Sammlung der Beispiele von kollektivem Bewusstsein (Karl May) - 2. Teil

27. Juli 2020

 

Öffentliches Gedächtnis:

 

Karl May und sein Kosmos

Zeugnisse in der Literatur

Schon die Überschrift des literarischen Werks von Saša Stanišić (*1978) erinnert an einen Karl-May-Roman ("Halbblut", Band 38 der Gesammelten Werke) oder an den Karl-May-Film „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“. Ausgerechnet in
diesem Kapitel des Romans "Herkunft" tauchen die Namen Karl May und Winnetou auf. Ein Zufall?

Der Schriftsteller Saša Stanišić, der heute in Hamburg lebt, ist 1978 in einer Kleinstadt in Jugoslawien (heute Bosnien-Herzegowina ) geboren und mit seinen Eltern im Jahr 1992 ("Bosnienkrieg") nach Deutschland geflohen. In dem 2019 im Verlag Luchter-hand erschienen *halbautobiografischen" Roman geht der Autor den Fragen seiner Herkunft, der Flucht und Migration nach. Er selber hat den Boom der Karl-May-Filme (die in Jugoslawien gedreht wurden) nicht erlebt. Und doch taucht in seinem neusten Buch Karl May und Winnetou auf.

"Jugoslawien war....Landschaftskulisse für Italowestern, das grandioseste Genre, sofern man Karl May und Pistolengefechte so liebte, wie ich als Kind und Nena Mejrema die ernsten Augen des sehr schmutzigen Clint Eastwood." 

In der deutschsprachigen Belletristik taucht der Kosmos (vor allem die Figuren) von Karl May häufig auf, meist aber bei Autoren, die mit und in diesem Kosmos sozialisiert wurden. Zum letzten Mal die Generatio, die in den 60er Jahren im Teenager-Alter war. Bei jüngeren Autorinnen und Autoren finden wir Namen und Anspielungen aus der Karl-May-Welt eher selten. Andere Trends stehen da im Vordergrund. Saša Stanišić definiert seine Heimat (Jugoslawien), als ein Land, das es nicht mehr gibt, unter anderem mit einer Landschaft, wo die Karl-May-Filme gedreht wurden. Dabei beschreibt er die ganz normale Situation einer Familie, in der die Eltern "aus einer serbischen (Vater) bzw. einer bosniakisch-Muslimischen Familie stammten (Mutter). Ich war ein Kind des Vielvölkerstaats, Ertrag und Bekenntnis zweier einander zugeneigter Menschen, die der jugoslawische Melting Pot befreit hatte von den Zwängen unterschedlicher Herkunft  und Religion." Und er folgerte daraus: "Ich war Halbblut. Ich las Winnetou".

23. Juli 2020

 

Kreuzworträtsel-Wissen

Zum Thema: Karl May

 

 Schon seit längerer Zeit befasse ich mich intensiv mit dem Thema "Karl May im öffentlichen Bewusstsein", also mit einem Schlüsselthema zur Frage, ob Karl May heute noch präsent ist im öffentlichen Diskurs oder bereits «vergessen und verschwunden»?

Zu meine Karl-May-Sammlung – typisch Sammlertrieb – gehören auch neue Zeugnisse, wo und wie heute der «Kosmos» von Karl May auftaucht: in den Tageszeitungen, den Magazinen, den Social Media, dem Fernsehen…

Zu diesen Zeugnissen – oft sind es nur Randnotizen oder Dokumente, die mit dem Werk von Karl May nichts oder wenig zu tun haben. Dazu gehört ganz wesentlich das sogenannte «Kreuzworträtsel-Wissen».
«Kreuzworträtsel-Wissen». eine Kategorie von Begriffen, bei dem es nicht um ein Thema geht, als vielmehr um Kenntnisse, wie und wo der Begriff anzuwenden oder von einem anderen Begriff abzugrenzen ist. Dabei wird allein auf eine Frage hin, nach einem bestimmten Wort oder Begriff gefragt. Die funktioniert nur, wenn das gesuchte Wort im allgemeinen Bewusstsein noch verankert ist, denn Erklärungen, Hinweise oder Ausführungen dazu gibt es – ausser in der Fragestellung – kaum.

