösste Sammlerhobby (nach alten Münzen und Briefmarken.) Eine gute "Anleitung" für das Sammeln von Postkarten (Fachausdruck: Philokartie) finden Sie hier. Doch kehren wir zurück zu "meiner" Postkarte. Zuerst gilt 

es, ein paar Daten festzustellen (nicht alles, was alt aussieht, ist auch alt!).  Der Stempel ist ein guter Anhaltspunkt (hier schlecht lesbar). Die Karte stammt aus der Zeit um 1910. Die Jahre 1897-1918 werden als das “Goldene Zeitalter der Ansichtskarte” bezeichnet.Das nächste ist die Bestimmung des Bildes. In diesem Fall ist das Original ein Ölbild von Max Kurzweiler mit dem Titel "Ein lieber Besuch" entstanden 1894. Kurzweiler (1867-1916) war ein österreichischer Maler des Jugendstils (Wiener Sescession), "wandte sich aber später unter dem Einfluss von Edvard Munch und Ferdinand Hodler mehr und mehr dem Symbolismus zu". Damit sind wir - schon nach diesen ersten Angaben - inmitten dessen, was Sammeln als Erkenntnis, Wissen, Freude, Interesse, Leidenschaft bringen kann.

Diese Rubrik zum Thema "Sammeln" wir fortgesetzt