Sammlerecke 2

04. Februar 2021

 

Sammlerecke

 

Die "Sammlerecke" erscheint etwa einmal in der
Woche. Sie beleuchtet Probleme, Hinweise, Beurteilungen, Erfahrungen, Tipps etc. im Bereich des Sammelns.

1. Teil der Sammlerecke (bis Beitrag 35)

26. August 2022

 

Hoffnung    (037)

 

Sammeln ist auch Ausdruck von Hoffnung, obwohl dies von Sammlerinnen und Sammlern nur selten wahrgenommen und schon gar nicht ausgesprochen wird.

Zitat von Vaclav-Havel -an der Giebelwand eines Wohnblocks in Weimar. (Foto:wikipedia)
Zitat von Vaclav-Havel -an der Giebelwand eines Wohnblocks in Weimar. (Foto:wikipedia)

Es ist jener Teil des Sammelns, welches das Bewahren in den Vordergrund stellt: das Schützen, das Erhalten, das Behalten. Sicher gehört dies  – nicht unwesentlich – zum Sinn des Sammelns. Stichwort: Der Vergangenheit eine Zukunft geben. Auch wenn dies grossherzig und überzeugend klingt, steckt dahinter ein grosses Stück Hoffnung. Die Hoffnung, die Endlichkeit in einem kleinen Bereich zu überwinden. Sammeln lebt also auch vom «Prinzip Hoffnung». Von der Hoffnung, ein «Werk» schaffen zu können, welches die Endlichkeit zumindest herausfordert. Von Unendlichkeit wagt keine Sammlerin, kein Sammler, zu reden. Es bleibt – meist – bei der Hoffnung, die beim Sammeln einen wichtigen Platz einnimmt.

Sammlungen entstehen nicht an einem Tag, auch nicht in kurzer Zeit, es braucht Jahre, bis sie als Sammlung wahr- und ernstgenommen und Vergleiche, Entwicklungen, Abläufe sichtbar werden. Im bewussten und gezielten Aufbau einer Sammlung – was es immer auch sein mag – liegt der Spass, die Freude, die Genugtuung des Sammelns. Nicht, wie allzu oft angenommen wird, im reinen Besitz, in der Verfügbarkeit von seltenem, von wertvollem Sammelgut.

Da das Sammeln – nahezu immer – über viele Jahre dauert, wird die Sammeltätigkeit – oft von einem Augenblick auf den andern – aufgegeben oder «ruhen gelassen». Das Sammeln wird dann zum Dokumentar-Gut, das im besten Fall (meist nur in Teilen) verkauft werden kann. Viel häufiger noch verstaubt und verschwindet – kaum wahrnehmbar – eine – noch so leidenschaftlich aufgebaute -Sammlung. Der berühmte Sammlungs-Exit setzt dem Sammlerleiden ein Ende. Sammlerleiden? Ja, Sammeln ist nicht nur eine Leidenschaft, viel häufiger noch ein «Leiden». Das «Leiden» an der Unerfüllbarkeit so vieler Sammlerwünsche oder schmerzlichen Lücken in einer (konzipierten und geordneten) Sammlung.

Aufbau-Verlag 1954
Aufbau-Verlag 1954

Sammeln ist auch nicht ein zufälliges Anhäufen von Exponaten, es ist vielmehr das gezielte Dokumentieren von Zuständen, Entwicklungen, Lebensumständen im Spiegel des Zeitgeschehens. Und das kann – auch bei höchstem Bemühen – nie vollständig sein, den die Endlichkeit des Sammelguts und der Sammelnden ist in Jahreszahl deutlicher erkennbar. Nur ganz wenige Sammlungen überleben die Sammlerin, den Sammler. Der Versuch, durch Vermächtnisse oder Stiftungen, eine Sammlung zu erhalten, scheitern in den meisten Fällen. Zu sehr ist jede Sammlung an den oder die Sammelnden gebunden, Sammlungen leben also – wie kaum etwas anderes – fast ausschliesslich vom «Prinzip Hoffnung».