Da Quizrätsel (Preisrätsel) im "Tages-Anzeiger" vom 22. Juli 2020 umfasst sechs Fragen. Die dritte Frage befasst sich mit den Karl-May-Filmen der 60er-Jahre. Vorausgesetzt wird also, dass man um diese Filme wweiss oder gehört hat. Natürlich lässt sich "Kreuzworträtsel-Wissen" rasch und einfach googln"googeln". Wie in all diesen

Kurzrätseln - hier wird sechs Mal der Anfangsbuchstabe des Lösungsworts erfragt - geht es nicht um inhaltliches Wissen, als vielmehr um das Aufspüren (Schnitzeljagd!) von einschlägigen Begriffen. Dabei werden - um den Unterhaltungswert zu sichern - einfach Begriffe, Namen etc. abgefragt, die irgendwo im öffentlichen Gedächtnis noch verwurzelt sind. Wenn alle erfragten Begriffe on Wörterbüchern oder in Suchmaschinen nachgeschlagen erlahmt das "Jagdvergnügen" der Teilnehmer rasch. Es braucht auch das Erfolgserlebnis im eigenen gespeicherten Wissen (Erfolgserlebnis, Bestätigung!)

05. Juli 2020

 

Öffentliches Gedächtnis:

 

Karl May in Jugend- und Kinderbüchern

 

Seit Jahren befasse ich mich mit dem Thema "Karl May im öffentlichen Bewusstsein" und ich habe auch einen Teil meiner Karl-May-Sammlung diesem speziellen (und wichtigen) Thema gewidmet. Es sind vor allem Zeitungsartikel, Zitate, Produkte die Begriffe aus dem Karl-May-Kosmus verwenden etc. Dabei stosse ich immer wieder auf neue Beispiele und Hinweise auf den Mythos den Karl May in seinem Werk geschaffen hat. Heute drei Jugend- oder Kinderbücher, die in ganz unterschielichem Zusammenhang - meist nur sehr kurz - die "Welt" von Karl May ansprechen und aufleben lassen.


  • Ursula Bruns: "Hindernisse für Huberta". Das Buch und die Zitatstelle habe ich hier bereits besprochen.
  • Klaus Schädelin; "Mein Name ist Eugen", In der Schweiz ein Klassiker. Inzwischen bereits in der 31. Auflage (und verfilmt) 
  • Guido Strebel - Rachela und Roy Oppenheim: "Papa Moll hat Geburtstag", 
    Band 8. Geschichte auf Seite 49.

Hier die Textstellen und Bilder in den andern beiden Büchern

"Mein Name ist Eugen"

Links die Textstelle. Die Einordnung und Besprechung in Bezug auf "Öffentliches Gedächtnis folgt hier..

"Papa Moll hat Geburtstag" (Band 8)

Seit 1975 erscheinen die Bücher im Globi-Verlag in Zürich. Bis Frühling 2012 gab es 24 Papa-Moll-Klassik-Bände. Die Besprechung und Einordnung folgt hier,


23. Juni 2020

 

Öffentliches Bewusstsein:

 

Ursula Bruns

Hindernisse für Huberta

 

Herder Verlag, Freiburg im Breisgau. 10. Auflage - 1966

Erstauflage 1950? - Erstlingswerk von Ursula Bruns


Das Pferd von dem Teenager Huberta heisst zwar Muschik, hat aber die Eigenschaften des Pferds von Old Shatterhand, das ihm Winnetou geschenkt hat.

"Im Grunde begann alles mit Phantasie, Gedächtnis und produktiver Neugier. Genauer gesagt: 1949 unterhielt ich mich mit dem großen alten Mann der deutschen Reiterei, Gustav Rau, über einen Plan zu einem neuen Buch. Er hatte meinen Erstling, „Hindernisse für Huberta", kenntnisreich und sehr begeistert besprochen ... ")Zitat: Taunusreier, 2016)

 

Ursula Bruns (1922-2016)

Expertin für Pferde und Reitmethoden. Seit den 50er Jahren schrieb sie Sach- und Jugendbücher rund ums Pferd Daneben heitere Romane und Erzäh-lungen, die es teils auf hohe Auflagen brachten.  Ihre Immenhof-Saga wurde durch die Verfilmung ein Jugendbuch-Klassiker. In ihrem Erstlingswerk "Hindernisse für Huberta" wird Karl May und sein "Hatatitla" (das Pferd von Old Shatterhand zitiert. Weiterlesen hier

Zu einer Zeit als Karrl May weitgehend als "Schund" gegolten hat und die "Buben" seine Abenteuer "unter der Bettecke" lesen mussten, hat Ursula Bruns in ihrem ersten Jugendbuch "Hatatitla" zum Traum der Mädchen gemacht. "Hab' ich auswendig gelernt"

Auch in der Passage eines Phantasie-Rittts von Huberta und ihrer Freundin wird die innige Beziehung zum Pferd und die Welt des Wilden Westens mit den Indianern ziemlich nache am Kosmos von Karl May (und seinem Wilden Westen) erzählt, Muschik hat wirklich die Eigenschaften von Hatatitla

02. Dezember 2019

 

