Getrunken 6. Teil (ab November 2021 bis...) aktuell

Hier sind alle "Getrunken" der letzten Zeit zu finden. Es sind keine Weinbeurteilungen der üblichen Art. Vielmehr Weingeschichten, Geschichten, welche mir die Weine erzählen.
Ältere "Getrunken" und eine Excel-Liste sind am Schluss dieser Seite zu finden. Die gleichen Weinnotizen findet man auch auf meinem Blog

 

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Mein Elan - er hielt über viele Jahre an - einst fast täglich, heute noch wöchentlich - ein Weinerlebnis zu beschreiben und (wenn immer möglich) eine kleine Geschichte zu erzählen, ist leicht ins Stocken geraten. Nicht nur wegen Corona, vor allem weil ich inzwischen unglaublich viele Weine kommentiert habe (rund 2'000) und sich da die Geschichten immer öfters wiederholen. Doch es geht weiter, im etwas gemütlicheren Trab,

Weder das prächtige Château, noch die Qualität des Weins, werden in der Klassifizierung aus dem Jahr 1855 gebührend gewürdigt: «nur» troisiéme cru classé. Dabei hat das Weingut nicht nur eine stolze Geschichte (im 17. Jahrhundert Hoflieferant des «Sonnenkönigs»), auch seine Besitzer hatten Rang und Namen. Charles Palmer (1777 –1851) – von ihm hat das Château den Namen - war Politiker, Generalmajor und Weinbauer, ein reicher Mann, bis er kurz vor dem Tod in Konkurs ging und „von denen gemieden wurde, die ihn einst umworben haben“. Von den guten Zeiten des Châteaus ist einiges übrig geblieben (oder wieder auferstanden), als in den Dreissigern (des 20. Jahrhunderts) drei Familien (Mähler-Besse, Ginestet und Mialhe) den Rest des einstigen riesigen Weinguts (160 Hektaren) übernahmen. Wer die Bedeutung und Geschichte des Weinguts nicht kennt, bekommt die $würde und Qualität spätestens beim Kauf der Weine zu spüren. Eine Flasche «Palmer» kostet heute (je nach Jahrgang) annähernd so viel wie einer der fünf Premier Crus im Médoc (um 400-500 Franken). Interessant ist der Zweitwein, «Alter Ego», der eigentlich kein Zweitwein ist, sondern eine zweite Marke, die es seit 1998 gibt. Der frühere Zweitwein, «Réserve de Général» (von jüngeren Rebstöcken und aus schlechteren Lagen), wird nicht mehr produziert. Man wollte mit «Alter Ego» einen neuen Wein machen, mit gleicher Qualität wie der Erstwein «Palmer», der durch andere Vinifizierung und ein anderes Verhältnis der Rebsorten, einen Wein machen, der deutlich früher konsumiert werden kann. Mit der Betonung auf

Bild: Château Palmer
Bild: Château Palmer

Frucht ist er «geschmeidig, rund, intensiv und frisch» schon nach wenigen Jahren. Mein Fehler ist es, dass ich den Wein nicht «jung» getrunken habe, sondern ihm (wie dem «Palmer») mehr als zwanzig Jahre Kellerlagerung gegönnt habe, so, dass ich jetzt nicht weiss, ob er sein Versprechen gehalten hat, bereits als «Jungwein» höchsten Genuss zu bieten. So wie er sich jetzt präsentiert, ist er etwas weniger intensiv, deutlich weniger frisch, bereits abgeklärt und mehr harmonisch als aufregend ist. Der pralle, Terroir-geprägte Charakter, die Erdigkeit, des Erstweins erreicht er nicht. Noch ein Wort zum aktuellen Preis (Jahrgang 1999): «Palmer» ca. 250-300 Euro; «Alter Ego» um 100 Euro. Gekostet hatte er damals 35 Euro.  Auch überlagerter Wein kann noch grossartig sein. Aber nicht zwangsläufig.

« …, das Gute liegt so nah!» Dies kommt mir in den Sinn, wann und wo auch immer ich Barolo oder Barbaresco im Glas habe. Das ist leider nicht allzu häufig. Warum nicht? «Die Macht der Gewohnheit», um sprichwörtlich weiterzudenken. Frankreich, Österreich, Argentinien, sogar Südafrika und Australien, liegen für mich weinmässig viel näher.  Eigentlich wäre das Piemont aber näher, so nahe, dass ein Besuch ein Katzensprung» wäre. Weinmässig erst noch spezieller, eigenständiger und spannender, denn die Rebsorte Nebbiolo gibt es fast ausschliesslich hier, im Nordwesten Italiens. Meine Annäherung an diese Traube (und ihre Weine) hat schon einige Begegnungen hinter sich: intensive, flüchtige, erstaunliche, begeisternde. Doch nie hat die Liebe – besser: die Bekanntschaft – so richtig überdauert. Wie ein Gewohnheitstäter bin ich immer wieder zurückgekehrt zum Cuvée à la bordelaise, zum vertrauten Pinot Noir, sogar zum eigenwilligen Pinotage oder dem speziellen Garnacha aus dem Priorat. In vielen Gebieten der Welt gibt es gute, ja sensationelle Weine. Weine, die sich – sobald einmal «Wurzeln geschlagen» – fast flächendeckend in der Weinszene ausbreite. Der Barolo – hundert Prozent Nebbiolo – ist und bleibt ein «Italiener», seit Hunderten von Jahren schon. Irgendwie ist er sesshaft geblieben, mit seiner Langlebigkeit und Eleganz. Für mich – ich gebe es zu – immer wieder etwas Besonderes, abgehoben, entflohen, den vielfältigen – oft auch austauschbaren – Weinbegegnungen. So etwas, wie der bekannte Unbekannte. Dafür ist dieser Barolo, der schon acht Jahre «alt» ist, im Erleben und Auftritt aber noch blutjung, ein genussvolles Beispiel. Seine Tannine: bereits geschliffen, in eine Aromenvielfalt ausgebreitet, Blumen und Früchte in der Nase, im Gaumen bis in den langen Abgang hinein. Trotz seiner Intensität (und Kraft) unaufdringlich fein. Kein «Wow-Wein», vielmehr ein kleines Kabinettstück, ausgebaut im «Fuder» (grosses Holzfass), nicht eingepresst im sonst üblichen gewordenen Barrique. Ein Wein, der viele Töne anschlägt, nicht überlaut, nicht herrschend, eher an der langen Leine gehalten. Vielleicht liegt der Grund, dass ich die Barolos und Barbarescos nicht oft in den Alltag einbette, weil ich Angst habe, dass sie dort erschlagen werden. Nicht weil sie schwächlich sind, sondern weil ihre Kraft und Intensität nicht an geschwollenen Bizeps zu messen ist.

