Getrunken 4. Teil (ab Januar 2018 -   ) aktuell

Hier sind alle "Getrunken" der letzten Zeit zu finden. Es sind keine Weinbeurteilungen der üblichen Art. Vielmehr Weingeschichten, Geschichten, welche mir die Weine erzählen.
Ältere "Getrunken" und eine Excel-Liste sind am Schluss dieser Seite zu finden. Die gleichen Weinnotizen findet man auch auf meinem Blog

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Foto: Le Mas de l’Ecriture
Foto: Le Mas de l’Ecriture

08. Januar 2018

 

Le Mas de l’Ecriture: Les Pennsée 2011, Terrasses du Larzac, Languedoc, Frankreich

 

 

So gesprächig war er noch nie, der Chef des kleinen Lebensmittelladens „Casino“ um die Ecke. Ich kämpfte noch mit meinem Einkaufskorb und den Tücken der unförmigen Verpackungen, da hat er mich mit einem Schwall von Sätzen eingedeckt. Seine Augen glänzten, da realisierte ich, er spricht von einem Wein, den ich eben eingepackt habe. Ich schnappte Begriffe auf, wie Einmaligkeit, Persönlichkeit, Künstler, Handlese… da erst hörte ich richtig zu und begriff – der Wein, der so beiläufig etwas abseits im Gestell stand – ist für ihn nicht irgend eine Verkaufsware, sondern eine Besonderheit, ein kleiner Schatz (Trouvaille). Das ist er auch, der regionale Wein (er stand bei den Languedoc-Weinen), wo kein Flasche mehr al 15 Euro kostet. Im kleinen Lebensmittelgeschäft – es it ja keine Weinhandlung – werden teure Weine kaum gekauft. Der Wein kostete rund das doppelte, der teuersten Weine der Region im Laden. Selbst meine Frau – in Sache Wein an einiges gewohnt – hat mich mit grossen Augen angeschaut. Ich hab den Wein nachträglich eingepackt, einfach aus neugier, aus „Gwunder“. Ich kenne zwar die Terrassen von Larzac, diesen Wein aber nicht. Zwei Tage später dann – zuhause – verstand ich den Wortschwall des Verkäufers. Es ist wirklich eine Trouvaille. Eine Entdeckung, ein Wein der Freude macht. Nicht einfach nur Tradition, auch Sinnlichkeit. Kraft, Eleganz, Schönheit in einem, in jedem Schluck. Eine Entdeckung. Das Liebäugeln mit der „Internationalität“ stört mich hier nicht. Warum soll etwas, das so gut ist, nicht auch „international“ sein? Endlich wieder einmal ein Wein, der anders ist. Nicht anders im Ausbau, im Geschmack, in der Wahl der Traubensorten, in der eigenen Wildheit. Ganz einfach anders gut! Und das ist doch was.