Bild: Büchermarkt im Bürgerhaus in Rees (DE)
Bild: Büchermarkt im Bürgerhaus in Rees (DE)

04. Juli 2022

 

Bücher  (036)

 

Das Problem ist bekannt und betrifft nicht nur verbissene Sammler und Sammler-innen. Wohin mit den angesammelten Büchern? Einfache Antwort, theoretisch: ins Antiquariat. Doch die schönsten, selbst die «liebsten» Bücher können kaum verkauft werden. Es sei denn, sie haben einen hohen "Sammlerwert": rar, speziell und gesucht. Dies sind - im Verhältnis zur weltweiten Bücherproduktion - nur wenige besondere Ausgaben, meist verknüpft mit Bildern, Kunst und Unterschriften. Hier eine Auswahl der «kostbarsten» antiquarischen Verkäufe im letzten Vierteljahr. (April, May, Juni 2022)

(Bild: kostencheck.de)
(Bild: kostencheck.de)

Es gibt keine Statistik, wie viele Bücher jährlich (meist in der «Mulde») entsorgt werden. Die Zahl ist tröstlich (es wird also noch gelesen), aber auch erschreckend.  Die «Verfallzeit» der Bücher wird immer kürzer, die Masse an Büchern immer grösser (Selbstverlage), weil die Herstellung und Vermarktung von Büchern einfacher geworden ist (Internet). Büchergestelle sind zwar weitgehend aus der «guten Stube» verschwunden.

Symbole bürgerlicher Bildung sind Bücher kaum mehr. Sie wurden über weite Strecken von der Elektronik verdrängt (eBook, aber auch Bildkanäle etc.). Genau so, wie der über lange Zeit zentrale Fernseher in die Ecke oder ins Neben-zimmer verbannt wurden. Doch es gibt noch die Antiquariate und sie sind (fast schon weltweit) gut organisiert und verknüpft (auch da läuft viel über das Internet und nicht über die Buchhandlung oder das Antiquariat vor Ort. Doch, immer

wenn Zahlen und «Rekorde» veröffentlicht werden, geht ein grosses «Staunen» durch die «Nicht-Sammlerwelt»: So hoch werden spezielle Bücher in Sammlerkreisen gehandelt. Doch um einen verhältnismässig kleinen Kreis von Sammlungen und Sammlern. Die «Historie» (Geschichte, Vergangenheit) der Bücher ist dabei wohl der entscheidende Faktor.
ZVAB meldet in diesen Tagen:

Das teuerste Buch - «I Quattro Libri dell Architettura» von Andrea Palladio - erzielte 57`000 € :
«Eine Erstauflage dieses einflussreichen Buches über Architektur aus dem Jahr 1570. Andrea di Pietro erhielt den Spitznamen Palladio und arbeitete in der italienischen Region Venedig, wo seine Gebäude für ihren klassischen Stil berühmt sind. Dieser Band ist in vier Abschnitte unterteilt – grundlegende architektonische Aufgaben wie Wände und Räume, Privathäuser, öffentliche Gebäude wie Brücken und Plätze sowie Stadtplanung und Tempel. Der Stil von Palladio wurde als Palladianismus bekannt und wurde bis ins 18. Jahrhundert in ganz Europa kopiert.»
In diesem Fall, aber auch in ein paar anderen Beispielen der Liste, hadelt es sich um ein altes, sehr altes Buch (sogar Erstauflage). In anderen Fällen spielt das Alter nicht die entscheidende Rolle, es ist vielmehr die Ausstattung.

«Fahrenheit 451» von Ray Bradbury  zu rund 22`000 €
«Diese in Asbest gebundene Ausgabe von FAHRENHEIT 451 ist feuerfest. Es ist die berühmte asbestgebundene Ausgabe von Bradburys klassischem dystopischem Roman über die Macht von Büchern. #83 von 200 signierten und nummerierten Exemplaren. Eine reguläre signierte Erstausgabe von FAHRENHEIT 451 wurde Anfang des Jahres für 12.000 $ über Abebooks.com verkauft.»

Der Roman erschien 1953 (Erstausgabe). Das Asbestbuch etwas später. Dies sind nur zwei der 10 am teuersten verkauften Bücher über ZVAB innerhalb drei Monaten. Sie sind nicht nur rar, sondern ganz speziell. Wichtig ist dabei auch die Bestätigung einer Erstauflage (Kriterium: Original)

Hier die ganze Liste ansehen