Irgendwie ist der Jahrgang 2001 in Bordeaux durch das Sieb des Interesses gerutscht. «Eingeklemmt» zwischen dem Jahrtausend-Jahrgang (2000) mit entsprechendem Kauf- und Preisrausch, dem frühreifen 2003 (tropisch heisser Sommer, fast wie dieses Jahr) und dem nachträglich stark aufgewerteten 2005er. Einzig der deutlich gesenkte Preis – nach dem überbordenden 2000er – konnte dem Jahrgang etwas Schub geben. Tatsache aber ist: dass der 2001 bei den Händlern lange liegengeblieben ist. Jetzt, gut zwanzig Jahre später, präsentiert sich der Wein – wie so oft bei Langzeit-Beurteilungen – viel besser als sein Ruf. Die «Comtesse-de-Lalande» allerdings – lange Zeit dem Nachbarweingut  «Pichon-Longueville au Baron» ebenbürtig (für mich sogar bevorzugt!) – schlitterte bereits in eine (leichte) Krise. Die energische «Schlossdame». May Elaine de Lencquesaing, dachte bereits an ihren Rücktritt, fünf Jahre später wurde das Weingut an das Champagner-Haus Roederer verkauft (Aktienmehrheit). Wie gesagt, zwanzig Jahre nach der einstigen Kauf-Entscheidung (en Primeur) sieht vieles ganz anders aus. Der einst eher harte, tanninreiche Wein ist weicher, zugänglicher, eleganter geworden. Auch dezente Süsse in der Nase. Die Frucht ist noch da, von zarten orientalischen Holztönen begleitet, deutlich auf dem Weg zu Tertiäraromen (getrocknete Früchte). Weil er noch immer saftig ist, bis tief in den erstaunlich langen Abgang hinein, würde ich den Wein dem höher dotierten «Baron» - der noch immer etwas brachial ist - vorziehen. Aber eben, den «Baron» hatte ich schon länger nicht mehr im Glas. Ich werde bald – solange der Eindruck der «Comtesse» noch lebendig ist – den «Baron» des gleichen Jahrgangs – an einem schönen Herbstabend- trinken. Herbst in der Natur, Herbst im Wein. Nomen est omen.

Ab und zu treffe ich auf Weine aus Gegenden, die ich noch nie im Glas hatte. Vor allem in Restaurants, in denen ich etwas ratlos die Weinkarte durchstöbere. Rasch noch ein «Zweierli Roten», vor dem Schlafen, nach dem Theater oder Konzert, mit Freunden, in einer zufällig ausgewählten Wirtschaft (die in der Nähe liegt, und noch offen ist). So zum Beispiel kürzlich in Oberammergau (Bayern), wo ich es wagte, einen Bordeaux-Blend zu bestellen, ganz einfach, weil bezüglich Traubensorten der Abend mit Vertrautem ausklingen soll. Ok, Cabernet-Merlot sagte ich mir, Kurtatsch hingegen sagte mir nichts. Also rein geschnüffelt, rein geschluckt. Vielleicht nicht ganz so wohlwollend, weil mir Bordeaux aus Norditalien (Südtirol) eher exotisch schien. Mein erster, spontaner Kommentar: noch jung. Das mit der Harmonie – so mein Eindruck – hat noch nicht ganz funktioniert. Irgendwie schien mir der Wein aufgeregt, sogar etwas aggressiv. Die Säure erdrückte die Frucht, und die Frucht verlief sich in der Mineralität. Es war nicht die geschmeidige Belanglosigkeit, die in solchen Momenten bei Weinen dieser Preisklasse (etwa 15 € ab Hof) eine Wohligkeit aufkommen lassen. Es war kein Schlummertrunk, vielmehr ein eigenständiger – sogar eigenwilliger – Wein, der geradezu nach etwas Fingerfood verlangt hätte, zum Beispiel nach einem speckumwickeltes «Häppchen». Doch so etwas war um diese Zeit nicht zu bekommen. So blieb es also beim Wein und der Hoffnung von gutem Schlaf. Und das hat funktioniert. Irgendwie habe ich von einer Weingegend geträumt, die ich nur schlecht kenne, wo aber Wein aus dem Boden quillt und im Glas immer weicher und eleganter wird.  Ich habe mich – wenigstens im Traum – angenähert und er hat mich anscheinend doch wohlig bis tief in den Schlaf hinein begleitet.

Der Wein war noch kaum im Glas, wurde ich schon gefragt: «Wie schmeckt er?» Die Antwort: «harmlos», um gleich zuzufügen: «kalt und ohne Fehler». Damit wollte ich ausdrücken: «Wenn der Wein so kalt serviert wird (es war ein sehr heisser Sommertag), dann sind die feinen, differenzierten Chardonnay-Töne noch nicht zu erkennen. Nur Fehltöne würden auffallen». Ich hatte recht. Auch etwas länger im Glas war der Wein unauffällig, durchaus süffig, aber ohne breites Spektrum, wenig Tiefe, bescheidene Aromatik. Chardonnay ist die bekannteste (und wohl auch beliebteste) Rebsorte für runde schöne Weissweine. Sozusagen angepasst an die Terroirs in nahezu allen Weingebieten der Welt, gibt es eine grosse Spannweite in seiner charakteristischen Aromatik, vom komplexen bis zum einfachen Wein. Vorbild – zumindest in den Köpfen der Winzer, aber auch der Konsumenten, ist sicher der Burgunder (von wo der Chardonnay kommt), also eher aus der Mitte oder dem Norden in Frankreich. Dieser Chardonnay wird aber in der heissesten Region des Landes an- und ausgebaut, in der Languedoc, ganz nahe vom Mittelmeer. Eigentlich ist dies eine Rotweingegend, Weisswein – in grösserem Umfang – wird hier erst in den letzten Jahren vinifiziert. Entsprechend sind die Erfahrungen auf vielen Weingütern noch bescheiden. Ich weiss nicht, ob es an der Erfahrung liegt oder in der Philosophie der Domaine, dass dieser Wein bescheiden wirkt, jedenfalls ohne Ecken und Kanten und leider auch im Spektrum der Aromen brav. Mehr als unauffällig, schon eher «harmlos». Dies kann durchaus ein passabler Basiswein sein (Kosten im Handel so um 10 CHF), die Sélection Parcellaire (vom gleichen Weingut) ist eindeutig der prägnantere Wein, aber nur etwa 6 CHF teurer.

Gols  (Foto: Gemeinde Gols)
Gols (Foto: Gemeinde Gols)

Auf Auktionen gibt es noch immer sogenannte «Schnäppchen»: Weine, ausserhalb des Bordeaux/Burgunder-Angebots. Vor Jahren gab es noch die «Schnäppchen-Jäger», welche preiswerte Angebote suchten, um sie dann mit etwas Gewinn wieder zu verkaufen. Diese «kleinen Geschäfte» haben weitgehend aufgehört, sie laufen jetzt vorwiegend über Internet-Plattformen, zu gross ist der Aufwand für Saal-Auktionen.