Kollektives Gedächtnis

Thema Karl May

 

Das «Karl-May-Gefühl»

Thilo Miaschke  (Bild: Screenshot ZDF)
Thilo Miaschke (Bild: Screenshot ZDF)

In der Sendung Markus Lanz vom 27. November 2019 war der Journalist Thilo Mischke zu Gast. Er sprach von einem "Karl-May-Gefühl" bei seinen jüngsten Erlebnisse an der IS-Front in Syrien. Auf die Frage: "Wie kommt man als Journalist - unerkannt - in den Irak oder nach Syrien?" antwortete der Tilo Mischke, der für die Sendung «Uncovered» (Pro Sieben) arbeitet: "In Syrien kann man sich (wenn man einmal dort ist) frei bewegen. -Es ist so etwas wie "Wildwestland", wie es sich Karl May vorgestellt hat, mit Globalisierung des 21.Jahrhunderts und Krieg und Tod. Ja ein Karl-May-Gefühl macht sich da so breit."
Dieses Zitat wurde dann auch prompt von der Presse aufgegriffen. So auf dem Schweizer Online-Nachrichtenportal "watson" am 28. November 2019 unter dem Titel: "Reporter trifft deutsche «IS»-Anhängerin – Gespräch lässt ihn verstört zurück".

Die ganze Sendung "Markus Lanz" im ZDF mit der kurzen Karl-May-Erwähnung hier.

(Sendung vorfahren bis zur Stelle 31´10")

23. November 2019

 

Kollektives Gedächtnis

Boulevard "Bild Dplus" (online)

 

Pierre Brice als Drogen-Kurier
                               missbraucht

Im Online-Magazin von "BILDplus" - nur im Abonnement zu lesen, am 22. November 2019 eine Geschichte zum Thema Pierre Brice (mit Winnetou-Foto).


2,5 KILO HEROIN IM AUTOREIFENPierre Brice als Drogen-
Kurier missbraucht

 

Vier Jahre nach dem Tod des großen Pierre Brice ordnet Witwe Hella noch immer seinen Nachlass. Und stieß auf ein dunkles Kapitel!

"In jeder Fotokiste und jedem Karton steckt die Erinnerung an ihre große Liebe – aber diesmal auch ein kleiner Schock …Vier Jahre nach dem Tod des großen Pierre Brice († 86) ordnet Witwe Hella (70) noch immer seinen Nachlass. Und stieß auf ein dunkles Kapitel ihrer gemeinsamen Zeit!

Lesen Sie mit BILDplus, wie das Paar 1981 ins Visier von Drogenfahndern geriet, ohne es zu bemerken – und wer der Kriminelle war, der Drogen in Pierre Brice’ Autoreifen versteckte."

Das öffentliche Bewusstsein ist auch ein wichtigges, typisches Element der Boulevardpresse. "Personalisieren" heisst eines der sieben zentralen Boulevard-Kriterien. Geschichten werden "personifiziert" und dann aufgenommen, wenn die Person, die es betrifft auch wirklich "im öffentlichen Gedächtnis" ist. Die Story kann auch unaktuell und sogar unwichtig sein, durch den Namen (und vor allem auch durch Bild und grosser Schlagzeile) muss jeder Tag um die Aufmerksamkeit des Publikums "gekämpft" werden, weil die Zeitung jeden Tag (am Kiosk) gekauft werden muss (sogenannte Kaufzeitung), Im Internetauftritt gelten ähnliche Gesetze.

Eigentlich ist dies eine sogenannte "Null-Geschichte", die nur "funktioniert" wenn auch sichergestellt ist, dass eine beträchtliche Mehrheit der Leser zumindest wissen wer Pierre Brice ist und mit dem Namen und dem Bild unbewusst sofort einen ganzen Film-und Karl-May-Kosmos abrufen.

Schon vor einem Jahr, am 09. Oktober 2018, titelte Bild: "So haben Sie Winnetou noch nie gesehen." Damit ist das Thema lanciert. Die neue Story ist eine "Fortsetzung" in gleicher Aufmachung. Auch dies gehört zum Bouleward. Hier der Text von damals:

"Es ist ein Blick zurück in eine große Zeit des Kinos und in das Privatleben einer Legende" … 50 Jahre nach dem letzten Winnetou-Klassiker im Kino hat die Witwe von Pierre Brice (†86) in seinem Nachlass einen Schatz von unermesslichem Wert entdeckt: alte Briefe, Briefe, Verträge und Kameras mit bisher nicht entwickelten Filmen.

Lesen Sie mit BILDplus, was alles zum Vorschein kam ‑ und staunen Sie über die unbekannten Einblicke in das Leben von Pierre Brice. Hier der Link zum früheren Text