Trotzdem treffe ich immer wieder auf gute Weine, meist aus Regionen, die als «wenig auktionswürdig» abgestempelt und dort fast schon «verhökert» werden. Eine Entdeckung, dieser Zweigelt aus Gols im Burgenland. Österreichische Weine haben in den letzten Jahren viel an Renommee gewonnen, sind aber noch lange nicht dort, wo für eine einzige Flasche 100 und viel mehr Franken hingeblättert wird. Es ist auch nicht ihr Ziel, im Konzert der Auktionsweine mitzuspielen. Was aber in immer und immer wieder, das sind Winzer in Österreich, die eigenständig und oft eigenwillig ihre Vorstellung von Qualität im Wein umsetzen. Werner Achs gehört zu ihnen. Er konzentriert sich auf zwei, drei spezielle Weine, die in ihrer Art fast schon einmalig sind. Die Cuvée XUR, ausschliesslich aus autochthonen Rebsorten und den klassischen Zweigelt, der vor allem in Österreich zu Hause ist. Obwohl eine verhältnismässig junge Züchtung (1922) hat sich die längst Rebe durchgesetzt, leider aber – so meine Erfahrung – hat aber immer mehr von seiner Eigenständigkeit verloren, seinen eigenen Charakter, verloren. Er ist sozusagen «international» geworden. Ein Phänomen, da nicht nur beim Zweigelt zu beobachten ist. Man hat mir aber schon lange versichert, dass es den «unverkennbaren» Zweigelt, in seiner speziellen Fruchtigkeit, mit seiner speziellen Würze und seinem eigenen Charakter gibt: viel Vanille (nicht geschmäcklerisch süss), Paprika, Kirsche, Brombeeren… Alles sehr prägnant, erkennbar, geniessbar, jedenfalls dann, wenn der Ertrag stark reduziert und der Wein «kräftig», um Qualität bemüht, ausgebaut (und nicht einfach in neues Barrique gestopft) wird. Dieser Zweigelt vom Goldberg (der Name ist Omen) erfüllt diesen Anspruch und hebt sich von fast allen Weinen diese Rebsorte ab, die ich bisher getrunken habe. Weitaus die meisten von ihnen waren eher dünn, zwar trinkig, aber mit wenig eigener Artikulierung, ein eher flüssiger, glatter Trinkstil. Das verleitet mich zu sagen: ein anderer Zweigelt. Selbst nach acht Jahren – und wohl etwas zu alt – noch deutlich anders.

La vie en rose(é) hat einen Dämpfer erhalten. La Canicule ist - mindestens vorläufig – überstanden und damit auch meine

Stippvisite durch die Welt des Rosé. Der rosige Besuch wird ab- oder zumindest unterbrochen. Bisher waren es Languedoc-Weine, die ich konsumiert und kommentiert habe. Jetzt habe ich mich etwas östlicher umgesehen, in der Provence, dem Kernland des Rosé. Hier haben die Produzenten und Weinverbände Alarm geschlagen, als EU-Vorschriften zulassen wollten, dass Rot- und Weisswein zu Rosé verschnitten werden dürfen. Eine Massnahme, welche mehr Wettbewerbs-Gerechtigkeit bringen sollte, denn in vielen Ländern und Regionen ist dies erlaubt. Nicht aber in Frankreich, schon gar nicht in der Provence, wo bis zu 80 Prozent Rosé-Weine hergestellt werden. Aufgrund der Beschaffenheit des Bodens (von Schwemmland bis zu Felsen), den vielen zugelassenen Rebsorten und der zwar heissen, aber unterschiedlichen Klimas, gibt es keinen einheitlichen Roséstil. Im Gegenteil, es wird eine Vielfalt von Rosés angeboten, wie kaum sonst in einer Weinregion.

Was mich an diesem Rosé stört, das ist seine Bezeichnung: «Grand Réserve». Ein «grosser» Wein ist es wahrlich nicht, auch nicht ein teuer, so um 8 Euro. Eigentlich bin ich – aufgrund der - in den letzten Wochen - gemachten Erfahrungen – enttäuscht. Der Wein ist leicht fruchtig und prickelnd. Den Rebsorten (vor allem Grenache und Cinsault) werden keine aufregenden Aromen entlockt; etwas Grapefruit und Mango; er ist weder ganz trocken noch süss; ausgewogen könnte man sagen oder auch «brav»; böse Zungen meinen sogar «langweilig». Eher blass in der Farbe; im Auftritt, unauffällig; ein Wein, den man eher in den «Supermarchés» antrifft, als beim Weinhändler.

29. Juli 2022

 

Gérard Bertrand: Sphère, Rosé (Cinsault,
Pinot Noir, Grenache)
, Languedoc, Frankreich

 

Dieser leicht perlende Wein ist verknüpft mit einem berühmten Namen: Gérard Bertrand, 2020 ausgezeichnet als ««Green Personality of the Year». Doch, ganz so einfach ist es nicht. Das berühmte Weingut «Château l'Hospitalet» in «La Clape» (Narbonne), welches Bertrand seit 2002 gehört, ist so etwas wie das Herz «der Lebensfreude» im Languedoc, verbunden mit Hotel, Gourmetrestaurant, Kunstraum, Führungen, Veranstaltungen, Seminare, alles rund um Wein.

Der umtriebige «Weinmacher» ist mit etwa 15 Weingütern und mehr als 800 Hektaren Rebfläche eine Weininstanz im Languedoc. Einer der Ideen entwickelt, Trends vorgibt, auf vielen «Weinbühnen» tanzt. Die Bio-Dynamik im Weinbau – die er massgeblich in die südlichste Weinregion Frankreichs gebracht hat – ist nur eine seiner Ideen für nachhaltigen, modernen Weinbau.Eine andere ist die Vermarktung, die Verknüpfung eines Lebensgefühls mit Wein. Dazu passt dieser «Rosé» ausgezeichnet. Ein nicht ganz übliches Produkt zur Vermarktung von Gefühlen. Weintechnisch gesehen: ein Sillwein, mit einem geringen Anteil von eigenem Kohlendioxyd. So wenig, dass es noch lange nicht ein Schaumwein ist. «Sphère» ist ein «echter» Rosé, vinifiziert mit kurzer Mazeration und dem Bemühen, viel an „endogenen“ (eigener) Kohlensäure (entstanden bei der Vergärung des Traubenmosts) im Wein zu behalten. Die kleinen „Perlen“ im Wein geben ihm Frische und animieren zu „Fröhlichkeit“. Mediterranes Lebensgefühl als Antwort auf die aktuelle brütende Hitze.
„Fines Bulles“ steht auf der Flasche (Schraubverschluss),
darunter «Lightly Bubbly». Ein Hinweis, für wen dieser Rosé gemacht wurde: mehrheitlich für die vielen Touristen, die den meist heissen Sommer hier am Meer verbringen. Auch die übrigen, obligatorischen Angaben zum Wein (und eine kurze Beschreibung) sind sowohl in französischer, als auch englischer Sprache auf der Etikette zu lesen. Nichts Aussergewöhnliches, doch auch ein Hinweis, dass der Wein exportiert wird oder – wie hier – für den Absatz im touristischen Bereich gedacht ist. Um einmal Klischees zu verwenden: ein typischer «Frauenwein», leicht (11%vol.), fruchtig, «verschmitzt», ein angenehmer Sommerbote. Weinkenner sehen dies wohl anders. Doch hier gilt, weit mehr als in anderen Weinbereichen: Wein soll Spass machen.

 

Es ist ein kleines Weingut (7 ha) in einer für den Anbau von Reben ausgezeichneter Lage, auf der Terasse von Larzac. Die drei Rotweine der jungen Domaine (errichtet 2017) haben in der kurzen Zeit bereits Beachtung und Akzeptanz erlangt. Jetzt wurde zum ersten Mal auch ein Rosé gemacht, aus den hier üblichen Rebsorten Syrah und Grenache (wie die Roten). Beim Rosé sind es vorwiegend drei Eigenschaften, die einen Wein prägen: Frische, Frucht und Süsse. In den letzten Jahren ist es auch der hohe Anteil an Alkohol (%vol), der den Weinen ihre angestrebte Leichtigkeit und Frische nehmen. Wie weit die Tannine sich bereits integrieren, ja sachte verschmelzen, kann als weiteres Indiz für die Qualität eines Rosé beigezogen werden. Es ist nicht ganz einfach, bei einem kühl getrunkenen Wein die Fruchtnoten schon in der Nase festzumachen, spätestens aber im Gaumen sollten sie sich entfalten. In diesem Fall von leicht beerigen Noten bis zu leisen Apfelaromen. Die Säure und der Schmelz sollen noch bis in den Abgang hinein spürbar sein. Die alles tippt dieser Rosé an, doch zu wenig deutlich, zu unverbindlich. Kein schlechter Rosé, doch einer, der sich deutlich entwickeln kann. Vielleicht beim nächsten Jahrgang, wenn er den Mut hat, das zu sein, was er sein könnte.

media.org/w/20792167
media.org/w/20792167

23. Juli 2022

 

Weder Weiss, noch Rot: Rosé

Domaine Puech-Haut: "Argali"

 

Mal etwas blasser, mal etwas farbiger: weiss, gelb, ocker, rosé. Mal sanft, mal etwas kräftiger, mal ruhig fliessend, mal perlend hüpfend. Rosé, der Wein, der sich Wein nennen darf und doch kein richtiger Wein ist. Man sucht umsonst nach Kriterien, um ihn zu messen. Die einzige Konstante: er wird kühl, ja kalt getrunken. «Brennend heisser Wüstensand… kein Gruss, kein Herz…alles liegt so weit, so weit…» Ein Getränk für jene Stimmung, die Freddy einst geschaffen hat, als fiktiver Legionär im heissen Wüstensand. Träume, Gefühle, Kitsch?

Kein Wunder, wird Rosé in der ernsthaften Weinkritik weitgehend ausgeblendet. Aber er wird getrunken. Wenn es heiss ist, auch von jenen, die darüber spotten. Zu den besten Rosés im Languedoc gehört sicher der «Argali» von der Domaine Puech-Haut, einem renommierten Weingut nördlich von Montpellier, wo auch hervorragende Rotweine vinifiziert werden. Dieser Rosé – mit Stempel Préstge – zeigt, wie wichtig Rosé-Weine im Süden Frankreichs (nicht nur hier) auch für Top-Weingüter sind, nicht nur, weil es auch ein gutes «Sommergeschäft» ist, sondern weil es zum Ruf eines guten Winzers gehört, einen guten Rosé machen zu können. Denn es ist gar nicht so einfach Frucht und Eleganz, Blumigkeit und Frische in den kühlen Wein zu bringen (getrunken wird er zwischen 8 und 10 Grad). Solche Préstige-Rosé (es gibt sie, allerdings nicht in Massen) kosten rasch einmal 15 – 25 CHF. Was in südlichen Regionen mehrheitlich angeboten und auch getrunken wird, das sind Rosés, die zwischen 4 und 8 Franken kosten. Je nach verarbeiteten Trauben (Rebsorten) und Vinifizierung (wichtig ist der Zeitpunkt von der Trennung von der Maische) entstehen ganz unterschiedliche Rosés. Es ist nicht ganz einfach, in den langen Reihen von Rosés der verschiedenen Weingüter in den Regalen jenen herauszupicken, der den eigenen Vorlieben (Geschmack, Alkoholgehalt, Eleganz, Süsse etc.) gerecht wird. Ich werde deshalb in den nächsten Tagen einige Beispiele vorstellen, von sogenannten Alltags-Rosé, die ich in den letzten (heissen) Tagen getrunken habe.

06. Juni 2022

 

E.A.R.L. des Eyrins: Cru Monplaisir 2005, Margaux, Bordeaux, Frankreich

 

Verführerisch klingende Namen wie «Monplaisir» sind Weinliebhabern immer etwas «verdächtig». Dahinter verbergen sich oft sogenannte «Industrieweine», exklusiv für Discounter oder spezielle Verkaufskanäle produziert und mit einem eigenen Label versehen. Das ist bei diesem Wein nicht der Fall, obwohl er nicht 

den Namen des produzierenden Weinguts «Château des Eyrons» trägt, weil er kein A.O.C.-Margaux ist (Gemeinde-Appellation), sondern ein Bordeaux supérieur (A.O.C. Bordeaux). Es sind fünf Hektaren des Weinguts, die nicht vom berühmten Namen der Appellation «Margaux» profitieren können und deshalb im Preis günstiger sind. Tatsächlich habe ich den Wein damals – im guten Weinjahr 2005 – auf der Suche nach «bezahlbaren» Weinen für den Alltag entdeckt, sozusagen ein «Alltagsbordeaux», der vor allem zu Fleischgerichten passen wird. Also kein «dünnes» Weinchen, dass sich zwar «Bordeaux» nennt, aber an Kraft und Eleganz den «teuren» Bordeaux weit hinten ansteht. Gibt es überhaupt so etwas, wie einen Bordeaux in der Preisklasse um 15-20 Franken, der wirklich wenigstens einen Hauch von Bordeaux in sich hat und nicht einfach ein Blender ist oder sich hinter dem «Holz» versteckt. Eine Frage, die sich Anbetracht der Preisentwicklung im Bordelais immer häufiger stellt. Damals, vor bald zwanzig Jahren, war der «Run» auf «bezahlbare» Bordeaux noch kleiner. Heute bieten gute Weinhändler immer mehr auch sogenannt «kleine Weine» an, die durchaus im grossen Bordeaux-Konzert mitspielen können, wenn auch nicht als Solisten oder in der ersten Formation. Eine andere Frage betrifft die Haltbarkeit der Weine. Müssen die «Kleinen» früh getrunken werden (was heute auch ein Trend ist) oder profitieren auch sie von einer Flaschenreifung von 10 und mehr Jahren? Ich habe den Wein – wie die «grösseren» Weine – bewusst im idealen Weinkeller liegen gelassen und jetzt – zusammen mit einem vergleichbaren «Marquis d’Alesme-Becker» (3ème cru), 1996, verkostet. Da zeigte sich der Unterschied deutlich. Der neun Jahre ältere Wein hat sich besser entwickelt, ist runder, geschmeidiger, auch tiefer und prägnanter geworden, hat die Tannine feingliedrig verwoben und einen guten Rest an Frucht konserviert. Während der jüngere «Monplaisir» eher flach, ausdrucksschwach, wenn auch kräftig geblieben, aber leicht eckig geworden ist. So leicht lässt sich «Bordeaux» halt doch nicht übertölpeln.

Von der Küste bis zum Himmelstor ist es ein langer Weg. Nicht steinig, nicht beschwerlich, durchaus gangbar, aber etwas teuer, wenn man ihn als Weinerlebnis definiert. «La Côte» (die Küste) ist der «Basiswein» des hochklassigen Weinguts «La Négly», ganz im Süden der Languedoc, hoch über der Mittelmeerküste. «La Porte du Ciel» (das Himmelstor) ist in diesem Fall auch im Weingut zu finden. Es ist Spitzenwein («haut de gamme») das Châteaus. Dazwischen liegt die Klippe «La Falaise», ebenfalls ein fruchtiger, intensiver und strenger Wein, im Geschmack ein «veredelter» Einheimischer, aus den Rebsorten Syrah, Grenache, Garignan und Mourvèdre. Über die beiden letzten Weine wurde schon oft – meist überschwänglich – geschrieben. Rund um den Basiswein «La Côte» ist es eher ruhig geblieben in den Weinnotizen: nicht der Rede wert, halt nur ein «Basiswein». Dieses Denken ist grundsätzlich falsch, bei «La Négly» geradezu ein Sakrileg. «La Côte» ist die Grundlage für das, was in den anderen Weinen des Châteaus – subtil entwickelt und austariert – voll zum Tragen kommt: Kraft, an Tiefe, an Raffinesse, Schönheit. Kräftig ist er, der Basiswein, voll von würzigen Kräutern des Südens und auch unglaublich «süffig», zu einem guten Stück Fleisch geradezu «himmlisch», ein Stück Weinvermächtnis der Languedoc. Und sein Preis – um 15 CHF – bereits paradiesisch, leider - in unserer Gegend (Schweiz, Deutschland) - eher schwierig zu bekommen, weil er oft schon rasch ausverkauft ist und verhältnismässig von wenigen guten Weinhandlungen angeboten wird. Der "Porte du Ciel" musste schon vor Jahren subskribieren werden, damit man ihn kaufen konnte. (Was sonst fast nur beim Bordeaux üblich ist)

Foto: Château d'Escurac
Foto: Château d'Escurac

17. April 2022

 

Château d'Escurac 2004, Cru Bourgeois, Medoc, Bordeaux, Frankreich

 

Der «Run» auf Bordeaux-Weine im Preisbereich um 15 bis 25 Franken pro Flasche hat nicht ab-, sondern deutlich zuge-nommen. Seit Spitzenweine für «Normalkonsumenten» so gut wie unerreichbar sind und

Foto: Château Escurac
Foto: Château Escurac

sich klassifizierte Châteaux immer mehr am Endpreis von 100 Franken orientieren, sind gute und noch erschwingbare Bordeaux mehr denn je gesucht. Früher waren es sie «Geheimtipps», die aber bald nicht mehr so «geheim» waren und auch «industriell» produzierte Weine - wie Mouton Cadet – immer häufiger zum Bordeaux-Groove definiert wurden. Der Bordeauxkenner – «Master of Wine» (nicht mehr der einzige in der Schweiz) – hat diese Entwicklung früh erkannt und eine ganze Palette von «günstigen» und doch eigenständigen Bordeaux zum Preis um 20 Franken in seine «Selection Bordeaux» aufgenommen. Man brauchte aber nicht auf Schwander zu warten. Schon früher war zum Beispiel Château «D`Escurac» einer dieser «günstigen» Bordeaux. Ein Wein, der regelmässig so um 88/100, ja sogar 89/100 Punkte erringen konnte. Heute «D´Escurac»  sowohl im besseren Fachgeschäft, als auch beim Discounter erhältlich. Die Frage ist nicht, ob er seinen Preis wert ist, sondern wie lange er gelagert werden kann, oder gelagert werden muss. Das Lagerungsproblem wird immer drängender in einer mobilen Gesellschaft. In der Regel sind Weine in dieser Preisklasse schon ganz jung gut zu trinken. «D´Excurac» eigentlich auch. Doch er kann auch gelagert werden und durchläuft eine Flaschenreifung, die beachtlich ist. Dieser 2004er, immerhin 18 Jahre alt, nicht der beste Jahrgang, ist jetzt auf seinem Höhepunkt. Auf dem Höhepunkt eines «alten» gut gelagerten Wein. Er wird nur noch abbauen und kaum zu einem jener gesuchten Altweine werden. Dafür hat er jetzt Reife und Frucht, dafür hat es sich fast gelohnt, ihn etwas länger im Keller zu lagern. Ich weiss nicht, ob er in den meist angegebenen drei bis vier Lagerjahre besser ist. Ich weiss jetzt aber auch, dass sein Körper doch etwas zu schmächtig ist, um mehr als 10 Jahre in der Flasche zu warten.

Die kleine Flasche, die Hälfte des Volumens einer gängigen Flasche, ist in diesem Fall eine Rarität. Nicht vorgesehen zur Lagerung, eher für den noblen Aperitif. Nicht zum Trinken, zum Nippen, zum Testen, zum Geniessen, mit «natürlicher» Restsüsse. Die Rebsorte: Pinot noir, hier «weiss» ausgebaut. Das heisst, die Trauben werden ganz gepresst, sodass sie kaum Farbe an den Saft abgeben. Es entsteht ein Weisswein, aus roten Beeren, meist in zarter Lachsfarbe und etwas Restsüsse. Der Begriff «Federweiss» ist nicht eindeutig, er wird in verschiedenen Weinregionen unterschiedlich verwendet: zum Beispiel für «Sauser», in Gärung befindlichen Traubenmost. Die französische Sprache ist wesentlich präziser und verbindlicher: «Blanc de Noir» (Weiss aus Schwarz – oder eben aus Blau/Rot). Die Entwicklung der schwach alkoholischen Weine (hier 9% Vol.) wird auf drei bis vier Jahre geschätzt. In dieser Zeit sind sie fruchtig, kräftig, beerig, gehaltvoll… Und dann? Ja, dann beginnt der Abstieg. Dann setzt das ein, was sonst bei kräftigen «Altweinen» mit neuen, verklärenden, verführerischen Aromen umschrieben wird. Ein «Altfederweisser» habe ich bisher noch nie getrunken. Diese Flasche ist im Keller «liegengeblieben», weil sie von Gantenbein ist. Damals, vor bald zwanzig Jahren hat der renommierte Schweizer-Winzer experimentiert, versucht aus verschiedenen Trauben, mit verschiedenen Techniken das Beste herauszuholen, Erfahrungen zu sammeln. Kann man mir – dem Weininteressierten – verübeln, einen «Federweisssen» aus bestem Hause, so lange aufbewahrt zu haben , bis er «untrinkbar» ist? War er wirklich untrinkbar? Er hat standgehalten, aber viel von dem verloren, was ihn einmal ausgezeichnet hat. Er ist aus der Harmonie geraten, 

hat Firnis angesetzt, die schmale Säure vermag ihn nicht mehr zu stützen. Doch – es ist das Verdienst der gekonnten, sorgfältigen Weinbereitung, der engagierten Arbeit im Weinberg, dem unbändigen Willen, jedem Wein ein «Gesicht» zu geben (auch einem Federweissen), dass der Wein trinkbarer geblieben. Und erst noch mit ganz speziellen Noten. Eigentlich ein Wein-Abenteuer.

08. April 2022


Les vignerons de Farinet: Les Sang de terre 2000, Saillon, Wallis, Schweiz

Clos Montmartre, Cuvée "Michou" 200, Montmartre, Paris, Frankreich

 

Es muss nicht immer Bordeaux sein! Warum? Weil es nebst den Namen, der sensorischen Qualität, den Preisen, dem Prestige… noch anderes gibt, das für ein Weinerlebnis vielleicht sogar wichtiger sein kann: zum Beispiel der Mythos. Der Mythos des Weins, der Reben, des Konsums, der Geschichte. Als History würde ich dies bezeichnen, als Zeitreise, zurück, wo einmal etwas begonnen hat oder geworden ist.

Etwas, das im Wein – auf natürliche Weise – erhalten geblieben ist, als kulturelles Erbe. Mythen sind Geschichten, die im Kern wahr sind, die aber ihr Kleid immer wieder wechseln, und doch zeitlos bleiben. Von so einer kleinen History-Runde möchte ich erzählen. Sie war für mich echter, weiniger, erlebnisreicher als der Erst- und Zweitwein vom Bordeaux-Giganten «Latour», den wir an diesem Abend auch noch getrunken haben.

(Foto: Gemeinde Saillon)
(Foto: Gemeinde Saillon)

Die erste Geschichte handelt vom Schmuggler und Falschmünzer Joseph-Samuel Farinet (1845-1880), einem Robin Hood im Kanton Wallis, der das Gute wollte, indem er das Böse tat. Jedenfalls wurde er von der Polizei gejagt bis er unter «ungeklärten Umständen» in der wilden, steilen Salenzschlucht, starb, dort, wo er immer und immer wieder auf der Flucht war.  Der Schriftsteller Charles-Ferdinand Ramuz hat die Geschichte in einen Roman verpackt und Farinet so ein

Denkmal gesetzt. Ein Denkmal, das bis heute – in Form des kleinsten, grundbuchlich festgehaltenen Weinbergs der Welt – weiterhin Früchte trägt. Im «Vigne à Farinet» stehen nur drei Rebstöcke, aus ihren Trauben – vermischt mit gutem Walliser-Wein – werden jedes Jahr 1000 Flaschen abgefüllt. Betreut von Persönlichkeiten aus Kunst, Politik und Wohlfahrt, schliesslich verkauft zugunsten «armer Leute». Der kleine Rebberg ist heute «Pilgerstätte» der «Legende Farinet», die noch immer


 

verehrt wird, weil sie für etwas steht, was Abbé Pierre (langjähriger Besitzer des Rebberges) in seinem Werk «der Nächstenliebe» geschaffen hat. Heute gehört der Rebberg – ebenso symbolträchtig – dem charismatischen Mönch Dalai Lama.

 

Die zweite Weingeschichte spielt in einer grossen Stadt, einer Weltstadt, in der auch viel Kunst und Künstler zu Hause waren und heute noch sind. Auf dem Montmartre in Paris, wo es einen Rebberg gibt. Nicht so klein, wie der von Farinet, im kleinen Dorf Saillon im Wallis (2000 Einwohner). Aber auch nicht gross und immer mehr bedrängt von einer wuchernden Grossstadt und den vielen Touristen, die das Quartier «La Butte» im 18. Arrondissement heimsuchen, Tag und Nacht. Es ist der Mythos eines «Künstlerdorfs», in dem Renoir, Degas, Cézanne, Van Gogh, Seurat, Toulouse-Lautrec und, und, und… gelebt, gemalt und auch (viel) Wein getrunken haben.

Rebberg unterhal des Museums
Rebberg unterhal des Museums

Sicher nicht nur den «Cuvée Michou» vom Clos Montmartre, der jedes Jahr aus dem Ertrag der knapp 16 Aren Reben gekeltert und dann für einen «guten Zweck» verkauft wird (das «Halbeli» zu ca. 50 Euro).


Vor 15 Jahren habe ich in einer meiner rund 220 Kolumnen im «wein-plus.magazin» über die Tradition dieses einmaligen Rebbergs geschrieben. Aus dieser Zeit stammt auch meine einzige und letzte Flasche vom Clos Montmartre, gut gelagert und gehütet im kühlen Keller. Vielleicht etwas wenig Qualität, dafür viel «History», und – man höre und staune – noch immer gut trinkbar. Etwas «sauer», doch das war er schon damals, als ich ihn zum ersten Mal getrunken habe. Sicher wenig Flaschenreifung, viel eher Bewahrung. Geschichte muss man nämlich bewahren, dann macht sie – auch beim Trinken – unglaublich viel Spass.

«Die braune Liesel kenn ich am Geläut», ein viel zitierter Spruch aus Schillers «Tell» (1. Aufzug, 1. Szene). Die «Liesel» ist eine Kuh und Hirten sprechen über ihr Verhalten, sobald ein Gewitter aufzieht. Der prägnante Satz hat sich längst verselbständigt. Die «Kuh» ist meist keine Kuh mehr, das Geläut keine Glocke und auch die Farben wandeln sich. Der Sinn aber ist der gleiche geblieben. Für mich ist dieses Zitat schon fast Leitsatz, wenn es darum geht, ein Restaurant auszuwählen, das ich nicht kenne. Die «Liesel» ist in diesem Fall die Weinkarte. Ihr Geläut: die Weine, rot, weiss, rosé, natürlich abgestimmt an das Angebot auf der Speisekarte. Was taucht da auf: nur bekannte Namen und gängige Rebsorten, geschmeidig Bekannte und schillernde Unbekannte, Zuflucht zur grossen Liste internationaler Gastroweine, Prestige- oder «Industrie»-Weine. Das Geläut, oft eine Kakofonie, die sich aus der Preiskalkulation ergeben hat. Besonders aussagekräftig ist das, was im sogenannten «Offenausschank» angeboten wird. im Vergleich zu den Speisen – allzu oft das Getränk für eine billige Imbissecke. Grund genug, dass ich kaum «offene Weine» bestelle.
In diesem Fall ist es ganz anders. Das Restaurant – früher eines meiner Lieblingslokale – war zwei Jahre geschlossen und hat einen neuen Pächter, eine neue Karte und andere Weine. Meinem «Liesel»-Grundsatz getreu, konsultiere ich also – noch zu Hause – die Weinkarte. Oh Wunder: es geht auch anders, schon bei der Auswahl. Da gibt es einen «Räuschling» auch im Offenausschank. Eine Spezialität, hier am Zürichsee. Zwar eine uralte Rebsorte, die – sorgfältig ausgebaut – eine sehr persönliche Visitenkarte sein kann. Ein Leckerschluck für Weinfreunde.

Foto: Christian Reichenbach
Foto: Christian Reichenbach

Und das Weingut: sehr persönlich, sehr individuell, sehr qualitätsbewusst. Ein Stück andere Weinwelt, eine schönere, eine typisch schweizerische Oase im Gastro-Wein-Betrieb. Sicher ist es nicht der allerbeste «Räuschling», den ich getrunken habe, aber es ist einer der besten Weissen im Offenausschank. Es ist ein Wein, den man nicht nur gerne trinkt, sondern auch gerne davon erzählt.

Ich erinnere mich an eine Aussage von drei Winzern, über ihr Ziel an einem Projekt «3R Räuschling», (zu der auch das Weingut Rütihof gehört), in der das Wesen des Rieslings mit einer Zürichsee-Stimmung umschrieben wird: «Die frische, kühle Luft über spiegelglatter Wasseroberfläche an einem Sommermorgen, die gespenstische Stimmung an nebligen Herbsttagen und die zum Greifen nah liegenden verschneiten Berggipfel an frostig-sonnigen Winter-tagen.» Etwas von dieser Stimmung vermittelt auch dieser – der «kleinere Bruder» - der beiden Räuschlinge vom Rütihof. Es ist eben «nur» der kleinere Bruder des R3 (eine Assemblage, von drei der besten Räuschling-Produzenten am Zürichsee). Aber auch kleinere Brüder wollen ernst genommen werden und wissen sich auch zu behaupten.

Allein schon der Name sollte hellhörig machen. "Pergué pas?", das ist der Ausdruck für "Pourquoi pas?" (Warum auch nicht?), ganz im Süden Frankreichs, im Pay d'oc. Da kommt der Wein auch her, aus einem Familienbetrieb (in der 6. Generation) im südlichen Teil der Appellation Fitou, nicht allzu weit von der spanischen Grenze entfernt. Ich habe das Weingut seit vielen, vielen Jahren immer wieder besucht.

Diesmal habe ich einen Wein «entdeckt», der wohl das Interessanteste ist, was ich in der letzten Zeit im Glas hatte. Die Frage ist berechtigt: „Warum auch nicht?“ Der Wein nimmt konsequent einen Trend auf, der in der letzten Zeit immer häufiger zu beobachten ist: mit weniger Sulfiden - in diesem Fall: keine bei der Verifikation zugesetzten Sulfide. Das ist in der letzten Zeit der dritte oder vierte Versuch von Sulfid reduzierten Weine, den ich wohlwollend, aber misstrauisch degustiert - nein getrunken - habe. Es ist der glücklichste «Versuch» mit nur dem natürlichen Anteil von Sulfiden im Wein auszukommen. Es zeigen sich plötzlich neue Aromen, feine, feingliedrige Nuancen im Geschmack, in der Nase, in der Harmonie - bis tief in den Abgang hinein. Die Rebsorte: 100% Grenache noir, genauer gesagt, der Grenache-Klon Lladoner (oder Lledoner), von einer sehr alten Rebe, die schon im Mittelalter (angeblich auf dem Pilgerweg von Saint-Jacques-de-Compostelle) in die Languedoc kam.


 

Heute prägt sie - vorwiegend im Verschnitt mit Mourvèdre und Syrah - den typischen Languedoc-Groove, der nur schwer zu beschreiben, aber hervorragend zu identifizieren ist: schwarze Kirschen, Beeren, getrocknete Pflaumen, Kakao, Garrigues. Hier aber dezent, fein in die Tannine gestrickt, in schlichter überzeugender Harmonie. Obwohl Grenache noir zu den meistangebauten Rebsorten der Welt gehört, ist dieser Wein anders; anders als die meisten Grenache, die ich getrunken habe. Er wandert nicht auf der Hauptstrasse der Corbières, er geht auf Nebenwege eher gemächlich, sogar eigenwillig, von sich selbst überzeugt, dahin und führt zu einem etwas anderen Weingenuss. Mich hat das überzeugt. Pourquoi pas?

 

16. März 2022

 

Mas Granier: Les Grès 2018, Sommières, Languedoc, Frankreich

 

Oft begegnet man Weinen, die man an ganz anderen Orten erwarten würde: Zum Beispiel am Bielersee, selbst eine beachtliche Schweizer Weingegend, treffe ich einen Wein aus dem Süden Frankreichs. Aus einer Gemeinde, die zwar eine lange Weintradition hat, aber in der üppigen

Weinregion der Languedoc, in Sachen Wein eher «unauffällig» ist: Sommières, ganz im Süden des Departements Gard, bereits an der Grenze zur Languedoc. Ich stand in Sommières (etwa 5'000 Einwohner) schon vor dem cave coopérative, aber nicht um Wein zu degustieren, vielmehr um zu fotografieren, eines dieser verschwinden-

La cave coopérative de Sommières
La cave coopérative de Sommières

den, alten, stolzen Gebäude aus den frühen Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ich stand auch schon auf der imposanten Brücke, über die bereits die «alten Römer» den Wein transportierten . Doch ich war noch nie auf dem idyllischen Hof, wo seit Jahrhunderten Wein gemacht wird.

Mas Granier
Mas Granier

Heute, auf recht hohem Niveau. Doch Weine, die kaum «die weite Welt» erreichen, auch die Schweiz nicht. Es gibt ihrer zu viele, im immer vielfältiger werdenden internationalen Weingeschäft. Es ist kein Wein, von dem man spricht, vielmehr ein Wein, den man trinkt, gerne, mit Vergnügen. Mit seinem hohen Anteil an Syrah, orientiert er sich eher an der Rhone, denn am nahen Languedoc. Also ein Wein, der nicht aufregt, sondern anregt:. Eine herrliche, frische Nase – im Duft mehr Garten (Blumen) denn Wald – gut strukturiert, ja sogar elegant. Mit diesen Eigenschaften eigentlich ein vorzüglicher Gastrowein.


Brücke über den Vidourle (Umbau im 18. Jahrhundert)
Brücke über den Vidourle (Umbau im 18. Jahrhundert)

09. März 2022

 

Château Angélus 1999, Grand Cru Classsé. Saint Emilion, Bordeaux, Frankreich

 

Gelesen und dann getrunken. Oder früher getrunken, jetzt gelesen. Vielleicht auch lesend getrunken. Auch getrunken, um auf den Autor anzustossen. Oder getrunken, weil das Lesen Spass macht. Man mag es drehen und wenden, es ist immer richtig. Das Lesen und Trinken, das Buch und der Wein, machen richtig Spass.

Ich rede vom Chateau Angélus, dem grossen Bordeaux aus Saint Emilion mit dem Glöckchen und dem kleinen Buch, von dem der Autor sagt selber: «ein Nischenprodukt», das sich mit dem grossen Thema «Welterlösung» befasst, zumindest mit Welthoffnungen in Pandemiezeiten, wo längst der «Spritzenkampf»

entbrannt ist. Da kommt mir

noch ein Buch in den Sinn, von einem Angelus  der sich an die «Sinnliche Beschreibung der vier letzten Dinge» gewagt hat, in kunstvoller Lyrik, barock, denn der Angelus Silesius hat im 17. Jahrhundert gelebt. Und jetzt, an diesem schönen, frühlingshaften Abend begegnen sich die drei so unterschiedlichen  «Engel», mit ganz unterschiedlichen Botschaften, zu ganz unterschiedlichen Zeiten. In meiner Rubrik «getrunken» steht natürlich der Wein im Mittelpunkt. Das ist der Moment, wo Angélus nach fast 23 Jahren seinen entscheidenden Gaumenauftritt hat: saftig, viel Reife, Tiefe, Fröhlichkeit, schmelzig, noch immer beerig, leicht restfruchtig – vor allem aber fröhlich-ernst. Während ich so dahin sinniere, wie man den Wein, wie man ein Buch, wie man den Augenblick beschreiben könnte, kommt mir die Erinnerung an den barocken

Dichter, Arzt und Theologen, der zuerst den Tod, dann das Gericht, die Verdammung und schliesslich die Glückseligkeit beschrie-ben hat. Bei unseren drei Engel gibt es durchaus den Tod. Im Krimi, der ein politisch-satirischer ist, entwickelt sich beim Weintrinken eine (fast) Lösung. Beim Wein ist es die Flasche, die nach sieben Deziliter «Glückseligkeit» den Weg des Irdischen gegangen ist. Auch das Gericht gibt


es, sowohl im Krimi, wo die Dosis 29 (Titel «Bittere Resignation») in einer Runde um den Angélus (Jahrgang 2017) zur fast Lösung des Falls führt, wie auch in meiner Weinbesprechung, wo schliesslich die Glückseligkeit obsiegt. Leider ist diese nicht mit Parker-Punkten zu messen, dafür zu erleben, beim switchen zwischen Büchern und Wein. 

16. Februar 2022

 

Château du Tertre 1986, cinquième Cru, Bordeaux, Frankreich

 

Auch «ausgezeichnete» Jahrgänge verlieren mit den Jahren ihre Auszeichnung. Auch sie werden alt und bauen allmählich ab. Aber wo sind die Grenzen, wo beginnt der Abstieg? Da gibt es (fast) kein Rezept. Am wichtigsten ist wohl die «gute» Lagerung und ein Korken, der standgehalten hat.

Zum 86er-Jahrgang habe ich ein besonderes Verhältnis, da kam ich nämlich zum «Bordeaux». Es ist so etwas wie das Gründerjahr meiner Bordeaux-Leidenschaft. Auf einer Reise entlang der Atlantik-Küste Frankreichs kam ich ins Bordelais und zu einem ersten spontanen Château-Besuch. Da kaufte ich meinen ersten Bordeaux – Château Beychevelle 1986 – zu damals (umgerechnet) 100 Franken, weit überteuert, da ich nicht wusste, dass man Bordeaux nicht auf den Châteaux kauft (Souvenir-Preise!)
Diese erste direkte Begegnung liess mich nicht mehr los: daraus wurden nicht nur ein Bordeaux-Keller, viel Trinkfreuden, auch eine journalistische Begleitung des Weins, vor allem des Bordeaux. Heute, mehr als dreissig Jahre später, sind es die späteren «grossen» (und weniger grossen) Jahrgänge, die in den Keller kamen, ausser dem Beychevelle 1986 (Gedenkflasche!) kaum mehr ein 86er. Diesen «Du Tertre» - ein guter, «ordentlicher» Bordeaux, aber kein Wein, den man dreissig Jahre lagert – habe ich an einer Auktion erstanden. Niemand wollte so richtig zuschlagen. Für mich reine Nostalgie, aber auch Neugier, was aus dem «kleinen» Bordeaux geworden ist. Ein verlorenes Elend, eine letzte Trinkchance oder ein Weinerlebnis. Nichts von all dem. Bräunlich, wie dies so üblich ist bei Altweinen, eher dünn und hilflos kam er ins Glas. Eigentlich wollte ich mich schon von ihm verabschieden. Das Auge kann täuschen, nach kurzer Zeit kamen Aromen in die Nase: Altweinaromen – sogar noch Fruchtklänge, geschmeidig, samtig, Tannine die den Wein sanft zusammenhalten, eine Harmonie breitet sich aus, nicht überwältigend - aber schön, nicht dicht, aber rund, angenehm. So wie ich auch mein Alter geniessen kann, selbst, wenn sich die Jahrgänge nicht decken.

16. Februar 2022

 

Grand Vin de Château Latour 1942, Pauillac, Bordeaux, Frankreich

 

Château Latour, der "Klassiker" unter den sogenannten Jahrgangsweinen. Wo immer man einen Wein sucht, der auch nach vielen Jahren - mit grösster Wahrscheinlichkeit - zumindest noch "trinkbar", vielleicht sogar  "genussvoll" - sein kann, wird auf Château Latour stossen. Eines der fünf Weingüter, die 1855 als die Besten im Médoc (Premier Cru Classé) eingestuft wurden und bis heute ihren Rang tragen dürfen, egal wie sich seither die Qualität verändert hat.

Den Ruf des «Haltbaren» hat das Château Latour bis heute bewahrt. Der Wein wird deshalb sehr oft in den Keller gelegt, um sich später, in dreissig, fünfzig, ja hundert Jahre zu erinnern, an ein Ereignis, das  stattgefunden hat, im gleichen Jahr aus dem auch der Wein stammt. Eine zeitliche Verknüpfung als besonderer Anlass, die Flasche zu öffnen, den Wein zu geniessen und meist ein Fest, eine Feier, mit einem «Jahrgangswein» zu krönen.
Dieses Ritual birgt viele Unsicherheiten, die rasch zur Enttäuschung werden kann. Schliesslich ist dann der Wein schon alt, hat sich in der Flasche entwickelt, nicht immer zum Guten und hat eine lange Lagerung hinter sich. In den meisten Fällen wurde er auch nicht vor fünfzig, hundert Jahren gekauft, sondern irgendwann an einer Auktion oder bei Händlern, die auf «Jahrgangsweine» spezialisiert sind. Eine Garantie für Qualität gibt es nicht, bestenfalls ein paar Hinweise, ob der Wein gut gelagert, mit der Flasche gut umgegangen wurde. Es sind dies der Zustand des Korkens, der Füllstand, die Herkunft, die Qualität des Jahrgangs... Viel ist es nicht, was da Sicherheit bringen kann. «Jahrgangsweine» sind immer  ein Wagnis. Kommt dazu, dass sie - allein schon, aufgrund der Rarität - auch teuer sind. Der aktuelle, durchschnittliche Verkaufspreis dieses Weins  (Jahrgang 1942) liegt bei etwa 1`000 CHF. Auch eine Sicherheit, dass es keine Fälschung ist (teure Jahrgangsweine werden immer wieder professionell gefälscht) gibt es kaum.

All das weiss ich nur zu gut. Und trotzdem habe ich irgendwann, wohl in den 90er Jahren, diesen «Latour» an einer Auktion erstanden, für knapp 100 Franken. Sein Füllstand: mittlere Schulter, überhaupt nicht vertrauenerweckend. Der Korken - soweit ersichtlich - durchtränkt (rot), die Etikette beschmutzt, eigentlich war nur der Jahrgang entscheidend. Und der war - auf den Wein bezogen - mittelmässig, mit leichten, sogar dünnen Weinen. Ein Kriegsjahr mit Auswirkung auch auf die Feldarbeit und die Verarbeitung.

Nun ruhte der Wein seit dreissig Jahren - perfekt gelagert - im klimatisierten Weinschrank, unangetastet. Hoffnung auf ein "grosses Weinerlebnis" gibt es kaum. Kein Wein für ein Galafest, auch wenn es einen 80ten Geburtstag zu feiern gilt. Wir haben den Wein deshalb zu zweit - am Vortag des Geburtstags geöffnet und...

Wir waren überrascht. Keine Oxidation und das ist schon - beim vorhandenen Füllstand - eine grosse Überraschung. Natürlich auch keine Frucht mehr (war auch nicht zu erwarten) und nur noch wenig Kraft. Trotzdem nicht schaff,  nicht ausgemergelt, vielmehr noch schwungvoll, gestützt von leichter Säure, pilzähnliche Aromen, Gewürzen, Zedern, Beinsteinnoten. Kein Wunderwein, aber eine echte Altweinerfahrung, obwohl ich aufgrund der Anzeichen eher an den Ausguss, als an den Gaumen dachte. Das besondere Erlebnis: den Wein über den ganzen Abend immer wieder und immer wieder zu verkosten, wobei sich der Gedanke verfestigte, etwas zu geniessen, das kaum zu beschreiben, aber faszinierend und - wenn auch alt - genussvoll ist. Einmalig, als Kerngedanke jedes «Jahrgangsweins»

07. Februar 2022

 

Clos de l'Obac: Costers del Siurana 2007, Priorat, Katalonien, Spanien

 

 Es gibt Momente, in denen man zugreifen muss, auch bei Auktionen. Berühmte Namen, berühmte Weingegenden, berühmte Weine tauchen auf – fast stundenlang: Bordeaux, Burgund, dann etwas Italien, Kalifornien, die Schweiz… - irgendwann auch Spanien. Spanien und Portugal, nur etwa dreissig von rund 1'000 Lots.